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TEST Mineralwasser: Einweg ist kein Weg


ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 11/2009 vom 08.04.2010

In keinem Land der Welt gibt es so viele unterschiedliche Mineralwässer wie in Deutschland. Sie unterscheiden sich in Mineralstoffgehalt, Geschmack und – wie unser Test zeigt – auch in der Qualität. Viele der 149 untersuchten Wässer bekommen Bestnoten. Doch es gibt einige Ausreißer, unter ihnen auch bekannte Marken. \


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Foto: photo alto

Der Schwalbacher Mineralbrunnen im Hochtaunus ist mit 1,2 Millionen Liter Abfüllung einer der kleinsten Brunnen im Bundesgebiet und gleichzeitig einer der ältesten (seit 1334). „Nur von dem Brunnen könnten wir nicht leben“, sagt Birgit Müller-Lindenau, Mitglied der ...

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Der Schwalbacher Mineralbrunnen im Hochtaunus ist mit 1,2 Millionen Liter Abfüllung einer der kleinsten Brunnen im Bundesgebiet und gleichzeitig einer der ältesten (seit 1334). „Nur von dem Brunnen könnten wir nicht leben“, sagt Birgit Müller-Lindenau, Mitglied der Geschäftsleitung. „Unser Hauptgeschäft ist die Fruchtsaftkelterei. Den Brunnen haben wir dazugekauft, weil Saft und Mineralwasser optimal zusammenpassen, die räumliche Nähe gegeben ist und die Vertriebsstruktur schon vorhanden war.“

Bundesweit gibt es zwischen 500 und 600 Mineralwässer, die von 211 Brunnenbetrieben abgefüllt werden. Aber wie lange noch? Laut Genossenschaft Deutscher Brunnen haben in den vergangenen sechs Jahren zirka 20 Mineralbrunnen aufgegeben. Meistens werden sie von großen Unternehmen geschluckt, einige haben auch ganz dichtgemacht.

Unter dem Motto „Stark für NRW - regional genießen, Klima schützen“ (www.stark-fuer-nrw.de) wollen sechs Mineralbrunnen aus Nordrhein-Westfalen jetzt etwas gegen diese Entwicklung tun und die Vorzüge der regionalen Wässer aufzeigen. Der Aachener Thermalwasser-Kaiserbrunnen ist einer davon. Vorstand Hans-Günter Radermacher spürt selbst den wachsenden Druck durch die Billigwässer. „Ein mittelständischer oder kleiner Brunnen kann die Fixkosten nicht so stark senken wie die ganz großen“, so Radermacher. Hinzu kämen Umsatzeinbußen: „In den vergangenen Jahren sind die Umsätze jeweils um fünf bis sechs Prozent im Jahr gesunken“, berichtet er. Radermacher hofft nach dem Start der Kampagne auf bundesweites Engagement der regionalen Brunnen für mehr Aufklärung bei den Verbrauchern. „Viele wissen gar nicht, dass sie Einweg kaufen.“ Und dass im Gegenzug Kasten für Kasten der regionalen Ware durch kurze Transportwege das Klima schützt sowie Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Tatsache ist: Das bei den Discountern angebotene Billigwasser wird meist weit transportiert und grundsätzlich nur in Einwegflaschen (wenn auch mit Pfand) abgefüllt, deren Umweltbilanz im Verhältnis zu Mehrwegflaschen enorm abfällt. Einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg zufolge ließen sich jährlich bis zu 1,25 Millionen Tonnen an Treibhausgasen einsparen, würden alkoholfreie Getränke nur noch in Mehrwegsystemen vertrieben. Zum Vergleich: Das ist etwa die Hälfte der CO2 -Einsparungen, die sich bei einem bundesweiten Tempolimit von 120 Stundenkilometern erzielen ließen! In unserem großen Mineralwassertest nahmen wir 149 Marken unter die Lupe. Wir ließen prüfen, ob der Mineralstoffgehalt hält, was das Eti kett verspricht, ob Schwermetalle im Wasser gelöst sind oder ob das Wasser radioaktiv strahlt.

Mineralwasser ist ein Topdurstlöscher, wunderbar erfrischend und kalorienfrei. Die meisten getesteten Produkte waren zudem auch frei von Schadstoffen.


Foto: Torsten Schon/Fotolia.com

Das Testergebnis

■ … ist deutlich schlechter als in früheren Tests. Zum einen, weil es einige echte Ausreißer gibt, die stark mit Schwermetallen belastet sind. Besonders übel war in diesem Zusammenhang dasÜberkinger Medium . Zum anderen fällt in unserem aktuellen Test die negative Öko-Bilanz von Einwegflaschen stärker ins Gewicht. Dennoch sind immerhin 66 der eingekauften Wässer in Mehrwegflaschen „sehr gut“.

