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TEST NUDELN AUS HÜLSENFRÜCHTEN: ERBSEN AL DENTE


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 27.12.2018

Hülsenfrüchte unkompliziert – das sind die neuen Nudeln aus Linsen, Erbsen und Co. Wir haben 19 Produkte getestet: Sechs Marken können wir als eiweißreiche Alternative zu herkömmlicher Pasta empfehlen.


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Fotos: Labor (3) Illustrationen: surreal666/Shutterstock; epine/Shutterstock


Nudeln kann jeder: Während die Teigware in Salzwasser gart, köcheln auf der zweiten Herdplatte Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Thymian. Nudeln abgießen, Soße und Parmesan darüber, fertig. Kinderleicht und zudem günstig – kein Wunder, dass ein Drittel der Deutschen ein bis mehrmals in der Woche zu Nudeln grei…

Zwischen den gängigen ...

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... Nudeln auf Weizenbasis tauchen in den Geschäften immer öfter Nudeln aus Hülsenfrüchten auf. Erbsen, Bohnen und Linsen sind gesund und liefern jede Menge Eiweiß. Sie fristen in der Küche aber eher ein Schattendasein. Können die neuen Nudeln mit klassischer Pasta aus Hartweizen mithalten und das angestaubte Image der Hülsenfrüchte aufpolieren?

Das Zubereiten der Nudeln aus Hülsenfrüchtemehl gelingt jedenfalls genauso schnell und einfach wie das Kochen einer 08/15-Nudel. Gehaltvoller ist Pasta aus Linse & Co allemal. Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin und Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, sagt: „Hülsenfrüchte sind aufgrund ihres hochwertigen pflanzlichen Eiweißes und Anteilen an Vitaminen und Mineralstoffen ein perfekter Ersatz für Fleisch.“

Wegen ihrer höheren Gehalte an Ballaststoffen und Eiweiß sättigen die Hülsenfrüchtenudeln besser als normale Nudeln. Sie sind deshalb für manche Menschen möglicherweise auch etwas schwerer bekömmlich. Dagegen helfen Gewürze wie Majoran, Basilikum, Thymian, Rosmarin, Koriander oder Kreuzkümmel.

Es steckt also viel drin in den neuen Nudeln. Nur Gutes? Das haben wir im Labor überprüfen lassen: Experten haben 19 Produkte aus Hülsenfrüchten auf Schadstoffe untersucht. Wir wollten auch wissen, wie die Nudeln schmecken. Dafür haben Sensorikspezialisten die Nudeln gekocht und probiert.
Jede Dritte ins Töpfchen. Fünf Produkte können wir als „sehr gut“ empfehlen, ein Produkt ist „gut“. Zwölf Marken liegen im Mittelfeld, eine fällt durch: Die Alb-Gold Fit’n’Free-Nudeln sind stark mit Mineralölkomponenten belastet.
Mineralöl. Eiweiß, Ballaststoffe, Mineralstoffe – das ist gut. Aber Mineralöl? In gut zwei Dritteln der Nudeln kritisieren wir die Verunreinigung mit den Mineralölkomponenten MOSH/POSH, in fünf Produkten steckt zusätzlich MOAH. Das Problem: Gesättigte Kohlenwasserstoffe wie MOSH können sich im Körper anreichern, sie haben in Tierversuchen Organe wie die Leber geschädigt. POSH, die sich im Labor analytisch noch nicht von MOSH trennen lassen, verhalten sich möglicherweise ähnlich. Deshalb bewerten wir sie gleich. Die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe MOAH sind eine Gruppe von Stoffen, von denen einige krebserregend sein können. Sie haben in Lebensmitteln absolut nichts verloren.

Die Mineralölbestandteile können auf vielen Wegen in die Nudeln gelangen. Schon bei Anbau und Ernte der Hülsenfrüchte kann zum Beispiel Öl aus Maschinen auf die Früchte übergehen. Transportverpackungen aus Altpapier können Mineralöl aus Druckfarben enthalten. Auch während der Verarbeitung ist eine Verunreinigung möglich. Und schließlich können auch Endverpackungen aus Karton mit Mineralöl belastet sein. POSH wiederum können aus dem Kunststoff oder dem Kleber von Plastik verpackungen auf die Nudeln übergehen.

