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TEST Pflanzen- und alternative Haarfarben - Braun macht auf grün


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ÖKO-TEST Spezial Vegetarisch und Vegan - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 11.11.2021

TEST PFLANZEN- UND ALTERNATIVE HAARFARBEN

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RATGEBER

1 Alle zehn reinen Pflanzenhaarfarben sind in unseren Augen „sehr gut“. Drei davon schaffen das auch ohne Naturkosmetik- Zertifikat.

2 Nicht blenden lassen von vielen Pflanzenzusätzen:

Echte Pflanzenhaarfarben schreiben meist auf die Verpackung, dass sie nur aus Pflanzen bestehen.

3 Ist die Liste der Inhaltsstoffe sehr lang oder ist von 100-prozentiger Grau-Abdeckung die Rede, ist Misstrauen angebracht. Dann handelt es sich ziemlich sicher um eine Oxidationshaarfarbe.

Es war das Jahr des Selber-Färbens: 2020 experimentierten viele Frauen das erste Mal mit Färbepasten im heimischen Badezimmer, häufig nicht ganz freiwillig. Kein Wunder, dass sich der Markt für Haarfarben dynamisch entwickelte. Doch wer sich derzeit auf die Suche macht nach Farben mit natürlichen Inhaltsstoffen, der trifft auf ein unübersichtliches Angebot: Große Kosmetikkonzerne sind ...

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... mit echten Pflanzenhaarfarben in Drogeriemärkten präsent, während Reformhäuser immer mehr chemische Oxidationsfarben neben die Naturkosmetik stellen. Schwer für Kundinnen, da noch durchzublicken: Irgendwas mit Natur und Pflanzen machen sie scheinbar alle. Auch wir haben 17 braune Haarfarben eingekauft: Darunter echte Pflanzenhaarfarben ebenso wie synthetische Permanentfarben, die auf pflanzlich machen.

Entweder sehr gut oder sehr schlecht Dunkelrot oder dunkelgrün: Dazwischen gibt es in diesem Test nichts. Die zehn reinen Pflanzenfarben glänzen durchweg mit „sehr gut“. Sämtliche „alternative“ Haarfarben entpuppen sich dagegen als Oxidationsfarbstoffe mit schwerer Schadstofffracht und fallen mit „ungenügend“ durch.

Dabei scheinen sie auf den ersten Blick doch alle natürliche Absichten zu haben: Die Marke Naturtint bietet „Von der Natur inspirierte Farben, angereichert mit natürlichen, biologischen Pflanzensamenölen und Extrakten“, die Haarfarbe mit Namen Sanotint schreibt vorne auf die Verpackung nur: „Mit Goldhirse und Kräuterextrakten. Ohne Ammoniak, Paraffine, Silikone und Resorcin.“ Da müssen Kundinnen sich schon ein wenig auskennen, um zu durchschauen, dass es sich bei beiden Reformhaus-Produkten um chemische Oxidationsfarben handelt.

Der kleine Unterschied Doch wo liegt überhaupt der Unterschied? Pflanzenhaarfarben färben – wie der Name schon sagt -ausschließlich mit zermahlenen Blättern, Blüten oder Wurzeln: Die Farbstoffe aus Henna, Indigo, Färber- krapp oder Kamille legen sich wie eine Lasur um den Haarschaft und verbinden sich vorwiegend mit dessen äußerer Schuppenschicht. Ganz anders funktioniert das Prinzip der chemischen Oxidationshaarfarben: Die zunächst farblosen Mittel dringen tief ins Haarinnere ein, wo Wasserstoffperoxid zunächst die natürlichen Melanin-Pigmente zerstört. Erst dann reagieren die verschiedenen Färbekomponenten im Haarinneren miteinander, bilden die gewünschten Farbpigmente aus und lagern diese zwischen den Keratinsträngen ein.

„Krebserregende Färbechemikalien stehen inzwischen auf einer Verbotsliste. Ohne Risiko sind die chemischen Haarfarben deshalb noch lange nicht.“

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

Was Pflanzen (nicht) können

Dunkler geht

Das Farbspektrum für Pflanzenfarben ist inzwischen riesig und bietet zahlreiche Nuancen zwischen Blond, Rot, Braun und Schwarz. Regel dabei: Dunkler geht immer. Eine Aufhellung des Haarschopfes um mehr als eine Nuance funktioniert dagegen nur nach vorheriger chemischer Blondierung.

