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TEST Kompakte Deosprays: Anrüchig


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2016 vom 09.06.2016

Die kleinen kompakten Deosprays halten genauso lange wie herkömmliche Achselsprays und zwei Produkte sind insgesamt empfehlenswert. Das zeigt unser Test. Dennoch gibt es gute Gründe, um auf Deos aus der Aluminiumdose zu verzichten.


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Foto: Josep M Suria/iStock/Thinkstock

Der Trend zum Kompakten hat nach Wasch- und Spülmitteln jetzt auch das Deoregal erreicht. Der Konzern Unilever bietet aktuell sogenannte „Compressed Deos“ an und verspricht: 20 Prozent weniger Aluminium in der Verpackung und eine Halbierung beim Treibgas. Der Konzern ist so überzeugt von seiner neuen Technologie, dass er sie sogar kostenlos ...

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... anderen Unternehmen überlässt, „um die Umweltauswirkungen der Branche zu reduzieren“.


Für die Aluminiumdose wird tropischer Regenwald abgeholzt


Die aktuellen „Compressed Deos“ enthalten ein überarbeitetes Sprühsystem. Das neue Ventil versprüht trotz halber Ration Treibgas die gleiche Menge Inhalt wie ein herkömmliches Ventil. So kommt mit jedem Sprühstoß genauso viel in den Achseln an wie mit einem normalen Deospray. Und deshalb soll die 75-ml-Dose genauso lange halten wie die 150-ml-Dose.

Mittlerweile hat nicht nur Unilever, sondern haben auch weitere Unternehmen diese neuen Kompaktdeos im Angebot. Grund genug, uns die Produktgruppe einmal genauer anzusehen.

Die Aluminiumproduktion gehört zu den stromfressendsten Industrien und verbrauchte 2013 drei Prozent der weltweiten Energie. Auch fällt dabei das giftige Nebenprodukt Rotschlamm an.

Aluminium wird aus dem Rohstoff Bauxit gewonnen, das überwiegend über

Tage in Australien, China, Brasilien, Indien und Guinea gefördert wird. Organisationen wie Misereor und das Südwind-Institut betonen, dass der Abbau und die Verarbeitung von Erzen wie Bauxit mit Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen einhergehen. Zwar werden hohe Sozialstandards in den Bauxitminen Australiens eingehalten. In Brasilien oder Guinea sieht das aber schon anders aus, wie auch die Autoren von zwei Fallstudien im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) berichten.

Beispiel Brasilien: Die größten Bauxitvorkommen liegen im Bundesstaat Para. Für den Bauxitabbau, den Bau von Staudämmen, die Strom für die Verhüttung von Aluminium produzieren, und die erforderlichen Stauflächen wird Amazonasregenwald abgeholzt. Zudem gehen Konflikte rund um Umsiedlungen und den Dammbau mit Menschenrechtsverstößen einher.

Beispiel Guinea: Im Jahr 2014 importierte Deutschland knapp 92 Prozent seines Bauxitbedarfs aus dem afrikanischen Land wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aktuell berichtete. Laut UBA-Bericht ist in dem Land die Korruption hoch, die Rechtsstaatlichkeit schwach und die Regierungsführung schlecht. Das sind keine gute Bedingungen dafür, dass Arbeits- und Menschenrechte beim Bauxitabbau eingehalten werden. Auch hier muss für den Bauxitabbau und die dafür notwendige Infrastruktur primärer Regenwald gerodet werden. Ein weiteres Problem: Nur ein geringer Anteil der Wertschöpfung findet in Guinea statt. Bauxit wird lediglich abgebaut. Dabei steigt der Wert um das Fünffache, wenn Bauxit zu reinem Aluminium weiterverarbeitet wird.

Die Unternehmensverantwortung wurde bei der Produktion des Halbmetalls lange vernachlässigt. „Hier stehen wir am Anfang und sind 10 bis 15 Jahre hinter der Diskussion im Lebensmittel- und Bekleidungssektor hinterher“, erklärt Jan Kosmol, der Mitarbeiter des UBA ist. Die Aluminiumindustrie stellte sich erst im Jahr 2012 diesem Thema und gründete die Aluminium Stewardship Initiative (ASI). Zwei Jahre später veröffentlichte sie Standards für Transparenz, Umwelt sowie Arbeits und Menschenrechte. Bis aber zertifiziertes Aluminium verfügbar sein wird, wird es dauern: „Wir wollen das Zertifizierungsprogramm Ende 2017/Anfang 2018 starten“, erklärt Fiona Solomon, die Geschäftsführerin von ASI ist.


