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TEST Multivitaminsäfte: Unsere Kritik an schlechteren Produkten


ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 95/2014 vom 16.05.2014

Die „sehr guten“

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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken, Ausgabe 95/2014

Ein Lichtblick in unserem Test Multivitaminsäfte sind allein die Bio-Säfte, die von uns geschlossen eine „sehr gute“ Beurteilung bekommen. Sie kommen ohne künstliche Vitamine aus und konnten auch sonst überzeugen. Was nicht bedeutet, dass sie kaum Vitamine enthalten – aber eben weniger und aus natür licher Quelle. Ausgelobt werden vor allem Vitamin C und Provitamin A. Allein in den Deckeldichtungen der Flaschenverschlüsse von Dennree, Beutelsbacher und Voelkel stecken chlorierte Verbindungen, dies hat aber keinen Einfluss auf das Gesamturteil.

■ In sieben der restlichen zwölf getesteten ...

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■ In sieben der restlichen zwölf getesteten Produkte istisoliertes Betacarotin enthalten. Auch die Mengen in denen es zugesetzt wird, sind erheblich. So liefern die einzelnen Produkte 3,6 bis 4,5 Milligramm pro 250-Milliliter-Glas. Das ist mehr als das Doppelte der Tagesdosis, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Nahrungsergänzungsmittel höchstens empfiehlt. In den Säften mit Karotte liegen die Gehalte an natürlichem Betacarotin um einiges niedriger als in den angereicherten. Betacarotin ist eine Vorstufe von Vitamin A. In den 90er-Jahren sorgten Studien über Betacarotin für Aufregung. Damals war Beta carotin als sogenanntes Rauchervitamin zum Schutz vor Lungenkrebs bei Rauchern propagiert worden. Zwei klinische Prüfungen zeigten jedoch das Gegenteil: Raucher, die Betacarotin einnahmen, erkrankten deutlich häufiger an Lungenkrebs als Studienteilnehmer, denen ein Scheinmedikament verabreicht wurde. Unklar ist, ob eine erhöhte Zufuhr auch Nichtrauchern gefährlich werden kann. Angesichts zahlreicher weiterer Wissenslücken und aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes rät das BfR zu Vorsicht im Umgang mit Beta carotin. Lebensmittel, zum Beispiel, sollten gar nicht damit angereichert werden.
■ Aber auch überhöhte Gehalte anderer Vitamine sowie der Zusatz von Vitaminen, die gar nicht aus den verwendeten Zutaten stammen können, sehen wir kritisch. Zugesetzt wird in der Regel eine Vitaminmischung aus bis zu zwölf Komponenten. Wie viel genau enthalten ist, besagt das Etikett. Dort erfährt man bei-spielsweise auch, dass schon 100 Milliliter Saft genügen, um 50 Prozent des Tagesbedarfs an wichtigen Vitaminen zu decken. Für viele Verbraucher hört sich das verlockend an. Die Verunsicherung ist groß, und nicht wenige fragen sich, ob normale Lebensmittel wirklich genügend Vitamine liefern.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat auf diese Frage eine klare Antwort: Deutschland ist kein Vitaminmangelland. „Die überwiegende Zahl der Menschen hierzulande ist ausreichend mit Vitaminen versorgt“, sagt Professor Dr. Helmut Heseker, Präsident der DGE. Zudem hätten Studien bislang nicht belegt, dass zusätzliche Vitamin gaben Ernährungsfehler ausgleichen können. Mehr noch: „Dem fehlenden Nutzen steht das Gesundheitsrisiko durch zu hohe Zufuhrmengen gegenüber, insbesondere dann, wenn hoch dosierte Vitaminpräparate über eine längere Zeit eingenommen und zusätzlich angereicherte Lebensmittel verzehrt werden“, so Heseker.

■ Wer glaubt, die Vitamine in Multivitaminsaft kämen aus den verarbeiteten Früchten oder würden zugesetzt, um herstellungsbedingte Verluste auszugleichen, der irrt. So kommt beispielsweise Vitamin B 12, das in allen ange reicherten Testprodukten steckt, normalerweise nur in tierischen oder fermentierten Lebensmitteln vor. Auch Vitamin E und Biotin – beide ebenfalls in allen angereicherten Produkten vertreten – sind wenig frucht typisch. Ein solcher Gemischtwarenladen ist nicht nur überflüssig, sondern auch unübersichtlich. Denn ein Vitaminmangel sollte immer von einem Arzt diagnostiziert und gezielt behandelt werden.

