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TEST Reiswaffeln: Verpufft


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2016 vom 29.09.2016

Krebserregendes Arsen in Snacks für Kleinkinder – vor vier Jahren hat unser ÖKO-TEST Reiswaffeln Aufsehen erregt. Haben die Hersteller das Problem nun in den Griff bekommen? Die Antwort ist so traurig wie kurz: Nein. Die Aufregung ist verpufft – so wie der Reis in den Waffeln und die Bemühungen der Hersteller.


Artikelbild für den Artikel "TEST Reiswaffeln: Verpufft" aus der Ausgabe 10/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 10/2016

Das Gift riecht nicht. Man sieht es nicht und es schmeckt nach nichts. Aber es ist da, es ist überall, auch im Trinkwasser. Und es tötet langsam. Etwa 20 Millionen Menschen in Bangladesch trinken laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) täglich arsenbelastetes ...

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... Wasser. Und das ist nur die Zahl der Menschen, die Wasser aus hochverseuchten Brunnen trinken; also Wasser, das über dem Grenzwert liegt, den Bangladesch festgelegt hat. Er ist fünfmal so hoch wie der, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anlegt.

Das Arsen, das die Menschen aufnehmen, stammt aus den Trinkwasserbrunnen, in erster Linie draußen, auf dem Land. Die Städte, darum hat sich die Regierung gekümmert, die sind sauber. Das Fatale: Die Brunnen auf dem Land wurden mithilfe internationaler Organisationen gebohrt, denn eigentlich wollte man helfen. Das verschmutzte Oberflächenwasser, das die Menschen zuvor tranken, sollte durch sauberes Wasser ersetzt werden. Doch kaum war das eine Risiko gebannt, entstand ein ganz anderes. In der Erde löst sich Arsen aus den Gesteinsschichten, das mit dem Wasser nach oben gepumpt wird, und dort die Menschen vergiftet.

Die WHO hat die Belastung des Trinkwassers in Bangladesch bereits vor 16 Jahren als „größte Massenvergiftung der Geschichte“ bezeichnet. Getan hat sich seitdem kaum etwas: Schätzungen von Human Rights Watch zufolge sterben jährlich weiterhin rund 43.000 Menschen an den Folgen des arsenverseuchten Wassers. Zwar wurden Millionen investiert, um die Trinkwasserqualität in Bangladesch zu verbessern. Allerdings – so der Vorwurf der Menschenrechtsorganisation – in erster Linie da, wo die Wähler sitzen, in den Städten, wo die Qualität des Trinkwassers ohnehin schon deutlich besser war. Die Menschen auf dem Land seien vergessen worden.


Arsen im Trinkwasser ist laut WHO „größte Massenvergiftung der Geschichte“


Das arsenverseuchte Wasser gelangt auch auf die Reisfelder, denn sie werden mit Wasser geflutet. Und über die Wurzeln nimmt die Reispflanze das Arsen aus der Erde und dem Wasser auf und reichert es in den Körnern an, besonders in den Randschichten. Das ist nicht nur in Bangladesch so. Arsen kommt natürlicherweise in der Erde und im Wasser vor und gelangt deswegen zwangsläufig auch in den Reis. Aber es gibt Reisanbaugebiete mit höheren Belastungen, wie weite Teile Bangladeschs, und Reisanbaugebiete mit niedrigeren Belastungen. Auch Gebiete in der Nähe von Minen oder ehemalige Baumwollfelder, die mit arsenhaltigen Pestiziden besprüht worden sind, sind höher belastet. Arsen steckt auch in manchen Düngern oder Klärschlämmen etwa. In die Reiswaffeln gelangt es über den belasteten Reis. Allerdings sind die Reiswaffeln oft höher belastet als die Rohware. Die Gründe dafür sind bislang nicht komplett erforscht. Ein Grund ist sicherlich, dass der Reis in Backformen erhitzt wird und dadurch, ähnlich wie Popcorn, aufpoppt. Durch die Hitze entsteht ein Flüssigkeitsverlust, wodurch sich die Arsengehalte in den Waffeln etwas konzentrieren. Wir wollten genau wissen, wie belastet Reiswaffeln sind – und ob die Hersteller das Arsenproblem nun endlich in den Griff bekommen haben. Außerdem: Wie sieht es mit Acrylamid aus, mit Cadmium und Mineralöl? Deswegen haben wir 19 Produkte ins Labor geschickt und gewohnt umfangreich untersuchen lassen.

