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TEST Riester-Bausparverträge: Mit Förderung ins Eigenheim


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2013 vom 28.03.2013

Das eigene Haus erscheint vielen als beste Altersvorsorge. Doch die Anschaffung ist teuer. Seit 2008 können Sparer jedoch Wohn-Riester nutzen, um eine selbst genutzte Immobilie zu finanzieren. ÖKO-TEST hat geprüft, ob sich die Angebote lohnen und welche Tücken dabei lauern.


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Foto: Joel Carillet/iStockphoto/©Thinkstock

Wohn-Riester-Angebote sind gefragt. Nach Angaben der Bundesregierung haben allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 187.000 Menschen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen, um sich das Geld vom Staat fürs Eigenheim zu sichern. Das ist umso erstaunlicher, als der Absatz von ...

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... Riester-Verträgen ansonsten nahezu stagniert. Fünf Jahre nach dem Start haben die Angebote für die Eigenheimrente die Riester-Rentenversicherungen, Riester-Bank- und Fondssparpläne im Neugeschäft aber um Längen abgehängt. Wohn-Riester-Offerten machen mittlerweile stolze 67,5 Prozent vom gesamten Riester-Zuwachs aus. Andreas W. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbands der privaten Bausparkassen, wundert das nicht: „Die eigenen vier Wände sind ein Hort der Sicherheit. Die Sehnsucht danach wächst gerade in Krisenzeiten wie jetzt.“ Außerdem korrespondiert der Boom bei der Eigenheimrente mit der generell stark steigenden Nachfrage nach Immobilien vor allem in Ballungsgebieten und Wachstumsregionen. Der Grund ist simpel: Das Eigenheim gilt als wertbeständige und sichere Anlage – und daher auch als optimale Altersvorsorge. Doch Wohn-Riester-Offerten haben noch ein weiteres Plus: Die Bausparund Finanzierungsangebote kommen ohne Rentenversicherung aus. Dadurch entfällt die Wette auf ein langes Leben, die viele Riester-Rentenangebote so teuer macht. Beim Wohn-Riester kommt der Fördereffekt dagegen voll dem Sparer und eventuellen Erben zugute. Allerdings lauern auch hier einige Fallen. „Die Förderung ist mitunter kompliziert“, kritisiert Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen.

ÖKO-TEST wollte deshalb genau wissen, ob und unter welchen Bedingungen die Eigenheimrente lohnt und hat die Wohn-Riester-Angebote unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Konditionen von 21 förderfähigen Bauspartarifen von sechs Bausparkassen geprüft. Alle Anbieter haben wir jeweils um zwei konkrete Angebote für eine vierköpfige Familie gebeten. Dabei will ein 40-jähriges Durchschnittsverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern einerseits für das Alter vorsorgen und andererseits in sieben Jahren bauen. Die Kassen sollten deshalb einen Vorschlag für einen Bausparvertrag unterbreiten, der in sieben Jahren in eine Finanzierung eingebaut werden kann. Für den Musterfall wurde unterstellt, dass das Ehepaar dann ein Eigenheim im Wert von 200.000 Euro erwerben will und insgesamt 150.000 Euro davon mit den Bausparverträgen sowie einem Restkredit finanzieren will. Im anderen Fall will die Familie ihre Eigenheimwünsche sofort realisieren. Dazu sollten die Kassen einen Vorschlag für eine Wohn-Riester-Sofortfinanzierung unterbreiten. Anschließend wurden die Modellfinanzierung der Bausparkassen einer ungeförderten Spar- und Finanzierungsvariante gegenübergestellt.

