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TEST Riester-Renten: Reise ins Labyrinth


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2011 vom 27.05.2011

Die Riester-Rente gilt als kompliziert und teuer. Unser Test macht deutlich, warum die Kunden oft lückenhaft, kaum verständlich und sogar fehlerhaft über den angebotenen Vertrag informiert werden. Und warum die Renditen oft jämmerlich sind.


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Foto: Digital Vision

Eigentlich sollten alle Ries ter-Sparer schon aus dem Angebot klar und verständlich erkennen können, welche Leistung sie zu erwarten haben und was der Vertrag kostet. So sehen es jedenfalls die vorvertraglichen Informationspflichten vor, die der Gesetzgeber schon 2008 formulierte.

ÖKO-TEST hat deshalb in diesem Jahr nicht nur die Konditionen von ...

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... Riester- Verträgen geprüft, sondern auch einen Blick in die die Angebotsunterlagen von 30 Versicherungsunternehmen geworfen. Insgesamt 144 Offerten, 80 Angebote für eine klassische Riester-Rentenversicherungen und 64 Angebote für fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen haben wir unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

▀ … ist ein Skandal. Von Transparenz keine Spur. Statt klarer und eindeutiger Informationen bekommen Kunden 20 bis 60 Seiten dicke Vertragsangebote. Die auf zig Seiten verteilten Angaben sind oft unvollständig, widersprüchlich und damit irreführend, bisweilen sogar fehlerhaft.

▀ Schon die Kostenangaben sind eine Katastrophe. Kein einziger Anbieter weist die gesamten Kosten – und damit seine Einnahmen – in Euro und Cent aus. Die Angaben sind derartig verwirrend, dass nicht einmal Fachleute eine Chance hätten, daraus die tatsächlichen, von den Versicherten zu zahlenden Kosten zu errechnen. Auch wir haben vor Angaben wie „Verwaltungskosten pro Jahr 33,84 €, in den letzten Jahren linear fallend auf 0,96 € vor Garantietermin plus 0,013 % der Summe der bereits gezahlten Eigenbeiträge plus sonstige Kosten 5,0 % je Zulage oder Zuzahlung linear fallend auf 0,15 % vor Garantietermin plus 0,013 % der Summe der gezahlten Zulagen oder Zuzahlung pro Monat“ kapituliert. Zur Ermittlung der in der Tabelle ausgewiesenen Gesamtkosten haben wir einfach berechnet, wie viel Kapital der Kunde aus seinen Einzahlungen, den Zulagen und den darauf anfallenden Zinsen über die Jahre angespart hätte, wenn keine Kosten anfallen. Dieses Gesamtkapital vor Kosten haben wir dann mit jenem Betrag verglichen, der beim jeweiligen Anbieter zu Rentenbeginn auf dem Kundenkonto steht, bei Klassiktarifen nach 2,25 Prozent Garantiezins, bei Fondstarifen nach 5 Prozent Zins. Die Differenz gibt die Gesamtsumme der vom Versicherer einkalkulierten Vertragskosten an, inklusive der entgangenen Zinsen, auf die der Kunde infolge der Kosten verzichten muss.

▀ Das Ergebnis zieht einem die Schuhe aus und macht das Verwirrspiel um die Kosten verständlich – zumindest aus Sicht der Anbieter. Teilweise fressen die Vertragskosten (fast) die gesamten Zulagen auf, die Vater Staat spendiert. Die Ergo beispielsweise kürzt unserem 35-jährigen Sparer mit zwei Kindern im Klassiktarif das Garantiekapital wegen Kosten um insgesamt 7.917 Euro. Zum Vergleich: Das sind fast 80 Prozent der Zulagensumme von insgesamt 9.954 Euro, die der Sparer bis Rentenbeginn erwarten kann. Noch teurer ist der Tarif der Stuttgarter, der uns in Form einer ökologischen Police von der Transparente angeboten wurde. Hier gehen sogar 7.926 Euro für Kosten drauf.

▀ Bei Fondspolicen müssen Riester-Sparer mit noch höheren Kosten rechnen. Schon beim günstigsten Tarif, derAlfonds-Riester-Rente der Alten Leipziger, schlagen die Kosten für unseren 35-Jährigen mit rund 4.000 Euro ins Konto. Bei teuren Anbietern wie der Skandia können die in 32 Vertragsjahren anfallenden Kosten insgesamt aber auch über 18.000 Euro betragen. Das liegt jedoch nicht allein an den Abschluss-, Vertriebsund Verwaltungskosten. Bei den Fondspolicen sind auch die bei Riester-Verträgen anfallenden Garantiekosten einkalkuliert.

▀ Bei manchen Tarifen muss man sich sogar wundern, dass sie überhaupt zertifi- ziert wurden. Denn die wesentlichen Merkmale, die die Förderfähigkeit des Vertrags ausmachen, werden in den Angebotsunterlagen einfach nicht genannt. Ein Beispiel dafür ist die Skandia. Bei ihrer fondsgebundenen SkandiaRiester Rente Tarif SRR08 gibt sie in den 40 Seiten umfassenden Antragsunterlagen an keiner Stelle an, wie viel Kapital der Kunde zu Rentenbeginn als Garantieleistung erwarten kann. Auch die Ergo-Versicherung, die Gothaer, die Oeco Capital und die Universa weisen das zu Rentenbeginn angesparte Garantiekapital überhaupt nicht aus. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Informationspflichten, der aber meist folgenlos bleibt. Denn ob und wie Riester-Anbieter den Verbraucher vor Vertragsabschluss informieren, prüft die Zertifizierungsstelle nicht. Verbraucherschützer sind empört. „Es ist ein Skandal, wenn die Anbieter die gesetzlichen Vorgaben nicht einhalten und niemand deren Einhaltung über wacht“, sagt Dorothea Mohn, Referentin für Geldanlage und Altersvorsorge beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

▀ Die Anbieter können die Aufregung indes angeblich nicht verstehen. Von ÖKOTEST angesprochen, warum sie kein Garantiekapital ausweise, erklärt die Gothaer, sie teile doch mit, wie viel vom angesparten Kapital der Kunde zu Rentenbeginn auf einen Schlag entnehmen kann. „Dies sollte als Indikator für das zu Rentenbeginn zur Verfügung stehende Kapital ausreichen. Der Ausweis des 100%igen Kapitalbetrags hat für den Kunden hier keinen erkennbaren Mehrwert“, will die Gothaer uns glauben machen.

