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TEST Potenzmittel: Hängen gelassen


ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness - epaper ⋅ Ausgabe 99/2010 vom 17.06.2010

Bei Potenzschwäche kann Mann zum Arzt gehen – oder im Sexshop nach Abhilfe suchen. Richtige Standfestigkeit gibt es aber nur auf Rezept.


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Foto: stockbyte

Viagra ist die Nummer eins – zumindest in der Weltrangliste der Arzneimittelfälschungen. Die Gewinnspanne für Kriminelle ist enorm: So bringt ein Kilo Viagra auf dem Schwarzmarkt rund 90.000 Euro, während die gleiche Menge Kokain bereits für 65.000 Euro zu haben ist, hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA ausgerechnet. Kein Wunder also, dass der Zoll immer wieder fündig wird: „10.000 Viagra-Tabletten sichergestellt“, meldete das ...

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Viagra ist die Nummer eins – zumindest in der Weltrangliste der Arzneimittelfälschungen. Die Gewinnspanne für Kriminelle ist enorm: So bringt ein Kilo Viagra auf dem Schwarzmarkt rund 90.000 Euro, während die gleiche Menge Kokain bereits für 65.000 Euro zu haben ist, hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA ausgerechnet. Kein Wunder also, dass der Zoll immer wieder fündig wird: „10.000 Viagra-Tabletten sichergestellt“, meldete das Hauptzollamt München im Januar 2009, gut ein Jahr später entdeckten die Fahnder im Gepäck eines österreichischen Frührentners 4.000 der blauen Tabletten.

Wer als Mann ein gefälschtes Potenz mittel schluckt, bei dem passiert im Zweifelsfall gar nichts – mal abgesehen vom weiter sinkenden Selbstvertrauen. Dabei gelten Erektionsstörungen inzwischen als klassische Zivilisationskrankheit, deren Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt: Gut zwei Prozent der 20- bis 30-Jährigen bis hin zu jedem zweiten 70-Jährigen dürften in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen sein. Herzerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Erektionsstörung.

Bis vor einigen Jahren ging man in der Mehrzahl der Fälle von psychischen Ursachen für die Erkrankung aus. Davon sind nach der Einführung neuer diagnostischer Methoden nur noch bis zu 30 Prozent übrig geblieben, wohingegen 50 bis 80 Prozent aller Erektionsstörungen jetzt organischen Ursachen und 20 Prozent Mischformen zugeschrieben werden. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Behandlungsmöglichkeiten, die von der Psychotherapie über Erektionshilfesysteme wie Vakuumpumpen bis hin zu operativen Therapien reichen. Vorwiegend wird mit Medikamenten behandelt, was jedoch nur dann möglich ist, wenn sich die glatte Muskulatur der Schwellkörper noch nicht zurückgebildet hat oder deren Gefäße noch nicht degeneriert sind.

ÖKO-TEST hat 19 Potenzmittel eingekauft: in Apotheken acht rezeptpflichtige Arzneimittel und zwei ergänzend bilanzierte Diäten gegen Erektionsstörungen, in Erotikshops neun Nahrungsergänzungsmittel, die eine Bereicherung des Liebeslebens versprechen. Bei den Arzneimitteln haben wir nach Wirksamkeits-, bei den anderen Produkten nach Nutzenbelegen gesucht. Zudem hat unser wissenschaftlicher Berater einen kritischen Blick auf die Deklaration geworfen.

Das Testergebnis

■ Hilfe gibt es nur auf Rezept: Während die Wirk samkeit der meisten rezeptpflichtigen Arzneimittel belegt ist, taugen die Präparate aus dem Sexshop bestenfalls als Gag, da es an Nutzenbelegen mangelt.
■ DieArzneimittel im Test sind alle rezeptpflichtig und zur Anwendung bei Männern vorgesehen. Die Wirkstoffe Sildenafil (Viagra ), Tadalafil (Cialis ) und Vardenafil (Levitra ) zählen zur Gruppe der sogenannten PDE-5-Inhibitoren, von denen belegt ist, dass sie die Erektion fördern können. Sie hemmen ein Enzym, das den Penis wieder abschwellen lässt. Menschen, die gleichzeitig nitrathaltige Arzneimittel zur Vorbeugung von Brustenge (Angina pectoris) einnehmen, dürfen die Präparate nicht einnehmen, da die Kombination zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen kann. Bei dem Wirkstoff Alpro stadil handelt es sich um ein körpereigenes Prostaglandin. Dieser Botenstoff wirkt stark entspannend auf die glatte Muskulatur der Schwellkörper im Penis. In der Folge steigt dessen Durchblutung, er schwillt an und die Erektion nimmt ihren Lauf. Die Wirksamkeit gilt als belegt. Alprostadil muss allerdings vor Ort verabreicht werden: entweder per Spritze in die Schwellkörper oder per Applikator in die Harnröhre. Die Präparate bleiben daher für Männer reserviert, bei denen Tabletten unwirksam oder wegen Nebenwirkungen nicht angezeigt sind.