Pflege und Lasur

Pflanzenhaarfarben greifen nicht in die innere Haarstruktur ein, sondern legen sich um die äußere Schuppenschicht und verleihen dem Haar Glanz. Weil sie die ursprüngliche Haarfarbe wie eine Lasur überziehen, leisten sie auch keine hundertprozentige Abdeckung. Einzelne graue Haare schimmern immer eine Nuance heller durch.

Hält das?

Pflanzenpigmente haben aufgeholt, was ihre Dauerhaftigkeit angeht, und einige zählen sich inzwischen zu den permanenten Haarfarben: Ayluna schreibt uns, dass die Farbe etwa 15 bis 25 Haarwäschen überdauert. Die Marke Radico in unserem Test dagegen tritt mit dem Anspruch einer temporären Tönung an und hält laut eigenen Angaben 3 bis 6 Wochen.

Starke und extreme Kontaktallergene

Diese Färbechemie funktioniert mit der Stoffgruppe der aromatischen Amine. Alle Permanent-Haarfarben im Test enthalten aromatische Amine, meist einen ganzen Cocktail. Darunter einige, die das EU-Beratergremium für Verbrauchersicherheit (SCCS) als starke oder sogar extrem starke Kontaktallergene einstuft. p-Phenylendiamin (PPD) gehört dazu, Toluene-2,5-Diamine Sulfate oder HC Red No.3. Haben solche Stoffe erst eine Kontaktallergie mit schmerzhaften Rötungen, Schwellungen und Juckreiz ausgelöst, besteht die Allergie ein Leben lang. Bei jedem weiteren Kontakt mit den Stoffen reagiert die Haut aufs Neue.

Keine Spur von Bio

Allzu bunt treibt es die Biokap Haarfarbe mit Bio-Arganöl: Unter ihren insgesamt sechs verschiedenen aromatischen Aminen befindet sich auch p-Aminophenol. p-Aminophenol steht im Verdacht, genetische Defekte zu verursachen. Von Bio, das so groß im Namen auftaucht, also keine Spur.

Früher war es noch schlimmer

Aber waren die chemischen Haarfarben nicht früher sehr viel schlimmer? Stimmt. Für die Produktgruppe Haarfarben brach 2013 ein neues Zeitalter an: Nachdem eine US-Studie den Zusammenhang zwischen Haarefärben und Blasenkrebs belegt hatte, setzte die EU-Kommission ein riesiges Bewertungsprogramm in Gang und viele der zuvor noch zugelassenen Stoffe landeten auf einer Verbotsliste. Die in den getesteten Produkten enthaltenen aromatischen Amine gehören zu den rund 100 Färbesubstanzen, die Hersteller bis zu gewissen Grenzwerten in Haarfarben einsetzen dürfen. Doch wirklich unbedenklich sind viele von ihnen nicht.

Farben im Test sind ohne Resorcin Ein wichtiger Bestandteil in Oxidationsfarben ist auch der seit Langem umstrittene Stoff Resorcin. Resorcin besitzt laut Einstufung des SCCS ein starkes Sensibilisierungspotenzial und kann die Haut reizen. Wir haben die Produkte im Labor auf Resorcin untersuchen lassen, nach umfangreichen Prüfungen können wir Entwarnung geben: Der Stoff wurde nicht nachgewiesen.

Die üblichen Verdächtigen Fast zur Fußnote geraten da die allseits bekannten Problemstoffe der Kosmetik, die ganz nebenbei auch noch in den Haarfarben stecken.

Sämtliche Oxidationshaarfarben enthalten halogenorganische Verbindungen (AOX): Viele Vertreter dieser Stoffgruppe, zum Beispiel 4-Chlororesorcinol, gelten als allergieauslösend, manche von ihnen sind krebserzeugend. Auch die üblichen Verdächtigen sind wieder mit an Bord: PEG/ PEG-Derivate, die die Kopfhaut durchlässiger machen können für Fremdstoffe; umweltschädliche Polymere und sogar problematische Duftstoffe. In der Sanotint Haarfarbe und der Korres dauerhafte Haarfarbe Arganöl stecken künstliche Moschusdüfte, die sich im menschlichen Fettgewebe anreichern, über das Abwasser in die Umwelt gelangen und dort die Gewässer bedrohen. Das ist alles andere als naturnah.

Das Färben mit Pflanzenbreien erfordert etwas Übung, belohnt aber mit lebendigen, nuancenreichen Ergebnissen.

