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TEST: Orangensaft: Rund und gesund


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2012 vom 19.10.2012

Es geht auch flüssig: Wer Vitamine naschen möchte, braucht nicht immer Obst zu schälen. Orangensaft ist ein schmackhafter Vitamin-C-Lieferant und viele Produkte bestehen unseren Test mit guten Noten.


Artikelbild für den Artikel "TEST: Orangensaft: Rund und gesund" aus der Ausgabe 10/2012 von ÖKO-TEST Jahrbuch. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Olivier Dirson/fotolia.com

Knapp neun Liter Orangensaft trinkt jeder Bundesbürger im Schnitt jährlich. Ein Wert, der seit Jahren ziemlich stabil ist.

Wer in die Saftregale schaut, entdeckt dort zunehmend Direktsäfte, also Saft, der nicht aus Konzentrat hergestellt ist. Welche Wahl aber ist besser? Wir haben den Test gemacht und wollten wissen, ob in Konzentratsaft und Direktsaft zum Beispiel genug ...

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... Eigenaroma steckt. Das lässt sich über aufwendige Laboranalysen herausfinden. Des Weiteren haben wir auf Rückstände von Pestiziden untersucht. Letztlich haben wir Experten im Labor die Frage gestellt: Schmecken die Säfte? Im Test: 20 Produkte aus Supermärkten, Discountern und Bio-Läden, der billigste für 87 Cent, den teuersten für 4,56 Euro pro Liter.

Das Testergebnis

■ Direktsaft ist nicht zwangsläufig besser als ein Saft aus Konzentrat: Auf dem Siegertreppchen steht ein Aldi-Direktsaft gleichberechtigt mit zwei Bio-Produkten, davon eines aus Konzentrat, das andere ein Direktsaft. Am unteren Ende unserer Bewertungsskala tummeln sich ebenfalls sowohl Konzentrat-als auch Direktsäfte.
■ Die meisten Abwertungen gibt es für eine nicht überzeugende Sensorik. Bei vielen Säften reichte es gerade mal zu einem „befriedigend“.
■ Aroma wie in einer Orange? Diese Frage stellt sich eigentlich vor allem bei Konzentratsäften. Denn beim Eindicken des Konzentrats verflüchtigen sich bestimmte Aromen, die nachher wieder richtig zugefügt werden müssen. Die Säf- te von Jacoby und Granini waren hier zu schwach, die Säfte von Albi und Merziger viel zu schwach rearomatisiert. Interessanterweise waren auch in den beiden Bio-Direktsäften von Rewe und Voelkel viel zu wenige Aromastoffe enthalten – sogar noch weniger als in den meisten Konzentratsäften. Wir werten das besonders konsequent ab.
■ Vitamin C sollte – ganz natürlich – aus den Früchten kommen: Bei den Säften der Marken Valensina und Naturella ist aber ein nachträglicher Vitamin-C-Zusatz in der Zutatenliste aufgeführt. Das kann den Eindruck erwecken, dass es sich hierbei um einen ganz besonders wertvollen Saft handelt. Tatsächlich kommt ein nachträglicher Vitamin-C-Zusatz aber gerade dann infrage, wenn in der Rohware selbst recht wenig Vitamin C steckt und man sonst nur schwer auf die Vitamin-C-Werte kommt, die von den Leitsätzen für Fruchtsaft gefordert werden.
■ Gute Nachrichten in Sachen Pflanzenschutzmittel: Das von uns beauftragte Labor fand, wenn überhaupt, nur Spuren.
■ Beim Anschauen der Etiketten haben wir uns schon ein paar Mal die Frage gestellt, ob uns die Hersteller für dumm verkaufen wollen: Viele weisen auf den Etiketten darauf hin, dass der Saft ohne Konservierungsstoffe oder ohne Farbstoffe hergestellt wurde. Dabei sind diese Stoffe bei Orangensaft ohnehin nicht erlaubt! Hohes C, Edeka und Rauch loben aus, dass mit einem Glas der Tagesbedarf an Vitamin C gedeckt wird. Dies bezieht sich aber nicht auf die Werte, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt. Albi und Merziger versprechen etwa „fruchttypischen Geschmack“ oder „Tausende von kleinen Geschmacksnuancen“. Doch auch gerade diese beiden Säfte waren viel zu schwach rearomatisiert und haben nur „befriedigend“ geschmeckt.