Das Testergebnis

■.… ist zum Abgewöhnen: Mehr als die Hälfte der Reiswaffeln rasselt mit einem fetten „ungenügend“ durch. Guten Gewissens empfehlen können wir lediglich ein einziges Produkt.
■.Verbessert: Die Hipp Kinder Reiswaffeln haben die Hauptprobleme Arsen und Acrylamid am besten von allen 19 getesteten Produkten im Griff. Und das offenbar dauerhaft, denn das Produkt war auch schon in unserem ÖKO-TEST Reiswaffeln vor vier Jahren das einzige, das mit „gut“ abschnitt. Jetzt schafft Hipp es sogar auf ein „sehr gut“, den Arsenwert reduzierte der Hersteller sogar noch weiter. Immerhin vier Produkte – davon eins für Babys und Kleinkinder und drei Bio-Produkte – kommen mit einem „befriedigend“ davon.

ÖKO-TEST rät

Geben Sie Babys und Kleinkindern keine Reiswaffeln. Wenn es etwas zu knabbern sein soll, um die Kaumuskulatur zu fördern, sind Dinkelstangen oder Zwieback eine Alternative.
Altere Kinder und Erwachsene können gelegentlich Reiswaffeln essen – dann sind die Produkte, die für Babys und Kleinkinder ausgelobt sind, die bessere Wahl. Für sie gelten strengere Grenzwerte und unser Test zeigt, dass sie deutlich weniger mit Arsen und Acrylamid belastet sind. Generell gilt: Reis darf ruhig auf den Tisch, allerdings nicht jeden Tag.

Auf Bali werden Reiswaffeln handgemacht – für einen hinduistischen Feiertag, an dem die Indonesier sie traditionell essen.


■.Krebserregendes Gift: Der Hauptgrund für das extrem schlechte Abschneiden ist anorganisches Arsen, und zwar nicht zu knapp. In drei der 19 getesteten Produkte steckt so viel von dem krebserregenden Stoff, dass der seit Januar geltende EU-Grenzwert für Reiswaffeln, der ohnehin schon höher ist als der für Reis, überschritten wird. In einem Produkt, das auch von Babys und Kleinkindern gegessen wird, ist das ein Skandal. Aus dem Regal gehören deswegen aus unserer Sicht die von uns untersuchten Chargen der Continental Bakeries Reiswaffeln Meersalz, Real Quality Reiswaffeln mit Meersalz und auch die des Bio-Produkts Dennree Reiswaffeln ungesalzen. Die Anbieter Dennree und Real waren auch bei unserem ÖKO-TEST Reiswaffeln im Jahr 2012 mit „sehr stark erhöhten“ Arsengehalten aufgefallen. Doch statt die Probleme in den Griff zu bekommen, sind die Werte vier Jahre später noch einmal höher und knacken nun sogar den Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Kilogramm (mg/ kg). Das ist nichts anderes als Schlamperei. Das Absurde ist: 2012, als es noch keine EU-Grenzwerte für anorganisches Arsen gab, hätten alle Produkte unter dem heutigen Grenzwert gelegen, wenn auch einige nur knapp. Nun gibt es einen Grenzwert – und gleich drei knacken ihn.
■.Belastung Nummer zwei: Acrylamid. Der als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Stoff entsteht, wie auch etwa bei Pommes (siehe Test in dieser Ausgabe) beim Backen. Den Richtwert für Getreidebeikost, den wir für Reiswaffeln, die nun einmal auch von Babys und Kleinkindern gegessen werden, ansetzen, überschreiten die meisten der getesteten Waffeln. Dafür gibt es eine Note Abzug. Durch eine geringere Temperatur beim Backen etwa lassen sich Acrylamidgehalte deutlich reduzieren. Im Griff haben das Problem alle Anbieter von Reiswaffeln, die für Babys und Kleinkinder ausgelobt sind. Das war 2012 noch nicht so, aber offenbar haben Alnatura und Rossmann diesbezüglich dazugelernt.
■.Giftiges Schwermetall: Nierenschädliches Cadmium steckt in zu hoher Dosis in den Reiswaffeln von Continental Bakeries, Aldi Süd und Lidl. Das Schwermetall nehmen die Reispflanzen über den Boden auf. Dort kommt es zum einen natürlich vor, zum anderen wird es etwa über Düngemittel und Klärschlamm eingebracht. Ein zweijähriges Kind nimmt mit nur 20 Gramm Reiswaffeln täglich in einer Woche mehr als die Hälfte des von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegten Werts für die wöchentliche Aufnahme zu sich.
■.Mineralöl überall: Wir haben es zuletzt in Mehl gefunden, in Superfood, in Fleischersatz und in Würstchen. In einigen Reiswaffeln steckt es auch: Drei der Produkte sind mit gesättigten Mineralölen (MOSH/POSH) belastet, zwei davon sogar zusätzlich mit aromatischen (MOAH). MOSH können sich im Körper anreichern und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt, MOAH stehen zudem unter Krebsverdacht. Im Verdacht stehen Verpackungsübergänge und Schmieröle, die in Maschinen während der Produktion eingesetzt werden. Die Reduzierung von Mineralölrückständen ist derzeit eine der größten Herausforderungen der Lebensmittelindustrie, auf die sie noch keine überzeugenden Antworten gefunden hat.
■.Nicht prüfbarer Grenzwert: Für Produkte, die extra für Babys und Kleinkinder ausgelobt sind – auf denen also etwa steht: „ab acht Monate“ – gelten strengere Grenzwerte; auch für anorganisches Arsen. Eigentlich. Dass die EU hier allerdings seit Januar einen etwas realitätsfernen Grenzwert festgelegt hat, kommt Alnatura in unserem Test entgegen. Es gibt nämlich nur einen Arsen-Grenzwert für den Reis, der in Baby- und Kleinkinderlebensmitteln verarbeitet wird, nicht aber einen für das fertige Produkt. DieAlnatura Mini Reiswaffeln ohne Salzzusatz überschreiten den Grenzwert zwar knapp – allerdings natürlich gemessen im fertigen Produkt. Ob das schon bei der Ausgangsware Reis der Fall war, können weder wir noch Lebensmittelämter überprüfen, was den Grenzwert an sich ad absurdum führt. Da der Gehalt an anorganischem Arsen in Reiswaffeln oft höher ist als in der Ausgangsware Reis, muss hier gelten: im Zweifel für den Angeklagten.

