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TEST Obstbrei in Tüten: Eingetütet


ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 1/2016 vom 14.01.2016
Artikelbild für den Artikel "TEST Obstbrei in Tüten: Eingetütet" aus der Ausgabe 1/2016 von ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: moreimages/Shutterstock

Ja, Obst ist gesund. Und Obstbrei auch. Aber er ist von Natur aus auch sehr süß – je nach Sorte mit Zuckergehalten, die vergleichbar mit dem eines Fruchtzwergs sind. Das ist zunächst einmal auch nicht bedenklich, weil die Vitamine und Ballaststoffe, die unter und in der Schale ste- cken, so wertvoll sind, dass der enthaltene Fruchtzucker quasi als „Beigabe“ völlig in Ordnung ist. Allerdings gibt es Mittel und Wege, den natürlichen Zuckergehalt zusätzlich in die Höhe zu treiben: ganz natürlich, ohne zugesetzten Kristallzucker. Wir wollten genau wissen, was von den ...

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... verschiedenen „Obstquetschen“ zu halten ist, und haben 15 ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

■ Quatsch zum Quetschen: Nur eine einzige Tüte schafft es auf ein „gut“. Alle anderen können wir nicht oder nur eingeschränkt empfehlen. Fünf Produkte floppten im Test: Für Pestizide, Konzentrate, Fruchtsüße und mangelhafte Deklaration können wir nur ein „ungenügend“ geben. Enttäuschend auch: Danival Poki Bio Pomme Banane – ein Bio-Produkt, in dem das von uns beauftragte Labor gleich drei Pestizidrückstände über Diätverordnung und auch dem Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Na- turwaren (BNN) gefunden hat. Damit ist das Produkt alles – nur nicht bio.

