Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Linsen Das ging in die Linsen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2012 vom 26.10.2012

Linsen schmecken in klassischen und modernen Gerichten. Während fast alle Bio-Produkte in unserem Test in Ordnung waren, fielen die meisten konventionell angebauten Linsen unangenehm auf. Die beauftragten Labore fanden darin Glyphosat – dass die Ergebnisse nicht schlechter ausfielen, „verdanken“ die Hersteller einer plötzlichen Erhöhung des Grenzwertes.


Artikelbild für den Artikel "TEST Linsen Das ging in die Linsen" aus der Ausgabe 11/2012 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 11/2012

Linsengericht ist eine Gemeinde in Hessen mit ca. 10.000 Einwohnern.


Foto [M]: Ullrich Böhnke

Die meisten kennen Linsen als traditionelles heimisches Eintopfgericht. Auch in der Vollwertküche gehört die Hülsenfrucht seit Langem dazu. Linsen werden zunehmend ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2012 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 11/2012 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 11/2012 von Neue Produkte: im Test Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 11/2012 von Rezepte: Richtig Gut Genießen: Gesund und lecker. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rezepte: Richtig Gut Genießen: Gesund und lecker
Titelbild der Ausgabe 11/2012 von TEST Die besten Mittel gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit Hauptsache gesund. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Die besten Mittel gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit Hauptsache gesund
Titelbild der Ausgabe 11/2012 von Sexuelle Tabus Geht nicht, gibt’s nicht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sexuelle Tabus Geht nicht, gibt’s nicht
Vorheriger Artikel
Neue Produkte: im Test Tops und Flops
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Rezepte: Richtig Gut Genießen: Gesund und lecker
aus dieser Ausgabe

... aber auch von Feinschmeckern entdeckt. Egal ob ein delikater Salat mit schwarzen Belugalinsen, eine Möhren-Orangen-Suppe mit roten Linsen oder Linsen-Lasagne – die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig.

Vor über einem Jahr sorgten ausgerechnet Bio-Linsen für Negativschlagzeilen. Erstmals im Februar 2011 tauchten Meldungen auf, wonach in Bio-Linsen aus der Türkei größere Mengen des Unkrautvernichters Glyphosat gefunden worden waren. Die Bio-Branche war alarmiert. Vorsorglich wurde ein Verkaufsstopp für türkische Bio-Linsen verhängt und bereits ausgelieferte Ware vom Markt genommen.

Verantwortlich für die Lieferung war der türkische Exporteur Tiryaki. Er ist einer der ganz Großen im Bio-Linsen-Geschäft und beliefert zahlreiche Anbieter in Deutschland. Nach Bekanntwerden der Pestizidfunde musste Tiryaki den Export umgehend stoppen und sich einer umfangreichen Prüfung durch die zuständige Zertifizierungsstelle IMO unterziehen. Die Nachforschungen ergaben, dass es nicht beim Anbau der Linsen zu Schlampereien gekommen war, sondern im Betrieb des Exporteurs selbst. Dort hatte man versehentlich Bio-Linsen mit hoch belasteter konventioneller Ware vermischt. Grund dafür war laut IMO die Nutzung einer Siloanlage mit einem gemeinsamen Fördersystem für Bio- und konventionelle Linsen und nicht immer dicht schließenden Verteilerklappen. Zudem sei Glyphosat für Bio-Linsen überhaupt nicht im Fokus gewesen.

Mittlerweile haben sich die Wogen offenbar geglättet. Zumindest werden Bil-uinsen und auch andere Hülsenfrüchte seit dem Vorfall regelmäßig auf Glyphosat untersucht. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel (BNN) hat zudem ein Monitoringprogramm für Trockenprodukte aufgelegt, das Herstellern die Möglichkeit gibt, sich in einer gemeinsamen Datenbank zu Pestiziddaten auszutauschen. „Wir versprechen uns davon eine schnellere Identifizierung von Problembereichen“, erklärt Kirsten Arp vom BNN. Tiryaki darf laut IMO im Übrigen wieder Bio-Linsen liefern – aber erst nach einer kompletten Reorganisation des Betriebs und dem Aufbau einer räumlich getrennten Verarbeitung und Lagerung von Bio- und konventioneller Ware.


Schlamperei beim Abpacken: Belastete Linsen wurden zu „Bio“-Ware


Glyphosat wurde aber auch in konventionellen Linsen gefunden – nicht selten sogar im Milligrammbereich, wodurch die damals zulässige Höchstmenge von 0,1 mg/kg überschritten wurde und das Produkt nicht mehr verkauft werden durfte. Ein Umstand, den die Agrarlobby nicht lange auf sich sitzen ließ. Sie beantragte eine Importtoleranz und erreichte binnen Kurzem die Heraufsetzung des Grenzwertes um das Hundertfache auf jetzt 10 mg/kg.

