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TEST Körperöle: Das fettzt


ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 5/2014 vom 02.05.2014

Natürliches Öl kann auf der feuchten Haut nach dem Duschen oder Baden eine Alternative zur Körperlotion sein. In unserem Test läuft es für fast alle Produkte wie geschmiert.


Artikelbild für den Artikel "TEST Körperöle: Das fettzt" aus der Ausgabe 5/2014 von ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Fuse/Thinkstock

Ob geschmiert oder gesprüht: Pflegeöl hebt den Wohlfühlfaktor. Und natürliche Öle machen die Haut nicht nur geschmeidig, sie reduzieren auch den Verlust an hauteigener Feuchtigkeit. Ihre Bestandteile ähneln den Hautfetten und sie fügen sich deswegen besonders gut ein. Das Gerücht, dass Öl die Poren verstopft, hält sich zwar hartnäckig, ist, was natürliche Öle betrifft, laut Dr. Uta Schlossberger, niedergelassene ...

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... Hautärztin in Köln und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), aber „ein Märchen“.

Die Produktvielfalt ist groß, das zeigt der aufmerksame Blick ins Drogeriemarktregal. Es gibt Artikel, die zu 100 Prozent aus einem natürlichen Öl bestehen – ohne jegliche Zusatzstoffe. Außerdem bieten die Kosmetikfirmen Gemische aus verschiedenen Pflanzenölen an, andere wiederum Mixturen, die mit ätherischen Ölen, Duftstoffen oder Kräuterextrakten angereichert wurden.


Attraktiv: Viele Körperöle bestehen zu 100 Prozent aus pflanzlichen Ölen


Der Aufbau und die Eigenschaften pflanzlicher Öle unterscheiden sich – und damit auch ihr Wirken: Die Fettsäurezusammensetzung des Macadamianussöls beispielsweise ähnelt der des menschlichen Hauttalgs. Das Öl soll besonders trockener und sensibler Haut helfen. Distelöl hingegen pflegt vor allem fettige Haut. Der Linolsäureanteil ist hoch, weswegen das Öl recht schnell einzieht.

In der Regel dauert es nämlich eine Weile, bis die Haut das Öl aufgenommen hat. Wohl auch deshalb verkaufen einzelne Hersteller „Trockenöl“, es soll besonders schnell einziehen. Wir wollten wissen, was sich dahinter verbirgt: Heike Käser beschäftigt sich intensiv mit Pflanzenölen und pflegt nicht nur ihre Haut, sondern auch die Website www.olionatura.de. Sie erklärt: „Im Chemie-Standardwerk Römpp wird zwischen nichttrocknenden, halbtrocknenden und trocknenden Ölen unterschieden.“ Trocknende Öle, dazu zählen beispielsweise Leinöl und Nachtkerzenöl, enthielten besonders viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Die seien sehr wertvoll, sagt Käser: „Denn die Haut kann sie besonders gut aufnehmen.“ Hersteller Melvita gibt auf Anfrage denn auch an, für sein „Trockenöl“ Öle zu verwenden, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind.

Unter Dermatologen ist der Begriff „Trockenöl“ allerdings umstritten: „Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Studien, nur die Informationen, die die Hersteller herausgeben“, erklärt Dr. Uta Schlossberger. Auch Professor Johannes Wohlrab, Leitender Oberarzt der Dermatologie am Universitätsklinikum Halle (Saale), sagt, der Begriff „Trockenöl“ sei nicht definiert und „mehr oder weniger eine Bezeichnung, die aus dem Marketing kommt“. Von der Aufschrift „Trockenöl“ sollte sich der Verbraucher sicher nicht zu viel versprechen.

Aber feststeht, dass es Öle gibt, die aufgrund ihrer Zusammensetzung und des Aufbaus der einzelnen Inhaltsstoffe besser einziehen als andere. Massageöle beispielsweise sollen ja sogar lange auf der Haut bleiben, dafür kommen fettige Öle wie Oliven- oder Avocadoöl infrage. Wichtig bei Hautpflegeöl ist laut Schlossberger, dass es überhaupt einzieht. Denn sonst legt es sich wie ein Film auf die Haut.

