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TEST MULTISCHLEIFER: ABSTAUBEN


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 03.05.2018

Multischleifer sind für Hobbyhandwerker interessant, denn sie sind vielfältig einsetzbar. Doch nur zwei Geräte im Test sind empfehlenswert.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen, Ausgabe 5/2018

Soll Omas alte Kommode in neuem Glanz erstrahlen oder eine Europalette frisch lackiert zum Wandregal mutieren, bedarf es eines ordentlichen Schliffs. Während Puristen zum Schleifklotz greifen, bevorzugen andere Heimwerker elektrische Unterstützung. Für gelegentliche Arbeiten hält der Handel sogenannte Multischleifer bereit, die besonders vielfältig einsetzbar sein sollen. Diese Allrounder, in kleinerem Format auch Schleifmäuse genannt, sehen aus wie Bügeleisen. Vorn ...

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... sind sie zugespitzt, um in Ecken und Winkel zu gelangen. Nach hinten hin verlaufen ihre Schleifplatten deutlich breiter und flächiger als die der handelsüblichen Deltaschleifer. So sollen die Geräte auch auf kleineren bis mittelgroßen Ebenen einen effizienten Materialabtrag erzielen und eventuell die zusätzliche Anschaffung eines Schwingschleifers mit rechteckiger Schleifplatte oder eines Exzenterschleifers mit rundem Schleifteller ersparen.

Die kleinen Multitalente sind vielseitig, kommen aber je nach Einsatzgebiet an ihre Grenzen. „Vollwertig ersetzen können Multischleifer die spezialisierteren Elektrowerkzeuge in der Regel nicht“, sagt Friedrich Janssen, Prüfingenieur im technischen Prüflabor PZT in Wilhelmshaven. Vor allem auf großen Flächen, etwa Türblättern, seien sie allein schon wegen ihrer vergleichsweise kleineren Grundfläche und oft niedrigeren Motorenleistung weniger ergiebig. Auch taugen sie meist nicht zum Nassschliff. Abgesehen davon kommen die kompakten Helfer aber für allerlei Aufgaben infrage. Je nach Art und Körnung des verwendeten Schleifpapiers können sie nicht nur Gegenstände aus Holz in unterschied lichen Abstufungen bearbeiten, sondern beispielsweise auch Metall, Kunststoffe, Fliesen und Putz. Die Schleifpapiere haften meist mittels eines Klettsystems an der Schleifplatte und sind so schnell austauschbar. Teilweise sind im Lieferumfang bereits zusätzliche „Fingeraufsätze“ enthalten, mit denen sich die Dreiecksspitze verlängern und verjüngen lässt. Das hilft dabei, besonders schmale Kanten und Zwischenräume zu erreichen, wie sie etwa an verzierten Stuhllehnen oder an Fensterrahmen zu finden sind. Außerdem verfügen die meisten Multischleifer über eine Staubabsaugung. Die Partikel gelangen durch Löcher in der Schleifplatte in einen angeschlossenen Schmutzauffangbehälter.

Wo geschliffen wird, da fällt Staub: Selbst bei den besten Geräten landet mehr als ein Drittel nicht im Behälter, sondern in der Arbeitsumgebung.


Fotos (2): Christian Ippach/ÖKO-TEST

Was die Multischleifer tatsächlich leisten, lässt sich aufgrund der Herstellerangaben indes kaum beurteilen. Eine höhere Aufnahmeleistung (Wattangabe), eine höhere Schwingzahl pro Minute und ein größerer Schwingkreis wirken sich zwar tendenziell eher positiv auf die Effizienz aus. Das ist aber nur dann der Fall, wenn die technische Übersetzung stimmt und die entsprechenden Komponenten gut zusammenarbeiten.

ÖKO-TEST wollte wissen, was handelsübliche Multischleifer wirklich können. Im Praxistest haben wir acht Modelle an die Werkbank geschickt und sie außerdem auf schädliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