Das Testergebnis

■ Vorteil dank Riester-Förderung. Bauen mit Riester-Förderung kann sich lohnen. Sowohl im Musterfall 1, Bauen oder Kaufen in sieben Jahren, als auch im Musterfall 2, der Sofortfinanzierung, schneiden die Wohn-Riester-Bausparangebote gut ab – und zwar deutlich besser als die ungeförderten Verträge, an denen wir die Bausparkassenangebote gemessen und so trotz unterschiedlicher Bausparsummen, Tilgungsraten und Laufzeiten vergleichbar gemacht haben.
■ 9.000 bis 18.000 Euro Zinsen gespart: Wer sicher weiß, dass er in sieben Jahren bauen will, und bis dahin mit steigenden Baugeldzinsen rechnet, macht mit Riester-Bausparverträgen ein gutes Geschäft. Im Schnitt ist das Modellehepaar bei der Finanzierung mit dem Wohn-Riester-Bausparvertrag 20 bis 23 Monate früher schuldenfrei als bei ungeförderter Finanzierung und hat dadurch bis zu 8.991,14 Euro Zinskosten gespart. Beim Sofortfinanzierungsmodell ist mit bis zu 18.739 Euro sogar mehr als das Doppelte drin. Denn ein ungefördertes Hypothekendarlehen, bei dem die Zinsen bis zur Tilgung in knapp 25 Jahren festgeschrieben sind, ist auch im momentanen Niedrigzinsumfeld nicht unter 3,36 Prozent Effektivzins zu haben. Die Kombikredite der Bausparkassen kommen dagegen mit einem Gesamteffektivzins von 2,72 bis 3,18 Prozent aus. Noch deutlicher wird der Vorteil, wenn die Zinsen spürbar steigen sollten.
■ Viele Drückeberger. Dass wir nur Top- und keine Flopangebote fanden, hat aber auch einen anderen simplen Grund: Das Gros der Branche drückte sich vor dem Test und lieferte nicht die nötigen Daten. Vereinzelt war der Grund verständlich: Die LBS Bremen wurde zum Jahreswechsel zum Beispiel von der LBS West komplett übernommen. Hier gibt es also nur noch einheitliche Tarife. Auch die Aachener Bausparkasse und die HUK begründeten die Absage mit ihrer Fusion. Bei vielen Drückebergern liegt jedoch der Verdacht nahe, dass ihre Tarife nicht optimal sind. Im Musterfall 1 wären viele Riester-Verträge nach sieben Jahren zum Beispiel noch gar nicht zuteilungsreif. Die Familie käme daher erst nach 10 bis 15 Jahren an ihr Bauspargeld. Um den Bau oder Kauf des Hauses dennoch wie geplant zu realisieren, müsste sie daher bei vielen Verweigerern eine Zwischenfinanzierung einkalkulieren. Das verteuert die Offerten erheblich. Auch im Musterfall 2 können wir nur vermuten, dass die Konditionen derzeit nicht marktgerecht sind.
■ Dichtes-Kopf-an-Kopf-Rennen: Testsieger im Musterfall 1, Bau oder Kauf in sieben Jahren, sind die Alte Leipziger Bausparkasse mit dem Easy finanz Riester Tarif B und die Schwäbisch Hall mit der Fuchs WohnRente. In beiden Fällen profitieren die Sparer einerseits von den noch vergleichsweise guten Konditionen in der Ansparphase und andererseits von einer guten Relation zwischen Sparbetrag und Darlehen. So bietet die Alter Leipziger noch einen Sparzins von 1,4 Prozent an, bei der Fuchs-Wohn-Rente von Schwäbisch Hall sind es immerhin noch 1,0 Prozent. Die restlichen drei Bausparkassen zahlen in der Ansparphase dagegen nur 0,5 Prozent Habenzinsen. Das lässt das Sparkapital nur sehr langsam wachsen, entsprechend größer ist dann der Kreditbedarf. Eigentlich liefern sich jedoch alle fünf Bausparkassen, die mit ihren Tarifen im Modellfall 1 am Test teilgenommen haben, ein dichtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Denn die Unterschiede in der Gesamtlaufzeit machen lediglich rund 2,6 Monate aus. Auch die Zinskosten der Finanzierung liegen nicht allzu weit auseinander.
■ Nachteile bei Darlehensverzicht. Wird der Vertrag später nicht zur Baufinanzierung verwendet, machen Riester-Bausparer dagegen ein schlechtes Geschäft. Zwar können sie sich das Guthaben aus dem Bausparvertrag ab Rentenbeginn auch als lebenslange Riester-Rente oder als Riester-Auszahlplan auszahlen lassen. Doch bei Minihabenzinsen von 0,5 bis 1,4 Prozent ist – trotz Zulagenförderung – keine üppige Rente zu erwarten. Mehr noch: Sollten die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen, wirkt sich das besonders schmerzhaft aus. Denn bei nahezu allen ungeförderten und geförderten Sparanlagen werden die Zinsen von Zeit zu Zeit an die Marktentwicklung angepasst – nur bei Bausparverträgen nicht. Die Option auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen hat also einen hohen Preis. Wird das Guthaben nicht zur Finanzierung eines Eigenheims eingesetzt, sind Riester-Bausparverträge letztlich nur eine miserabel verzinste Form der Altersrente. Wenn der Traum vom Eigenheim platzt, sollten sich Riester-Bausparer daher nicht scheuen, das Guthaben möglichst rasch in einen bes-ser verzinsten Riester-Banksparplan zu überführen. Das ist förderunschädlich möglich, und mit Ausnahme der Landesbausparkasse Hessen-Thüringen verlangen die Bausparkassen – anders als Riester-Rentenanbieter – auch keine Gebühr für den Anbieterwechsel.