Arbeits- und Menschenrechtsverstöße bei der Aluminiumproduktion


Doch was tut die Kosmetikindustrie für den Einsatz von verantwortungsvoll produziertem Aluminium? Auf der Mitgliederliste unteralumi nium-stewardship.org ist zumindest kein Kosmetikunternehmen zu finden. Daher haben wir große Anbieter gefragt, wie sie dafür sorgen, fair produzierte Artikel aus Aluminium zu beziehen. Der Kosmetikriese Coty antwortete pauschal: „Die Verwendung von Rohstoffen und Materialien erfolgt auch unter Abwägung von technischen, wirtschaftlichen und Umweltgesichtspunkten.“ Transparenter verhielten sich die Unternehmen Beiersdorf und Henkel sowie der Dis counter Norma. Sie nannten uns Lieferanten für Aluminiumdosen, die bereits Mitglieder der ASI sind. Der Drogeriemarkt Budnikowsky schrieb, man werde „in Zukunft nur noch mit Lieferanten zusammenarbeiten, die Mitglied in der ASI sind“. Die Unternehmen L’Oreal, Unilever, Müller Drogeriemarkt, Dm und Rossmann sendeten uns allerdings keine konkrete Antwort.

„Die Aluminium Stewardship Initiative darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verbrauch von Aluminium reduziert werden muss und idealerweise so zurückgefahren werden sollte, dass man mit Recyclingmaterial den Bedarf decken kann“, sind Experten wie Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut der Ansicht. Warum nicht mehr Sekundäraluminium verarbeitet wird, erklärt Christian Lehmann vom UBA: „Ein sortenreines Recycling erfolgt bislang nur in Einzelfällen, beispielsweise bei Fensterrahmen. Werden die Legierungen nicht sortenrein recycelt, so ist das daraus gewonnene Recyclingaluminium nur eingeschränkt verwendbar.“

Foto: Josep M Suria/iStock/Thinkstock

Auch wenn Unternehmen wie Unilever an der Optimierung von Aerosoldosen aus Alu arbeiten, sollte man nicht darüber hinwegsehen, dass im Verpackungsbereich mit einem Anteil von zehn Prozent das meiste Aluminium nach dem Verkehrs- (47 %) und Bausektor (14 %) eingesetzt wird. Zwar hat die Aerosoldose in den vergangenen 25 Jahren mit 28 Prozent deutlich an Gewicht verloren, aber gleichzeitig wurden zahlreiche neue Aerosolprodukte wie Rasierschaum, Haartönungen, Sonnenschutzmittel und kürzlich sogar Duschschaum und Körperlotionen auf den Markt gebracht.

Unterm Strich spricht alles für Deos in Verpackungen aus Glas und Kunststoff. Beide Materialien haben in Deutschland vergleichbar hohe Recyclingquoten. Konflikte wie Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte, die Regenwaldzerstörung, Umweltprobleme durch gesundheitsgefährdende Emissionen und giftige Nebenprodukte sowie ein hoher Energieverbrauch bei der Aluproduktion werden auch in naher Zukunft nicht gelöst sein.

Wir haben sieben Kompaktdeosprays eingekauft und in Laboren auf problematische Stoffe untersuchen lassen. Darüber hinaus haben wir die Versprechen zur Ergiebigkeit und Wirkung unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

