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TEST Pflegeversicherungen für Kinder: Gut und günstig


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 26.08.2011

Für ganz wenig Geld können Kinder gegen die finanziellen Folgen von lebenslanger Pflegebedürftigkeit durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit abgesichert werden. Doch einige Tarife bieten nur scheinbar Sicherheit, wie unser Test zeigt.


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Eine Pflegeversicherung für Kinder? Das scheint auf den ersten Blick absurd. Ist es aber nicht. „Existenzieller Invaliditätsschutz über eine Pflegeversicherung ist keine schlechte Idee“, sagt Georg Pitzl, Versicherungsberater aus Mering bei Augsburg. Denn die Produkte sind extrem günstig, weil das Risiko, dass das Kind tatsächlich nach ...

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Eine Pflegeversicherung für Kinder? Das scheint auf den ersten Blick absurd. Ist es aber nicht. „Existenzieller Invaliditätsschutz über eine Pflegeversicherung ist keine schlechte Idee“, sagt Georg Pitzl, Versicherungsberater aus Mering bei Augsburg. Denn die Produkte sind extrem günstig, weil das Risiko, dass das Kind tatsächlich nach Unfall oder Krankheit lebenslang zum Invaliden wird, gering ist. Passiert das Unglück aber, dürften viele Familien schnell finanziell überfordert sein.

Der Grund: Fast immer werden Mutter, Vater oder Verwandte versuchen, ihr behindertes Kind zu Haus zu pflegen. Dann gibt es das Pflegegeld. Derzeit zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung je nach Pflegestufe monatlich zwischen 225 Euro und 685 Euro. Ab 2012 steigen die Leistungen auf 235 Euro bis 700 Euro. Um eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Pflege zu gewährleisten, ist es möglich, den Bezug von Pflegegeld mit der Inanspruchnahme von Sachleistungen zu kombinieren. Trotzdem ist die gesetzliche Pflege keine Vollkaskoversicherung. Sie deckt auf keinen Fall alle Kosten der Betroffenen. So rechnet das Bundesgesundheitsministerium bei Erwachsenen für die Pflege zu Hause mit einer Lücke von 500 bis 2.200 Euro – pro Monat. ÖKOTEST hat daher gemeinsam mit dem Softwarehaus KVpro.de aus Freiburg 22 Pflegetagegeldtarife unter die Lupe genommen, die kindgerecht in vollem Umfang auch bei Laienpflege zahlen. Sie müssen in der Pflegestufe I mindestens 600 Euro pro Monat leisten, in der Pflegestufe II 1.200 Euro und in der höchsten Stufe III 2.100 Euro. Erhoben wurden die Monatsbeiträge für Kinder, für die mit einem und zwölf Jahren eine Pflegetagegeldversicherung abgeschlossen wird.

Das Testergebnis

Die Beiträge sind sehr niedrig. Je nach Tarif kostet das Kindertagegeld pro Monat zwischen 4,06 Euro im Tarif Premium der HUK-Coburg und 8,12 Euro für PT bei der ERGO Direkt. Umgerechnet gibt es somit eine solide Absicherung der Kinder schon für knapp 50 bis weniger als 100 Euro pro Jahr. Die Beitragsunterschiede haben im Vergleich zu den Leistungsunterschieden, die entstehen, wenn die Tagegelder nicht auch im Pflegefalle regelmäßig den Kostensteigerungen angepasst werden, kaum Bedeutung. Ein Stück teurer sind die Angebote des Münchener Vereins und der Debeka. Bei ihnen wurden bereits Rückstellungen für das Alter berücksichtigt. Einen Beitragssprung, der laut des Marktbeobachter KVpro aus Freiburg in der Regel mit dem 21. Lebensjahr zu ungefähr einer Verdoppelung der Beiträge führt, gibt es hier nicht mehr.
Auszahlungen zwischen 1 und 2,6 Mio. Euro: Entscheidend für die Bewertung der Policen waren die Regelungen zur Dynamisierung. Das heißt, die heute abgeschlossene Höhe des Tagesgeldes muss ohne erneute Gesundheitsprüfung kontinuierlich der Kostenentwicklung angepasst werden. Zwar bieten grundsätzlich alle Versicherer eine solche Anpassung, aber nicht immer im Pflegefall. Der Ernstfall, dass Kinder sehr frühzeitig invalide werden und dann ein ganzes Leben lang gepflegt werden müssen, ist in Tarifen ohne Dynamisierung im Leistungsfall nicht ausreichend abgesichert. Das zeigt die Musterrechnung, wenn ein Kind nach fünf Jahren zum Pflegefall der Stufe II wird und nach weiteren 25 in Stufe III kommt. Auch bei den mit Rang 4 oder 5 bewerteten Tarifen erhalten die Versicherten in insgesamt 50 Pflegejahren über 1 Mio. Euro. Doch ein Tagessatz von 70 Euro dürfte in 50 Jahren hinten und vorne nicht mehr reichen. In den dynamischen Tarifen mit kontinuierlicher Anpassung liegt der Tagesgeldsatz im besten Fall dann bei über 300 Euro, die Zahlungen belaufen sich insgesamt auf gut 2,6 Mio. Die Art der Dynamisierung – möglich sind feste Werte wie zehn Prozent alle drei Jahre, die Orientierung am Lebenshaltungsindex oder an der Entwicklung der Pflegekosten – spielt nach Einschätzung von ÖKO-TEST keine entscheidende Rolle. Unter dem Strich dürfte die Leistungsanpassung ungefähr auf das Gleiche hinauslaufen.

Pflegebedürftigkeit von klein auf ist selten, überfordert aber die meisten Familien schnell finanziell.


