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TEST Photovoltaikversicherungen: Solaranlage richtig versichern Privater


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2010 vom 10.08.2010

Sonnenstrom boomt. Es gibt Geld vom Staat und das Öko-Gewissen wird befriedigt. Eine Winwin-Situation. Damit das über Jahre so bleibt, brauchen Betreiber von Photovoltaikanlagen vernünftigen Versicherungsschutz.


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Von privaten Dächern kommt immer mehr Strom. Der Absatz von Solarstromanlagen soll auch 2010 zweistellig wachsen, so die Schätzung des Bundesverbands Solarwirtschaft. Die große Nachfrage nach Solarmodulen bringt aber auch verstärkt Kriminelle auf die Spur. „Die Sonnendiebe kommen über Nacht, reisen im Lkw an und montieren unerschrocken ganze Anlagen ...

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Von privaten Dächern kommt immer mehr Strom. Der Absatz von Solarstromanlagen soll auch 2010 zweistellig wachsen, so die Schätzung des Bundesverbands Solarwirtschaft. Die große Nachfrage nach Solarmodulen bringt aber auch verstärkt Kriminelle auf die Spur. „Die Sonnendiebe kommen über Nacht, reisen im Lkw an und montieren unerschrocken ganze Anlagen ab“, so Lilo Blunck vom Bund der Versicherten. Wer dann keinen ausreichenden Versicherungsschutz hat, sieht alt aus. „Die Wohngebäudeversicherung hilft bei Diebstahl nicht“, warnt Expertin Blunck. Auch für den finanziellen Ausfall – während der Zeit der Ersatzbeschaffung oder der Reparatur wird ja kein Strom erzeugt – kommt der herkömmliche Immobilienschutz nicht auf.


Eine Anlage kann schon mal monatelang ausfallen


„Noch gefährlicher ist es, wenn ein Feuer, das nachweislich durch die Solaranlage entstanden ist, auf ein anderes Gebäude übergreift“, so Jürgen Karpf, Versicherungsberater aus Mering bei Augsburg. Dann können die Haftungsansprüche in die Millionen gehen. Zudem können Teile der Anlage vom Dach stürzen und dort Passanten oder Fahrzeuge beschädigen. Hierfür steht allerdings meist die private Haftpflichtversicherung ein, die ohnehin unverzichtbar ist. Man sollte die Anlage aktiv einschließen.

Gleichzeitig ist für die Son nenstromanlagen ein spe zieller Zusatzschutz notwendig. Die Photovoltaikversicherung ersetzt nicht nur Diebstahl und Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Hagel. Sie kommt meist auch für Konstruktions-, Material- und Auslegungsfehlern sowie bei Schäden durch falsche Bedienung und sogar bei Fahrlässigkeit auf. Auch bei Kurzschluss, Schmoren, Sachbeschädigung oder Sabotage tritt die Police ein. Zwar bieten fast alle Versicherer den kostenfreien oder sehr günstigen Einschluss der Anlage über eine bestehende Wohngebäudeversicherung an. Doch der Versicherungsschutz ist unzureichend. So weist beispielsweise die Württembergische Versicherung ausdrücklich darauf hin, dass im Rahmen der Wohngebäudepolice eben nur Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel abgedeckt sind.

Eine spezielle Versicherung zahlt dagegen auch eine Ausfallentschädigung, wenn die Anlage aufgrund einer versicherten Gefahr keinen Strom erzeugen kann. Im Test wurde eine Musteranlage mit zwölf Kilowatt Peak (kWp) versichert. Der Wert kWp gibt die Leistung an, den ein Solarmodul bei voller Sonnenbestrahlung erreicht.

In guten Sonnenlagen sind nach Einschätzung von Bernd Schüßler vom SolarmagazinPhoton im Jahr 1.000 Volllaststunden möglich, in mittleren Lagen 925 und mäßigen Lagen 850 Stunden. Unsere in Düsseldorf stehende Anlage sollte also mindestens 12 mal 850, also 10.200, und im besten Fall etwa 12.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Bei einer staatlichen Vergütung von 39,14 Cent pro Kilowattstunde ergibt das Einnahmen von 3.992 bis 4.697 Euro pro Jahr. Diese Entschädigung sollte eine sehr gute Versicherung leisten. Grundsätzlich ist die Ausfallentschädigung allerdings auf die maximal erzielbaren Einnahmen aus der Stromeinspeisung beschränkt. Immerhin kann eine beschädigte Anlage durch Lieferengpässe, oder falls das gesamte Haus nach einem Brand neu aufgebaut werden muss, viele Monate ausfallen.

ÖKO-TEST hat daher selbstständige Photovoltaikversicherungen von 15 Anbietern jetzt genau unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

■ Eine spezielle Photovoltaikversicherung sollte Allgefahrenschutz bieten. Das gilt für alle von ÖKO-TEST untersuchten Angebote. In solchen Policen sind alle Gefahren bis zur Versicherungssumme geschützt, die nicht ausdrücklich ausgeschlossen oder begrenzt sind.

Eine spezielle Photovoltaikversicherung ist nicht teuer und leistet nicht nur, wenn es gebrannt hat. Daher ist das Geld gut investiert.