■ Zu den in Mineralwässern enthaltenen problematischen Stoffen gehören Uran, Arsen, Bor, Mangan und Barium.
■ In zirka zwölf Prozent der untersuchten Wässer haben die von uns beauftragten Labore Uran gefunden, das schon in geringen Mengen Niere und Leber schädigen kann. DasWaldecker Medium , dasÜberkinger Medium und dieKugelsburg-Quelle Medium waren am höchsten belastet. Bei den Säuglingswässern fand sich nur einmal ein erhöhter Urangehalt. Für diese Produktgruppe gilt die sehr geringe Höchstmenge von zwei Mikrogramm pro Liter.
■ In acht Mineralwässern steckten erhöhte Werte an Bor, eines überschritt die festgelegte Höchstmenge für Trinkwasser. Für Mineralwasser gilt ein mehr als fünffacher Grenzwert. Warum, bleibt fraglich, denn viele Menschen trinken genauso viel Mineralwasser wie Leitungswasser. Bor ist in höheren Mengen entwicklungs- und reproduktionstoxisch. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt vor, in Mineralwasser nicht mehr Bor als in Trinkwasser zu erlauben. Das sieht Dr. Hermann H. Dieter, Trinkwassertoxikologe des Umweltbundesamts, genauso. Er empfiehlt sogar, Mineralwässer mit Borgehalten über dem Trinkwasserwert grundsätzlich mit einem Warnhinweis für Säuglinge auszustatten, zumal sichere Werte für Säuglinge nicht bekannt sind und Bor aus Mineralwasser nicht entfernt werden darf.
■ ImPfälzer Silberbrunnen, stilles Mineralwasser wird die Höchstmenge für Barium überschritten, das in hohen Dosen das Zentralnervensystem beeinträchtigen kann. Der Anbieter bekommt schon seit Jahren eine Außnahmegenehmigung vom zuständigen Bundesamt, darf das Wasser also trotzdem ganz legal vertreiben. Wozu bitte, gibt es gesetzliche Grenzwerte, wenn die doch wieder ausgehebelt werden? Das Vertrauen in die Behörden fördert eine solche Praxis jedenfalls nicht. DerPfälzer Silberbrunnen bleibt wegen dieser Sonderregelung bei uns ohne Bewertung.
■ Bei manchen Stoffen liegen Nutzen und Schaden nah beieinander, etwa bei Fluorid. Das Spurenelement erfüllt lebensnotwendige Funktionen in unserem Körper. Eine erhöhte Dosis kann jedoch Verfärbungen des Zahnschmelzes sowie eine mangelnde Elastizität der Knochen hervorrufen. In der Trinkwasserverordnung ist eine Höchstmenge von 1,5 Milligramm pro Liter vorgeschrieben. Da das BfR diese Menge aufgrund wissenschaftlicher Daten und der Verzehrsmengen auch für Mineralwasser empfiehlt, bekommen dasKellerwald Medium und dasÜberkinger Medium Punktabzug für Werte darüber. Auf demKellerwald Medium fehlt zudem der Warnhinweis für Kinder unter sieben Jahren.
■ Mangan ist wichtig für die Knochenbildung und die Blutgerinnung. Im Übermaß kann es aber schaden. Im Tierversuch wurden bei hohen Mengen Mangan über einen längeren Zeitraum neurologische Störungen beobachtet. DasKellerwald Medium überschreitet die gesetzlich festgelegte Höchstmenge für Mangan.
■ Alle für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeigneten Wässer halten die Vorgaben für die gesetzlich geregelten Radionuklide Radium-226 und Radium-228 ein. ImOppacher medium stellte das beauftragte Labor jedoch vergleichsweise hohe Mengen von Blei-210 und Polonium-210 fest.
■ Mineralwässer, die mit besonderen Vorzügen werben möchten, müssen besondere Anforderungen erfüllen und ganz bestimmte Mengen an verschiedenen Mineralien enthalten. DasGranus-Mineralquelle, wenig Kohlensäure wirbt damit, dass es calciumhaltig ist,Fontanis medium mit einem Gehalt von 600 mg/l Calcium,Aqua-Römer medium mit einem Gehalt von 604 mg/l. Alle drei erfüllen diese Auslobung nach den Messwerten des von uns beauftragten Labors aber nicht. Die Auslobungen auf der Flasche stimmen nicht immer mit den realen Werten überein
■ Eine Schwankung der Gehalte an Mineralien von 20 Prozent ist im normalen Bereich, wenn nicht explizit ausgelobt wird. Abweichungen von der Deklaration, die diesen Wert überoder unterschritten, haben wir nicht mehr akzeptiert: Calcium und Magnesium sollte nicht weniger drin sein als draufsteht, Fluorid nicht mehr.
■ Der Trend geht zu Einweg – das zeigt unser Testfeld ganz deutlich. So werden 65 der 149 Wässer in der Einwegflasche angeboten – dafür gibt es unter dem Testergebnis „Weitere Mängel“ vier Punkte Abzug. Viele Hersteller bieten aber auch Mehrweg an, so das Ergebnis unserer Abfrage.

Unsere Empfehlungen

■ Egal ob Glas oder PET: Mehrweg ist immer die bessere Wahl für die Umwelt. Viele „befriedigende“ Wässer in PET-Einweg- oder PET-Cycle-Flaschen hätten als Mehrwegvariante ein „sehr gut“ bekommen.
■ Einweg und Mehrweg sind nicht leicht auseinanderzuhalten. Am einfachsten geht das noch über das bezahlte Pfand: 15 Cent für Mehrwegflaschen und 25 Cent für Einwegflaschen, wozu auch die PET-Cycle-Flaschen zählen.
■ Eltern, die ein Wasser für die Zubereitung von Babynahrung suchen, finden unter den ausgelobten Marken etliche mit einem „sehr gut“ bei den Inhaltsstoffen. Nicht für Säuglinge ausgelobte Wässer sollten sie nicht verwenden, dann schon eher Leitungswasser.