Glyphosat, nein danke. In vier Produkten stecken Spuren des besonders bedenklichen Pestizids Glyphosat. Der umstrittene Unkrautvernichter steht im Verdacht, Krebs zu erregen. In den drei Bio-Produkten überschreiten die Rückstände den Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Naturwaren für Bio-Ware. Von Bio-Produkten erwarten Verbraucher, dass sie frei von Pestiziden sind. Deshalb gibt es für die belasteten Bio-Produkte zusätzlich Notenabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel.
Glutenfrei, ja bitte. Nudeln ohne Weizen, das kann auch eine gute Alternative für Menschen mit Glutenunverträglichkeit sein. 16 Produkte sind als „glutenfrei“ ausgelobt. Ob sie es wirklich sind, haben wir im Labor messen lassen. Die Analyse gibt grünes Licht. In 13 der als „glutenfrei“ gekennzeichneten Marken war gar kein Gluten nachweisbar, lediglich drei Produkte enthalten winzige Spuren von Gluten. Die Mengen sind so gering, dass sie auch Menschen mit einer Glutenallergie keine Probleme machen.

Geschmackssache. Nudeln aus Hülsenfrüchten schmecken anders, klar. Aber anders darf nicht unangenehm sein. Die Sensorikprüfer urteilten: Die Govinda Goodel Die Gute Nudel 80¨% Kichererbsen, die zusätzlich Leinsamen enthält, hat eine raue, nicht nudeltypische Ober-fläche. Zudem riecht sie muffig, künstlich und brandig und hat eine künstliche Note im Geschmack. Deshalb lautet unser Sensorikurteil in diesem Fall „ausreichend“. Auch die Erbsennudeln von Buck und Aldi Nord sowie die Kichererbsennudeln von Biovence sind sensorisch nicht optimal: Sie riechen leicht muffig oder leicht brandig und sind klebrig im Mund oder sie schmecken leicht bitter.

SO REAGIERTEN DIE HERSTELLER

Der AnbieterGovinda Natur schrieb uns, dass es sich bei den Govinda Goodel Die Gute Nudel 80¨% Kichererbsen um Rohkostqualität handelt, die bei höchstens 42 Grad Celsius verarbeitet sei. Daher seien bei den Nudeln die Aromen der Rohstoffe intensiver, die Farbe natürlicher und die Oberfläche nicht so glatt. „Rohkostqualität“ klingt gut. Aber mal ehrlich, spätestens wenn die Nudeln im kochenden Wasser landen, ist es mit der Rohkostqualität vorbei. Sorry, aber auch Nudeln aus Hülsenfrüchten in Rohkostqualität müssen sensorischen Ansprüchen genügen. Im Labor und auf dem Teller sowieso.

So schmecken die Nudeln…

… aus LinsenRiechen getreidig bis aromatisch;schmecken süß und würzig oder fruchtig (Aldi Süd, Byodo, Rossmann) oder süß und salzig oder etwas bitter (Basic, Haus Rabenhorst, Probios); erst bissfest, später mürbe im Mund.

… aus ErbsenRiechen nach frischen bis trockenen Erb- sen;schmecken süß nach frischen Erbsen (Alnatura, Aldi Nord, Rewe,Tegut) oder nach getrockneten Erbsen (Buck).

… aus KicherErbsenRiechen aromatisch bis getreidig oder nussig;schmecken süß und würzig; erst bissfest, später mürbe im Mund; der Favorit der Geschmackstester waren die >4/b-Go/c/-Nudeln.

… aus SojabohnenRiechen getreidig bis aromatisch;schmecken süß und würzig; sind bissfest und elastisch im Mund; quellen beim Kochen teilweise stark auf (Konjac).

ÖKO- TEST

„Nudeln mit viel Eiweiß und Mineralstoffen – klasse. Die Verunreinigung mit Mineralöl müssen die Hersteller jedoch in den Griff bekommen.“

Christine Throl, ÖKO-TEST-Redakteurin.


Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf der Seite 120.
Abkürzungen: MOAH = mineral oil aromatic hydrocarbons (aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl); MOSH = mineral oil saturated hydrocarbons (gesättigte Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl); POSH = polyolefin oligomeric saturated hydrocarbons (oligomere gesättigte Kohlenwasserstoffe aus Polyolefinen).
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Rückstand an Glyphosat über dem BNN-Orientierungswert für Pestizide in einer Bio-Ware.2) Weiterer Mangel: eher zu kurze Kochzeit angegeben.3) Weiterer Mangel: vereinzelt lösen sich die Schweißnähte der Verpackung.4) Laut Anbieter wurde das Produkt mittlerweile verändert und trägt jetzt die EAN-Nr. 4305615620305.5) Laut einem Anbietergutachten wurden in einer chargengleichen Probe des Produktes weniger MOSH analysiert, wobei eine höhere Bestimmungsgrenze angewendet wurde. Dieser Gehalt hätte bei uns zu einer Abwertung um eine Note geführt.6) Laut einem Anbietergutachten wurde in einer chargengleichen Probe des Produktes kein Glyphosat nachgewiesen. Das von uns beauftragte Labor hat unser Ergebnis bestätigt.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) der Nachweis von MOAH; b) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle „stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle „erhöht“); b) Mehr als 0,01 mg/kg eines oder mehrerer besonders bedenklicher Pestizide (hier: Glyphosat). Unter dem Testergebnis Sensorik führen zur Abwertung um drei Noten: deutliche sensorische Auffälligkeiten („Aussehen nicht nudeltypisch, riecht muffig, künstlich, brandig; schmeckt künstlich“). Zur Abwertung um eine Note führen: geringe sensorische Auffälligkeiten wie „riecht leicht muffig; klebrig im Mund“, „riecht leicht brandig; klebrig im Mund“ und/ oder „schmeckt leicht bitter“. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) vereinzelt lösen sich die Schweißnähte der Verpackung; b) ein oder mehrere Pestizide in Gehalten über dem Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) für Pestizide, wenn es sich um Bio-Ware handelt. Zur Abwertung um eine Note führt: eher zu kurze Kochzeit angegeben.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Sensorik oder ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um jeweils eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter → Hefte → ÖKO-TEST Magazin. Wählen Sie die Ausgabe aus und scrollen Sie ans Seitenende.
Einkauf der Testprodukte: September 2018.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürften keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO- TEST RÄT

→ Fünfmal „sehr gut“, einmal „gut“: Die neuen Nudeln sind fix gekocht und eine prima Eiweißalternative zu Fleisch.
→ Alle Produkte sind ausschließlich aus dem Mehl von Hülsenfrüchten hergestellt und für eine rein pflanzliche, vegane Ernährung geeignet.
→ Die Produkte sind teurer als herkömmliche Pasta. Dafür reichen kleinere Portionen, weil sie besser sättigen.

SO TESTET ÖKO-TEST

Wir haben 19 Mal Nudeln aus Linsen, grünen Erbsen, Kichererbsen und Sojabohnen in Bio- und Supermärkten, Discountern, Reformhäusern und im Internet eingekauft.
Wir wollten wissen: Enthalten die NudelnRückstände von Pestiziden? Sind sie mitMineralölbestandteilen verunreinigt? Lassen sich in den Sojanudelngentechnisch veränderte Organismen nachweisen? Die meisten Produkte sind als„glutenfrei“ gekennzeichnet. Ist die Auslobung gerechtfertigt?
Sechs geschulte Experten haben die Nudeln gekocht und gegessen undGeschmack, Geruch, Mundgefühl und Optik beurteilt.
Ein„sehr gutes“ Gesamturteil gibt es nur für Produkte, die nicht mit Pestiziden oder Mineralölbestandteilen belastet sind und typisch nach Linsen, Erbsen und Co. schmecken und riechen.
ErheblicheMängel in der sensorischen Qualität, sowie eine mangelhafte Verpackung verschlechtern das Gesamturteil.


Foto: Anja Wägele