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TEST KNETE : FORM SCHÖN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2018 vom 28.12.2017

Ein paar Stangen farbige Knete und ein Tisch. Mehr braucht es nicht, um Kinder stundenlang pädagogisch wertvoll zu beschäftigen. Knetmasse könnte also das perfekte Spielzeug sein – wenn wir nicht in zwölf von 15 Produkten bedenkliche Stoffe gefunden hätten.


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Foto: aydinynr/getty images

Am Anfang waren ein Tisch und ein paar bunte Stangen Knete. „Das hat ausgereicht“, erzählt Animationskünstler Jürgen Kling. „Ich mag die Eigenschaften der Knetmasse, wie sie sich in den Händen verformen lässt.“ Das Schnörkellose, mit dem schnell und direkt Figuren entstehen, Kulissen, ganze Welten, hat ihn von klein auf ...

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... gepackt und – über Umwege – zum Profi für Trickfilme im Stil von „Shaun das Schaf“ gemacht. Diese Faszination erkennt er auch bei knetenden Kindern: „Ganz einfach, ohne Hilfsmittel, erschaffen sie kleine, dreidimensionale Figuren. Im Zentrum steht immer die eigene, fast grenzenlose Fantasie.“

Knete ist bunt, sie riecht, ist am Anfang kalt, wird dann in der Hand warm, weich und verformbar. Hände, Nase, Augen – die Masse spricht mehrere Sinne an. Was Pädagogen als spielerisches Motoriktraining bezeichnen, ist für den 42-Jährigen die ursprünglichste Form des Spiels. „Vergleichbar mit dem Sandkasten.“ Die Kleinsten legen mit simplen Knetklötzen los; bald entstehen bunte Tiere, Menschen und grobe Gegenstände. Je älter die Kinder werden, desto filigraner werden ihre Figuren: Knete liefere immer wieder kleine Erfolgserlebnisse. Es gibt kein gut oder schlecht, nichts, das falsch zusammengepappt werden könnte. „Vor den Augen entsteht ständig Neues, mit den eigenen Händen. Diese Erfahrung ist unmittelbar.“ Für Kling ist die weiche Masse nur ein Material unter vielen, aber eben ein sehr wichtiges. „Manchmal mag ich das Gefühl der Knete auf der Haut gar nicht. Sie ist für meine Zwecke aber einfach ideal. Das Resultat zählt.“ Seine Trickfilme sind einfallsreich, spielen manchmal mit ästhetischen Grenzen. Er animiert Horrorszenen ebenso wie die singenden Langohren in Rolf Zuckowskis Musical „Rolfs Hasengeschichte“.


Hände, Nase, Augen – Knete spricht beim Spielen gleich mehrere Sinne auf einmal an.


Ist bei Kindern die Faszination am Kneten geweckt, werden weitere Fähigkeiten wie Geduld und Konzentration geschult. Denn detailreiche Figuren entstehen nicht mal eben so, zeigt der Animator in seinem Studio. Beim Blick über seine Schultern wird klar, wie wichtig Fingerfertigkeit, räumliches Denken und Gespür für Proportionen sind. Das alles gibt Jürgen Kling inzwischen in Workshops an Erwachsene und Kinder weiter. Und auch dazu braucht es anfangs nicht mehr als einen Tisch und einige Stangen bunte Knete.

Damit Kinder das Spiel mit der weichen Masse genauso genießen können wie Profi Jürgen Kling, haben wir 15 Knetmassen in die Labore geschickt.

Nicht immer sauber: Der Großteil der getesteten Knetmassen enthält einen oder mehrere bedenkliche Inhaltsstoffe. Diese können unter anderem in den Farbbestandteilen stecken.