Wir wollten wissen, wie es aktuell um Rückstände von Pestiziden in Linsen bestellt ist, und haben 22 Produkte ins Labor geschickt, darunter neun Bio-Marken. Zudem ließen wir prüfen, ob die Linsen ausreichend gut getrocknet sind. Zu feuchte Hülsenfrüchte lassen sich schlechter lagern.

Das Testergebnis

Auf Bio ist überwiegend Verlass. Zumindest wurde der Unkrautvernichter Glyphosat in keiner einzigen Bio-Probe mehr gefunden. Die Rapunzel Troja Linsen trüben allerdings das blitzblanke Abschneiden der Bio-Marken. Denn sie weisen einen Pestizidrückstand über dem vom BNN für Bil-urodukte festgelegten Orientierungswert von 0,01 mg/kg auf, wobei der BNN noch eine Messtoleranz von 50 Prozent einräumt, die das Rapunzel-urodukt nicht überschreitet. Dennoch ist ein solches Ergebnis ein Hinweis darauf, dass im Anbau oder der Verarbeitung etwas schiefgelaufen sein könnte.
Das Thema Glyphosat ist nicht vom Tisch. In acht von dreizehn konventionellen Produkten war Glyphosat nachweisbar, zwar meist nur in geringen Mengen, trotzdem zeigen unsere Testergebnisse, dass der Unkrautvernichter beim Anbau von Linsen weiter eingesetzt wird. Ein Produkt war zudem höher belastet. Nach dem alten Grenzwert hätten die Krini Rote Linsen die Höchstmenge überschritten.
Verbotenes Spritzmittel nachgewiesen. In den Müller’s Mühle Teller Linsen und den Palatina Classic Linsen steckt ein in der EU nicht zugelassenes Unkrautvernichtungsmittel in einer Men ge, die über dem erlaubten Höchstgehalt liegt. Der Stoffheißt Imazethapyr und wird im Linsenanbau in Kanada und den USA eingesetzt, oft in Kombination mit dem WirkstoffImazamox, der in einigen Proben ebenfalls analysiert wurde. Wie gefährlich Imazethapyr ist, wurde von der EU bislang nicht geprüft. Offenbar hatte bislang kein Hersteller Interesse an einer Zulassung des Mittels. Daher fehlt es hierzulande an Daten und Einschätzungen. Die kanadische Gesundheitsbehörde stuft Rückstände in Lebensmitteln als unbedenklich ein. Das Mittel reichere sich allerdings in der Umwelt an.
Verunreinigung mit Mineralöl. Ausgerechnet in den Linsen des französischen Herstellers Sabarot, die eine herkunftsgeschützte Spezialität sind, wies das Labor Mineralöl nach, das wahrscheinlich aus der Pappverpackung stammt. Diese Öle können sich im Körper anreichern. Tierstudien zeigten überdies Hinweise auf Schäden an Leber, Lymphknoten und Herzklappen.

So reagierten die Hersteller

Rapunzel schrieb uns, dass die Testergebnisse im eigenen Haus und zusätzlich von einem unabhängigen Labor geprüft wurden. Grenzwertüberschreitungen konnten nicht festgestellt werden, so der lapidare Kommentar von Rapunzel. Es stimmt zwar, dass die gesetzlichen Höchstmengen eingehalten wurden. Aber warum Bio-Produzent Rapunzel einem Pestizidfund so wenig Beachtung schenkt, hat uns schon gewundert.
Sabarot erklärte, dass der Mineralölrückstand auf eine alte Verpackung aus dem Jahr 2011 zurückgeht. Seit Anfang dieses Jahres habe man den Lieferanten gewechselt, um das Problem abzustellen.
Viani teilte mit, sich verstärkt um eine PVC-freie Lösung für den Klebestreifen bemühen zu wollen.

ÖKO-TEST rät

• I n Sachen Glyphosat hat die Bio-Branche ihre Hausaufgaben erledigt, die Produkte können wieder gekauft werden. Tendenziell sind konventionell angebaute Linsen deutlich stärker mit Pestiziden belastet.
• D ie gefundenen Rückstände an Pestiziden sind in den meisten Produkten zwar gering. Doch viele andere Lebensmittel enthalten ebenfalls Reste solcher Chemikalien, das addiert sich. Deshalb sollten Sie grundsätzlich darauf achten, möglichst unbelastete Ware zu kaufen.

Expertin

Aus den Pestizidfunden gelernt
„Glyphosat in Bio-Linsen, das hat die Branche aufgeschreckt. Mittlerweile haben die Verantwortlichen dazu gelernt: Die Kontrollstelle hat eine vollständige Trennung von konventionellen und Bio-Linsen durchgesetzt, und die Unternehmen untersuchen regelmäßig auf Glyphosat.“

Kirsten Arp vom Bundesverband Naturkost Naturwaren.