Yohimbin ist ein natürlicherweise in der Rinde des Yohimbebaumes vorkommendes Alkaloid, das in der Vergangenheit häufig als Aphrodisiakum verwendet wurde. In Tablettenform kommt Yohimbin in erster Linie bei Patienten mit leichten Erektionsstörungen zur Anwendung. Allerdings ist die Studienlage widersprüchlich, weshalb wir die Wirksamkeit der Präparate nur als teilweise belegt einstufen.
■ Dieergänzend bilanzierten Diäten eignen sich laut Anbieter zur Behandlung von Gefäßverengungen und Erektionsstörungen. Beide Produkte enthalten als maßgeblichen Inhaltsstoff die Aminosäure Arginin. Der Körper setzt aus Arginin Stickstoffmonoxid (NO) frei, das eine wesentliche Rolle bei der Blutdruckregulation spielt, indem es die Gefäße erweitert. Bislang liegen jedoch nur kleinere Studien vor, die zwar tendenziell positive Effekte bei leichten Erektionsstörungen zeigen, aber nach Auffassung unseres wissenschaftlichen Beraters die Wirksamkeit noch nicht belegen.
■ DieNahrungsergänzungsmittel setzen auf anregendes Koffein aus Guarana und Colanüssen, verschiedene Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralstoffe und Rinderhodenextrakt. Die Versprechungen sind überaus blumig und reichen vom „Elixier zur Entfaltung Eurer Leidenschaft“(Sexo tic, Tropfen) über die „belebende Unterstützung der Erotik“(Libovit Magnat Silver, Dragees) bis zum „Geheimnis des Spanischen Feuers: Gebratene Stierhoden“(Eumel-Bull-Kraft NE, Dragees) . Nur: Nutzenbelege gibt es für all diese Aussagen nicht. Zudem ist zu fragen, warum man seine Nahrung mit Rinderhoden ergänzen sollte – Hirn zu essen macht schließlich auch nicht schlauer.
■ Wie so häufig wurden den Produkten Vitamine und Mineralstoffe mal wieder nach dem Gießkannenprinzip beigegeben. Bei drei Präparaten ist zudem die Deklaration zu bemängeln. Ganz und gar zweifelhaft sind dabei die viagrablau gefärbtenPower Tabs Kapseln , die für unseren Einkäufer unterm Ladentisch hervorgeholt wurden. Das Präparat eines Anbieters aus Estland – so zumindest der Aufdruck auf der Verpackung – soll eine Reihe von Pflanzenextrakten enthalten, die im weitesten Sinne als Aphrodisiaka aus Ostasien bekannt sind.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Joydivision/Eropharm distanzierte sich von unserem Test: „Unsere Produkte sind keine Potenzmittel!“ Es handele sich lediglich um Nahrungsergänzungsmittel, welche fehlende Nahrungsbestandteile ergänzen, denen man aber keine potenzfördernden Eigenschaften zuspreche. Nur: Warum sollte man sonst ein „Elixier zur Entfaltung Eurer Leidenschaft“ (Sexotic ) oder „Liebes-Tropfen für Eure leidenschaftlichen Nächte“ (Obsession Impulse ) kaufen?

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 144.
Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 2) Preis bezieht sich auf eine mittlere Tagesdosis. 3) Der Preis bezieht sich auf eine Tagesdosis von zwei Tabletten. 4) mehr als 10 Vol.-% Alkohol. 5) Farbstoff E 110. 6) Kennzeichnung der Zusatzstoffe nicht korrekt. 7) Mengenangaben zu Vitaminen und/oder Mineralstoffen fehlen. 8) Angaben zu maßgeblichen pflanzlichen Inhaltsstoffen unzureichend. 9) enthält Mangan und Kupfer sowie mehr als 80 μg Molybdän, mehr als 4 mg Vitamin B1 und mehr als 5,4 mg Vitamin B6 in einer Tagesdosis. 10) enthält Eisen sowie mehr als 2,25 mg Zink in einer Tagesdosis.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Abwertungen Arzneimittel: Unter dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung führt zur Abwertung um zwei Noten: eine nur teilweise nachgewiesene Wirksamkeit. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Testergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Test ergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Hilfsstoffe um eine Note.
Abwertungen ergänzend bilanzierte Diäten: Unter dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein nicht oder nicht ausreichend belegter Nutzen für das jeweilige Produkt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.
Abwertungen Nahrungsergänzungsmittel: Unter dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: nicht oder nicht ausreichend belegter Nutzen für das jeweilige Produkt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Zusatz von Eisen; b) Zusatz von Mangan; c) Zusatz von Kupfer. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 2,25 mg Zink in einer Tagesdosis; b) mehr als 80 μg Molybdän in einer Tagesdosis; c) mehr als 4 mg Vitamin B1 in einer Tagesdosis; d) mehr als 5,4 mg Vitamin B6 in einer Tagesdosis; e) Deklarationsmangel: fehlende Mengenangaben zu Vitaminen und/oder Mineralstoffen; f) Deklarationsmangel: inkorrekte Kennzeichnung der Zusatzstoffe; g) Deklarationsmangel: unzureichende Angaben zu maßgeblichen pflanzlichen Inhaltsstoffen. Unter dem Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) Farbstoff E 110; b) mehr als 10 Vol.-% Alkohol. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Test ergebnis Weitere Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Preisberechnung basiert auf kleinstem Produktangebot.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 8/2010. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 142.

Unsere Empfehlungen

■ Die Ursache einer Erektionsstörung kann der Arzt herausfinden. Bei psychisch bedingten Störungen bieten die wirksamen, rezeptpflichtigen Präparate einen Ausweg aus dem Teufelskreis von Versagen – Angst vor dem Versagen – erneutes Versagen.
■ Eine Alternative sind Vakuumpumpen als mechanische Erektionshilfen. Die Anwendung ist einfach, sicher, nebenwirkungsarm und kann beliebig oft wiederholt werden. Nachteil: Der zum Blutstau angelegte Ring kann die Ejakulation beeinträchtigen.
■ Auch gezieltes Beckenbodentraining kann gegen Erektionsstörungen helfen, vorausgesetzt, diese sind nicht psychisch oder durch Nervenschäden bedingt.