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TEST Reinigungsmilch: Auf die sanfte Tour


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 24.09.2020

Reinigungsmilch steht im Ruf, die Gesichtshaut besonders schonend von Schmutz und Make-up zu befreien. Mehr als drei Viertel der Produkte im Test überzeugen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Reinigungsmilch: Auf die sanfte Tour" aus der Ausgabe 10/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Sasha_Suzi/getty images

RATGEBER

1 Unter insgesamt 32 „guten“ und „sehr guten“ Produkten ist für beinahe jeden Hauttyp was dabei. Schwerpunkt ist trockene und sensible Haut.

2 Am Ende der Reinigung grundsätzlich mit klarem Wasser nachspülen.

3 Reinigungsmilch eignet sich sehr gut als Make-up-Entferner. Je nach Fettanteil könnten manche Produkte sogar mit wasserfester Kosmetik fertig werden.

Es kommt eine ganze Menge zusammen, was sich im Laufe ...

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... eines Tages so auf der Gesichtshaut niederlässt. Bei den meisten Frauen zunächst eine Tagescreme. Dann vielleicht noch ein Sonnenschutz oder eine Schicht Make-up. Bis zum Abend gesellen sich Talg, Schweiß, Staub und Schmutz aus der Luft hinzu. Klar, dass das von der Pelle muss, denn in der Nacht will die Haut atmen.

Allerdings geht mit der unliebsamen Schmutzschicht auch immer ein Teil des hauteigenen Schutzmantels verloren. Reinigungsmilch wirbt damit, besonders schonend zu sein. Sie ist auch häufig für trockene, reife oder empfindliche Haut ausgelobt. Wir haben 38 Produkte eingekauft und getestet, wie es um die Verträglichkeit der Inhaltsstoffe bestellt ist.

Drei Produkte fallen durch
29 Mal erreichten Produkte die Note „sehr gut“ – das ist bei 38 Marken im Test eine Topquote. Und nimmt man die drei „guten“ dazu, können wir über drei Viertel der getesteten Produkte empfehlen. Darunter sind alle 19 Naturkosmetik-Reiniger. Leider ist es dennoch nicht so, dass Käuferinnen völlig bedenkenlos ins Regal greifen könnte: Drei Produkte am unteren Ende der Skala disqualifizierten sich in puncto sanfte Inhaltsstoffe für die Reinigung. Sie erreichten nur ein „mangelhaft“.

In der Reinigungsmilch der Lifestyle- Marke L’Occitane, mit 19 Euro pro 200 Milliliter eines der teuersten konventionellen Produkte im Test, fand das beauftragte Labor halogenorganische Verbindungen. Das passt zur Deklaration: Dort ist der Konservierungsstoff Chlorphenesin aufgeführt, der als allergieauslösend gilt und zu Hautreizungen führen kann.


Eine Reinigungsmilch soll die Haut von Schmutz be freien, nicht zusätzlich belasten.


Johanna Michl ÖKO-TEST-Redakteurin


In der „mangelhaften“ Eau Thermale Avène Milde Reinigungsmilch und der L’Oreal Reinigungsmilch kostbare Blüten – sorgten aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) für Abzug. MOAH können als Verunreinigungen von Paraffinen in Kosmetika gelangen. Schön ist das nicht – denn einige Verbindungen aus der MOAH-Gruppe stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Von einem als mild geltenden Gesichtsreinigungsprodukt erwarten sich Verbraucherin- nen zu recht etwas anderes – gerade wenn es, wie die Eau Thermale Avène Milde Reinigungsmilch, in der Apotheke zu haben ist.

FAKTEN: zur Gesichtsreinigung

11,97 Millionen Frauen über 14 Jahren* verwendeten 2019 mindestens ein Mal pro Woche eine Reinigungsmilch. Das entspricht etwa jeder dritten Frau in dieser Altersgruppe.