Bei Wohn-Riester-Verträgen profitieren Familien von der staatlichen Förderung, denn die Zulagen lassen das Eigenkapital schneller wachsen und beschleunigen die Tilgung.


Foto: pictonaut/Fotolia.com

Das Wohnförderkonto: Der lange Arm der Versicherungslobby

Alles andere als verbraucherfreundlich: Die GDV-Formel zur Aufteilung des Kapitals bei „übersparten“ Bausparverträgen.


Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Mit der Wohn-Riester-Förderung will der Staat Häuslebauer stärker unterstützen. Doch weil die geförderten Tilgungsbeiträge quasi steuerfrei in die Immobilie fließen, müssen Wohn-Riester-Sparer für das geförderte Kapital später Steuern zahlen. Die Anbieter sind daher verpflichtet, für jeden Wohn-Riester-Vertrag ein eigenes Wohnförderkonto zu führen. Darauf werden die geförderten Tilgungsleistungen sowie die Zulagen verbucht.
Die Frage ist nur, wann und wie das geschieht. Denn je später die Beiträge auf das Wohnförderkonto fließen, desto später beginnt auch die Verzinsung. Wie ÖKO-TEST verwundert feststellen musste, rechnet aber (fast) jede Bausparkasse anders. Das gilt insbesondere für den Musterfall 2, die Sofortfinanzierung. Denn hier zahlen die Sparer mehr als den Förderhöchstbetrag von 2.100 Euro auf den Vertrag – und daher muss geklärt werden, wie die Zahlungen und vor allem die Vertragskosten auf die geförderten und ungeförderten Beiträge aufzuteilen sind. Schließlich müssen die Wohn-Riester-Sparer das Guthaben auf dem Konto später versteuern. Da kann es eigentlich nicht sein, dass unterschiedliche Kontomodelle zulässig sind, die zu abweichenden Ergebnissen führen. So dachte zumindest ÖKO-TEST. Doch das war off enbar ein Irrtum. Denn auch fünf Jahre nach Einführung der Eigenheimrente gibt es noch kein Kontomodell, das für alle Anbieter verbindlich ist – eigentlich ein Unding.
Allerdings – und das ist für ÖKO-TEST keine Überraschung, denn es wundert einen in diesem Bereich gar nichts mehr – hat der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) 2009 ein Verfahren entwickelt, das für übersparte Riester-Rentenversicherungen gilt. Das möchte der GDV auch auf Wohn-Riester-Bausparverträge übertragen. Das hält das Bundesfi-nanzministerium (BMF) für „zulässig“, wie es den Bausparkassen schriftlich mitteilte. Was wir schon bei den aktuellen Gesetzesänderungen zur Beteiligung von Versicherten an den Bewertungsreserven feststellen mussten (ÖKO-TEST-Magazin 3/2013), setzt sich bei Wohn-Riester fort: Auf Vorschlag der Versicherungslobby werden im Sinne der Branche Regelungen eingeführt, die für Verbraucher nachteilig sein können. Denn das GDV-Verfahren ist höchst kompliziert und daher intransparent. Verbraucherschützer können daher nur den Kopf schütteln. „Das Wohnförderkontomodell sollte so einfach und transparent wie möglich gehalten werden, auch wenn es dann vielleicht nicht bis in die dritte Kommastelle exakt ist. Aus Verbrauchersicht ist nur zu begrüßen, was der Verbraucher versteht und nachrechnen kann“, kritisiert Axel Drückler, Finanzdienstleistungsexperte der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. ÖKO-TEST hat daher einen Vorschlag für ein solches Modell entwickelt, das unter www.oekotest.de im Internet abgerufen werden kann. Doch so viel ist klar: Hier ist auch der Gesetzgeber gefordert. „Es kann nicht sein, dass jeder Anbieter anders rechnet. Ein einheitliches Kontomodell muss zwingend vorgeschrieben werden. Kaum zu glauben, dass dies fünf Jahre nach Einführung der Regelungen immer noch nicht geschehen ist“, so Verbraucherschützer Drückler.
Eine Erklärung, warum das Finanzministerium das Modell der Versicherungslobby akzeptiert und den Bausparkassen anpreist, könnte lauten: Es begünstigt den Fiskus. Denn nach dem komplizierten Berechnungsschema müssen Kosten wie zum Beispiel Gebühren für die Kundenzeitschrift bei übersparten Verträgen (unser Modellfall 2 Sofortfinanzierung) herausgerechnet werden. Dadurch wächst das später steuerpflichtige Guthaben schneller als bei jedem Vertrag, auf den nur förderfähige Beiträge fließen (unser Modellfall 1). ÖKO-TEST hat mit einem deutlich einfacheren Modell die Gegenprobe gemacht. Sie zeigt: Bei den meisten Kassen steht zu Rentenbeginn ein höherer Betrag auf dem Wohnförderkonto als bei dem ÖKO-TEST-Kontomodell. Entsprechend höher ist die spätere Steuerlast. Doch genau die Steuerlast ist das Zünglein an der Waage, um zu prüfen, ob die förderfähige Finanzierung auch netto vorteilhaft ist. Uns keimte daher ein böser Verdacht: Die Versicherungsbranche versucht hier, der Bausparkassenkonkurrenz die Konditionen für die Führung der Förderkontos zu diktieren – und das BMF spielt wieder einmal mit. „Das Verfahren sei eingeführt, praxiserprobt und vom BMF geprüft“, heißt es im Schreiben des BMF an die Verbände. Ob es auch verbraucherfreundlich und transparent ist, prüfte das BMF aber leider nicht.

