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TEST Risikolebensversicherungen: Vorsorge für den schlimmsten Fall


ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness - epaper ⋅ Ausgabe 99/2010 vom 17.06.2010
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Foto: irisblende.de

Rund 34.000 Menschen, die beispielsweise 1980 in Deutschland geboren wurden, erreichen nicht ihren 40. Geburtstag. Vor dem 50. Jahrestag versterben sogar 62.000 Männer und Frauen, so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Viele hinterlassen Kinder und Partner, die fast immer mit erheblich weniger Geld auskommen müssen. Besonders hart wird es, wenn die Familie sich gerade eine Immobilie zugelegt hat.

Mit einer Risikolebensversicherung kann man sinnvoll vorsorgen. Mit ihr können die Hinterbliebenen ihre Existenz absichern. Denn sie zahlt beim Tode eines Partners die vereinbarte Summe ...

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... aus – steuerfrei. Schon ab dem ersten Beitrag gilt der volle Versicherungsschutz.

A und O: Die ausreichende Summe

Dennoch wird bei dieser einfachen Vorsorge immer noch vieles falsch gemacht. „Die meisten Versicherten sind viel zu gering geschützt“, sagt Manfred Poweleit, der den Branchendienstmap-report herausgibt. „Rechnet man die private Vorsorge aus Risikolebensversicherungen in eine lebenslange Rente um, dann sind die Deutschen gerade einmal mit 72 Euro pro Monat geschützt.“ Bei der Wahl der Versicherungssumme kann man sich am monatlichen Bedarf der Familie orientieren. Wer beispielsweise mindestens 1.000 Euro pro Monat braucht, sollte für den Hauptverdiener eine Todesfallsumme von rund 200.000 Euro versichern. „Wer diese Summe fest mit nur drei Prozent Zins anlegt, erhält dann pro Monat rund 1.100 Euro ausgezahlt, 20 Jahre lang“, rechnet Max Herbst von der Finanzberatung FMH aus Frankfurt vor.

Eine doppelte Leistung bei Unfalltod ist hingegen unsinnig, weil teuer. Denn es wird nicht mehr Geld benötigt, wenn der Ernährer statt durch eine Krankheit durch einen Unfall zu Tode kommt. Die Finger sollte man zudem von Kombiprodukten aller Art lassen und Todesfallschutz und Altersvorsorge trennen.

Vorsicht: Nicht mogeln

Als Nicht-Raucher, der günstiger versichert wird, gilt, wer in den letzten zwölf Monaten nicht mehr geraucht hat. „Wird die versicherte Person während der Vertragsdauer Raucher, muss er uns das mitteilen“, sagt Jörg Stoffels, Vorstand des Versicherers Ergo Direkt. Außerdem sind die Assekuranzen berechtigt, bereits während der Vertragslaufzeit regelmäßig nachzufragen, ob die versicherte Person noch Nichtraucher ist. Stoffels: „Wir können alle zwei Jahres sogar medizinische Untersuchungen auf unsere Kosten veranlassen.“ Im Todesfall erfolge keine grundsätzliche Untersuchung nach einer bestimmten Methode. Es könnten aber Stichproben durchgeführt werden. Daher warnen Verbraucherschützer energisch davor, bei den Gesundheitsprüfungen zu mogeln. Fliegt das auf, kann der Versicherer die gesamte Leistung verweigern.

ÖKO-TEST hat den Markt der Risikolebensversicherungen unter die Lupe genommen. Und war von den enormen Preisunterschieden überrascht. Möglicherweise fallen die in Wirklichkeit noch viel stärker aus, denn einige Anbieter wie Allianz oder Aachen Münchener verweigerten den Test (siehe Verweigerer). Insgesamt wurden 40 Anbieter mit teilweise mehreren Angeboten in acht Modellfällen untersucht. So kamen 340 Tarifen auf den Prüfstand. Hier finden Sie die Ergebnisse für die Modellfälle Mann/ Frau 40 und Nichtraucher/in. Die restlichen sechs Modellfälle finden Sie unter www.oekotest.de.

