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TEST Mittel gegen Blattläuse, Weiße Fliegen & Co.: Nicht mit allen Mitteln


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 27.05.2021

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RATGEBER

1 Ein vielfältiger Garten mit blühenden Pflanzen und insektenfreundlichen Nischen fördert die natürlichen Gegenspieler von Schädlingen. 

2 Blattläuse am besten mechanisch entfernen, per Hand oder mit einem kräftigen Wasserstrahl. 

3 Gelbsticker nur in Innenräumen verwenden. Sprays und Konzentrate sind das letzte Mittel. Und auch nur dann, wenn sie Mensch und Nützlingen möglichst wenig schaden.

Sie können echt lästig sein: Blattläuse, Weiße Fliegen, Trauermücken, Dickmaulrüssler und, und, und. Lang ist die Liste derer, die an der liebevoll gehegten Rose saugen oder im Gemüsebeet knabbern. „Entspannt rangehen, nur keine Rachegelüste“, rät Dr. Thomas Brand, Fachmann für Pflanzenschutz an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Vereinzelte Blattläuse? Im privaten Garten kein Grund zur Panik. „Beobachten Sie die Natur, schauen Sie, was passiert“, sagt der Phytopathologe (frei übersetzt: ...

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... Pflanzenarzt). Nützlinge könnten das Problem schnell erledigen. Und jede Gärtnerin und jeder Gärtner müsse selbst entscheiden, wann es an der Zeit ist, einzugreifen.

Thomas Brand und andere Experten geben dann mechanischen Methoden den Vorzug vor chemischen: Blattläuse lassen sich per Hand entfernen oder mit einem harten Wasserstrahl abspülen. Sind einzelne, von Weißen Fliegen befallene Pflanzenteile abzuschneiden, sollte das früh morgens oder bei kühlen Temperaturen geschehen, damit die Tiere sitzen bleiben.

Eine naturnahe Möglichkeit zur Bekämpfung ist auch der Einsatz natürlicher Gegenspieler, beispielsweise von Fadenwürmern gegen Larven. Viele Onlineshops und auch Baumärkte bieten das inzwischen an. Eine eher teure Alternative, aber mit der faszinierenden Möglichkeit, der Natur bei der Arbeit zuzusehen.

Zu den mechanischen Methoden zählen auch die acht Klebefallen in unserem Test. Ihre gelbe Farbe lockt geflügelte Insekten wie Trauermücken oder Weiße Fliegen an, der Leim hält sie fest. So können die Gelbfallen helfen, einen Befall schnell zu erkennen. Nachteil: Sie ziehen auch nützliche Insekten an. Deshalb sollten sie ausschließlich in Innenräumen oder im Gewächshaus benutzt werden. Darauf weist aber nur Neudorff Gelb-Sticker auf der Verpackung deutlich hin. Dagegen deklarieren Dehner Bio Gelbsticker, Dr. Stähler Gelbtafeln und Substral Naturen Gelb-Sticker, auch für den Balkon geeignet zu sein. Wir bewerten sie deshalb nur mit „befriedigend“.

Sprays mit bedenklichen Wirkstoffen 

Aus unserer Sicht sind Sprays und Konzentrate nur die letzte Option, wenn alles andere nicht funktioniert hat. Alle 17 Produkte im Test sind zugelassen. Das heißt, Behörden haben unter anderem geprüft, wie gut die Mittel gegen Schädlinge wirken und ob sie Nützlingen schaden. Ergebnis: Die meisten sind schädlich für wichtige Nutzinsekten, zum Beispiel für den Siebenpunkt-Marienkäfer. Der ist ein natürlicher Feind von Blattläusen.

Auch für Bienen besonders schädlich sind die Wirkstoffe Lambda-Cyhalothrin im Compo Bi 58 Spray und Deltamethrin im Protect Garden Delta X Schädlingsfrei AF. Es sind Nervengifte aus der Gruppe der Pyrethroide, sie bleiben relativ lange in der Umwelt. Nehmen wir Menschen zu große Mengen auf, kann das Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen.

Kritisch sehen wir auch den Wirkstoff Acetamiprid. Er gehört zur Gruppe der Neonicotinoide, die bereits in geringen Mengen nützlichen Insekten schaden können. Was Auswirkungen auf Menschen angeht, so schlägt der Ausschuss für Risikobewertung der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA vor, Acetamiprid als reproduktionstoxischen Verdachtsstoff einzustufen.

WISSEN

Schädlingen vorbeugen

Vielfalt fördern

Meisen, Marienkäfer, Schwebfliegen und viele andere Gegenspieler von Schädlingen freuen sich über einen naturnahen Garten. Unterstützen kann man sie mit Nistkästen, Insektenhotels und Haufen aus Steinen oder Reisig. Auch blühende Pflanzen über das ganze Jahr erhöhen die Chance, dass Schädlinge weggefuttert sind, bevor sie zur Plage werden.

Pflanzen stärken

Optimal mit Wasser und Nährstoffen versorgte Pflanzen trotzen Schädlingen besser. Das heißt auch: Bitte nicht zu stark mit Stickstoff düngen. Zu schnelles Wachstum führt zu dünneren Zellwänden, dann können Blattläuse besser mit ihren Saugrüsseln eindringen. Sie saugen den nährstoffreichen Pflanzensaft und können auch Viren an die Pflanze übertragen.

„Die von uns mit „ungenügend“ bewerteten Mittel sollten nirgendwo eingesetzt werden. Erst recht nicht in privaten Haushalten.“

Jörg Döbereiner ÖKO-TEST-Redakteur

Drei Produkte im Test enthalten Pyrethrine als Wirkstoffe. Sie sind den Pyrethroiden ähnlich, bauen sich aber in der Umwelt schneller ab. Wir bewerten sie deshalb etwas weniger streng.

Mittel mit Orangenöl, Rapsöl, Kali-Seife oder Azadirachtin aus dem Neembaum schätzen wir als weniger bedenklich ein. Dennoch sollten sie wenn überhaupt nur gezielt und nach Anleitung dosiert eingesetzt werden. Um zu wirken, müssen Öle und Seifen direkt in Kontakt mit Schädlingen kommen. Azadirachtin verteilt sich darüber hinaus auch im Gewebe der Pflanze. Deshalb können Mittel mit Azadirachtin auch gegen sogenannte minierende Schädlinge wirken, die im Pflanzengewebe leben.

So haben wir getestet

Wir haben in Baumärkten, Onlineshops und Drogerien 25 Produkte gekauft, die gegen Blattläuse und andere Pflanzenschädlinge ausgelobt sind: acht Klebefallen mit gelber Farbe; zehn Pumpsprays, die bereits fertig zur Anwendung verkauft werden; und sieben Konzentrate, die Anwender erst noch verdünnen müssen. Das erhöht das Risiko, selbst mit den Mitteln in Kontakt zu kommen. Wie viele Anwendungen pro Spray und Konzentrat möglich sind, hängt unter anderem von Art und Größe der Pflanze ab.

Bei allen Produkten prüften wir die Auslobungen. Für die Wirkstoffe in den Sprays und Konzentraten ließen wir ein Gutachten auf Basid der Studienlage zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen erstellen, zudem überprüften wir die Zulassung der Mittel. Die Verpackungen aller Produkte ließen wir in einem Labor auf chlorierte Verbindungen untersuchen. Wir beauftragten keine Versuche mit Tieren.

Notenabzüge gibt es, wenn Mittel für Nützlinge oder Menschen schädigen können. Klebefallen sollten einen klaren Hinweis tragen, dass sie nur drinnen einzusetzen sind.