So funktionieren Wohn-Riester-Angebote

Foto: Ingo Bartussek/Fotolia.com

Wer ist berechtigt? Seit 2008 dürfen Riester-Sparer ihr mit Förderung angespartes Kapital aus einem Riester-Vertrag auch als Eigenkapital für die Anschaffung oder den Bau einer selbst genutzten Immobilie einsetzen. Die Riester-Zulagen und Steuervorteile dürfen auch für die Tilgung eines Darlehens genutzt werden, sofern mit dem Kredit die eigenen vier Wände finanziert werden.
Was wird gefördert? Gefördert werden nicht nur die Sparleistungen zum Aufbau von Eigenkapital, das später beim Bau oder Kauf der Immobilie eingesetzt wird. Eigenbeitrag und Förderung können auch direkt als Tilgung bei der Immobilienfinanzierung eingesetzt werden. Voraussetzung ist lediglich, dass der jährliche Mindesteigenbeitrag plus die Zulagen in ein entsprechend zertifiziertes Riester-Darlehen oder auf einen zertifizierten Bausparvertrag fließt.
Wer darf die Immobilie nutzen? Weitere Bedingung für die Eigenheimrente ist, dass der Riester-Geförderte seine eigenen vier Wände auch bzw. gerade im Rentenalter selbst bewohnt. Wird die Immobilie vor Rentenbeginn wieder verkauft, muss das auf dem Wohnförderkonto verbuchte Kapital nachversteuert werden. Einzige Ausnahme: Der Verkaufserlös wird in eine neue selbst genutzte Wohnung investiert. Oder der Riester-Geförderte zahlt den Restbetrag von seinem Wohnförderkonto auf einen anderen Riester-Vertrag ein. Falls der Riester-Sparer verstirbt und seine Ehefrau in der selbst genutzten Immobilie wohnen bleibt, führt sie das Wohnförderkonto unverändert fort. Wird die Wohnung infolge eines beruflichen Umzugs des Riester-Sparers nur zeitweise nicht mehr selbst genutzt, kann sie – entgeltlich oder unentgeltlich – vermietet werden, ohne dass der Wohn-Riester-Vertrag förderschädlich beendet wird. Voraussetzung ist jedoch, dass die Überlassung der Wohnung von vornherein zeitlich befristet wird, der Riester-Sparer die spätere Wiederaufnahme der Selbstnutzung beabsichtigt und er auch spätestens mit 67 wieder dort einzieht. Ansonsten gelten bei Vermietung die gleichen Regeln wie beim Verkauf: Das gilt als förderschädlicher Abbruch des Vertrags.
Was verlangt der Fiskus? Der Entnahmebetrag, der als Eigenkapital zur Anschaffung der Immobilie oder zur Darlehenstilgung dient, wird ebenso wie die jährlichen geförderten Tilgungsleistungen und die erhaltenen Zulagen auf einem Wohnförderkonto verbucht und mit zwei Prozent jährlich „verzinst“, letztmalig zu Rentenbeginn. Ab dann muss das so ermittelte Förderkapital als „Eigenheimrente“ versteuert werden. Spätester Termin für den Beginn der Steuerpflicht ist die