So reagierten die Hersteller

„Die Aromenanalyse zeigt Veränderungen auf“, die auf eine „zumindest zeitweise Lagerung unter nicht geeigneten Bedingungen“ zurückzuführen seien, ließ uns Hersteller Albi wissen. Der Saft sei immerhin schon etwa sieben Monate im Handel gewesen. Das mag sein. Trotzdem war er zum Zeitpunkt unserer Untersuchung noch länger als vier Monate haltbar! Und das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ja so etwas wie ein Versprechen des Herstellers, wie lange die Ware noch einwandfrei ist.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Einwegflasche. 3) Weiterer Mangel: Auslobung von Selbstverständlichkeiten: Hinweis „Laut Gesetz ohne Konservierungsstoffe“ und/oder „Laut Gesetz ohne Farbstoffe“. 4) Laut Deklaration enthält das Produkt das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure. Chemisch gesehen handelt es sich dabei zwar um Vitamin C, der Stoff wird aber als Zusatzstoff eingesetzt. 5) Weiterer Mangel: spezifische Auslobung zu besonderen Eigenschaften des Saftes, die weder analytisch noch sensorisch gedeckt sind. 6) Weiterer Mangel: Auslobung: „Ein Glas deckt den Tagesbedarf an Vitamin C“. 0,2 l des Produkts enthalten aber weniger als 100 mg Vitamin C, was nach den Empfehlungen der DGE der empfohlene Tagesbedarf ist. 7) Weiterer Mangel: Auslobung „Reich an natürlichem Vitamin C“ bei einem Vitamin-C-Gehalt von weniger als 300 mg/l. 8) Laut Anbietergutachten erzielte das Produkt bei einer Sensorikprüfung 14,5 von 20 erreichbaren Punkten nach IFU. 9) Zu schwaches Orangensaft-typisches Eigenaroma. 10) Viel zu schwaches Orangensafttypisches Eigenaroma. 11) Vitamin-C-Zusatz deklariert.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um drei Noten: Ein viel zu schwaches orangensafttypisches Eigenaroma bei einem Direktsaft (Summe der Ester unter 167 μg/l). Zur Abwertung um zwei Noten führt: eine viel zu schwache Rearomatisierung der Wasserphase bei einem Konzentratsaft (Summe der Ester unter 167 μg/l; entspricht viel zu schwaches Orangensaft-typisches Eigenaroma). Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: a) eine zu schwache Rearomatisierung der Wasserphase bei einem Konzentratsaft (Summe der Ester zwischen 167 und 250 μg/l; entspricht zu schwaches Orangensaft-typisches Eigenaroma); b) ein Zusatz von Vitamin C. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um drei Noten: Sensorik „ausreichend“ (12 oder weniger IFU-Punkte). Zur Abwertung um zwei Noten führt: Sensorik „befriedigend“ (13 bis 14 IFU-Punkte). Zur Abwertung um eine Note führt: Sensorik „gut“ (15 bis 16 IFU Punkte). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung; b) Einwegflasche; c) die Auslobung „Reich an natürlichem Vitamin C“ bei einem Vitamin-C-Gehalt von weniger als 300 mg/l; d) die Auslobung „Ein Glas deckt den Tagesbedarf an Vitamin C“ bei einem Produkt, das in 0,2 l weniger als 100 mg Vitamin C enthält; e) die Auslobung „Laut Gesetz ohne Konservierungsstoffe“ und/oder „Laut Gesetz ohne Farbstoffe“; f) eine spezifische Auslobung zu besonderen Eigenschaften des Saftes, die weder analytisch noch sensorisch gedeckt sind. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „J1210“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Kompakt Vitamine 3/2012. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ „Sehr guter“ Saft muss nicht teuer sein: Schon für 1,39 Euro bekommen Sie einen ausgezeichneten Direktsaft, für 1,79 Euro einen „sehr guten“ Bio-Saft.
■ Das Fairtradelabel auf bestimmten Produkten garantiert Ihnen, dass beim Anbau der Orangen strenge Sozialstandards eingehalten wurden.