▀ Das Garantiekapital ist aus Sicht der Verbraucherschützer dagegen ein ganz wichtiger Maßstab, wenn Kunden die Offerten verschiedener Anbieter vergleichen wollen. „Von Anbietern, die sich explizit weigern, das Garantiekapital auszuweisen, muss man annehmen, dass sie einen Anbietervergleich bewusst unterlaufen wollen“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dieser Verdacht drängte sich ÖKO-TEST bei Durchsicht der Angebotsunterlagen aber ohnehin auf. Denn jeder Anbieter rechnet und informiert anders.

▀ Elf der 30 untersuchten Versicherer geben zwar einen Garantiebetrag an. Doch der ist zu niedrig, weil die Allianz, die Condor- Versicherung, die Debeka, der Deutsche Ring, die Inter-Versicherung, die LV 1871, Money Maxx, die Postbankversicherung, die Neue Leben, die Stuttgarter und der Volkswohl Bund das durch staatliche Zulagen aufgebaute Kapital in den Garantiewerten, die sie ihren Kunden nennen, nicht berücksichtigen.

▀ Auf diese irreführenden Angaben angesprochen, re - den sich Anbieter gerne heraus, sie wüssten im Vorfeld ja nicht, ob der Sparer die Zulagen auch beantragt. Das stimmt zwar, ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die Anbieter können zwar nicht garantieren, dass der Sparer die staatliche Förderung korrekt beantragt. Doch sobald die Zulage auf den Vertrag fließt, muss der Versicherer auch garantieren, dass das damit gebildete Kapital zu Rentenbeginn ohne Abzüge zur Verfügung steht.

▀ Wie man diese Feinheiten auch dem Verbraucher plastisch machen und trotzdem verständlich informieren kann, zeigen Anbieter wie die Alte Leipziger und die Hanse Merkur. Sie rechnen ihren Kunden genau vor, wie viel vom gesamten Garantiekapital durch Eigenbeiträge und wie viel durch Zulagen erwirtschaftet wird. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass das Zulagenkapital natürlich nur sicher ist, wenn die staatliche Förderung auch beantragt und der Vertrag korrekt bespart wird. Kurz: Diese Anbieter geben ihren Sparern nicht nur korrekte Informationen über die gesamte garantierte Leistung. Mit ihren Zusatzhinweisen helfen sie obendrein, Förderpannen zu vermeiden. Denn der Kunde sieht auf einen Blick, wie viel Geld ihm entgeht, wenn er die Förderung nicht oder nicht korrekt beantragt bzw den Vertrag nicht korrekt bespart.

▀ So viel Verbraucherfreundlichkeit ist bei den meisten Anbietern jedoch Mangelware. Bei Durchsicht mancher Unterlagen kam uns daher ein böser Verdacht: Wer weiß denn schon, ob die Kunden später auch wirklich die gesetzlich garantierte Leistung erhalten? Vielleicht zwackt der eine oder andere Anbieter später doch noch Vertragskosten davon ab? Der Kunde kann das im Zweifel nicht nachprüfen.

▀ Vernebelungstaktik dominiert auch bei den Modellrechnungen, mit denen die Anbieter über die Entwicklung des angesparten Kapitals informieren. Dabei ist laut Gesetz eigentlich alles ganz einfach: Die Anbieter sollen aufzeigen, wie sich das angesparte Kapital bei unterschiedlichem Kapitalmarktzins entwickeln kann – und wie viel Geld der Sparer bei einem etwaigen Anbieterwechsel mitnehmen kann. „Für einen Anbietervergleich ist es unverzichtbar, dass der Verbraucher klare Informationen erhält, wie sich das gesamte Altersvorsorgevermögen entwickelt“, sagt Niels Nauhauser. Doch wie schon beim Garantiekapital gilt: Die Zulagen fallen in den Modellrechnungen vieler Anbieter einfach unter den Tisch. Entsprechend mickrig sind dann die Werte, die für den Fall eines Anbieterwechsels oder bei Beitragsfreistellung laut Modellrechnung zur Verfügung stehen. Über den Grund dieser Fehlinformation kann ÖKO- TEST nur spekulieren: Vielleicht soll das die Kunden davon abhalten, den abgeschlossenen Vertrag vorzeitig zu beenden?

▀ Manche Anbieter betreiben gezielte Irreführung, indem sie ihren Kunden in einem Angebot gleich drei bis vier verschiedene Modellrechnungen präsentieren, bei denen die Zulagen mal einkalkuliert sind, mal außen vor gelassen werden – und die auch noch jeweils mit völlig anderen Zinssätzen hochgerechnet werden. Derart verwirrt weiß der Kunde dann am Ende gar nicht mehr, woran er sich halten soll – geschweige denn kann er das mit dem Vertrag verbundene Anlagerisiko abschätzen

▀ Bleibt noch die Frage: Was bringen Riester-Renten in Euro und Cent tatsächlich? Anbieter wie die HanseMerkur24 und die HUK24, die PBV direkt sowie die Targo müssen sich mit ihren Leistungen bei den Klassiktarifen nicht verstecken. Sie erreichen im Musterfall unseres 35-jährigen Sparers mit zwei Kindern bei den Männern und teilweise auch bei den Frauen Rang 2. Wer den Vertrag erst im Alter ab 50 beginnt, hat andererseits bei etwa der Hälfte der Anbieter mit 85 noch nicht einmal das eingezahlte Geld zurück – sofern er nur die garantierte Rente bekommt.