Foto: ridvan_celik/getty images

DAS TESTERGEBNIS

Dreimal sehr gut: Nur drei der 15 getesteten Knetmassen sind frei von bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffen und somit „sehr gut“. Am Ende der Bewertungsskala landet eine „ungenügende“ Knete. Acht Modelliermassen sind „befriedigend“, drei „mangelhaft“.
Schmeckt uns gar nicht: Alle getesteten klassischen Kneten in farbigen Stangen enthalten aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, sogenannte MOAH. Unter den MOAH können Verbindungen sein, die schon in kleinsten Mengen als krebserregend gelten, einige gelten als erbgutschädigend. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes werten wir den Nachweis der aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe daher ab. Dadurch sind viele der noch 2013 als „sehr gut“ getesteten Kneten nun nur noch „befriedigend“. 2013 war die Datenlage zu MOAH noch gering, die Analysetechnik unpräzise. Daher verzichtete ÖKO-TEST seinerzeit auf MOAH-Untersuchungen in Knete. Heute sind Forschungsstand und Untersuchungsmöglichkeiten deutlich weiter.
Zu bunt: Auch bei aromatischen Aminen hat die Analysetechnik deutliche Fortschritte gemacht. 2013 hat die von unserem Labor genutzte Methode kein Anilin in der damals untersuchten Stylex-Knete nachgewiesen. Durch eine deutlich feinere Analytik hat das Labor nun in einer Mischprobe aus vier farbigen Stangen in der Stylex Knete, 10 Farben den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein festgestellt: Nach genauerer Untersuchung der Einzelfarben entdeckten wir in gelber und grüner Knete Anilin im für uns abwertungsrelevanten Bereich. Für Anilin gibt es in Knete keinen gesetzlichen Grenzwert. Auch zu Anilin hat ÖKO-TEST eine klare Haltung: Dieser Stoff gehört nicht in Spielzeug.
Unbelehrbar. Anbieter Hasbro bleibt stur: Zum dritten Mal in Folge weisen wir in einer seiner Knetmassen Formaldehyd/-abspalter nach: Diesmal in der Play-Doh Schulknete, 4 Becher. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen kann. Auch in der Toy-Place Soft-Knete, 5 Farben der Drogeriemarktkette Müller stecken Formaldehyd/-abspalter. Für uns ist das nicht akzeptabel. Dass es ohne geht, zeigen alle anderen Anbieter.
Steter Tropfen: Anders als Hasbro scheint es lernfähige Hersteller von Knete zu geben. So steckte im Test aus dem Jahr 2013 in zwei Feuchtmann-Produkten der Konservierungsstoff Propylparaben. Wenige Wochen nach Veröffentlichung hatte der Hersteller seine Rezeptur umgestellt. Der Feuchtmann Juniorknet war nun propylparabenfrei und somit „sehr gut“. Auch im aktuellen Test enthält keine der beiden von Feuchtmann hergestellten Produkte – Wehrfritz Knetmasse, rot/gelb/grün/blau einzeln und Jako-O Kinder-Soft-Knete, 4 Dosen – bedenkliche oder umstrittene Konservierungsstoffe.


Alle getesteten Stangenkneten enthalten MOAH. Formaldehyd ist bei Softknete weiterhin ein gewichtiges Thema.


Handelsüblich: Animationskünstler Jürgen Kling greift für seine Trickfilme meistens auf ganz normale Knetmasse zurück, mit der Kinder auch im Kindergarten spielen.


Foto: Stephan Kümmel/ÖKO-TEST

SO REAGIERTEN DIE HERSTELLER

Einmal mehr weist HerstellerHasbro uns darauf hin, dass der Wert von Formaldehyd/- abspaltern in der Play-Doh Schul-Knete, 4 Becher „um ein Vielfaches die gesetzlichen Regelungen“ unterschreite. Eine Abwertung hält er „für eine Irreführung und unnötige Verunsicherung des Verbrauchers“. Hasbro scheint einfach nicht zu verstehen, wo rauf es uns ankommt: Krebsverdächtiges Formaldehyd und Stoffe, die Formaldehyd abspalten können, gehören nicht in ein Kinderprodukt. Punkt.
Stylex kann das Ergebnis unserer Prüfung auf Anilin nicht nachvollziehen. Die Rezeptur sei seit dem Knete-Test 2013 nicht verändert worden. Damals war die Knete anilinfrei. In zum aktuellen Test durchgeführten Gegengutachten haben die von Stylex beauftragten Labore in chargengleichen Proben kein Anilin nachgewiesen. Die Testmethoden unterscheiden sich von der unseres Labors aber leicht. Da unsere Ergebnisse mehrfach abgesichert sind, werten wir den Farbstoffbaustein ab.
Pelikan arbeite bereits daran, den Anteil an aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) in der Knete zu reduzieren. „Wir arbeiten derzeit noch an der allgemeinen Gebrauchsfähigkeit der Knetmasse und planen die Markteinführung der MOAH-reduzierten Knetmasse in 2018 für die Marken Pelikan und Herlitz“, teilt das Unternehmen mit.
Becks Plastilin zeigte sich auf ÖKO-TEST-Nachfrage sehr kooperativ und legte – vertraulich natürlich – die Rezeptur seiner Becks Plastilin Knetmasse, 10 Stangen offen. Das Unternehmen wolle sichere Produkte anbieten und sei daher sehr interessiert, woher das MOAH in der Knete stammt, so ein Firmensprecher telefonisch. Außer Becks legte nur Eberhard Faber seine Rezeptur offen. Alle anderen antworteten entweder gar nicht oder verweigerten uns Angaben zur Zusammensetzung der Knete.

