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Test Naturbettdecken: Sch(l)af gut!


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2014 vom 10.10.2014

Wir haben Bettdecken, die mit Naturmaterialien wie Schafschurwolle oder Kamelhaar gefüllt sind, in die Labore geschickt. Viele Produkte waren in Ordnung, bei einigen Decken hatten die Fachleute Zweifel, ob wirklich drin ist, was draufsteht. Und Chemikalienrückstände sind leider auch ein Thema.


Artikelbild für den Artikel "Test Naturbettdecken: Sch(l)af gut!" aus der Ausgabe 10/2014 von ÖKO-TEST Jahrbuch. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/China Foto Press

Daunen oder Synthetik als Materialien für Bettdecken sind am weitesten verbreitet. Doch sie können auch mit anderen weichen Naturmaterialien gefüllt sein: mit Tierhaaren – zum Beispiel von Schaf, Ziege, Kamel –, mit Seide, Baumwolle und anderen.

ÖKO-TEST kaufte 15 dieser Bettdecken mit ...

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... mittlerem Wärmegrad ein. Sie werden oft als Ganzjahresdecken bezeichnet. Wir wollten wissen, ob sie mit problematischen Stoffen behandelt wurden und ob sie das enthalten, was die Anbieter versprechen.

Das Testergebnis

■ An fünf Naturbettdecken haben wir nichts oder nur wenig auszusetzen, drei weitere sind noch „gut“. Lediglich die OBB Naturhaardecke Merinoline Mono ist ausreichend.
■ In zwei Fällen werten wir Permethrin, ein Pestizid, ab. Aber selbst der Gehalt des am höchsten belasteten F.a.n. Kaschmir Steppbett lässt eher auf eine Verunreinigung denn auf eine gezielte Behandlung schließen.
■ Bei der Grüne Erde Ganzjahresdecke Schurwolle waren die Wollfasern zu dick, als dass man sie noch als Merino bezeichnen könnte. Der Faserexperte Professor Crisan Popescu von DWI Leibniz Institut für Interaktive Materialien der Universität Aachen (RWTH) sieht, wie andere Experten auch, die Grenze für Merinowolle bei etwa 25 Mikrometern, maximal aber bei 28. In der getesteten Bettdecke waren die Fasern meist dicker. Diese Stärke wird als Crossbred (Kreuzung) bezeichnet, möglicherweise stammen sie von einer Kreuzung eines Merinoschafs mit einem anderen Schaf. In der OBB Naturhaardecke Merinoline Mono waren zum Teil feine Merinohaare, zum Teil auch dickere Haare vorhanden, vor allem aber 1,2 Prozent Fremdfasern. Die Füllung darf somit als 100 Prozent Wolle, aber nicht mehr als Schurwolle bezeichnet werden.
■ Wer sich in Bettdecken feine Kaschmir- und Kamelhaare vorstellt, wie sie bei Textilien üblich sind, der irrt. In allen mit diesen Tierhaaren gefüllten Bettdecken stecken alle möglichen Faserstärken. Die meisten feinen Fasern hatte noch die Allnatura Leicht-Steppdecke Kamel flaumhaar. Wenn es eine große Diskrepanz zwischen der Auslobung und den gemessenen Faserstärken gibt, werten wir unter Weitere Mängel ab.
■ In etlichen Bezügen und Etiketten werden unnötigerweise opti sche Aufheller verwendet, welche die Umwelt belasten. Auch Rückstände von Nonylphenol ethoxylaten wurden in einem Drittel der Bettdecken nachgewiesen. Sie werden bei der Textilverarbeitung als Ten side eingesetzt, gelangen ins Abwasser und schädigen Wasserorganismen.