Vorsicht, Auge Nur manche Produkte im Test eignen sich zum Abschminken der Augen, bei anderen soll die Partie explizit ausgespart werden. Das hängt mit den verwendeten Ölen zusammen: Einige haben die Eigenschaft, ins Auge zu „kriechen“ – und brennen dann sehr unangenehm.

Mizellen ist der Marketingtrend für Hautreinigungsprodukte. Auch zwei Marken in diesem Test werben damit. Mizellen entstehen, wenn sich Tenside mit dem fettliebenden Teil aneinanderlagern – entweder kugelförmig oder lang wie ein Spaghetti. Sie können den Schmutz in ihrem Inneren auffangen. Mizellen kommen aber seit jeher in jeder Tensidlösung vor. Sie sind also nichts wirklich Neues. Und sie können auch aus umstrittenen PEG/ PEG-Derivaten gebildet werden.

*Quelle: Allensbacher Marktund Werbeträgeranalyse

Umweltschädliche Polymere
Alle drei „mangelhaften“ Reinigungsmilche bekommen zwei weitere kleinere Minuspunkte: Sie enthalten sowohl PEG/ PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger machen können für Fremdstoffe, als auch synthetische Polymere. Etliche dieser Stoffe sind in der Umwelt schwer abbaubar. PEGs und synthetische Polymere sorgten auch im schmalen Mittelfeld des Tests für Notenabzug.

Nivea-Milch mit Lilial
In der Reinigungsmilch der Marke Nivea verschlechtert mit dem Duftstoff Lilial noch ein anderer Dauerbrenner das Ergebnis. Lilial hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Den Duftstoff weisen die von uns beauftragten Labore häufig in den Produkten großer Kosmetikkonzerne nach. Umso mehr freut es uns, dass Nivea-Hersteller Beiersdorf uns mitgeteilt hat, im Herbst die Formulierung der Reinigungsmilch zu überarbeiten und darin künftig auf Lilial zu verzichten.

Wie reinigt die Milch?
Worauf beruht nun aber die Reinigungswirkung einer Milch? Und aus welchem Grund gilt das als besonders schonend? Reinigungsmilch säubert nicht mithilfe schäumender Tenside – im Gegensatz etwa zum Waschgel oder Waschschaum.

Tenside sind waschaktive Substanzen, unter denen es sowohl sehr aggressive als auch sanfte Vertreter gibt. Je nachdem, welche Tensid-Mischung und -konzentration im Waschprodukt vorliegt, reinigen sie sehr gut, können die Haut aber dabei auch stark entfetten.

Eine Reinigungsmilch säubert sanfter. Reinigungsmilchen sind Emulsionen. In ihnen finden sich Öle und Wasser mithilfe von Emulgatoren verbunden. Die Öle in Kombination mit Emulgatoren packen den fetthaltigen Schmutz wie Talg, Ruß oder Cremerückstände, den Rest besorgt die Wasserphase. Auch eine meist ölige Makeup- und Puderschicht kann auf diese Weise ohne viel Rubbeln entfernt werden. Make-up lässt sich auch mit Seife oder Waschgel abwaschen. Allerdings braucht es dafür viel mehr Tenside und viel mehr Rubbeln.

Denn die Emulgatoren in der Reinigungsmilch sind genau genommen auch Tenside. Doch sie kommen in der Reinigungsmilch sehr viel sparsamer zum Einsatz als etwa in Waschgelen. Die Reinigung mit einer Emulsion entfettet die Haut nicht so stark wie das Waschen mit Wasser und Seife oder einem Waschgel. Einige Hersteller behaupten auf ihrer Packung sogar, ihr Produkt „bewahre“ den Schutzmantel der Haut. Richtig ist: Jede Reinigung nimmt etwas von diesem Schutzmantel – der Mischung aus Hautfetten, abgestorbenen Hautschüppchen, Salzen und Aminosäuren (siehe Seite 64). Andernfalls würde auch der Schmutz liegen bleiben – und der stört das Hautgleichgewicht ebenfalls.