Foto: happyone/Fotolia.com

Die Testsieger bieten Leistung ohne Beitragszahlung: Testsieger wurden die Tarife PZT Komfort der LVM, SC Pflege 421 + 422 + 423 + 421B (Münchener Verein) und PS 0D + 1D + 2D + 3D (Süddeutsche Krankenversicherung SDK). Diese Tarife leisten im Ernstfall – frühe Invalidität des Kindes – am meisten. Alle drei Tarife bieten eine kontinuierliche Leistungssteigerung im Pflegefall und Beitragsbefreiung schon ab Pflegestufe I. Das schützt optimal vor Beitragserhöhungen, die im schlechtesten Fall die Leistungen spürbar schmälern können. Weitere elf Tarife erreichten den Rang 2, weil es die Beitragsbefreiung nicht, nur bei Unfall oder ab Pflegestufe III gibt. Zwei Tarife liegen auf Rang 4. Sie besitzen keine Dynamik im Leistungsfall, verzichten aber schon ab Pflegestufe I auf eine weitere Beitragszahlung. Insgesamt sechs Versicherer wollen auch im Pflegefall weiter Beiträge bzw. verzichten erst ab Stufe III und mussten daher mit Rang 5 vorliebnehmen.

Mit der Zeit steigen die Beiträge: Mit der regelmäßigen und notwendigen Leistungsanpassung steigen auch die Beiträge. Startete die Versicherung beispielsweise zum 1.9.2009 zahlten die Eltern bei der HUK-Coburg bis Januar 2012 pro Monat 4,06 Euro. Danach bis Januar 2015 4,64 Euro und ab diesem Termin 5,22 Euro pro Monat. Im gleichen Turnus stieg das versicherte Tagegeld von 70 über 80 auf 90 Euro. Zwar kann die Dynamik der Leistungen gestoppt werden. Je nach Tarif muss der Versicherte nur zweioder dreimal widersprechen. Das ist jedoch problematisch, denn wer später wieder automatische Leistungssteigerungen haben möchte, muss eine Gesundheitsprüfung machen. Das kann bei einer Erkrankung teuer werden.
Sonderleistungen und Wartezeiten beeinflussen das Testergebnis nicht. In die Bewertung nicht eingeflossen sind Wartezeiten in neun der 22 Tarife. Insgesamt fällt es nämlich kaum ins Gewicht, wenn ein Kind in den ersten drei Jahren nach Abschluss der Versicherung keine Leistungen bekommt. Das Gleiche gilt auch für Einmalzahlungen bei erstmaliger Pflegebedürftigkeit.

Mehr zum Thema

■ Kinderinvaliditätsversicherungen haben wir in der Februarausgabe getestet.
■ Im Jahrbuch Kleinkinder finden Sie einen Test von Kinderunfallversicherungen. Beide Hefte können Sie unter www.oekotest.de bestellen oder elektronisch abrufen.

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Kompakt

Kommt die Pflegereform im kommenden Jahr?
Start der neuen gesetzlichen Pflegeversicherung könnte 2012 sein. Doch noch gibt es keine Einigung über die Ausgestaltung der Reform. So könnte es statt der drei Pflegestufen künftig fünf Bedarfsklassen geben, mit denen auch körperlich gesunde, aber geistig verwirrte Personen erfasst werden. Alle Experten sind sich aber einig, dass die künftige staatliche Pflegeversicherung nur ein Teilschutz ist. Im besten Fall wird die neue Pflegeversicherung 60 Prozent der Kosten absichern, heißt es bei der Allianz. Den Rest müssen die Kunden selbst finanzieren.

Wenn die Versicherung pleitegeht
Tritt der Ernstfall für das Kind ein, ist es jahrelang auf den Versicherer angewiesen. Angeboten werden die Pflegetagegeldversicherungen von Krankenversicherungsunternehmen. Wird ein solches Unternehmen zahlungsunfähig, erlöschen mit der Insolvenzeröffnung alle Verträge. Das pflegebedürftige Kind würde kein Geld mehr aus seiner privaten Absicherung erhalten. Hier hilft auch der gesetzliche Sicherungsfonds der Privaten Krankenversicherungen, die Medicator AG, nicht weiter. Der Grund: Der gesetzliche Sicherungsfonds schützt nur Verträge, die den gesetzlichen Kranken- und Pflegeschutz ersetzen. Zusätzliche Tagegeldversicherungen fallen ärgerlicherweise nicht unter den Insolvenzschutz, der vorsieht, dass alle Krankenversicherer für einen zahlungsunfähigen Krankenversicherer eintreten. Somit müssen die Kunden bei der Wahl ihres Versicherers auf dessen Finanzstärke achten. Hier helfen die Ergebnisse von Ratingagenturen. Wichtig ist auch auf die Organisation eines Unternehmens zu achten. Als ganz besonders stabil gelten zum Beispiel Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit.

ÖKO-TEST rät

• Eine Pflegeversicherung für Kinder ist eine extrem günstige Absicherung für den Fall der Fälle. Trotzdem kommt vor dem Kinderschutz die Absicherung der Ernährer, also der Eltern. Sie sollten eine Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung abgeschlossen haben.

• Kombinieren Sie den Pflegeschutz für Ihr Kind mit einer günstigen Unfallversicherung mit einer Summe von 150.000 Euro. Sollte das Kind durch einen Unfall zu Schaden kommen und invalide werden, können aus der Kapitalsumme sofort notwendige Umbaumaßnahmen bezahlt werden, so Versicherungsberater Georg Pitzl.

• Noch besser ist die Kombination mit einer Invaliditätspolice. Sie zahlt bereits, wenn das Kind laut Versorgungsamt zu 50 Prozent behindert ist. Die Produkte sind aber recht teuer.