Das Testergebnis

■ Es gibt enorme Preisunterschiede. So verlangt beispielsweise die Ergo Direkt für den 200.000-Euro-Schutz von einem 40-Jährigen Nichtraucher 268 Euro pro Jahr. Demgegenüber möchte Alte Leipziger für den gleichen Kunden sage und schreibe 1.068 Euro – also fast das 4-Fache.
■ Diese enormen Preisunterschiede finden sich im Ergebnis wieder. 82 Tarife konnten mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis den ersten Rang erreichen. 42 Tarife waren so teuer, dass sie nur noch mit Rang 4 (ausreichend) bewertet werden konnten. Die Ränge 5 und 6 wurden nicht vergeben, weil selbst die teuerste Risikolebensversicherung immer noch für relativ wenig Aufwand die Existenz sichert.
■ Teuer sind Serviceversicherer, günstig Direktanbieter. „Die Unterschiede in den Prämien ergeben sich aus den unterschiedlichen Geschäftsmodellen der Unternehmen“, betont Helmut Hofmeier, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Lebensversicherung. Günstig sind demnach durchweg Tarife, die ohne jede Beratung online oder per Telefon bei Direktversicherern gekauft werden können. Und das sollten die Kunden bei diesem einfachen Standardprodukt nutzen.
■ Eine Sonderfall ist die Zurich Life, bei der der aktuelle Zahl- und der Höchstbeitrag identisch sind. Der Kunde trägt somit kein Preissteigerungsrisiko. Diese Gefahr hat ÖKO-TEST mit 30 Prozent in der Gesamtnote berücksichtigt. Wenn der Höchstbeitrag enorm von Zahlbeitrag abweicht, führt das also zu einer schlechteren Gesamtnote.
■ Recht gut schneidet einige Male die InterRisk mit ihrem Nettotarif ab, den man aber nur über einen Versicherungsberater kaufen kann. Zusätzlich wird dann ein Honorar fällig, das man für sich in den Preis einkalkulieren muss.
■ Wer vom gesundheitsschädlichen Glimmstängel die Finger lässt, fährt insgesamt deutlich billiger. So zahlt ein 40-jähriger Nichtraucher bei der Ergo Direkt 268 Euro. Der Raucher muss bei der VLV 560 Euro pro Jahr für sein erhöhtes Todesrisiko blechen.
■ Auf den ersten Rängen konnte sich mehrmals auch die Delta Direkt mit einem Tarif platzieren, der auch Ausbildung, Familienstand und Kinder bewertet. Daher zahlt der Realschüler ohne Kind deutlich mehr als der Hochschulabsolvent mit Kind. Während ein 40-jähriger Hochschulabsolvent 298 Euro pro Jahr für seine Absicherung zahlen muss, verlangt der Versicherer für einen Realschulabsolventen 438 und für eine Person ohne Schulbildung 568 Euro. Die Wahrheit, die hinter dieser Kalkulation steht: Gut Gebildete leben statistisch gesehen länger.

Anmerkungen: 1) Versicherungsnehmer/in verheiratet, Universitätsabschluss, ein Kind. 2) Versicherungsnehmer/in verheiratet, mittlere Reife, ohne Kind. 3) Der Versicherer verweist darauf, dass er „in derartigen Konstellationen” (Versicherungsbeginn 1.9.) dem Kunden eine Rückdatierung von drei Monaten anbietet und sich damit der Beitrag aufgrund des niedrigeren Eintrittalters verringert. 4) Nettotarif ohne Provision; Versicherung kann bei einem Vermittler bezogen werden, der gegen Honorar berät. 5) Anbieter bringt zum 1.1.2011 einen neuen Tarif auf den Markt. 6) Tarif gilt ab 1.11.2010. 7) Gegenüber Zurich Life Basic Mehrleistungen, zum Beispiel Vorleistungen bei schweren Krankheiten und Mitversicherung von Kindern.
Legende: Tarife mit dem gleichen Rang sind nach der Gesamtnote und nach dem Zahlbeitrag ausgeführt. Zur Ermittlung der Gesamtnote wurde in jedem Modellfall der Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem Zahlbeitrag sowie zwischen höchstem und niedrigstem Höchstbeitrag in vier gleichgroße Klassen geteilt (ohne Berücksichtigung des Nettotarifs). In die die Gesamtnote floss die Bewertung des Zahlbeitrages zu 70, die des Höchstbeitrages zu 30 Prozent ein.
Anforderungen an die Tarife: Ausgewählt zum Test wurden grundsätzlich nur Risikolebensversicherungen, die unabhängig von einem anderen Vertrag abgeschlossen werden können. Um die Vergleichbarkeit der Berechnungen zu gewährleisten, sind alle Personen am 1.1. geboren; der Versicherungsbeginn ist der 1.9.2010; Versicherungsdauer und Beitragszahldauer sind identisch. Insgesamt wurden für acht Modellfälle die Jahresbeiträge (jährliche Beitragszahlung) erhoben. Für alle Modellfälle gilt Versicherungssumme 200.000 Euro. Als Überschusssystem haben wir die Beitragsverrechnung gewählt. Hier ist die gewünschte Versicherungssumme garantiert, die Beitragshöhe nicht. Die Überschüsse reduzieren den maximal möglichen Jahresbeitrag auf den aktuellen Zahlbeitrag. Die Modellkunden haben keine gefährlichen Hobbys und kein Übergewicht. Für Modellfall 1 bis 4 gilt: Geburtsdatum: 1.1.1970; Laufzeit 20 Jahre; für die Modellfälle 5 bis 8 gilt: Geburtsdatum: 1.1.1980, Laufzeit 30 Jahre. Modellfall 1 und 5 sind männlich und Nichtraucher; Modellfall 2 und 6 weibliche Nichtraucherinnen, Modellfall 3 und 7 sind männliche Raucher, Modellfall 4 und 8 weiblich und Raucherinnen.

Testmethode: Sämtliche Tarifdaten wurden von der Aspect-online AG, Augsburg (www.aspect-online.de), erhoben, bei den Unternehmen verifiziert und einer Plausibilitätskontrolle unterzogen.
Stand: August 2010.