Vollendung des 68. Lebensjahres. Bis dahin muss das Riester-Darlehen auf jeden Fall komplett getilgt sein. Der Fiskus verlangt seinen Tribut allerdings nicht auf einen Schlag. Der Riester-Bauherr kann vielmehr wählen, ob er die Steuern auf das gesamte Wohnförderkapital auf einen Schlag entrichten will. Dann wird ihm ein Rabatt von 30 Prozent des Betrags gewährt, der sich auf dem Wohnförderkonto rechnerisch angesammelt hat. De facto muss er also nur 70 Prozent des Förderkapitals mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Alternativ kann er sich auch für jährliche Besteuerung entscheiden. Dann wird der komplette Betrag auf dem Wohnförderkonto durch die Jahre bis zum 85. Lebensjahr geteilt. Der so ermittelte Jahresbetrag wird dann als fiktive „Eigenheimrente“ mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Und Jahr für Jahr reduziert sich das Wohnförderkonto um den bereits versteuerten Betrag. Die Steuerregeln gelten allerdings nur, solange der Riester-Sparer das mit Förderung finanzierte Eigenheim auch weiterhin bewohnt. Wird das Haus verkauft, muss nachversteuert werden. Das bedeutet: Ein etwaiger Rabatt bei Einmaltilgung muss nachversteuert werden. Bei laufender Besteuerung muss der Restbetrag auf dem Wohnförderkonto sofort in voller Höhe versteuert werden. Die Nachversteuerung lässt sich vermeiden, wenn der Verkaufserlös zur Anschaffung einer neuen selbst genutzten Immobilie eingesetzt wird. Dann wird die Eigenheimrente in unveränderter Form fortgeführt. Oder wenn der Restbetrag vom Wohnförderkonto in einen Riester-Rentenvertrag eingezahlt wird. Dann muss die daraus resultierende Rente versteuert werden.
Geplante Verbesserungen: Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Wohn-Riester-Förderung verbessert werden. So soll das Wohnförderkonto nur noch mit einem statt bislang mit zwei Prozent jährlich verzinst werden. Die Förderung soll auch für den altersgerechten Umbau von Haus oder Wohnung genutzt werden können. Außerdem soll das Kapital aus einem Riester-Vertrag für die Entschuldung des Eigenheims genutzt werden können – und zwar nicht nur zu Rentenbeginn. Nach dem Verkauf einer mit Wohn-Riester geförderten Immobilie sollen die Riester-Finanzierer zudem künftig fünf statt wie bislang vier Jahre Zeit haben, sich ein neues Eigenheim zu suchen, auf das die Förderung übertragen wird. Die Neuregelungen aus dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz sind allerdings umstritten. Vor allem die Versicherungsbranche kritisiert, dass die Wohn-Riester-Angebote zu stark begünstigt würden. Ob das Gesetz wie geplant umgesetzt wird, ist daher offen.