■ Der durchschnittliche Zuckergehalt eines Apfels oder einer Birne liegt bei etwa 10 Gramm pro 100 Gramm. In einigen der Breie stecken allerdings 16 bis fast 18 Gramm – die meisten Hersteller werben mit „ohne Zuckerzusatz“ oder ähnlichen Versprechen. Die Mogelei lässt sich einfach entschleiern: Fünf Hersteller fügen dem getesteten Obst versteckte Zucker zu. Nehmen wir das Odenwald Pocket Fruchtmus Apfel, Erdbeere, Banane – der süßeste Brei im Test. Alles reiner Fruchtzucker – aber davon umgerechnet knapp sechs Stück Würfelzucker in einer Tüte. Trick Nummer 1: Apfelsaftkonzentrat. Trick Nummer 2: Traubensaftkonzentrat. Und da das offenbar nicht reicht, greift Odenwald zu Trick Nummer 3: Fruchtsüße. Ergebnis: Stolze 17,7 Gramm Zucker pro 100 Gramm – etwa so viel wie in zwei Milchschnitten (16,6 Gramm) oder in einem 0,2-Liter-Glas Fanta (18,4 Gramm) und sogar fast zwei Stück Würfelzucker mehr als in 100 Gramm Fruchtzwergen (12,8 Gramm). In anderen Obstbreien treibt Acerolasaftkonzentrat den Vitamin-C-Gehalt in die Höhe.
■ Eine Mischung aus Säure und Zucker, die durch das Mundstück der Verpackung gesaugt wird, birgt eine erhöhte Kariesgefahr für Kinder. Die kleinen Milchzähne sind deutlich empfindlicher als die Zähne Erwachsener. Deswegen gibt es für die Kariesgefahr Punktabzug für alle Verpackungen, die sich mit ihrer Aufmachung explizit an Kinder wenden.
■ Erstickungsgefahr: Einige Produkte sind mit einem großen sogenannten Chokesafe-Deckel ausgestattet, die anderen mit einem kleinen, verschluckbaren Verschluss. Für Spielzeug regelt das die Europäische Spielzeugrichtlinie EN 71, die eine Mindestgröße für abreißbare Kleinteile vorschreibt. Allerdings ist diese Norm nur für Spielzeug bindend – nicht für Lebensmittelverpackungen für Kinder. Weil die Deckel von Obstbrei nicht verschluckbar sind, die Türen eines Modellautos aber schon? Wohl eher, weil der Gesetzgeber bisher keine Vorgabe für kindgerechte Lebensmittelverpackungen entwickelt hat. Für uns ist der Fall einfach: Es gibt nicht verschluckbare Deckel, solche verwenden mehr als die Hälfte der Hersteller im Test. Und die anderen gehen ein völlig unnötiges Risiko ein.
■ Alle Verpackungen enthalten Aluminium und/oder PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen. Solche Einwegverpackungen lassen die Müllberge wachsen. Solange die Verpackung nicht erheblich beschädigt wird, kommt der Brei nicht in Kontakt mit dem Aluminium – was sich in unserem Test bestätigt hat. Zwar weisen alle Produkte Aluminiumgehalte von bis zu zwei Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) auf, diese sind aber so gering, dass von einem natürlichen Vorkommen im Obst ausgegangen werden kann.
■ Pestizide im Brei: ÖKO-TEST hat schon viele Obst- und Gemüsebreie für Kinder getestet. Aber Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in den Babygläschen? Das ist schon sehr lange her. Kein Wunder, denn der Obstbrei in Gläschen fällt offiziell unter die „Beikost“, die gesetzlich klar in der strengen Diätverordnung Verbindungeregelt ist. Ein Beispiel: Pestizidrückstände über 0,01 mg/ kg sind nicht erlaubt. Gleiches Produkt, andere Verpackung: Wenn ein Hersteller keine Altersempfehlung angibt, beruft er sich darauf, dass sich das Produkt nicht an Kleinkinder (unter Dreijährige) richte. Auch wenn er das nirgendwo auf der Verpackung kenntlich macht. Dann ist umstritten, ob die Diätverordnung gilt: Einige Landesuntersuchungsämter sagen Nein, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sagt Ja. Die Hersteller berufen sich derweil auf die für Obst geltenden Rückstandshöchstwerte – die teils das Zigfache des Werts für Kleinkindernahrung betragen. Die Produkte im Test, die eine Altersempfehlung ab sechs Monaten oder ab einem Jahr tragen, sind pestizidfrei. In fünf Zuckervon sieben Tüten ohne Altersempfehlung stecken hingegen Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel. Die beiden Ausnahmen: Bio-Produkte. Für uns ist klar: Obstbrei in bunten Tüten, der sich mit seiner Aufmachung an Kinder wendet, wird auch von Kleinkindern gegessen. Deswegen legen wir die Diätverordnung zugrunde.
■ „Weitere Mängel: ungenügend“ heißt es vier Mal in unserem Test. Die betroffenen Produkte in Sachen Deklaration und Verpackung fallen gnadenlos durch. Fehlende Altersempfehlungen, fehlende Warnhinweise und immer wieder die irreführende Werbung „ohne Zuckerzusatz“ – drei Hersteller werben sogar mit dieser Aussage, wenn sie stattdessen andere süßende Zutaten wie Konzentrate oder Fruchtsüße zugefügt haben.

ÖKO-TEST rät

■ Wenn es unbedingt einmal eine „Obstquetsche“ sein soll, achten Sie auf die Zutatenliste. Begriffe, die auf „ose“ enden, deuten auf zugesetzten (Frucht-)Zucker hin – genauso wie Saftkonzentrate und der Begriff „Fruchtsüße“.
■ Produkte mit der Altersangabe „ab 1 Jahr“ fallen ganz klar unter die Diätverordnung, die recht strenge Richtlinien für Babyund Kleinkindernahrung vorgibt. Unser Test zeigt, dass diese Produkte bezüglich der Inhaltsstoffe und der Deklaration durchschnittlich besser abschneiden als diejenigen ohne Altersangabe.
■ „Quetschies“ sollten mit ihrem hohen Fruchtzuckergehalt eher als Süßigkeit angesehen werden – und deswegen besser das Stück Schokolade als die Portion frisches Obst ersetzen.