Kompakt

Die Verweigerer
Eine ganze Reihe von Versicherern hat die Teilnahme am Test verweigert, viele ohne einen Grund zu nennen. Zu diesen Totalverweigerern gehören die Aachen Münchener, die Allianz und ihre Tochter DLVAG, die Continentale, der Deutscher Ring, der HDI-Gerling Konzern, die Iduna, der Münchener Verein, der Nürnberger-Konzern, Oeco Capital, die Stuttgarter und die SV Leben. Die Barmenia lehnte aus „unternehmensinternen Gründen“ ab, während die Swiss Life „freundlich“ schreibt: „Es erfolgt keine Kommentierung der Daten, die Sie uns zur Prüfung geschickt haben. Daher der vorsorgliche Hinweis, dass diese auch fehlerhaft sein können. Wir raten deshalb von einer Veröffentlichung ab.“ Drei Versicherer, die Universa, die WWK und die Helvetia antworteten gar nicht. Über die Gründe für die Verweigerung oder das Schweigen können wir nur spekulieren: Wahrscheinlich fürchten diese Anbieter, schlecht abzuschneiden. Denn das Verhalten unterscheidet sich von Tochter zu Tochter im gleichen Konzern. So „freute“ sich die Generali-Tochter Cosmos auf eine Beteiligung, während die Generali-Tochter Aachen Münchener eine Teilnahme ablehnte. Der günstige Direktversicherer macht also mit, während der teure Serviceversicherer lieber schweigt.

Nichtteilnehmer mit Gründen
Sechs Versicherer, die Bayern Versicherung (Versicherungskammer Bayern), die DBV (AXA), die Provinzial Rheinland, die Basler, die Hanse Merkur und die Öffentliche Berlin teilten mit, dass sie gerade neue Tarife entwickeln und da her mit den alten Angeboten nicht mehr am Test teilnehmen wollen. Möglicherweise zeichnet sich hier ein Trend zu differenzierteren Tarifen ab, die die Preise von mehr Risikokriterien abhängig machen. Solche Tarife werden von der Delta Direkt bereits angeboten.

Kompakt

Feste Versicherungssumme
„Problematisch ist ein Vertrag, bei dem die Überschüsse, die die Gesellschaften erwirtschaften, in eine höhere Leistung einfließen“, warntmap-report -Herausgeber Manfred Poweleit. Hier sei der Kunde schnell geneigt, beispielsweise nur 100.000 Euro zu versichern, weil der Rest ja aus den Überschüssen komme. Doch diese Rechnung ist gefährlich. Sie kann nach hinten losgehen. Wenn der Versicherer schlecht wirtschaftet und die Überschüsse just in dem Moment streicht, in dem beim Kunden die ersten Zipperlein anfangen, wird er es schwer haben, sich günstig mit einer weiteren Summe abzusichern. „Er muss ja immer durch die Gesundheitsprüfung“, erklärt Poweleit. Schnell kann es dann zu hohen Zuschlägen kommen. Oder die Assekuranz winkt ganz ab. Viel sinnvoller ist es daher, eine Police mit Beitragsverrechnung zu kaufen. Hier ist der aktuelle Beitrag durch die Überschüsse gesenkt.

Foto: irisblende.de

Gentest
Ab einer Versicherungssumme von 250.000 Euro dürfen die Versicherer übrigens nachfragen, ob der Antragsteller schon einmal freiwillig einen Gentest gemacht hat und wie das Ergebnis ausgefallen ist. Unterhalb dieser Summe ist die Frage nicht gestattet. Grundsätzlich dürfen die Versicherer selbst keinen Gentest fordern. Hierzu haben sich alle im GDV zusammengeschlossene Versicherer bis 2011 verpflichtet. Das Thema Gentest ist deshalb so heikel, weil eine solche Analyse bestimmte Krankheitsanlagen offenbaren kann – lange bevor sie ausgebrochen sind. Weiß der Versicherer davon, könnte er einen hohen Risikozuschlag nehmen oder den Versicherungsschutz ganz ablehnen.

Unsere Empfehlungen

■ Entscheidend für die Risikolebensversicherung ist der Preis. Je günstiger das Angebot, desto empfehlenswerter die Police.
■ Bei besonderen Ereignissen wie Heirat, Geburt, Adoption, Scheidung, Volljährigkeit, Immobilienerwerb, Meisterprüfung, Selbstständigkeit oder Einkommenserhöhung sollten die Bedingungen dem Kunden das Recht geben, seinen Versicherungsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung den neuen Verhältnissen anzupassen. „Das Recht gilt nur, sofern der Kunde diese Möglichkeit mit dem Versicherer vertraglich vereinbart hat“, erläuterte Stephan Gelhausen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
■ Vorsicht Gesundheitsfragen. Falsche Angaben gefährden den Versicherungsschutz. Daher beantworten Sie die Fragen in aller Ruhe und mit größtmöglicher Sorgfalt. Im Zweifel sollten die behandelnden Ärzte um eine vollständige Kopie der Krankenakte gebeten und diese Unterlagen dem Antrag auf Versicherungsschutz beigefügt werden.