Rein oder Nichtrein – das ist hier die Frage: In Getreidebeikost für Babys und Kleinkinder ist ein Thiamingehalt (Vitamin B1) von 25 Mikrogramm/ 100 Kilojoule vorgeschrieben, so viel ist klar. Und, das bestätigt auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Reiswaffeln „erfüllen die Anforderungen an die Zusammensetzung von Getreidebeikost“. So weit, so einfach – Thiamin muss also rein. Es gibt drei Reiswaffeln für Babys und Kleinkinder im Test – zwei fügen Vitamin B1 zu, Hipp nicht. Hat Hipp da also etwas vergessen? Ganz so einfach ist es nicht. Denn: Sowohl in der europäischen Beikostrichtlinie als auch in der deutschen Diätverordnung gibt es vier Kategorien für Getreidebeikost. Und Reiswaffeln fallen unter keine davon. Deswegen liege es derzeit im Ermessen der Lebensmittelkontrolleure, „eine entsprechende Einstufung vorzunehmen“, sagt das BMEL. Aber weil das ja auf Dauer auch keine Lösung ist, sei das Ministerium „bereits an die EU-Kommission herangetreten“. Und was sagt die dazu? „Reiswaffeln sollten von der Richtlinie erfasst sein“, heißt es vage aus Brüssel, zunächst. Aber: Verantwortlich für die Interpretation seien die Mitgliedsstaaten, also Deutschland, also das BMEL. Aha. Klingt ein bisschen wie Pingpong – eine eindeutige Gesetzeslage sieht auf jeden Fall anders aus.
Ich sag nur irgendwie, irgendwo, irgendwann: Der Verbraucher hat keine Chance zu erkennen, woher der Reis stammt, der in den Reiswaffeln verwendet wird. Leider gibt es diese Chance (oft) auch nicht, wenn man die Hersteller direkt fragt, was wir getan haben. „Der Reis dieser Charge stammt aus Südeuropa, Südostasien und Südamerika“, heißt es von einigen Herstellern – also aus quasi allen Reisanbaugebieten der Welt. Damit solle die „gleichbleibende Qualität“ der Reiswaffeln gesichert werden. Nun, „Qualität“ ist ein großes Wort in diesem Zusammenhang. Hipp, der einzige Hersteller im Test, der mit einer sehr geringen Arsenbelastung aufgefallen ist, hat den Reis der von uns getesteten Charge aus Spanien bezogen.

