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TEST Magenmittel Sau(b)er!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2011 vom 30.12.2010

Mit saurem Aufstoßen oder Sodbrennen hat wohl jeder schon mal Erfahrungen gemacht. Inzwischen gibt es eine Menge Mittel, die zuverlässig helfen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Magenmittel Sau(b)er!" aus der Ausgabe 1/2011 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2011

Salzsäure ist ein ziemlich atzendes Zeug. Niemand mochte seine Hande drin waschen oder versehentlich einen Schluck davon trinken. Nichtsdestotrotz schwappt die Saure in unserem Magen in einer Konzentration von zirka 0,5 Prozent herum. Sie soll einen Teil der Nahrung zersetzen und eventuell krank machende Keime toten. Die Magenwand selbst schutzt sich aber mittels eines Schleimuberzugs und pufferndem Hydrogencarbonat vor einem Angriff der Saure. Unangenehm ...

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Salzsäure ist ein ziemlich atzendes Zeug. Niemand mochte seine Hande drin waschen oder versehentlich einen Schluck davon trinken. Nichtsdestotrotz schwappt die Saure in unserem Magen in einer Konzentration von zirka 0,5 Prozent herum. Sie soll einen Teil der Nahrung zersetzen und eventuell krank machende Keime toten. Die Magenwand selbst schutzt sich aber mittels eines Schleimuberzugs und pufferndem Hydrogencarbonat vor einem Angriff der Saure. Unangenehm wird’s, wenn der Schliesmuskel zwischen Magen und Speiserohre schwachelt und Magensaure die Speiserohre hochsteigt. So ein saures Aufstosen kommt gelegentlich vor, beispielsweise wenn man sich mit vollem Magen buckt oder hinlegt. Passiert dies haufiger und ist die Speiserohre bereits gereizt oder besonders sensibel, spuren Betroffene einen brennenden Schmerz hinterm Brustbein. Sie leiden dann an Sodbrennen.

Wenn Magensaft jahrelang die Speiserohre traktiert, steigt das Risiko fur Speiserohrenkrebs. Gelangt die Magensaure gar bis zum Kehlkopf, kann Heiserkeit die Folge sein, gelangen kleinste Tropfchen bis in die Lunge, ist mit Asthma zu rechnen.

Die Ursachen fur den Ruckfluss sind vielfaltig. So konnen Alkohol, roststoffreicher Kaffee, Zwiebeln, Schokolade und grosvolumige Mahlzeiten dafur sorgen, dass Magensaft in die Speiserohre zuruckfliest. Ubergewicht steigert den Druck im Bauchraum und kann so Sodbrennen auslosen. Auch jede zweite Schwangere kennt das Phanomen besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel.

Sodbrennen und saures Aufstosen werden im Fachjargon als gastro-osophageale Refluxerkrankung (GERD) bezeichnet. Schatzungsweise zehn bis 20 Prozent der europaischen Bevolkerung sind davon betroffen, bei den meisten sind die Beschwerden chronisch, sie leiden uber Jahre darunter.

Medikamente sind keine Spielzeuge, die man auf gut Glück einmal ausprobiert

Sodbrennen ist schon lange ein Feld der Selbstmedikation. Bis Anfang der 1970er-Jahre standen praktisch ausschlieslich Praparate zur Verfugung, die die uberschiesende Magensaure neutralisierten, die Antazida. Einen Sprung nach vorn bedeuteten die sogenannten H2-Blocker. Sie hemmen die Produktion der Magensaure. Allerdings lasst ihre Wirkung bereits nach einigen Wochen nach.

Vor ungefahr 20 Jahren haben dann Protonenpumpenhemmer (PPI) Einzug gehalten. Sie hemmen ein Enzym, das wie eine Pumpe Saure aus Zellen der Magenschleimhaut in den Magen befordert. Die Wirkstoffe in den PPI heisen Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Rabeprazol oder auch Lansoprazol. Lange Zeit waren die Praparate ausschlieslich auf Rezept erhaltlich. Die Verordnungen haben sich in den vergangenen zehn Jahren um mehr als das Sechsfache erhoht, weist der Arzneiverordnungs-Report (AVP) 2010 aus. Fast zwei Milliarden Tagesdosen waren es im Jahr 2009, gegenuber 1,674 Milliarden ein Jahr zuvor.

Magenmittel sollten ohne ärztlichen Rat nicht länger als 14 Tage eingenommen werden

Diese Entwicklung weckt Zweifel am Einsatz der PPI. „Zwar nimmt nach epidemiologischen Erhebungen die Refluxkrankheit in den Industrienationen zu; aber sicher nicht um das Sechsfache in den letzten zehn Jahren“, heist es im AVP. Auch OKO-TEST-Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz warnt vor einem Ubergebrauch der Praparate: „Es sind keine Spielzeuge, die man auf gut Gluck einmal ausprobiert.“ Er empfiehlt daher dringend, vor der Einnahme fachlichen Rat bei einem Arzt oder Apotheker einzuholen.