Schach dem Fiskus: Bausparer sollten bei Versteuerung der Eigenheimrente prüfen, ob Ratenzahlung nicht günstiger kommt als die Einmalversteuerung.


Foto: Gordon Grand/Fotolia.com

■ Weniger flexibel: Wer sich für die Bauspar-Kombi-Finanzierung entscheidet, muss allerdings Abstriche bei der Flexibilität hinnehmen. Denn Sofortfinanzierungen bestehen aus einer Kombination von zwei Verträgen: einem tilgungsfreien Darlehen und einem Bausparvertrag, der das Darlehen nach einer mehrjährigen Sparzeit ablöst. Für das sogenannte Vorausdarlehen zahlt der Kreditnehmer nur die Zinsen. Die Tilgung steckt er dagegen als Sparleistung in den Bausparvertrag. Sobald der Vertrag zuteilungsreif ist, im Schnitt nach 10 bis 14 Jahren, wird das Vorausdarlehen dann auf einen Schlag durch die Summe aus angespartem Bausparguthaben plus ausgezahltem Bauspardarlehen getilgt. Bis das Eigenheim endgültig schuldenfrei ist, stottert der Kunde nur noch das Bauspardarlehen ab. Die Laufzeiten für die Vorausdarlehen sind aber meist fest vorgegeben. Sonderzahlungen, um die Ansparphase zu verkürzen, lohnen daher nicht. Entweder kann das Vorausdarlehen gar nicht vorzeitig abgelöst werden oder bei vorzeitiger Ablösung wird eine teure Vorfälligkeitsentschädigung fällig, die den Vorteil der schnellen Tilgung wieder zunichtemacht. Volltilgerhypotheken von der Bank sind flexibler. Meist sind hier jährliche Sondertilgungen von mindestens fünf Prozent ohne Zinszuschlag drin. Einige Banken lassen mittlerweile sogar zehn Prozent Sondertilgung pro Jahr ohne Zinszuschlag zu.
■ Der Staat fordert seinen Tribut. Wer mit staatlicher Förderung baut, muss die erzielten Finanzierungsvorteile später allerdings in Form einer Eigenheimrente (siehe Kasten Seite 125) versteuern. Wie groß der danach verbleibende Vorteil ist, hängt nicht nur vom individuellen Steuersatz ab, sondern auch davon, wann und wie die „Eigenheimrente“ – wie das Wohnförderkonto auch genannt wird – letztlich versteuert wird. Entscheidet sich unsere Musterfamilie dazu, das Wohnförderkonto gleich zu Rentenbeginn auf einen Schlag zu tilgen, schrumpft das Restguthaben im Musterfall 1, welches die Familie nach Darlehenstilgung aus den restlichen Monatsraten anspart, nach Abzug der Steuerschuld kräftig zusammen. Obwohl der Staat in diesem Fall 30 Prozent „Rabatt“ gibt, bleiben dem Ehepaar bei Einmalbesteuerung zu Rentenbeginn unterm Strich bis zu 8.700 Euro weniger Guthaben übrig als beim ungeförderten Modell. Dort stehen netto immerhin noch rund 19.500 Euro auf dem Konto. Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn sich das Ehepaar für die ratenweise Versteuerung des Wohnförderkontos entscheidet. In diesem Fall steht es auch nach Steuern deutlich besser da als beim ungeförderten Modell. So müsste das Paar bei der Fuchs WohnRente von Schwäbisch Hall zum Beispiel bis zu seinem 85. Lebensjahr jährlich knapp 2.918 Euro aus dem Wohnförder-konto versteuern. Das macht bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent eine jährliche Steuerschuld von knapp 730 Euro. Wird dieses Geld 18 Jahre lang aus dem weiterhin verzinslich angelegten Restguthaben entnommen, stehen dem Paar mit 85 immer noch 35.135 Euro Restguthaben zur Verfügung. Beim ungeförderten Modell wäre das verzinslich angelegte Restguthaben seit Rentenbeginn dagegen nur auf 23.763 Euro angewachsen.
■ Jede Kasse berechnet das Wohnförderkonto anders. Ein Problem ist allerdings, dass fast jede Bausparkasse beim Wohnförderkonto anders rechnet, wie ÖKOTEST überrascht feststellen musste. Denn auch fünf Jahre nach Einführung der Wohn-Riester-Modelle gibt es keine verbindlichen und vor allem einheitlichen Vorgaben, wie das Förderkonto von den Anbietern zu führen ist. Für die Kunden ist das mehr als ärgerlich. Denn je nach Berechnungsmodus ergibt sich mal ein höherer, mal ein niedrigerer zu versteuernder Betrag.