▀ Besonders mickrig sind die Leistungen bei der Inter Lebensversicherung, die beim Klassiktarif in allen Modellfällen das Schlusslicht der Gruppe markiert. Der Grund: Die Inter hat den Garantiezins schon 2011 reduziert. Anders als die Konkurrenz sichert sie nur noch eine zweiprozentige Verzinsung aller Einzahlungen zu, nicht mehr 2,25 Prozent. Entsprechend mager sind die Leistungen.

▀ Bei den fondsgebundenen Riester-Renten schneidet bei den 35-jährigen vor allem die Alte Leipziger gut ab, bei den 50-Jährigen im Musterfall 2 dagegen die Cosmos. Wenn beide Anbieter auch noch ihre Modellrechnungen verbessern und die Kostenangaben transparenter machen, reicht es fast für das Siegertreppchen.

Anmerkungen: 1) Angaben mit Unsicherheit behaftet, da Anbieter die Teilnahme am Test bzw die Kontrolle der Daten abgelehnt hat. 2) Anbieter weist in Kundenunterlagen noch 154 Euro mehr an Garantieleistung aus, weil auch die letzte Zulage, die nach Rentenbeginn fließt, bereits einkalkuliert ist. 3) Kein Ausweis der Zulagenkosten im Produktinfoblatt. 4) Anbieter weist nur garantierten Rentenfaktor im Angebot aus, keine garantierte Leistung. 5) Anbieter weist nur den 30%igen Teilbetrag aus, der aus dem Garantiekapital entnommen werden kann. 6) Im Modellfall sind die Kosten für die Verwaltungskosten Klasse C (günstigste Variante) berücksichtigt. 7) Garantieguthaben im Angebot jeweils 154 Euro höher als angegeben, weil auch die nach Rentenbeginn zufließende Zulage eingerechnet ist. 8) Ausgewiesenes Garantiekapital im Kundenangebot um 154 Euro niedriger, im Angebot fehlt die letzte Zulage. 9) Keine Angaben zu den Zulagenkosten in den Angebotsunterlagen und im Produktinfoblatt. 10) Angaben laut Umweltbank, Oeco Capital weist als Garantieleistung nur die garantierte Rente aus Eigenbeiträgen aus. 11) Angaben mit Unsicherheit behaftet, Transparente kann die Angaben nicht nachprüfen.
Legende: Anbieter mit gleichem Rang sind nach garantierter/prognostizierter Rente (Klassiktarife/Fondstarife) geordnet. Das Ranking erfolgte bei den Klassiktarifen auf Basis der garantierten Rentenleistungen, bei den fondsgebundenen auf Basis der prognostizierten Rentenleistungen. Zur Ermittlung des Ranges wurde zunächst die Rentenrendite ermittelt. Das ist die effektive durchschnittliche Rendite, die Sparer über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg pro Jahr erzielen, sofern sie den Vertrag nicht stornieren und dabei Renten in Höhe der ausgewiesenen garantierten Monatsrente (Rentenrendite pro Jahr – garantierte Rente) bzw in Höhe der ausgewiesenen prognostizierten Monatsrente (Rentenrendite pro Jahr – Rente inklusive Überschuss) erzielen. Basis war in beiden Fällen die Sterblichkeit, die der Sparer bzw die Sparerin je nach ihrem heutigen Lebensalter auf Basis der Generationensterbetafel 1871 bis 2004 des Statistischen Bundesamts haben (Ausprägung V2). Bei der Rentenrendite pro Jahr für die prognostizierte Rente wurde zudem unterstellt, dass die vom Versicherer in Aussicht gestellte jährliche Rentensteigerung auf Basis der in der Anspar- und Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse bis Vertragsende erreicht wird. Da Riester-Sparer zu Rentenbeginn die Wahl zwischen einer – zwar förderschädlichen, aber möglichen Kapitalabfindung, einer förderunschädlichen 30-prozentigen Kapitalentnahme mit Restverrentung und einer lebenslangen Rentenleistung haben, wurde die Destatis-Tafel aber zusätzlich um sogenannte „Selektionseffekte“ ergänzt. Das bedeutet: Genau wie die Versicherer ist ÖKO-TEST davon ausgegangen, dass sich nur jene Vorsorgesparer einen Riester-Vertrag abschließen, die sich gesund fühlen und dass sich nur jene zu Ruhestandbeginn für die komplette Rentenleistung entscheiden, die sich dann weiterhin gesund fühlen und daher wahrscheinlich eine höhere Lebenserwartung haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Um diesen Effekt bei den Rentenrenditen angemessen berücksichtigen zu können, wurden die Selektionseffekte der DAV 2004 R Sterbetafel der Versicherungswirtschaft auf die Destatis-Generationentafel übertragen, und zwar bis zum Ende der Sterbetafel. Darüber hinaus wurden bei den Renditen auf die prognostizierte Rentenleistung jene Sterblichkeitseffekte einkalkuliert, die in allen Modellfällen anfallen, weil die Vorsorgesparer nach der ÖKO-TEST-Sterbetafel früher sterben als die Versicherer bei ihren Tarifen auf Basis der DAV 2004 R-Sterbetafel unterstellen. Dazu wurde ein hypothetisches Versicherungskollektiv nach Unisex-Sterbetafel gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht. Auch die Ermittlung der Sterblichkeitsgewinne erfolgte zunächst unabhängig vom Geschlecht, allerdings exakt differenziert nach Geburtsjahrgängen, die genau im Jahr 2011 einen Riester-Vertrag abschließen und dem Kollektiv beitreten. Anschließend wurden die so ermittelten Sterblichkeitsgewinne wiederum geschlechtsunabhängig zu 75 Prozent – wie die Mindestzuführungsverordnung vorschreibt - auf die Kunden des hypothetischen Versicherungskollektivs verteilt. Da sich die Rentenerhöhung infolge der zusätzlich ausgeschütteten Sterblichkeitsgewinne infolge der unterschiedlich langen Zahldauer der Renten bei Männern und Frauen unterschiedlich auswirkt, ergeben sich allerdings unterschiedliche Renditeeffekte je nach Geschlecht und Alter. Anschließend wurden die so ermittelten Renditen bei den garantierten Renten (Klassiktarife) bzw die prognostizierten Rentenrenditen bei den fondsgebundenen Tarifen bewertet. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite in fünf gleich große Klassen geteilt. Den Rang 1 besetzten wir dabei nicht. Die Rendite des besten Anbieters im jeweili-gen Musterfall markiert daher lediglich den höchsten Wert in Rangklasse 2. Die Gesamtkostenbelastung des Vertrags haben wir ermittelt, indem wir die erzielbare Ablaufleistung vor Kosten mit jenen Beträgen verglichen haben, die laut Anbieter zu Rentenbeginn auf dem Kundenkonto stehen. Die Differenz zwischen beiden Verträgen gibt an, wie viel Kapital dem Kunden infolge der Vertragskosten verloren geht. Dabei ist auch berücksichtigt, auf wie viel Verzinsung der Kunde infolge der Kosten verzichten muss. Bei den Klassiktarifen haben wir dabei unterstellt, dass alle Einzahlungen bis Rentenbeginn mit dem Mindestzins verzinst werden, den auch der jeweilige Anbieter seinen Kunden garantiert. Das war üblicherweise der aktuelle Mindestzins von 2,25 Prozent. Bei der Inter, die ihren Kunden nur noch eine 2,0-prozentige Verzinsung garantiert, haben auch wir mit zwei Prozent gerechnet. Von dem so ermittelten Vertragsguthaben zu Rentenbeginn vor Kosten haben wir dann jenen Betrag abgezogen, der laut Versicherer zu Rentenbeginn garantiert auf dem Kundenkonto steht. In diesem Betrag ist das garantierte Zulagenkapital berücksichtigt. Sofern der Versicherer zu dem Gesamtkapital keine Angaben macht, haben wir es auf Basis des jeweiligen Vertragsangebots geschätzt. Bei den fondsgebundenen Tarifen muss der Anbieter zusichern, dass zu Rentenbeginn die Gesamtsumme aller Eigenbeiträge und Zulagen ohne Abzüge zur Verfügung steht. Vertragskosten lassen sich am Garantiekapital daher nicht erkennen. Deswegen haben wir die Kostenermittlung hier auf Basis des prognostizierten Kapitals vorgenommen. Als Kapital vor Kosten haben wir dabei jenen Betrag angesetzt, den der Kunde erzielen kann, wenn seine Eigenbeiträge und Zulagen mit 5 Prozent Zins pro Jahr angelegt werden. Von diesem Betrag wurde das ausgewiesene Gesamtkapital abgezogen, das der jeweilige Versicherer prognostiziert, wenn die Fondsanlage eine jährliche Rendite von 5 Prozent abwirft. Der Differenzbetrag enthält bei den Fondstarifen daher nicht nur die Kosten und die durch Kosten entgangene Verzinsung. Gleichzeitig sind darin auch die Garantiekosten enthalten, die der Anbieter für die laut Gesetz vorgeschriebene Kapitalerhaltsgarantie einkalkuliert. Die Kostenangaben in den Produktinformationsblättern wurden auf Plausibilität, Vollständigkeit, Verständlichkeit und korrekte Berechnung überprüft. Beim Garantiekapital haben wir zudem untersucht, ob der jeweilige Anbieter das zu Rentenbeginn garantierte Kapital aus Eigenbeiträgen und Zulagen in einer für den Kunden verständlichen Form komplett als Garantiekapital ausweist. Sofern überhaupt kein Garantiekapital ausgewiesen wird oder nur das aus Eigenbeiträgen angesparte Kapital als Garantiekapital deklariert wird, genügte uns die Angabe nicht. Das gleiche gilt, wenn zwar das aus Eigenbeiträgen und Zulagen gebildete Kapital genannt, dem Kunden aber nicht zugleich deutlich gemacht wird, dass diese Leistung komplett garantiert ist, sofern er den Vertrag wie geplant bespart und seine Zulagen erhält.
Anforderungen an die Tarife: Untersucht wurden Angebote für zwei Modellfälle, für die jeweils folgenden Grundannahmen gelten: Vertragsbeginn ist jeweils der 1.1.2011, der jeweilige Sparer will seinen Vertrag zulagenoptimal besparen, also den erforderlichen Mindestbeitrag für die volle Zulagenförderung einzahlen. Das bedeutet: Im Jahr 2011 werden insgesamt vier Prozent vom Vorjahresbruttoeinkommen eingezahlt, wobei sich dieser Gesamtsparbetrag aus Eigenbeitrag und Zulagen zusammensetzt. Das Bruttogehalt bleibt in allen Musterfällen konstant. Die Beiträge werden monatlich gezahlt. Sofern dem Vertrag Kinderzulagen gutgeschrieben werden, laufen diese bis zum 19. Lebensjahr des Kindes. Gewählt wurden Tarife mit mindestens einer Beitragsrückgewähr bei Tod in der Ansparphase und fünf Jahren Rentengarantiezeit und einer dynamischen Rente, die im Alter – je nach Anbieter – Jahr für Jahr steigt. Bei Tarifen mit Fondsprodukten wird eine durchschnittliche Rendite der Fonds von fünf Prozent pro Jahr unterstellt. Folgende Modellfälle wurden untersucht: Sparer/in, 35 Jahre alt, zwei Kinder (fünf und sieben Jahre, förderberechtigt bis einschließlich 19. Lebensjahr), verheiratet, Ehegatte kein Vertrag, ein Vertrag für den Förderberechtigten, dem auch die Kinderzulage gutgeschrieben wird, Jahresbruttoeinkommen 30.000 Euro (Geburtstag Sparer/in: 1.1.1976, Geburtstag 1. Kind 1.1.2004, Geburtstag 2. Kind 1.1.2006), Vertragsbeginn: 1.1.2011, Rentenbeginn 1.1.2043. Sparer/in, 50 Jahre alt, keine förderberechtigten Kinder (Familienstand egal), Jahresbruttoeinkommen: 52.500 Euro (Geburtstag 1.1.1961), Vertragsbeginn: 1.1.2011, Rentenbeginn 1.1.2027.
Testmethode: Die Vertragsdaten wurden per Fragebogen direkt bei den Anbietern erhoben, einer detaillierten Plausibilitätsprüfung unterzogen und den Anbietern zur Verifizierung zurückgespielt. Darüber hinaus haben wir uns von den Anbietern die Angebotsunterlagen für den Kunden aushändigen lassen. Bei den Versicherern, die am Test nicht teilnehmen wollten, haben wir die Angebotsunterlagen so weit möglich direkt am Markt erhoben. Eine Überprüfung, ob die ausgewiesenen Überschusserträge vom jeweiligen Versicherer auch wirklich dauerhaft erwirtschaftet werden können, erfolgte nicht, genauso wie auch keine Überprüfung erfolgte, ob die besparten Fonds auch dauerhaft eine Rendite von fünf Prozent erzielen können. Sofern die Anbieter in ihren Angebotsunterlagen für Kunden den Garantiebetrag nach Einschätzung von ÖKO-TEST nicht korrekt ausweisen, haben wir ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Auf Basis dieser Daten und der eigens für diesen Test entwickelten Sterbetafel errechnete das Büro für Versicherungsund Finanzmathematik mathconcepts, Berlin, die Rentenrenditen für die Tarife in den verschiedenen Modellfällen. Daneben berechnete mathconcepts auch die Renditen, die Sparer bis zum 80., 85. und 90. Lebensjahr erzielen. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden dann von ÖKO-TEST vorgenommen.
Stand: Mai 2011