so reagierten die Hersteller

■ Der Lieferant der AnbieterBadenia, Dormiente und Erwin Müller teilte mit, dass eine Untersuchung des gelieferten Kamelhaars ergeben hätte, dass je nach Charge 92 bis 95 Prozent Kamel haar enthalten seien, der Rest sei Schafwolle und andere Haare. Reines Kamelhaar sei gar nicht möglich, denn es durchlaufe dieselben Waschanlagen wie Yakwolle, Kaschmir und Wolle und das Wasser werde nicht nach jeder Waschpartie gewechselt. Auch durch die Bauern und Nomaden, die meist unter schiedliche Nutztiere halten, komme es zu Verunreinigungen. Außerdem sei das Entgrannen „kein besonders faserschonender Prozess“, der die Schuppenstruktur beschädige, sodass die spätere Zuordnung der Fasern zu einer Tierart teilweise nur noch schwer möglich sei. Die Anbieter Allna tura, Brinkhaus, Frankenstolz, Lonsberg und Traumina legten dagegen Testzertifikate vor, nach denen das an sie gelieferte Wollmaterial 100 Prozent Kaschmir beziehungsweise 100 Prozent Kamelhaar sei. Frankenstolz wies darauf hin, dass die Fasern der getesteten Bettdecke chemisch behandelt seien. Dadurch werde „die Schuppenstruktur der Faser verändert und teilweise sogar zerstört“.
Die OBB Oberbadische Bettfedernfabrik ist ratlos angesichts der Testergeb nisse. Bisher sei noch nie ein Gehalt an Permethrin nachgewiesen worden wie im Testprodukt.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Nonylphenolethoxylate. 3) Weiterer Mangel: optische Aufheller (ohne Hautkontakt). 4) Weiterer Mangel: irreführende Auslobung des Fasermaterials. 5) Bettdecke laut Anbieter bei 30 bzw. 40 Grad waschbar. 6) Laut Anbieter wurde zum Jahresanfang 2014 der Stoff gewechselt. Die neue Artikelnummer lautet 52250-10722-01, bis Ende 2013 lautete sie 52250-10623-19 (= Testprodukt). Der Preis für das „neue“ Produkt beträgt 189,90 Euro. 7) Laut einem aktuellen Anbietergutachten der laut Anbieter im Produkt verwendeten Charge enthält die Wollfüllung nur Spuren von Permethrin und keine Fremdfasern, sondern nur Verunreinigungen; allerdings lässt sich der Prüfbericht aufgrund fehlender Chargennummern nicht zweifelsfrei dem Testprodukt zuordnen. Laut Anbieter wird das Produkt gerade optimiert, unter anderem werden künftig im Gewebe keine optischen Aufheller mehr eingesetzt. Die verwendete kontrolliert biologische Wolle (kbT) wird künftig entsprechend ausgelobt. 8) Laut Anbietergutachten enthält das Produkt keine Nonylphenolethoxylate. Da das Produkt keine Charge trägt, ist es für uns nicht nachprüfbar, ob es sich um Ware aus dem gleichen Produktionszyklus handelt, wie die von uns getestete. 9) Halogenorganische Verbindungen (außer Permethrin). 10) Fasermängel: für Merino Fasern zu dick. 11) Permethrin erhöht. 12) Permethrin leicht erhöht. 13) Fasermängel: für Schurwolle Anteil an Fremdfasern zu hoch, nur teilweise Merino.
Legende: Produkte zum dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein erhöhter Gehalt von mehr als 1 mg/ kg Permethrin. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein leicht erhöhter Gehalt von mehr als 0,5 bis 1 mg/kg Permethrin; b) halogenorganische Verbindungen, falls nicht bereits Permethrin abgewertet wurde; c) für Merino Fasern zu dick; d) für Schurwolle Anteil an Fremdfasern zu hoch (mehr als 0,3 %), nur teilweise Merino. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Nonylphenolethoxylate; b) irreführende Auslobung, starke Diskrepanz zwischen Auslobung und gemessenen Faserdicken (hier: 33, 36, 37 % feine Fasern; 26, 30, 29 % dicke Fasern; bei gleichzeitiger Auslobung als „feinstes Kamelflaumhaar“, „feinstes Kamelhaar“ beziehungsweise „ Kamelhaar, superentgrannt“. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) optische Aufheller (ohne Hautkontakt). Steht bei den Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testme-thode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e. Ein Testurteil Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testurteil Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „J1410“ eingeben.
Bereits veröff entlicht: ÖKO-TEST-Magazin 9/2014. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Im Test können Sie unter einer ganzen Reihe von guten und sehr guten Produkten wählen. Ein zusätzliches Plus bieten Decken, deren Materialien aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen.
■ Schafwolle und andere Tierhaare überzeugen durch Feuchtigkeitstransport, Atmungsaktivität, Temperaturausgleich, Selbstreinigung. Und sie sind anschmiegsam. Auch Bettdecken mit vielen dicken Fasern fühlen sich noch gut an.