Foto: R+V

■ Alle Testangebote leisten für Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Raub, Plünderung, Feuer, Brand, Blitzschlag, Explosion, Implosion, Hagel, Sturm, Frost, Schneedruck, Überspannung, Induktion, Kurzschluss, Wasser, Feuchtigkeit, Überschwemmung, Vandalismus, Sabotage, Vorsatz Dritter, Tierverbiss, Konstruktions-, Materialfehler, Ausführungsfehler sowie für Bedienungsfehler, Ungeschicklichkeit oder unsachgemäße Handhabung.
■ Leistungsmäßig gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf hohem Niveau. Testsieger sind die LVM und die Photovoltaikversicherung 24.de mit einer Gesamtpunktzahl von 32,5. Sechs weitere folgen eng und erhalten damit in der Gesamtbeurteilung den ersten Rang. Selbst das mit 24,5 Punkten schwächste Angebot, derPhotovoltaikschutz der Nürnberger, erreicht noch den zweiten Rang.
■ Top beim Preis ist das einzige Maklerangebot im Test. Die Photovoltaikversicherung24.de verlangt für ihrePhotovoltaik Exklusive mit SB nur 71,40 Euro pro Jahr. Mit 70 Euro noch günstiger ist diePhotovoltaikversicherung der Helvetia, die den ersten Rang nur knapp verfehlt. Insgesamt sind die Preisunterschiede jedoch zumindest auf den ersten Blick nicht besonders groß. Als teuerster Anbieter verlangt die AXA für ihrePhotovoltaikversicherung mit Ertragsausfall gerade mal 178,50 Euro.
■ Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man einen im Schadensfall anfallenden Selbstbehalt einrechnet.
■ Einen insgesamt hohen Ertragsausfallschutz bieten derPhotovoltaikschutz der LVM, diePhotovoltaik Exklusive mit SB von Photovoltai kversicherung24.de und die Westfälische Provinzial in derPhotovoltaik-Police . Die Frist, in der Nutzungsausfall bei Stillstand der Anlage geleistet wird, fällt sehr unterschiedlich aus. Sie reicht von lediglich drei bis zu zwölf Monaten. Geleistet wird in der Regel ein fester Tagessatz pro Kilowatt-Peak (kWp), der wegen der unterschiedlichen Intensität der Sonneneinstrahlung im Laufe des Jahres teilweise gestaffelt ist. Demgegenüber ist die Ermittlung des Tagesgelds bei der Nürnberger höchst kompliziert – für Laien schlicht eine Zumutung.

■ Hohe Preisnachlässe gibt es beispielsweise bei der Signal Iduna oder der AXA, wenn bereits eine Wohngebäudeversicherung besteht oder gleichzeitig mit der Photovoltaikversicherung abgeschlossen wird. Trotzdem sollten die Kunden Vergleichsangebote für ihren Wohngebäudeschutz einholen. Denn hier tobt derzeit ein verbraucherfreundlicher Wettbewerb.
■ Wer seine Versicherung über einen Makler kauft, erhält im Schadenfall in der Regel eine fachmännische Unterstützung. Dies sei gerade bei der fairen Berechnung des Nutzungsausfalls sehr wichtig, sagt Manfred Körber, Versicherungsmakler aus Vilsheim bei Landshut. „Ich erlebe immer wieder, wie Kunden mit einem Sachverständigengutachten abgespeist werden, das lediglich eine anlagetypische Ausfallzeit berücksichtigt. Personalund Lieferengpässe – also der reale Ausfall – soll somit keine Rolle spielen.“ Körber empfiehlt, sich dies nicht gefallen zu lassen und zur Not sogar gegen den Versicherer zu klagen.
■ Sinnvoll ist es, die Solaranlage von einem Fachbetrieb installieren zu lassen. Die Mannheimer Versicherung beispielsweise gibt ebenso wie die LVM nur dann Versicherungsschutz, wenn Fachleute das Sonnenkraftwerk installieren. Wer selbst montiert, braucht zudem meist für die Aufbauzeit noch eine Montagepolice, die für die untersuchte Musteranlage nochmals mit einer Prämie von 100 Euro zu Buche schlägt.
■ Eine Photovoltaikversicherung gibt es nicht nur als eigenständige Police, sondern auch als Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung. Allianz, Basler, HDI-Gerling, HUK-Coburg, Generali und die Provinzial Rheinland bieten nur diese Version. Die Angebote sind preislich äußerst attraktiv. Die Allianz beispielsweise nimmt – bei vergleichbaren Leistungen wie bei einer eigenständigen Police – lediglich 42 Euro im Jahr. ÖKO-TEST hat solche Policen dennoch nicht näher unter die Lupe genommen. Denn wer den Zusatzbaustein wählt, bindet sich noch enger an seinen Wohngebäudeversicherer. Und der muss nicht unbedingt der günstigste und leistungsstärkste sein. Daher sollte der Versicherungsschutz neu auf die Füße gestellt werden. Einer guten neuen Photovoltaikpolice sollte der Wohngebäudeschutz folgen. In den meisten Fällen kann man durch den Wechsel zu einem anderen Wohngebäudeversicherer Geld sparen.

Unsere Empfehlungen

• Wohngebäudeversicherungen reichen für eine private Photovoltaikanlage nicht aus. Sie muss selbstständig oder als Zusatzbaustein in der Wohngebäudepolice versichert werden.

• Entscheidend für die Wahl eines geeigneten Versicherers sind die Höhe der Ausfallentschädigung und die Jahresprämie, denn leistungsmäßig gibt es bei den untersuchten Angeboten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

• Eine Betreiber-Haftpflicht-Police ist für Privatleute nicht notwendig. Die Anlage kann meist über die private Haftpflicht versichert werden. Informieren Sie Ihren Versicherer, damit er die Anlage aufnimmt.