Anmerkungen: 1) Wohnförderkonto der Frau laut ÖKO-TEST höher, weil Restzulage aus ihrem Vertrag noch auf ihrem Konto verbucht wurde, obwohl sie nach Auszahlung als zusätzliche Tilgung auf dem Bausparvertrag des Mannes floss. 2) Angaben mit Unsicherheit behaftet, da Anbieter Testteilnahme ablehnt. 3) Wohnförderkonto vom Anbieter ohne letzte Erhöhung zu Rentenbeginn berechnet. 4) Angaben mit Unsicherheit behaftet, da Anbieter Ergebnisse aus Zeitgründen nicht kontrollieren konnte. 5) Tabelle weist die monatliche Sparrate im Durchschnitt aus, anfänglich beträgt sie jeweils 180 Euro. Auch die Angaben zur Bausparrate pro Monat beziehen sich auf den durchschnittlichen Betrag.
Legende: Anbieter bei den Wohn-Riester-Sofortfinanzierungen geordnet nach Gesamteff ektivzins, bei den Wohn-Riester-Bausparverträgen im Modellfall Bauen oder Kaufen in sieben Jahren nach Gesamtlaufzeit der Finanzierung.
Testmethode finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1304“ eingeben.
Testmethode finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „M1304“ eingeben.

ÖKO-TEST rät

■ Vergleichen Sie bei Sofortfinanzierungen zunächst den Gesamteffektivzins des Bausparkassenangebots mit Volltilgerdarlehen von der Bank. Oft ist die Bausparkasse günstiger, die Bank aber flexibler. Dann entscheiden Sie danach, wie wichtig Ihnen das Recht auf Sondertilgungen und die Vertragsflexibilität sind.
■ Wollen Sie in einigen Jahren Ihre Eigenheimträume realisieren, ist ein Riester-Bausparvertrag attraktiv. Bei der Annahme stark steigender Zinsen lohnt sich ein Tarif mit Mehrzuteilungsoption. Achten Sie zudem darauf, dass die Tilgungsrate mit den Zulagen verrechnet wird.
■ Lassen Sie sich in allen Fällen immer ein individuelles Angebot erstellen. Achten Sie darauf, dass Finanzierungsvorteil netto inklusive Steuerschuld auf das Wohnförderkonto aufgezeigt wird – und tilgen Sie das Konto im Zweifel lieber mit monatlichen Raten.

Die Verweigerer

■ Aus Zeitmangel: Aachener Bausparkasse/HUK Coburg (keine Zeit aufgrund der Fusion), LBS Saar.
■ Tarife können Modellvorgaben nicht einhalten: Badenia Bausparkasse.
■ Ohne Begründung: Bausparkasse Mainz, Deutsche Bank Bauspar, LBS Hessen-Thüringen, LBS Bayern, LBS Rheinland-Pfalz, LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg, BHW-Bausparkasse.
■ Wegen Überarbeitung der Tarife: LBS Nord.
■ LBS Ost „beteiligt sich ausschließlich an Umfragen der Stiftung Warentest“.

Mehr zum Thema

Das von ÖKO-TEST entwickelte Modell zur Führung des Wohnförderkontos sollten Sie Ihrer Bausparkasse vorlegen und fragen, ob sie nach diesem Modell bucht, und wenn nein, warum nicht. Das Modell ist kostenlos für alle ÖKO-TEST-Leser unter www.oekotest.de abrufbar.