Die Verweigerer

Die Allianz, die Alte Leipziger, die Inter Versicherung, die LV von 1871, MoneyMaxx, die Oeco Capital, der Deutsche Ring und die Stuttgarter lehnten die Testteilnahme ohne weitere Begründung ab. Die Universa behauptete, sie könne unsere Musterfälle nicht berechnen, weil der Vertragsbeginn auf den 1. Januar 2011 rückdatiert werde müsste. Die Neue Leben hatte für die Teilnahme am Test „keine Kapazität“. Die im Test enthaltenen Verträge dieser Anbieter haben wir daher verdeckt am Markt erhoben. Die Verträge der Neue Leben und der Stuttgarter haben wir nur in ökologischer Variante von der Transparente erhalten.

Ebenfalls ohne Begründung abgesagt haben: Aachen Münchner, Basler, Concordia, HDI-Gerling, Heidelberger Leben, Iduna Leben, Mecklenburgische, Münchener Verein, Nürnberger, Swiss Life, Stuttgarter, VGH, Württembergische.

Die AXA, die Deutsche Ärzteversicherung und die DBV Deutsche Beamtenversicherung sagten ab, weil auch sie die „Berechnungsanforderungen“, sprich die Rückdatierung auf den Jahresbeginn nicht erfüllen konnten. Die Barmenia Versicherung sagte aus „unternehmenspolitischen Gründen“ ab. Die Generali lehnte ab, weil sich der Rechnungszins 2012 ändert. Deshalb seien die Informationen „nicht mehr lange aktuell“. Die Verträge dieser Anbieter konnte ÖKO-TEST im Testzeitraum leider nicht verdeckt erheben.

Die Testergebnisse für die von uns erhobenen Musterfälle Frau, 35 Jahre sowie Männer und Frauen, 50 Jahre finden Sie unter http://abo.oekotest.de. Dort bekommen Sie auch ein Formblatt, mit dem Sie die Gesamtkosten Ihres Riester-Vertrages errechnen (lassen) können. Außerdem lesen Sie dort, welche Ausreden uns die Versicherer für die von uns festgestellten Mängel aufgetischt haben.