3 TIPPS

zum Färben mit Pflanzenhaarfarben

1 Gute Vorbereitung ist wichtig. Vor dem Färben sollten Reste von silikonhaltigen Shampoos oder Spülungen mit einer Tiefenreinigung ausgewaschen werden. Denn sie umhüllen die Schuppenschicht des Haares mit ihrem dünnen Kunststofffilm und die Pflanzenpigmente haften dann schlechter.

2 Ganz entscheidend ist die richtige und konstante Temperatur des Färbebreis: Richten Sie sich dabei akribisch nach den jeweiligen Angaben. Während des Auftragens die Farbe konstant auf Temperatur halten, am besten in einem Wasserbad. Solange sie einwirkt, die Haare mit Folie oder Handtuch warm und am besten auch feucht halten. Profis tasten sich übrigens in mehreren Färbeschritten an den Zielton heran.

3 Die Haare sind trocken und haben einen Grünstich? Probieren sie es mit heiß föhnen. Im Laufe der ersten beiden Tage können sich die Farben auch noch entwickeln oder nachdunkeln und sollten deshalb nicht mit Shampoo gewaschen werden. Sind Sie noch unsicher, lassen Sie sich beim ersten Mal von einem Naturfriseur in Ihrer Nähe einweisen.

Fett gedruckt sind Mängel. Abkürzungen: SCCS = Scientific Committee on Consumer Safety (Wissenschaftliches Beratergremium für Verbraucherschutz bei der EU-Kommission); CMR = cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch; DEP = Diethylphthalat.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128.

Anmerkungen: 1) Moschus-Verbindungen in Haarfarbe und Balsam, Hydroxycitronellal und Isoeugenol nur im Balsam. 2) Weiterer Mangel: synthetische Polymere. 3) Weiterer Mangel: 4-Amino-m-cresol im Labor nachgewiesen, ist aber nicht deklariert. 4) Enthält Formaldehyd/-abspalter und Moschus-Verbindungen in Haarfarbe und Creme, DEP nur im Shampoo. Weitere Mängel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; Silikone. 5) Weiterer Mangel: Verpackung erweckt den Anschein, drei Komponenten zu enthalten, enthält aber nur eine.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: a) aromatische Amine, die nach CLP-Verordnung als CMR- Stoff eingestuft sind (hier: p-Aminophenol); b) mehr als 10 mg/kg Form aldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein oder mehrere aromatische Amine, die laut SCCS-Einstufung ein extremes und/oder starkes Sensibilisierungspotenzial haben (hier: Toluene-2,5-Diamine Sulfate, m-Aminophenol, 4-Amino-m-cresol, 4-Amino-2-hydroxytoluene, 2-Amino-6-chloro-4-nitrophenol, p-Phenylendiamin, HC Red No. 3, HC Red No. 13, N,N-Bis (2-Hydroxy ethyl)-p-phenylendiamin Sulfat), wenn nicht bereits wegen eines CMR-Stoffes (hier: p-Aminophenol) um vier Noten abgewertet wurde; b) PEG/PEG-Derivate in einem Bestandteil des Produktes, der länger als 20 Minuten auf der Kopfhaut verbleibt; c) halogenorganische Verbindungen, wenn nicht bereits als stark sensibilisierendes Amin (hier: 2-Amino-6-chloro-4-nitrophenol) abgewertet wurde; d) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); e) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Isoeugenol); f) mehr als 1 000 mg/kg DEP (in Tabelle „stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) aromatische Amine, die laut SCCS-Einstufung ein moderates Sensibilisierungspotenzial haben (hier: 2,4-Diaminophenoxyethanol HCl, HC Blue No. 2, 4-Chlororesorcinol), wenn nicht bereits als halogenorganische Verbindung und/oder wegen eines Stoffs mit extremem und/oder starkem Sensibilisierungspotenzial um zwei Noten und/oder wegen eines CMR-Stoffs um vier Noten abgewertet wurde; b) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal), wenn nicht bereits wegen deklarationspflichtiger Duftstoffe um zwei Noten abgewertet wurde; c) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) synthetische Polymere (hier: Polyquaternium-4, -6, -37, -47; Silikone); b) aromatisches Amin nicht deklariert, aber im Labor nachgewiesen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine Verpackung, die den Anschein erweckt, drei Komponenten zu enthalten, aber nur eine enthält; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest. de/T2111.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2021 und ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022.

Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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