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TEST Muttermilchersatz, Anfangsnahrung: Ins Fettnäpfchen


ÖKO-TEST Fragen und Antworten - epaper ⋅ Ausgabe 3/2013 vom 05.04.2013

Muttermilch ist das Beste fürs Kind. Dennoch kann es Situationen geben, in denen Flaschennahrung notwendig ist. Der Test zeigt, dass alle Produkte mit Fettschadstoffen belastet sind, erfreulicherweise aber deutlich weniger als früher.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Fragen und Antworten, Ausgabe 3/2013

Wenn man nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) geht, den das Robert-Koch-Institut für die Geburtsjahrgänge 1986 bis 2005 erhoben hat, dann steht es eigentlich gar nicht so schlecht um das Stillen in Deutschland: Die Stillhäufigkeit stieg über die Jahre immerhin um etwa acht Prozent und der Anteil der Kinder, die jemals in den Genuss des Stillens kamen, lag ...

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... bei durchschnittlich 76,7 Prozent.

Ein weniger positives Bild malen aktuellere Studien aus Bayern und Berlin. Danach beginnen zwar rund 90 Prozent der Mütter mit dem Stillen, doch nur etwa 70 Prozent halten dies auch länger als zwei Monate durch. Nach sechs Monaten liegt die Stillrate nur noch bei 40 bis 50 Prozent. Das ist schade, denn das Stillen ist sowohl für das Kind als auch für die Mutter von unschätzbarem Wert.

Kann nicht oder nicht ausreichend gestillt werden, bietet sich industriell hergestellte Anfangsnahrung an. Die Zusammensetzung orientiert sich an den Ernährungsbedürfnissen der Säuglinge und unterliegt im Wesentlichen gesetzlichen Bestimmungen.

Anfangsnahrungen lassen sich prinzipiell in zwei Produktgruppen unterteilen: die Pre-Nahrung, die wie Muttermilch als einziges Kohlenhydrat Lactose (Milchzucker) enthält und die 1er-Nahrung, die zusätzlich leicht verdauliche Stärke aufweist und dadurch besser sättigen soll. Beide Produktarten können von Anfang an gefüttert werden. Wir haben 21 Pre- und 1er-Nahrungen in Drogerien, Verbrauchermärkten und Bio-Läden eingekauft und im Labor auf bedenkliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Auch die Kennzeichnung ließen wir von Experten prüfen.

Das Testergebnis

■ Kein Produkt ist besser als befriedigend. Das liegt vor allen an den immer noch zu hohen Gehalten an bedenklichen Fettschadstoffen.
■ Grund für das Vorkommen der problematischen Stoffe, den 3-MCPD-Fettsäureestern, sind die zugesetzten pflanzlichen Öle. Die Ester entstehen bei der Raffination, einem Reinigungsverfahren der Öle. Inzwischen weiß man, dass sich dabei auch die chemisch verwandten Glycidyl-Ester bilden können. Wie problematisch diese Verbindungen sind, wissen Experten noch nicht so genau. Denkbar ist jedoch, dass sich die Ester in freies Glycidol umwandeln, das im Tierversuch zu Krebs geführt hat. Aus 3-MCPD-Estern kann auf ähnliche Art und Weise 3-MCPD frei werden, das in Tierstudien die Nierenkanälchen verändert hat und in hohen Dosen zu gutartigen Tumoren führte.
■ Weil Glycidyl-Ester nicht oder nur in sehr geringen Mengen nachgewiesen werden konnten, haben wir uns bei der Bewertung an der tolerierbaren täglichen Aufnahme (TDI) von freiem 3-MCPD orientiert. Zugrundegelegt wurden aber die Gehalte beider Schadstoffe. Da das TDI-Konzept üblicherweise für Erwachsene gilt, werten wir erst ab einer Überschreitung der Vorsorgewerte ab. Erfreulich ist, dass die Ergebnisse insgesamt besser ausfallen als in früheren Tests. Einzelne Hersteller haben die Fettqualität ihrer Produkte im Laufe der Zeit nochmals verbessert, andere arbeiten weiter daran, so die Stellungnahmen, die uns vorliegen.
■ Bedenkliche Keime, die die Gesundheit des Babys gefährden könnten, wurden in keinem Produkt gefunden.
■ Mehrere Muttermilchersatznahrungen sind mit probiotischen Bakterienkulturen angereichert – oder sie enthalten spezielle Ballaststoffe, die das Wachstum „guter“ Keime im Darm fördern sollen – von Fachleuten „Präbiotika“ genannt. Ob dies echte Vorteile bringt, konnte bislang aber nicht zweifelsfrei belegt werden.
■ DieHipp Bio Combiotik Bio-Anfangsmilch Pre wird auf der Frontseite plakativ mit dem Slogan „nach dem Vorbild der Natur“ beworben. Dafür macht Hersteller Hipp unter anderem den zugesetzten Mehrfachzucker GOS verantwortlich, der auch in der Muttermilch vorkommen soll. Der Ernährungsexperte Professor Berthold Koletzko von der Kinderklinik München sieht das kritisch. So sei der Mehrfachzucker gar nicht besonders charakteristisch für Muttermilch. Außerdem könne die prägnant angebrachte Auszeichnung „nach dem Vorbild der Natur“ den Eindruck erwecken, diese Nahrung sei der Muttermilch ebenbürtig und Mütter dadurch vom Stillen abhalten. Da nützt unserer Meinung nach auch der seitlich angebrachte Pflichthinweis auf die Überlegenheit des Stillens wenig.
■ Zu dick tragen Humana, Dm und Lebenswert Bio mit ihrem Hinweis auf, dass keine Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe „laut Gesetz“ verwendet werden. Damit weisen sie nur nach, dass sie die gesetzliche Vorgaben einhalten – mehr aber auch nicht.