Das böse Verwirrspiel um die Kosten

Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: Der Verbraucher soll bei allen Versicherungen klar erkennen können, wie viel der Vertrag kostet. Dazu müssen die Versicherer eigentlich den Gesamtpreis der Police angeben. Doch darum drücken sich durchweg alle untersuchten Anbieter. Statt für Transparenz zu sorgen, versuchen sie die Kostenbelastung der Verträge zu verschleiern und liefern den Verbrauchern Informationen häppchenweise. So werden die Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten auf verschiedene Posten verteilt und derart zersplittert, dass kein Verbraucher nachrechnen kann. In der Tabelle haben wir die Angaben der Versicherer für den Modellfall Klassiktarife Mann 35 Jahre aufgeführt. Sie machen die gängigsten Tricks deutlich.
Verschleiern: Meisterhaft darin ist der Volkswohlbund. Bei seinem Klassiktarif ASR weist er einen „einmaligen Betrag von 865,38 Euro“ für Abschlusskosten aus. Der wird „unter Berücksichtigung von Zinsen auf die ersten fünf Jahre verteilt“. „Daraus ergibt sich für diesen Zeitraum ein jährlicher Betrag von 187,08 Euro“, schreibt der Volkswohlbund in seinem Produktinformationsblatt. Doch fünf Mal 187,08 Euro sind 935,40 Euro. Zu den ausgewiesenen einmaligen Abschlusskosten von 865,38 Euro kommen also noch 70,02 Euro Zinsen. Das entspricht einem Jahreszins von vier Prozent. Den stellt der Volkswohlbund in Rechnung, weil der Gesetzgeber vorschreibt, dass die Abschlusskosten auf fünf Jahre zu verteilen sind. Der Vermittler will aber vermutlich die Provision bei Vertragsabschluss auf einen Schlag haben. Möglicherweise weist der Volkswohlbund die exakten Zinsen oder den Zinssatz auch deshalb nicht aus, weil fraglich ist, ob vier Prozent überhaupt zulässig sind. Nach unserer Auffassung sollten Versicherer diese Kosten nur mit dem Vertragszins, also derzeit mit 2,25 Prozent berechnen.
Verwirren: Viele Versicherer versuchen, die Kunden bei den Verwaltungskosten zu verwirren. Bei der Neue Leben betragen sie zum Beispiel pro Jahr 59,19 Euro plus „4 Euro je 100 Euro Zulagen“ plus „zusätzlich 3 Euro je 100 Euro Rente“, die aus den Zulagen gebildet wird. Das kann kein Kunde nachvollziehen. Damit der Vertrag günstig erscheint, greift die Neue Leben daher zu einem üblen Trick. Sie gibt an, wie hoch ihre eigene Verwaltungskostenquote ist. Die lag 2009 bei 1,1 Prozent. Damit, so teilt sie dem Kunden mit, „hat die Neue Leben eine der niedrigsten Verwaltungskostenquoten aller deutschen Versicherer“. Deren Quote läge nämlich im Schnitt bei 2,7 Prozent. Das Problem: Mit dem Vertrag des Kunden haben solche Angaben überhaupt nichts zu tun. Sie sollen das Angebot lediglich besonders preisgünstig erscheinen lassen. In Wirklichkeit ist der Riester-Vertrag für unseren 35-jährigen Musterkunden aber vergleichsweise teuer. Die ÖKO-TEST-Gesamtkosten liegen bei 6.641 Euro inklusive entgangener Zinsen.
Vergessen: Manche Kostenblöcke werden im Angebot auch schon mal „vergessen“. So geben die Hanse Merkur und die Hanse Merkur 24 in ihrem Produktinformationsblatt zwar Verwaltungskosten von 39,81 bzw. 19,69 Euro pro Jahr an. Das sind aber nur die auf den Eigenbeitrag berechneten Kosten. Die Kosten auf Zulagen werden bei den Angaben im Produktinformationsblatt dagegen einfach weggelassen. Erinnerungslücken tauchen gerne auch bei fondsgebundenen Rentenversicherungen bezüglich Rückvergütungen (Kick Backs) auf. Nur vier Anbieter, die Allianz, die LV 1871, der Volkswohl Bund und die Zurich Deutscher Herold verraten ihren Kunden, dass sie von den Fondsgesellschaften Rückvergütungen erhalten. Die LV 1871 und der Volkswohl Bund geben zwar an, wie hoch diese Kick Backs im Schnitt sind. Wie viel sie davon ihren Kunden gutschreiben, verraten aber auch diese beiden Anbieter nicht. Die Allianz schweigt sich auch darüber aus, rechnet aber bei ihrer Gesamtkostenquote so, als würde der Kunde die vollen Kick Backs erhalten. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es aber nicht. Laut Gesetz müssen die Versicherer ihre Kunden nur zu 50 Prozent daran beteiligen. Ob die Allianz wirklich mehr ausschütten will, bleibt im Dunkeln. Denn sie verrät im Kleingedruckten nicht einmal, welche Positionen im „fondsabhängigen Überschussanteil“ überhaupt berücksichtigt werden und wie sie ihn genau berechnet.
Verkleinern: Die Stuttgarter Versicherung zum Beispiel rechnet die Verwaltungskosten in Monatsbeträge um. „Die Verwaltungskosten steigen gleichmäßig von 4,10 Euro im ersten Monat auf 6,26 Euro im letzten Monat der Beitragszahlung“, teilt sie unserem 35-jährigen Musterkunden mit. Das sieht viel preiswerter aus als ein Jahresbetrag. Zudem bedarf es einiger Mühe, wenn der Kunde selbst ausrechnen will, wie viel denn insgesamt pro Jahr an Verwaltungskosten draufgehen. Denn die Kosten steigen jeden Monat um 0,1 Prozent.
Verteilen: Vertragsführungsgebühr 15 € pro Jahr plus 30,42 € von Eigenbeiträgen plus 4,50 € je 100 € Zulage. Das sind alles Kleinbeträge, die die Debeka in Rechnung stellt. Zusammen mit den Abschlusskosten von 975,06 € (verteilt auf die ersten 5 Jahre), ab Abrufphase 3 € je 100 € Beitragseingang zahlt der Musterkunde nach unseren Berechnungen bis Rentenbeginn jedoch erkleckliche 5.584 Euro inklusive entgangener Zinsen.
Verschweigen: Die Skandia vertröstet manche Sparer einfach auf später. „Wie hoch die Kosten nach Erhöhung des Eigenbeitrags sind, teilen wir Ihnen rechtzeitig vor dem Erhöhungstermin mit“, schreibt sie unserem 35-jährigen Sparer mit zwei Kindern ins Angebot. Wer selbst nachrechnen möchte, hat keine Chance: Die Skandia weist die Berechnung ihrer Vertriebskosten weder im Kleingedruckten noch im Produktinfoblatt aus. Dabei scheint dieser Kostenblock recht üppig. Bezogen auf den anfänglichen Eigenbeitrag von 676 Euro im Jahr muss der 35-jährige Musterkunde dafür 72,24 Euro pro Jahr berappen. Das entspricht einer Kostenbelastung von stolzen 10,68 Prozent, die zusätzlich zu den vier Prozent Abschlusskosten in Rechnung gestellt werden.
Kontrolle verhindern: Manchmal tappen Riester-Sparer auch vollends im Nebel, weil weder die Basis für die Kostenberechnung noch die Berechnungsmethode angegeben wird. Bei der HUK 24 sind im Jahresbeitrag angeblich 31,50 Euro an Verwaltungskosten enthalten. Doch wie sie auf diesen Betrag kommt, teilt die HUK 24 dem Kunden nicht mit. Darüber hinaus zieht sie je 100 Euro Zulage einmalig 4 Euro ab und berechnet 0,50 Euro je 100 Euro gebildeter Rente. Bei solchen Kostenklauseln kann niemand mehr prüfen, wie teuer die Verwaltung des Vertrags letztlich kommt. Wenn Sie möchten, dürfen Sie sich gerne einmal an folgenden Angaben der Gothaer versuchen:Abschlusskosten bis zum frühesten Rentenbeginn 43,92 € (linear fallend auf 0,96 € ab dem frühesten Rentenbeginn) plus 0,0125 % pro Monat der Summe der bereits gezahlten Eigenbeiträge. Verwaltungskosten pro Jahr bis zum frühesten Rentenbeginn 30,36 € (linear fallend bis auf 0 € ab dem frühesten Rentenbeginn) plus 0,0125% pro Monat der Summe der bereits gezahlten Eigenbeiträge. Sonstige Kosten bis zum frühesten Rentenbeginn 11,0 % auf Zulagen (linear fallend bis auf 0,15 % ab dem frühestens Rentenbeginn) plus 0,0125 % pro Monat der Summe der bereits gezahlten Zulagen. Sollte es Ihnen gelingen, daraus die Gesamtkosten des Vertrags zu errechnen, bekommen Sie einen Preis von uns. Welchen, das sagen wir Ihnen später. Vielleicht.