Im Juli 2009 hat das Bundesinstitut fur Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Omeprazol- haltige Arzneimittel aus der Rezeptpflicht entlassen.

Die Vorgaben: Das Anwendungsgebiet muss lauten „zur Behandlung von Sodbrennen und saurem Aufstosen“, die Einzeldosis muss 20 mg betragen und darf auch als Tageshochstdosis nicht uberschritten werden, die Anwendungsdauer muss auf maximal 14 Tage beschrankt werden und eine Packung darf maximal 280 mg Wirkstoff enthalten. Fast zeitgleich hat die EG-Kommission das Inverkehrbringen eines Pantoprazol-haltigen Arzneimittels unter ahnlichen Vorgaben genehmigt, und dabei keine Rezeptpflicht vorgesehen. Seitdem bieten eine ganze Reihe von Herstellern ihre Praparate rezeptfrei in der Apotheke an. OKO-TEST hat 26 dieser Arzneimittel mit den Wirkstoffen Omeprazol und Pantoprazol eingekauft. Unser wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Uni Frankfurt, hat sie fur uns begutachtet.

Das Testergebnis

■ Erfreulich positiv: In der Pharmakologischen Begutachtung schneiden alle getesteten Praparate mit „sehr gut“ ab. Lediglich durch problematische Hilfsstoffe landen einige Medikamente nicht auf der Bestenliste.

Sodbrennen ist nach zu fettem Essen oder zu umfang reichen Mahlzeiten keine Seltenheit.


Foto: Klosterfrau Medienservice

■ Die Wirksamkeit der Protonenpumpenhemmer (PPI) bei Refluxerkrankungen wie Sodbrennen und saurem Aufstosen ist in Studien belegt. Sie hemmen die Saureproduktion in der Magenschleimhaut. Die Mittel gelten als gut vertraglich und sicher. In der Begrundung fur die Entlassung dieser Praparate aus der Rezeptpflicht nennt die Behorde den Wirkstoff Omeprazol „eine der effektivsten Substanzen zur symptomatischen Behandlung der gastro-osophagealen Refluxkrankheit“. Zudem biete Omeprazol verglichen mit Antazida und H2-Blockern eine „nachhaltigere Beschwerdefreiheit und damit eine verbesserte Lebensqualitat bei vergleichbar guter Vertraglichkeit“. Fur Pantoprazol gilt das Gleiche. Als haufige Nebenwirkungen konnen sich vorubergehend Durchfall, Verstopfung und Blahungen bemerkbar machen.

Alles so schön bunt hier – nur leider mit problematischen Farbstoffen

Eingenommen werden sollten die Praparate nicht langer als 14 Tage, am besten mit viel Wasser auf nuchternen Magen vor einer Mahlzeit. Ist bis dahin keine Besserung eingetreten, sollte auf alle Falle ein Arzt aufgesucht werden. Die Mittel sind nicht fur Kinder und Jugendliche vorgesehen. Kein Beipackzettel weist hierin Mangel auf.
■ Die Mittel werden in Form magensaftresistenter Tabletten oder Kapseln angeboten. Nach der Einnahme passieren sie unversehrt den Magen, gelangen in den Darm, dort ins Blut, passieren die Leber und gelangen erst dann an ihren Einsatzort, die Magenschleimhaut. Allerdings stecken vor allem in den Uberzugen problematische Hilfsstoffe, fur die es Notenabzuge gibt: der Weichmacher Diethylphthalat in denOmep Akut 20 mg, Hartkapseln von Hexal, der halogenorganische Farbstoff Erythrosin (E 127) in drei Omeprazol-Praparaten. DieAntra Omeprazol 20 mg, Tabletten von Bayer Vital enthalten Paraffin.Jürgen Steinert

So haben wir getestet

Der Einkauf

Ob ein zu fettes Essen, Ärger im Büro oder in der Partnerschaft: Es kann einem so einiges auf den Magen schlagen. Kein Wunder also, dass es in der Apotheke vor Magenmitteln nur so wimmelt. Auch ÖKO-TEST hat diese Präparate schon diverse Male getestet. Seit Mitte 2009 sind mit Omeprazol und Pantoprazol zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Protonenpumpenhemmer nicht mehr rezeptpflichtig. Da auch der Patentschutz für diese Wirkstoffe abgelaufen ist, haben inzwischen etliche Hersteller diesen Markt für sich entdeckt. Wir haben eine große Auswahl dieser Arzneimittel in der Apotheke eingekauft.