■ Vergleicht man die deklarierten Vitamingehalte auf den einzelnen Produkten, dann zeigen sich deutliche Unterschiede. Wir überprüften die Gehalte anhand von Vorschlägen des BfR für Höchstmengen zur Anreicherung von Lebensmitteln bezogen auf eine Tagesportion – auch wenn die deklarierten Vitamine zu einem gewissen Teil aus den Früchten stammen können. Danach enthalten vier Säfte pro 250-Milliliter-Glas mehr, als laut BfR zugesetzt werden sollte. Im Albi Multivitamin gilt dies sogar für das fettlösliche Vitamin K, das sich im Körper anreichern kann.

Foto: pilipphoto /Shutterstock

■ Der industrielle Charakter der Produkte offenbart sich auch beim Blick auf die Zutatenliste: Denn meist ist kein direkt gepresster Saft in der Flasche, sondern Fruchtsaft aus Fruchtsaftkonzentrat. Konzentrat entsteht, wenn rohem Fruchtsaft ein Teil des enthaltenen Wassers entzogen wird. Dabei gehen Aromen verloren, die aufgefangen und dem Konzentrat bei der Aufbereitung zu Saft wieder zugefügt werden. Wer jetzt allerdings glaubt, das Aroma der Früchte in seinem Produkt stamme auch aus genau jenem Konzen trat, der irrt. Denn die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung schreibt nicht vor, genau die Aromen der Früchte zu verwenden, aus denen das Ganze einmal entstanden ist. Es müssen lediglich Aromen „derselben Fruchtart“ zugefügt werden. Das freut die Fruchtsaftindustrie, denn so ist es möglich, unter schiedliche Rohstoffqualitäten durch den Zukauf passender Fruchtaromen auszugleichen und die Getränke mit einem gleichmäßigen Geschmacksprofil auszustatten. Von einem ursprünglichen Saft kann man nach diesem künstlichen Aufmotzen allerdings kaum sprechen.

■ Die Fruchtaromen der Marken Rapp’s, Bauer und Hohes C wurden nicht ausreichend wiederhergestellt. Sie verfügen somit nicht über das Aromenprofil, das man von den deklarierten Zutaten erwarten würde. Die Firma Eckes-Granini nutzt dabei ein Schlupfloch und bezeichnet ihren Hohes C Multivitamin als „konzentrierten Mehrfruchtsaft“, der per Gesetz nicht rearomatisiert werden muss. Wir werten trotzdem ab, da sich das Produkt „100 % Saft“ nennt und unseres Erachtens dann auch die Anforderungen für Fruchtsaft erfüllen sollte.
■ Am Aromenprofil des Rewe Beste Wahl Multivitaminsafts fallen geringe Mengen des Aromastoffs Allylhexanoat auf, die in einem Fruchtsaft nichts zu suchen haben. Die Verunreinigung deutet darauf hin, dass ein Teil des wiederhergestellten Fruchtaromas aus der Aromenindustrie stammen könnte. Fruchtsäfte sollten jedoch nur Aromen aus natürlicher Quelle enthalten.

ÖKO-TEST rät

■ Eine gute Empfehlung sind die Bio-Multisäfte. Sie bestehen aus verschiedenen Früchten, sind aber nicht mit Vitaminen angereichert. Im Heimischen Multi von Voelkel stecken ausschließlich Zutaten aus deutscher Landwirtschaft.
■ Eine vernünftige Ernährung versorgt uns mit einer ausgewogenen Mischung aller wichtigen Nährstoffe. Zusätzliche Vitamindosen sind in aller Regel überflüssig.
■ Multivitaminsäfte sind keine Schlankmacher. Sie enthalten ähnlich viele Kalorien wie andere Fruchtsäfte und Softdrinks – nämlich etwa 125 Kilokalorien pro Glas.