Linsen – von grün bis rot, von weich bis knackig

Einweichen meist überflüssig: Linsen lassen sich im Unterschied zu anderen Hülsenfrüchten vergleichsweise einfach zubereiten. So müssen sie nicht zwangsläufig eingeweicht werden, auch wenn es auf mancher Packung steht. Die Garzeiten sind allerdings je nach Sorte unterschiedlich und bewegen sich zwischen 20 und 45 Minuten. Große Exemplare wie Tellerlinsen benötigen mehr Zeit, während kleinere schneller fertig sind. Linsen sollten erst nach dem Garen gesalzen werden, da sich die Kochzeit ansonsten verlängern würde.
Mehlig oder fest: Die einzelnen Sorten unterscheiden sich auch im Hinblick auf ihre Kocheigenschaften. So kochen Tellerlinsen – die oft auch einfach als Linsen oder grün-braune Linsen bezeichnet werden – mehlig, das heißt, die Schale platzt auf und gibt den Kern frei. Tellerlinsen eignen sich daher besonders gut für sämige Eintöpfe. Auch rote und gelbe Linsen zerfallen leicht, zum einen, weil sie in der Regel geschält sind, und zum anderen, weil sie aufgrund ihrer geringen Größe schnell weich sind. Rote Linsen kann man gut für Eintöpfe, Currys und – als klassische Zutat – für indisches Dal verwenden. Die kleinen, tiefschwarzen Belugalinsen, braune Berglinsen und andere kleine, braune Linsensorten bleiben dagegen knackiger, weshalb sie sich hervorragend für Salate oder Beilagen eignen.

otos: Photocrew/Fotolia.com; Elena Schweitzer/istockphoto.com; Alasdair Thomason/istockphoto.com; Maren Wischnewski/Fotolia.com

Mehr Aroma: Linsen schmecken lecker, einige sind aber ganz besonders aromatisch. Belugalinsen zum Beispiel, die so heißen, weil sie wie schwarzer Belugakaviar aussehen, gehören zu den besonders feinen Linsen. Auch sehr edel sind die französischen Le Puy Linsen. Sie sehen mit ihrer grün-braun-schwarzgesprenkelten Schale nicht nur besonders schön aus, sondern haben auch ein ausgeprägt nussiges Aroma.

So haben wir getestet

Der Einkauf
0senprodukte, die in Bio-Läden, Supermärkten, Discountern, im Reformhaus und in der Feinkostabteilung von Kaufhäusern erhältlich sind. Die Wahl der Linsensorte orientierte sich am Angebot. So landeten viele grün-braune Tellerlinsen, rote und braune Linsen im Einkaufswagen. Weil die Hülsenfrucht seit Neuestem auch für Kochfreaks interessant ist, kauften wir noch zwei besondere Produkte ein: die Sabarot Grüne Le Puy Linsen AOC AOP aus geschützter Herkunft in Frankreich und die spanischen Linsen La Carreta im Stoffbeutel.

Die Inhaltsstoffe
Im Vordergrund stand die Untersuchung auf Pestizidrückstände. Das Labor prüfte die Produkte auf insgesamt über 500 verschiedene Wirkstoffe und bediente sich dabei mehrerer Methoden. Das ist wichtig, da ansonsten bestimmte Stoffe – etwa Glyphosat – durch das Raster fallen und nicht nachzuweisen sind. Zwei Linsenproben steckten im Karton oder hatten eine Papplasche als Umverpackung. Hier ließen wir testen, ob eventuell Mineralöle auf die Linsen übergegangen sind. Diese Öle können in Kartons aus Altpapier und ungeeigneten Druckfarben enthalten sein und auf die Lebensmittel ausdünsten.

Die Weiteren Mängel
Wenn Bio-Lebensmittel Rückstände von Pestiziden enthalten, bedeutet das nicht automatisch, dass im Anbau oder der Verarbeitung unsauber gearbeitet wurde. Hinweise, wie solche Rückstände einzuordnen sind, gibt der Orientierungswert des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel (BNN). Wird er überschritten, sind zumindest Zweifel an der Bil-uonformität angebracht. Der Hersteller sollte auf jeden Fall die Ursachen klären. Weil ein solcher Mangel die Deklaration als Bio-Produkt betrifft, führt dies zur Abwertung unter den Weiteren Mängeln.

Im Trockenschrank wurde bestimmt, wie viel Feuchtigkeit noch in den Linsen vorhanden ist. Die Restfeuchte soll maximal 15 Prozent betragen.


Die Bewertung
Produkte, die einen Pestizidrückstand über der erlaubten Höchstmenge enthalten, können nur mit „ungenügend“ abschneiden. Aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes werten wir aber auch schon ab, wenn ein Pestizidgehalt die Höchstmengen zu mehr als zehn oder mehr Prozent ausschöpft.