Fettgedruckt sind Mängel.
Anmerkungen: 1) Überschreitung des TDI für freies 3-MCPD, ausgehend von der Summe der Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Die Einordnung und Bewertung orientiert sich am TDI für freies 3-MCPD, analysiert wurden 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. 2) Weiterer Mangel: fehlender Hinweis, dass sich die Haltbarkeit des Inhalts von 28 Tagen auf die geöffnete Dose bezieht. 3) Weiterer Mangel: Auslobung „Ohne Zusatz von Aromen, Farbstoffen und Konservierungsstoffen laut Gesetz“. 4) Weiterer Mangel: prominenter Schriftzug „nach dem Vorbild der Natur“ auf der Packungsvorderseite, der die Ähnlichkeit zu Muttermilch zu stark betont. 5) Laut Anbieter wird die Deklaration bei der nächsten Überarbeitung geändert. 6) Laut Anbieter ist im Frühjahr 2013 eine Umstellung des eingesetzten Fettkörpers geplant.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Gehalt der Summe der Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester pro empfohlener Tagestrinkmenge, der den TDI für freies 3-MCPD (= 2 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht) um weniger als das Zehnfache überschreitet. Die Berechnung des TDI bezieht sich auf ein 3,5 kg schweres Baby und eine Tagestrinkmenge von 560 ml, basierend auf einer durchschnittlichen Trinkmenge in den ersten Lebensmonaten von 160 ml pro kg Körpergewicht. Analysiert wurden 3-MCPD- und Glycidylester. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: prominenter Packungshinweis, der die Ähnlichkeit zur Muttermilch zu stark betont. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) fehlender Hinweis, dass sich die Haltbarkeit des Inhalts von 28 Tagen auf die geöffnete Dose bezieht; b) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (Auslobung „Ohne Zusatz von Aromen, Farbstoffen und Konservierungsstoffen laut Gesetz“). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden, Anbieterverzeichnis und Glossar finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „H1303“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder 1/2012. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

► Stillen ist und bleibt die beste Ernährung für Ihr Baby. Können Sie nicht oder nicht voll stillen, sollte trotz der Belastung mit den Fettschadstoffen mit industrieller Säuglingsanfangsnahrung gefüttert werden.
►Die 1er-Nahrung enthält Stärke und soll dadurch besser sättigen. Probieren Sie aus, was Ihrem Kind am besten bekommt. Sie können auch bei der Pre-Nahrung bleiben. Vom Energiegehalt unterscheiden sich beide Produktgruppen kaum.
► Bei Stillproblemen an die Hebamme oder eine Stillberatung wenden. Auch der Austausch mit anderen Müttern kann sehr hilfreich sein. Tipps und Adressen bietet zum Beispiel das Internetportal www.stillen-info.de


Foto: Isabelle Limbach/iStockphoto/©Thinkstock