So reagierten die Hersteller

Dennree teilt mit, dass der Gehalt an anorganischem Arsen bei Untersuchungen der gleichen und der Folgechargen niedriger sei, als der des von uns beauftragten Labors festgestellte. Der Bio-Anbieter konnte dies auch mit Untersuchungsberichten belegen. Den Grenzwert halten alle von Dennree zugesandten Berichte ein. Schwankungen innerhalb einer Charge sind nicht auszuschließen, weil die Rohware Reis unterschiedlich belastet sein kann.

Mehr zum Thema im ZDF

Das ZDF zeigt am 2. Oktober ab 16.30 Uhr in der Sendung planet e einen Beitrag zum Thema „Arsen – der schleichende Tod“. Es geht um die Vergiftung der Menschen in Bangladesch durch das mit Arsen belastete Trinkwasser und über die Arsenbelastung der Lebensmittel in Deutschland, speziell im Reis. Dafür hat das ZDF den ÖKO-TEST Reiswaffeln begleitet – vom Einkauf bis zu den Laboruntersuchungen und deren (überraschender) Ergebnisse. Für den Beitrag ist der Redakteur Andreas Ewels mit dem Kameramann Norbert Porta nach Bangladesch und Vietnam gereist. „Die Menschen in den betroffenen Gebieten können dem Arsen kaum entgehen“, sagt Ewels. Und: „Jeder Schluck arsenhaltiges Trinkwasser vergiftet sie mehr.“ Denn Arsen reichert sich im Körper an und über das Wasser gelangt es auch in den Reis. Und der belastete Reis wird auch nach Deutschland exportiert – nicht nur aus Bangladesch, denn auch andere Länder Asiens sind betroffen. ÖKO-TEST hat vor vier Jahren bereits sehr hohe Arsenbelastungen von Reiswaffeln aufgedeckt. Nachdem es nun Grenzwerte für anorganisches Arsen gibt, gingen ÖKO-TEST und das ZDF der Frage nach, ob diese eingehalten werden – oder ob die Hersteller das Problem immer noch nicht im Griff haben.

■.Alnatura schreibt, dass die Alnatura Mini Reiswaffeln ohne Salzzusatz alle Grenzwerte einhalten. Das Produkt lag bezüglich des anorganischen Arsengehalts knapp über dem Grenzwert für Reis, der für die Herstellung von Lebensmitteln für Babys und Kleinkinder gilt. Da der Grenzwert nur für die Ausgangsware Reis, nicht aber für Reiswaffeln gilt, und Alnatura die Einhaltung des Grenzwertes in der Rohware anhand mehrerer Untersuchungsberichte belegen kann, akzeptieren wir das.
■.Continental Bakeries ist der Hersteller mehrerer Produkte im Test. Die Eigenmarke schnitt am schlechtesten ab: anorganisches Arsen über Grenzwert. Der Hersteller hält fest: „Alle Inhaltsstoffe bewegen sich im gesetzlich erlaubten Rahmen.“ Ähm, haben wir da was verpasst, oder Continental Bakeries?
■.Real reagiert etwas ungewöhnlich auf unsere Mitteilung: „Hiermit bestätigen wir Ihnen die Angaben der Produktdaten und des Ladenpreises“, heißt es aus Düsseldorf dazu, dass mit dem Gehalt an anorganischem Arsen in den Real-Reiswaffeln ein gesetzlicher Grenzwert überschritten wurde. Das Produkt gehört aus dem Regal, bei Real sollten alle Alarmglocken losgehen. „Weiterhin haben wir keine Anmerkungen.“ Ja, dazu fällt uns auch nichts mehr ein.

So haben wir getestet

Über das Wasser nimmt der Reis Arsen auf und reichert es in den Körnern an.


Der Einkauf

Zunächst landeten genau die Produkte im Einkaufskorb, die bereits im ÖKO-TEST Reiswaffeln 2012 mit „ungenügend“ abgeschnitten hatten, wenn es sie noch gab. Haben die Hersteller die Probleme mit anorganischem Arsen und Acrylamid in den Griff bekommen? Außerdem haben wir weitere bekannte Marken eingekauft, gesalzen und ungesalzen – nur süße nicht. Schön: Es gibt erfreulich viele Bio-Reiswaffeln, sogar mehr als konventionelle.

Die Inhaltsstoffe

Viele Böden und das Wasser in Reisanbaugebieten sind mit Arsen belastet. In Reis steckt oft besonders viel Arsen, weil die Felder mit Wasser geflutet werden und die Reispflanze das Arsen aufnimmt und anreichert. Wir haben zunächst auf den Gesamtgehalt an Arsen, dann auf das besonders giftige anorganische Arsen untersuchen lassen. Acrylamid entsteht, wenn stärkehaltige Lebensmittel hoch erhitzt werden. Weiterhin im Fokus: Mineralöl, das etwa durch in der Produktion eingesetzte Schmieröle oder durch die Verpackung in die Reiswaffeln übergehen kann. Das nierenschädliche Schwermetall Cadmium nehmen die Reispflanzen über ihre Wurzeln aus belasteten Böden auf. Cadmiumhaltige Klärschlämme etwa sind dafür eine Ursache.