INFO: Abspülen oder nicht?

Reinigungsmilch enthält rückfettende Öle und häufig auch feuchtigkeitsspendende Stoffe. Wegen dieser pflegenden Eigenschaften wurde lange Zeit empfohlen, sie nur mit Wattepad, nicht mit Wasser abzunehmen. Inzwischen schreiben jedoch fast alle Anbieter im Test, dass nachgespült werden soll. Und auch wir raten dazu: Denn sonst bleiben nicht nur pflegende Inhaltsstoffe auf der Haut zurück, sondern möglicherweise auch unerwünschte wie PEGs, Tenside oder Schadstoffe.

So haben wir getestet

Wir haben 38 Reinigungsmilchprodukte für die Anwendung im Gesicht untersucht und dafür Markenprodukte, Eigenmarken und auch einzelne Exemplare aus Reformhaus, Bio-Laden und Apotheke eingekauft. Die günstigste Reinigungsmilch im Test kostet gerade einmal 74 Cent pro 200 ml, die gleiche Menge der teuerste Milch satte 41,80 Euro.
Stecken in den Reinigungsprodukten Stoffe, die der Haut oder der Umwelt schaden können? Um das zu überprüfen, ließen wir die Produkte im Labor auf umstrittene Stoffe wie halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter untersuchen. Auch schädliche Duftstoffe standen auf dem Analyseprogramm. Wir haben auch prüfen lassen, ob die Produkte PEG/PEG-Derivate oder synthetische Polymere enthalten. Das Testergebnis Inhaltsstoffe bildet die Grundlage für das Gesamturteil. Das Testergebnis weitere Mängel beeinflusst das Gesamturteil nur, wenn es „befriedigend“ oder schlechter ausfällt.

Make-up und Schminke enthalten Fett – und lassen sich mit Reinigungsmilch deshalb recht mühelos abnehmen.


Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: MOAH: aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: synthetische Polymere. 2) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 3) Laut Anbieter befindet sich das Produkt nicht mehr in Auslieferung. Die Serie „Rose“ sei zugunsten der neuen Linie „Lemongras“ eingestellt worden. Die Reinigungsmilch sei zudem durch einen Reinigungsschaum ersetzt worden. 4) Laut Anbieter beträgt der Verkaufspreis abweichend zum Verkaufspreis bei Rewe (dargestellt in der Tabelle) in den Penny-Märkten im Norden 0,95 Euro pro 250 ml und im Süden 1,25 Euro pro 250 ml. Der Mehrwertsteuerabzug erfolge hier jeweils an der Kasse. 5) Laut Anbieter ist im Oktober für das Produkt ein Relaunch geplant, bei dem die Rezeptur auf eine Lilial-freie Zusammensetzung umgestellt werde. 6) Laut Anbieter ist der Artikel auch ohne das synthetische Polymer Carbomer unter der Chargennummer 273884 03 / 273884 02 am Markt verfügbar. 7) Laut Anbieter wurde das Produkt im Mai diesen Jahres ausgelistet.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um zwei Noten: a) Butylphenyl Methylpropional (in Tabelle: Lilial); b) MOAH; c) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um eine Note führen: PEG/ PEG-Derivate.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Carbomer, Sodium Carbomer, Acrylates C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates Copolymer, Sodium Polyacrylate). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Umkarton, der kein Glas schützt.
Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2010
Einkauf der Testprodukte: Juni–Juli 2020.
Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen.
Dieser Test löst die Tests Reinigungsmilch aus dem ÖKO-TEST Magazin 11/2006, dem Jahrbuch Kosmetik 2007, dem ÖKO-TEST Kompakt Gesichtspflege 2007 und dem Jahrbuch Kosmetik 2009 ab.
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Fotos: Anja Wägele; Macrovector/Shutterstock; coffeeflavour/Shutterstock