■ Ergiebigkeit top, Wirksamkeitsbelege flop: Immerhin zwei „gute“ Deosprays können wir empfehlen. Bei ihnen sind die Inhaltsstoffe einwandfrei, die vorgelegten Studien zur Wirksamkeit haben jedoch Mängel. Schlusslicht im Test ist ausgerechnet ein Markenprodukt.
■ Genauso ergiebig wie ein herkömmliches Deospray. Alle kompakten Deosprays halten genauso lange wie eine vergleichbare Deosprayvariante der gleichen Marke. Die Tester ermittelten die Ergiebigkeit anhand der Anzahl von Zwei-Sekunden-Spraystößen. Die getestetenRexona- und Aveo-Deosprays erwiesen sich sogar als deutlich ergiebiger als die nicht kompakte Variante.
■ Aluminium irritiert. Aluminium steckt imAveo Sensitiv Deospray Compressed und imDusch Das Traumland Anti-Transpirant Compressed nicht nur in der Verpackung, es wird auch als Wirkstoff
eingesetzt. Es verbirgt sich hinter dem Rezepturbestandteil Aluminiumchlorhydrat. Die Verbindung verengt die Poren, weniger Schweiß tritt aus. Sie kann aber auch die Haut irritieren. Zudem sehen Wissenschaftler die Aufnahme von Aluminium über die Haut oder die Nahrung kritisch, da es als neurotoxisch gilt. Laut Analyse überschreitet aber keines der Produkte den Empfehlungswert der französischen Arzneimittelbehörde ANSM von 0,6 Prozent für Deos.
■ Problematischer Duft. Von den eingesetzten Duftstoffen kritisieren wir einzig den Einsatz von Lilial. Dieser Duftstoff hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsgefährdend herausgestellt.
■ Studien zur Wirkung Fehlanzeige. Auf allen Produkten sind Wirkversprechen gemacht wie „24 h Deodorant“ oder „Anti-Transpirant 48 h“. Wir baten die Hersteller, uns Studien vorzulegen, die das tatsächlich belegen. Von Unilever und Rossmann haben wir keine Studien erhalten. Das quittieren wir mit jeweils vier Minuspunkten bei den Weiteren Mängeln. Der Anbieter Unilever hatte uns lediglich angeboten, dass wir solche Studien im Unternehmenssitz in Hamburg einsehen können. Unilever erschwert so völlig unnötig eine Überprüfung von Studien für Wirkversprechen, die per Gesetz verpflichtend sind. Die Studien für die Produkte von Budnikowsky, Müller Drogeriemarkt und Norma wiesen indes Mängel auf, was wir mit jeweils zwei Noten Abzug monieren.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 208.
Anmerkungen: 1) Als Mangel in den vorgelegten Studien werden folgende Punkte gewertet: a) Sniff-Test zur deodorierenden Wirkung: weniger als 20 Probanden und/oder weniger als drei geschulte Experten (Sniffer), darunter Männer und Frauen und/oder bei Unisexprodukt nur männliche bzw. nur weibliche Probanden und/oder Sniff-Test nach ausgelobter Wirkdauer (24 h oder 48 h) nicht signifikant und/oder verändertes Testdesign. b) Gravimetrische Messung der Schweißmenge zur Antitranspirantwirkung: weniger als 30 Probanden und/oder keine mindestens 20-prozentige Schweißreduktion bei 50 Prozent der Probanden nach ausgelobter Wirkdauer (24 h oder 48 h).2) Der deklarationspflichtige Duftstoff Lilial (Butylphenyl Methylpropional) ist deklariert, wurde aber im Labor nicht nachgewiesen.3) Laut Anbieter Rossmann wird das Produkt im Herbst 2016 umgestellt.4) Der Hersteller hat zwei Studien zur Verfügung gestellt, einen Sniff-Test und eine Studie zur Messung der Schweißmenge.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Butylphenyl Methylpropional (in der Tabelle: Lilial). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Aluminiumsalze (hier: Aluminiumchlorhydrat); b) mehr als 1 Prozent apolare Silikonverbindungen (hier Cyclopentasiloxan). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine Studie/n zu Wirkversprechen vorgelegt. Zur Abwertung um zwei Noten führen: Mängel in der/n vorgelegten Studie/n. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen → „N1606“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 06/2016. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Am meisten Aluminium sparen Sie, wenn Sie völlig auf Deos in Aluminiumdosen verzichten. Deos in Glas- oder Kunststoffflaschen, ob als Pumpspray, Roller oder Stick, sind die Alternativen.
■ Meiden Sie Deos und Antitranspirantien mit aluminiumhaltigen Inhaltsstoffen vorsichtshalber. Schließlich kann man nicht erkennen, wie viel Aluminium tatsächlich darinsteckt.