Foto: MEV

Die Kostenangaben: Wer soll das verstehen?

Verwirrungsoffensive der Allianz

Vor allem die Allianz, die just zu Jahresbeginn eine „Transparenzoffensive“ gestartet hat, treibt das Verwirrspiel in den Angebotsunterlagen auf die Spitze. „Wir streben eine klare und leicht verständliche Information zu unseren Produkten an“, verkündete Maximilian Zimmerer, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben bei Vorstellung der Initiative am 19. Januar in Berlin. Die Vertragsunterlagen zeigen jedoch: Bis dieses Ziel erreicht wird, ist es offenbar noch ein sehr weiter Weg. So erhält der Riester- Interessent vier verschiedene Dokumente: einen „persönlichen Vorschlag“, das gesetzlich vorgeschriebene Informationsblatt, spezielle „Versicherungsinformationen“ und einen Antrag, den er unterschreiben soll. Das garantierte Kapital zu Rentenbeginn wird dabei sowohl im Antrag als auch im „persönlichen Vorschlag“ zu niedrig ausgewiesen. Ergänzend gibt es unterschiedliche Modellrechnungen, in denen die Allianz mal mit, mal ohne Zulagen rechnet. In den „Versicherungsinformationen“ findet sich bei der Allianz Riester-Rente Klassik zum Beispiel eine „gesetzlich vorgeschriebene Modellrechnung“. Dabei rechnet der Markführer unserem 50-jährigen Riester-Sparer vor, wie viel Kapital zu Rentenbeginn bei Zinssätzen von 2,76, 3,76 und 4,76 Prozent angespart sein wird. Die Zulagen fließen in diese Modellrechnung aber nicht ein. Deshalb wird das Gesamtkapital mit Werten von 33.937,77 Euro bis 40.376,38 Euro auch weit niedriger ausgewiesen als im „persönlichen Vorschlag“. Dort gibt die Allianz an, wie sich die Gesamtleistung entwickeln kann, wenn die Überschüsse „den derzeit gültigen entsprechen“ oder wenn sie einen Prozentpunkt niedriger bzw höher ausfallen. Dieser Tabelle kann der Kunde dann entnehmen, dass sein Gesamtkapital im ungünstigen Fall 39.157 Euro, im günstigen jedoch 47.339,84 Euro betragen kann.

Kniffeliger als jede Denksportaufgabe wird es für unseren 50-jährigen Musterkunden, wenn er den Unterlagen entnehmen will, wie viel Kapital er bei einem Anbieterwechsel nach zehn Sparjahren mitnehmen kann. Im persönlichen Vorschlag wird ihm dafür ein Betrag von 22.650,41 Euro ausgewiesen. Das sei der „Rückkaufswert einschließlich der Beteiligung am Überschuss“. Der wird aber auch in den Versicherungsinformationen nochmals genannt. Seltsamerweise macht er hier nur noch 21.173,64 Euro aus – und das obwohl die Allianz im Musterfall zu diesem Termin auf den sonst üblichen Stornoabschlag verzichtet. Der Laie staunt und auch der Fachmann wundert sich. „Aktuariell sind diese Zahlen nicht nachzuvollziehen“, sagt Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein.