Wir haben 19 Körperöle, darunter zertifizierte Naturkosmetik, in Labore geschickt und die Inhaltsstoffe überprüfen lassen.

Das Testergebnis

■ Was die Inhaltsstoffe angeht, können Sie sich sorglos einölen – mit fast all unseren getesteten Produkten. Sie enthalten natürliche Rohstoffe, viele sind Mischungen aus verschiedenen Pflanzenölen. Die Hersteller verzichten allesamt sowohl auf bedenkliche polyzyklische Moschus-Verbindungen als Duftstoffe als auch auf umstrittene halogenorganische Verbindungen, um die Öle zu konservieren. Wir vergeben 17-mal die Note „sehr gut“, das schlechteste Produkt schneidet mit „befriedigend“ ab.
■ Allergiker aufgepasst: Weiche Haut dank Naturstoffen – das ist schön und gut. Aber auch der betörende Duft kommt natürlich nicht von ungefähr. Alle getesteten Produkte mit Ausnahme des Müller Pflanzenkosmetik Jojoba-Öls enthalten Parfüm und ätherische Öle. Kritisch sehen wir allerdings nur einen Fall: Im Alterra Körperöl Limette & Olive von Ross-mann hat das Labor den allergieauslösenden Stoff Isoeugenol nachgewiesen. Besonders ärgerlich: In der Liste der Inhaltsstoffe auf der Verpackung ist Isoeugenol gar nicht angegeben.
■ Das Ginger Gloss Smoothing Body Oil von Origins werten wir um eine Note ab, weil es Silikonöl enthält. Anders als pflanzliche integrieren sich synthetische Öle nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut.

Fett gedruckt sind Mängel.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 142.
Glossar: siehe Seite 144.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Mangel Inhaltsstoffe: Duftstoffe, die Allergien auslösen können (Isoeugenol). 3) Mangel Inhaltsstoffe: Paraffine/Erdölprodukte/ Silikone. 4) Das Produkt ist als einziges Öl im Test frei von Parfüm/ätherischen Ölen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um zwei Noten führen: Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Isoeugenol). Zur Abwertung um eine Note führen: mehr als ein Prozent Paraffine/Erdölprodukte/ apolare Silikonverbindungen. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: ein Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „T1405“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 11/2013. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Expertin

Auf feuchte Haut auftragen

Foto: privat

„Trockene Haut nimmt Körperöl nicht gut auf. Deswegen sollte es nach dem Duschen oder Baden auf die noch feuchte Haut aufgetragen werden. Denn wenn es mit Wasser in Kontakt kommt, entsteht eine Öl-Wasser-Emulsion, die gut einzieht.“

Dr. Uta Schlossberger , niedergelassene Hautärztin in Köln und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen

ÖKO-TEST rät

■ Am besten erst mal ein Pröbchen mitgeben lassen, um zu testen, ob man das Körperöl gut verträgt und ob es gut einzieht.
■ Silikone und Erdölprodukte im Hautöl integrieren sich nicht gut ins Gleichgewicht der Haut. Erkennbar sind diese auf der Liste der Inhaltsstoffe an Begriffen wie Paraffinum, Micro crystalline Wax, Petrolatum, Mineral Oil, Ceresin, Polyisobutene oder Dimethicone.
■ Einige natürliche Öle, beispielsweise Weizenkeimöl, sind reich an Vitamin E – und das unterstützt die Wundheilung und pflegt Narben.
■ Natürliches Öl tut auch dem Haar gut – allerdings in geringen Mengen, damit es gepflegt und nicht fettig aussieht. Ein Körperöl kann aber auch als Haarmaske verwendet werden – dann wirkt es länger ein, muss aber anschließend herausgewaschen werden.