KOMMENTAR : KENNZEICHNUNGSPFLICHT IST ÜBERFÄLLIG

Es wird höchste Zeit, dass die Hersteller von Knetmassen endlich die Inhaltsstoffe auf der Verpackung deklarieren müssen. In allen klassischen Knetmassen haben wir MOAH nachgewiesen. Auf die Schliche gekommen sind wir dem Stoff über die – freiwillige – Auszeichnung der verwendeten Rohstoffe auf einer der Knetpackungen. Darum ist eine genaue Deklaration der Inhaltsstoffe auf der Verpackung überfällig. Geht es um die Sicherheit von Spielwaren für Kinder, dürfen Eltern nicht im Dunkeln tappen. Für Kosmetika und einige artverwandte Spielwaren – etwa Fingermalfarbe – ist eine vollständige Inhaltsangabe längst gesetzlich vorgeschrieben; für Knete nicht. Zu Unrecht, wie unser Test zeigt. MOAH stecken in Erdölbestandteilen. Ob sie verwendet werden, muss für jeden klar ersichtlich sein. Nur so können wir selbst entscheiden, was wir unseren Kindern zum Kneten in die Hände geben. Das ist übrigens keine neue Forderung von ÖKO-TEST. Schon 2013 verlangten wir vom Gesetzgeber klare Regeln zur Kennzeichnung von Knetmasse. Daran hat sich nichts geändert.

Stephan Kümmel, ÖKO-TEST-Redakteur.


Foto: Anja Wägele

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 124.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung (hier: in der Sichtfolie der Umverpackung).2) Der Preis bezieht sich auf ein Set aus fünf farbigen Softkneten im Töpfchen.3) Der Preis bezieht sich auf ein Set aus acht Stangen farbiger Knete.4) Der Preis bezieht sich auf ein Set aus zehn Stangen farbiger Knete.5) Jeweils mehr als 5 mg/kg Anilin in den Farben Gelb und Grün. Der Hersteller legte ÖKO-TEST ein Gegengutachten vor, das die Knete als anilinfrei ausweist. Das Prüflabor nutzte dazu eine abweichende Testmethode.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zu einer Abwertung um vier Noten: a) mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter, untersucht wurde jeweils die Farbe Blau; b) 5 mg/kg und mehr Anilin. Zur Abwertung um zwei Noten führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) der Nachweis von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH), untersucht wurde jeweils die Farbe Blau.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, führt zu keiner Verschlechterung des Gesamturteils.Einkauf der Testprodukte: September 2017.Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de / Suchen / „M1801“ eingeben.

Test und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST RÄT

► Wer die bedenklichen MOAH umgehen will, greift für seine Kinder auf eine der von uns getesteten „sehr guten“ Soft-Kneten zurück.
► Lassen Sie vor allem die ganz Kleinen nicht unbeaufsichtigt und achten Sie darauf, dass die Kinder keine Knete verschlucken.
► Fast alles, was Kinder zum Kneten brauchen, gibt es im Haushalt: Plätzchenformen, ein Nudelholz und vieles mehr. Teure Zusatzprodukte sind dadurch überflüssig.

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf
Wir haben im Fachhandel 15 Kinderkneten gekauft. Zehn klassische Knetmassen in Form farbiger Stangen basieren augenscheinlich auf Plastilin oder ähnlichen wachs- und ölhaltigen Zutaten. Softkneten in Plastiktöpfchen, von denen wir fünf untersucht haben, enthalten zumeist Wasser und eine Stärkeart. Gezahlt haben wir zwischen 1,55 Euro und 8,32 Euro für 200 Gramm Knetmasse.

Die Inhaltsstoffe
Erstmals haben wir Knete auf aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) untersuchen lassen, da klassische Stangenknete oft aus Plastilin und damit aus Mineralölbestandteilen besteht. Wir ließen die Knetmassen auf Konservierungsstoffe untersuchen, darunter Formaldehyd/-abspalter. Schließlich hat ein spezialisiertes Labor überprüft, ob bedenkliche Farbstoffe in der Knete stecken.

Die Bewertung
Rechtens ist uns nicht genug. Bedenkliche und umstrittene Inhaltsstoffe wie Formaldehyd/-abspalter oder Anilin haben in Kinderprodukten nichts verloren. Darum werten wir sie auch dann streng ab, wenn etwaige offizielle Grenzwerte eingehalten werden.

Zumindest rudimentär: Auf zwei Kneten steht drauf, was drin ist. Bei 13 fehlen solche Deklarationen völlig.


Foto: ÖKO-TEST