Die Bewertung

Anorganisches Arsen über Grenzwert – das kann nur ein „Ungenügend“ sein. Das trifft drei Produkte im Test. Für das Fazit „nicht verkehrsfähig“ aber sind die Überschreitungen zu knapp. Hier kommt die Messtoleranz der Labormethode ins Spiel. „Gesichert nicht verkehrsfähig“ heißt es im Amtsjargon, wenn auch nach Abzug dieser Toleranz der Grenzwert überschritten ist. Auch hohe Belastungen unter dem Grenzwert haben wir streng abgewertet – Arsen ist krebserregend. In Sachen Acrylamid lehnen wir uns an den EU-Richtwert für Getreidebeikost an. Zudem führen viel Cadmium oder Mineralöl zu Punktabzug.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar:
Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 172.Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Der Anbieter wirbt auf dem Produkt mit der Auslobung „ohne Zusatz von Aromen, Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz“.2) Weiterer Mangel: Das Produkt ist als „salzfrei“ ausgelobt; im Labor wurde ein Salzgehalt von 0,052 g/100 g gemessen.3) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Der Anbieter wirbt auf dem Produkt mit den Auslobungen „ohne Zuckerzusatz“ und „ohne Zusatz von Aromen“.4) Laut Anbietergutachten liegt der Gehalt an anorganischem Arsen in einer Probe derselben Charge, die mit der gleichen Labormethode untersucht wurde, bei 0,21 mg/kg. Das von uns beauftragte Labor ermittelte einen Gehalt von mehr als 0,3 mg/kg, womit der Grenzwert für anorganisches Arsen in Reiswaffeln überschritten wurde. Unterschiedliche Belastung der Rohware innerhalb einer Charge kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.5) Laut Anbietergutachten ist der Gehalt an anorganischem Arsen in einer Probe derselben Charge, die mit einer anderen Labormethode untersucht wurde, niedriger. Unterschiedliche Labormethoden, aber auch unterschiedliche Belastung der Rohware innerhalb einer Charge können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.6) Das Produkt heißt „Mais-Hirse-Reiswaffeln“, enthält aber zu 91 % Reis.7) Laut Anbietergutachten enthält die gleiche Charge, die mit der gleichen Labormethode untersucht wurde, einen deutlich niedrigeren Salzgehalt.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: eine Überschreitung des Grenzwerts für anorganisches Arsen in Reiswaffeln von mehr als 0,3 mg/ kg (in der Tabelle: „über Grenzwert“). Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) mehr als 0,2 bis 0,3 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das nicht für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist (in der Tabelle: „sehr stark erhöht“); b) mehr als 0,1 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist (in der Tabelle „sehr stark erhöht“). Zu einer Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 0,1 bis 0,2 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das nicht für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist (in der Tabelle: „stark erhöht“); b) mehr als 0,05 bis 0,1 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist (in der Tabelle: „stark erhöht“); c) ein Cadmiumgehalt von mehr als 0,1 mg/kg. Mit diesem Gehalt wird beim täglichen Verzehr von 20 Gramm Waffeln über den Zeitraum einer Woche die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) der EFSA zu mehr als 50 % ausgeschöpft, berechnet für ein 12 kg schweres, zweijähriges Kind; d) aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Zu einer Abwertung um jeweils eine Noten führen: a) mehr als 0,05 bis 0,1 mg/kg anorganisches Ar-sen in einem Produkt, das nicht für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist (in der Tabelle: „erhöht“); b) ein Acrylamidgehalt von mehr als 100 μg/kg; c) ein Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr 0,5 bis 2 mg/ kg), wenn nicht bereits wegen MOAH um zwei Noten abgewertet wurde. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Salzgehalt von 0,052 g/100 g, wenn das Produkt als „salzfrei“ ausgelobt ist. Zur Abwertung um eine Note führt: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „ohne Zusatz von Aromen, Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz“ und/oder „ohne Zuckerzusatz“, „ohne Zusatz von Aromen“). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis „Weitere Mängel“, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden
undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „M1610“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte:
Mai und Juni 2016.
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Foto: Norbert Porta

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