DAS TESTERGEBNIS

Klassenunterschiede. In der Schleifleistung unterscheiden sich die acht getesteten Geräte teils deutlich voneinander. Zwei Produkte sind effizient und weisen gleichzeitig kaum Mängel bezüglich Handhabung und Technik auf. An sie können wir die Note „gut“ vergeben.
Wer schneller schleift, ist eher fertig. Der Einhell Expert Multischleifer TE-OS 1320 zeigt der Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Im Schleiftest trägt er in derselben Zeit mehr als dreimal so viel von der Holzfaserplatte ab wie die Geräte von Techtronic, Obi und Positec. Leider verschlechtert sich der leistungsstärkste Multischleifer durch Mängel in der Technik und Handhabung sowie schädliche Inhaltsstoffe auf das Gesamturteil „befriedigend“.
Tatsächlich Multitalente. Unter fachgerechter Anwendung erzielen alle Testprodukte ein gleichmäßiges Schleifbild ohne Riefen (feine Rillen). Auch an der Geräteführung gibt es nichts auszusetzen: Waagerechte Holz- und Metallflächen, rechtwinkelige Ecken sowie schmale Gegenstände und Abrundungen sind kein Problem. In senkrechter Arbeitsposition ist das Schleifen vor allem mit den schwereren Geräten etwas kraftaufwendiger, weil diese durch ihr Eigengewicht nach unten ziehen. Dem Black + Decker Mouse 120W KA2000 kommt hierbei sein Griff zugute, der optional Platz für eine zweite Hand lässt, was das Arbeiten in der Senkrechten erleichtert.
Nicht einatmen. In Sachen Staubabsaugung gibt es für das gesamte Testfeld gewaltig Luft nach oben, obwohl alle einen Schmutzauffangbehälter haben. Selbst bei den besten Geräten landet aber noch mehr als ein Drittel des Abschliffs in der Arbeitsumgebung. Zu viel des Staubs ist es, wenn mehr als die Hälfte oder wie im Fall des Worx D-Tail WX648 Handschleifer sogar mehr als drei Viertel der Schleifpartikel nicht aufgenommen werden. In drei Fällen werten wir zudem ab, weil sich die Staubbox nur schwer oder sehr schwer abziehen lässt beziehungsweise der Staubboxdeckel kaum zu öffnen ist.

Bad Vibrations. Der Beschleunigungswert in Metern pro Quadratsekunde (m/s2) gibt die Beschleunigung in verschiedene Richtungen an (hoch, quer, längs). Je höher der Wert, desto stärker die Vibration. Laut Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung dürfen Maschinenarbeiter nicht dauerhaft einer Hand-Arm-Vibrationsbelastung von mehr als 5 m/s2 ausgesetzt sein. Im Test bringen es drei Geräte auf über das Doppelte. Auch wenn die Multischleifer eher gelegentlich zum Einsatz kommen, gibt es dafür Notenabzug.
Keiner kreischt. Geräusche von mehr als 80 Dezibel empfinden viele Menschen als sehr laut. Alle Testgeräte bleiben unter diesem Wert. Am leisesten ist derWorx D-Tail WX648 Handschleifer , gefolgt von den Produkten von Black + Decker und Techtronic.
Schlechte Griffe. Gummierungen sollen dafür sorgen, dass die Multischleifer rutschfest in der Hand liegen. Teilweise verdanken sie ihre Geschmeidigkeit aber umstrittenen oder bedenklichen Substanzen wie Ersatzweichmachern oder phosphororganischen Verbindungen, die auch als Weichmacher zum Einsatz kommen können.
Zu viel PAK. In den Gummiweichteilen von drei Schleifgeräten hat das von uns beauftrage Labor jeweils erhöhte Gehalte an Naphthalin festgestellt. Dieser polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff (PAK) hat sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen und steht im Verdacht, erbgutschädigend zu sein.

ÖKO-TEST RÄT

► Vergleichsweise günstige und schadstoffarme Multischleifer, die im Test einen hohen Materialabtrag erzielen und nur wenige Handhabungs- und Technikmängel aufweisen, können sich lohnen.
► Unbedingt einen Mundschutz mit Filter tragen. Schleifpartikel können eingeatmet werden und Schadstoffe aus Anstrichen und Holzschutzmitteln transportieren. Auch Schutzbrille und Gehörschutz aufsetzen.
► Informationen zu geeigneten Schleifpapieren finden sich häufig in Bedienungsanleitungen oder Produktdatenblättern.

MULTISCHLEIFER IM EINSATZ

LAUFEN LASSEN

Wie Schwingschleifer haben auch einfache Multischleifer exzentrisch gelagerte Schleifplatten, die sich innerhalb eines Radius von zumeist ein bis zwei Millimeter hin und her bewegen. Teils erreichen sie bis zu 28.000 Schwingungen pro Minute. Unter ihrem Eigengewicht arbeiten die Geräte praktisch von selbst. Der Anwender sollte sie plan aufliegend mit leicht kreisenden Bewegungen der Maserung entlang über die Materialoberfläche führen. Zu viel zusätzlicher Druck von oben oder eine schräge Haltung können bewirken, dass der Schleifer verkantet und sich Unebenheiten oder Riefen bilden. Aus gleichem Grund sollte der Schleifer auch dauerhaft in Bewegung bleiben.

DIE KÖRNUNG MACHT’S

Ein Anschliff ist nötig, um etwa Möbel, Fensterrahmen und Europaletten für einen Anstrich vorzubereiten. Oftmals reicht ein Schleifpapier in 80er-Körnung aus, um auch robustere Oberflächen, zum Beispiel Buche oder Eiche, so aufzurauen, dass Grundierungen, Lackierungen und Farben anhaften. Bei empfindlicheren Materialien wie weicheren Hölzern, etwa Kiefer oder Fichte, empfiehlt sich weniger grobes Schleifpapier in 120er-Körnung. Für weitere Zwischen- und Feinschliffe sind meist auch Schleifpapiere in höheren Körnungen erhältlich oder bereits im Lieferumfang enthalten. Sehr grobe 40er-Körnungen eignen sich, um eiserne Gegenstände zu entrosten.


Foto: extreme-photographer/getty images