Inhaltsstoffe und Deklaration

Wie üblich bei Arzneimitteltests hat sich unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt, der Frage der Wirksamkeit der Produkte angenommen. Zudem schaute er sich die Gebrauchsinformationen hinsichtlich der Angaben zur Anwendungsdauer, zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und zu Gegenanzeigen näher an. Dabei entpuppten sich gerade die Beipackzettel als sehr einheitlich gestaltet – nicht zuletzt deshalb, weil das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit dem Wegfall der Rezeptpflicht einen Mustertext vorschlug und einheitliche Packungsbeilagen anstrebte.

Die Bewertung

Dass die Protonenpumpenhemmer die Säureproduktion der Magenschleimhaut vermindern, haben verschiedene Studien gezeigt. Da zudem die Beipackzettel alle relevanten Informationen klar benennen und somit nicht zu bemängeln sind, ergibt sich in der pharmakologischen Begutachtung bei allen getesteten Präparaten ein erfreulich positives Ergebnis. Unnötig erscheint uns allerdings die Verwendung einiger problematischer Hilfsstoffe wie Diethylphthalat oder der Farbstoff E 127, eine halogenorganische Verbindung.

Kompakt

Alarmzeichen

Wenn zum Sodbrennen ungewollter Gewichtsverlust, Erbrechen von Blut, Blut im Stuhl, Teerstuhl, Schluckstörungen oder Schmerzen beim Schlucken hinzukommen, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Mittels weiterführender Diagnostik wird er bei diesen Alarmzeichen auf Magengeschwüre, Krebserkrankungen oder hochgradige Einengungen (Strikturen) des Magens untersuchen.

Brennendes Herz

Schmerzen hinterm Brustbein – das brennende Herz – können verschiedene Ursachen haben. Da ist zum einen die Speiseröhre: Sodbrennen, bedingt durch Säurerückfluss aus dem Magen, tritt vor allem nach dem Essen oder im Liegen auf; Begleitbeschwerden sind Magenschmerzen und Husten. Zum anderen kann das Herz selbst Probleme bereiten: Durchblutungsstörungen am Herzen verursachen Angina-pectoris-Anfälle, häufig nach Anstrengung oder bei Kälte. Sie werden begleitet von Schwäche, Schwitzen, Übelkeit und Atemnot.

Internet

Unter www.gastro-liga.de hat die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber, kurz Gastro-Liga, auch einige Informationen zu Sodbrennen und saurem Aufstoßen abgelegt. Das Stichwort → Publikationen führt zu einer Reihe von Broschüren, die zum kostenlosen Download bereitstehen und thematisch über Magenerkrankungen hinausgehen. Recht ausführlich bearbeitet auch die Seite http://sodbrennen-welt.de das Thema Sodbrennen, etwas knapper geht es auf www.sodbrennen.net zur Sache.

Schmerzmittel

Anti-Schmerzwirkstoffe wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac können bei Dauergebrauch Magen-Darm-Geschwüre verursachen. Die gleichzeitige Einnahme von H2-Blockern (mit Wirkstoffen wie Ranitidin oder Cimetidin) oder Protonenpumpenhemmern kann diese Gefahr verringern, insbesondere wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen: Alter über 65 Jahre, frühere Magengeschwüre, gleichzeitige Einnahme von Kortikoiden oder Blutgerinnungshemmern.

Helicobacter pylori

Das Nobel-Komitee hielt die Entdeckung aus dem Jahr 1982 fur so „bemerkenswert und unerwartet“, dass es die australischen Forscher Robin Warren und Barry Marshall 23 Jahre spater mit dem Medizin-Nobelpreis auszeichnete: Die beiden hatten den Magenkeim Helicobacter pylori, — und seine Bedeutung fur die Entwicklung von Magenge- schwuren entdeckt. Heute gilt der Keim auch als Risikofaktor fur Magenkrebs. Bis dahin war Lehrmeinung, dass unter anderem Stress zu einer vermehrten Salzsaurepro- duktion im Magen tuhrt, die wiederum die Schleimhaut angreift und Geschwure sprieBen lasst. Marshall zeigte dann im Selbst- versuch die infektiose Entstehung von Magengeschwuren. Er schluckte eine Erregerkultur und erkrankte. Weltweit hat etwa jeder Zweite den Keim im Magen - in der Regel ohne etwas davon zu bemerken. Magengeschwure entwickeln sich bei zehn bis 15 Prozent der Infizierten.


Foto: Catalin Petolea/fotolia.com