Bei einem derartigen Zahlensalat verwundert es nicht, dass bislang noch niemand auf einen sozialpolitischen Skandal in den Verträgen der Allianz aufmerksam geworden ist. Auch ÖKO-TEST hätte ihn beinahe übersehen. Ausgangspunkt ist die aktuelle Gesamtverzinsung, also das, was der Versicherer aktuell seinen Riester-Kunden gutschreibt. Laut Pressemitteilung vom Januar sind das 2011 für einen Vertrag mit 30-jähriger Laufzeit rund 4,8 Prozent. Im Vertragsangebot für unseren 35-jährigen Sparer mit zwei Kindern, der etwa 32 Jahre lang sparen will, wird dafür aber nur ein Wert von 4,74 Prozent genannt. Unserem 50-jährigen Sparer wird dagegen eine Verzinsung vor Kosten von 4,88 Prozent in Aussicht gestellt. Woher dieser Unterschied rührt, verrät die Allianz auch auf Nachfrage nicht. Doch sie bestätigt unseren Verdacht, dass sie bei der Überschusszuteilung höchst seltsame Unterschiede zwischen ihren Kunden macht. In ihren „versicherungsmathematischen Hinweisen E 812“ gibt sie an, dass der Sparer an den Zusatzüberschüssen nur dann beteiligt wird, wenn „die versicherte Leistung einen bestimmten Betrag überschreitet“. Wie hoch dieser Betrag sein muss, steht in den Angebotsunterlagen nicht. Das verrät nur der Geschäftsbericht 2010. Dort ist auf Seite 67 im Kleingedruckten zu lesen, dass nur solche Verträge am Zusatzüberschussanteil beteiligt werden, die zu Rentenbeginn „ein zur Verrentung zur Verfügung stehendes Garantiekapital von 40.000 Euro aufweisen“. Das klingt zunächst harmlos, bedeutet jedoch: Gering- oder Normalverdiener sowie Familien mit Kindern bekommen bei der Riester-Rente der Allianz weniger Überschuss als Besserverdiener. Denn die volle Beteiligung an den Zusatzgewinnen gibt es nur, wenn von Anfang an mindestens 40.000 Euro Garantiekapital im Vertrag stehen. Alle anderen erhalten diese Zuschüsse erst, wenn dieser Wert während der Vertragslaufzeit erreicht wird – oder gar nicht. Während ein gut verdienender Single also gleich ab Vertragsbeginn von den Zusatzgewinnen profitiert, geht unser 35-jähriger Sparer mit zwei Kindern und 30.000 Euro Jahreseinkommen bis kurz vor Rentenbeginn leer aus.

Kein Wunder daher, dass die Allianz bei unserem Test offiziell nicht mitmachen wollte und wir die Unterlagen verdeckt erheben mussten. Manche pikanten Vertragsdetails möchten die Anbieter der Öffentlichkeit offenbar lieber vorenthalten

Unsere Empfehlungen

• Schließen Sie nur Verträge ab, bei denen der Versicherer die garantierte Leistung zu Rentenbeginn korrekt und komplett ausweist.

• Lassen Sie sich vom Anbieter mithilfe unseres Formblattes die Gesamtkosten des Vertrags ausweisen.

• Finger weg von Vertragsangeboten, die Sie nicht verstehen und auch auf Nachfrage nicht verstehen können.

• Nehmen Sie die Unterlagen im Zweifel mit zur Verbraucherzentrale und lassen Sie sich dort beraten.

Unser Experte

Axel Kleinlein, Diplom-Mathematiker und Inhaber von Math-Concepts, einem Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik, beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit der Kalkulation und Analyse von Lebens- und Rentenversicherungen. Er ist auch als Gutachter vor Gericht tätig, als Sachverständiger im Finanzausschuss des Deutschen Bundestags sowie für öffentliche und private Auftraggeber.

Kommentar

Der Test und die Folgen

ÖKO-TESTFinanzexpertin Barbara Sternberger- Frey


Der Test zeigt deutlich: Die Anbieter informieren nicht korrekt und tricksen bei den Kosten. Konsequenzen müssen sie bislang aber kaum befürchten. Der Verbraucher kann den Kostenausweis weder nachprüfen noch zu hohe Kosten zurückfordern. Wenn wichtige Angaben im Angebot fehlen, wie das Garantiekapital, kann er höchstens noch einen Monat nach der ersten Beitragszahlung vom Vertrag zurücktreten. Mehr bleibt nicht. Erkennt er erst später, dass er beim falschen Anbieter gelandet ist, kommt er oft nur mit hohen Kosten aus dem Vertrag wieder heraus. Doch verbranntes Kapital bei der Altersvorsorge können sich weder Verbraucher noch der Staat leisten. Deshalb ist jetzt der Gesetzgeber gefordert. Er muss dringend dafür sorgen, Verbraucher vor den aufgedeckten Praktiken zu schützen. Das bedeutet: Er muss nicht nur für mehr Transparenz bei den Kosten und Angaben sorgen, sondern den Anbietern klare und unmissverständliche Vorgaben für den Ausweis der garantierten Leistung, für die Kostenangaben sowie für die Modellrechnungen machen, die den Vertragsverlauf sowie Chancen und Risiken der Produkte aufzeigen sollen. Überhöhte Kosten müssen zudem gedeckelt und die Ungleichbehandlung der Kunden bei den Überschüssen verboten werden. Die wohl wirksamste Waffe gegen zu teure und intransparente Produkte wäre zudem das Vorsorgekonto, das die Verbraucherkommission Baden-Württemberg schon seit einem Jahr fordert. Die Verbraucherministerkonferenz der Länder hat die Bundesregierung im Herbst vergangenen Jahres aufgefordert, die Einführung dieses Modells zu prüfen. Doch bislang ist leider noch nichts passiert.

Eine ausführliche Darstellung des Altersvorsorgekontos bekommen Sie unter http://abo.oekotest.de

Völlig unverständlich

Dorothea Mohn ist Referentin für Kapitalanlage/Altersvorsorge beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.


Es ist völlig unverständlich bis skandalös, wenn bei Riester-Verträgen die Überschüsse nicht gleichmäßig über alle Verträge ausgeschüttet werden, sondern die kapitalkräftigen Kunden bevorzugt werden. Die Riester- Rente wurde schließlich vor allem für Geringverdiener und Familien mit Kindern gemacht. Misslich ist aber auch, dass der Kunde überhaupt keine Chance hat, solche Schweinerein zu erkennen und dass das Gesetz Verbraucher nicht vor solchen Praktiken schützt. Das muss sich unbedingt ändern. Hier müssen klare und unmissverständliche Vorgaben für alle Anbieter her.

Nicht hinnehmbar

Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.


Es kann nicht sein, dass ein Versicherungsunternehmen Familien oder Geringverdiener im Rahmen der Überschussbeteiligung schlechter stellt als einen gut verdienenden Single. Die politischen Ziele der Riester- Rente wären damit in ihr Gegenteil verkehrt, was aus Sicht der Steuerzahler nicht hinnehmbar wäre.