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TEST Pflanzenhaarfarben Im Färborgenen


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2011 vom 14.10.2011

Fast jede zweite Frau färbt sich in Deutschland die Haare. ÖKO-TEST hat 33 Haarfarben auf Pflanzenbasis und andere sogenannte „Natur“-Farben auf den Prüfstand gestellt: 15 Marken fallen durch den Test. Immerhin gibt es aber 18 sehr gute Produkte.


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Foto: Valua Vitaly/Fotolia.com

Naturhaarfarben gehören in die Gruppe der sogenannten semipermanenten Haarfarben, die immerhin mehr als 24 Haarwaschen uberstehen. Die gebrauchlichste Pflanze fur das Farben ist rotes Henna. „Wir verwenden aber insgesamt mehr als 20 Farbepflanzen fur unsere Pflanzenfarben, fur Blond- und Goldtone etwa Kamille, Weizen oder Kurkuma ...

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Naturhaarfarben gehören in die Gruppe der sogenannten semipermanenten Haarfarben, die immerhin mehr als 24 Haarwaschen uberstehen. Die gebrauchlichste Pflanze fur das Farben ist rotes Henna. „Wir verwenden aber insgesamt mehr als 20 Farbepflanzen fur unsere Pflanzenfarben, fur Blond- und Goldtone etwa Kamille, Weizen oder Kurkuma und Walnussschalen fur Braunnuancen“, erklart Kirsten Luger vom Pflanzenfarbenanbieter Culumnatura. Auch Indigo, das Textilien und die Jeans blau farbt, werde verwendet. Damit seien kuhle Rotnuancen, beispielsweise Burgunder, realisierbar, sagt Luger. Die meist pulverformigen Pflanzenprodukte wer- den mit hei.em Wasser zu einem Brei angeruhrt, der meist zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden im Haar bleiben muss. Die Firma Lush empfiehlt fur ihre Henna-Produkte sogar drei bis acht Stunden – damit wird das Farben zur tagesfullenden Aufgabe.

OKO-TEST hat 33 Haarfarben auf Pflanzenbasis oder mit einer Bezeichnung, die uberwiegend „Natur“ im Produkt vermuten lasst, eingekauft und die Bestandteile der Rezepturen ins Visier genommen.

Das Testergebnis

■ Im Vergleich zu herkommlichen Haarfarben und Tonungen haben die untersuchten Produkte deutlich besser abgeschnitten. Immerhin 18 Pflanzenfarben bekommen ein „sehr gut“. 15 Marken fallen dagegen mit „mangelhaft“ oder „ungenugend“ durch. Hier handelt es sich um ganz konventionelle Produkte, die sich das Deckmantelchen „Henna“, „Bio“ oder „Natur“ umlegen, tatsachlich aber mit problematischen Farbechemikalien zu Werke gehen.
■ Knapp die Halfte der Haarfarben wartet mit problematischen Stoffen wie Phenylendiamin auf. Diese Substanz und viele andere wie m- oder p-Aminophenol gehoren zur Gruppe der aromatischen Amine, einige Vertreter dieser Stoffgruppe gelten als krebsauslosend.
■ Viele Farbechemikalien sind bislang nur vorlaufig zugelassen. Der Prufprozess ist langwierig und dauert bereits seit mehreren Jahren an. In dieser Zeit hat sich herausgestellt, dass viele der haufig eingesetzten Farbekomponenten stark sensibilisierend sind und eine Kontaktallergie auslosen konnen. Symptome konnen schmerzhafte Rotungen, Schwellungen und Juckreiz etwa im Gesicht und Nacken sein. Auf diese Gefahr weist heute schon der Warnhinweis „kann eine allergische Reaktion auslosen“ hin.
■ Die Esther Tol Henna-Color, Rot Extra-Stark, die Henné Masria Rapide, Feurig Rot und das Henné Color Premium Végétal Pflanzliches Haarfarbepulver, Auburn Passion enthalten das aromatische Amin Sodium Picramat, das ein rotlich gelber Farbstoff ist.

Im Klartext: Diese vermeintlichen Naturprodukte sind ganz konventionelle chemische Haarfarben, ebenso wie es die neun dauerhaften Haarfarben mit den Komponenten Farbcreme und Entwickler der Kosmetikanbieter Extracta, Borlind, Frenchtop, Der Mayer und Power Health Ned. sind. In funf weiteren Produkten monieren wir zudem das stark sensibilisierende Resorcin.
■ In einigen Marken kritisieren wir die eingesetzten Konservierungsstoffe. Die Pflegekomponenten der zwei Nuancen der Naturtint Dauerhafte Coloration sowie der Henna Plus Long Lasting Colour sind mit Imidazolidinyl Urea oder Diazolidinyl Urea haltbar gemacht. Solche Formaldehyd/ -abspalter konnen Allergien auslosen.
■ In der Puravera Sanfte Creme-Coloration 03 Mocca steckt Propylparaben. Dieser Stoff ist in Verdacht geraten, wie ein Hormon zu wirken.
■ Umstrittene halogenorganische Substanzen wie Iodopropynyl Butylcarbamate oder Methylchloroisothiazolinone sollen die Tonungscremes Henné Color Premium Végétal, Brun Voluptueux und Henné Color Tonungscreme Brun, Braun vor Keimbefall bewahren.

Das Methylchloroisothiazolinone wird in Kombination mit Methylisothiazolinone eingesetzt: Das Gemisch ist sensibilisierend.

OKO-TEST rat

■ Auf zertifizierte Naturkosmetik können Sie sich am ehesten verlassen. Alle von uns untersuchten gelabelten Produkte waren rundum in Ordnung.
■ Beim Friseur genau nachfragen, welche Pflanzenhaarfarbe benutzt wird: Während das Friseurprodukt von Schwarzkopf in unserem Test mit „sehr gut“ abschneidet, enthält die Friseurfarbe von Wella problematische aromatische Amine.
■ Eine Färbung mit Pflanzenhaarfarben kann sehr unterschiedlich ausfallen – auch sehr intensiv in Richtung orange-rötliche Nuancen. Zudem nimmt graues Haar dunklere Töne schlechter an. Daher immer eine Probesträhne vorfärben.