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TEST Rollrasen: Grün ist die Hoffnung


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2012 vom 29.06.2012

Ein dichter, grüner Rasenteppich, ohne Unkraut, ohne braune Stellen, ohne Löcher, durch die das Erdreich schimmert – so sieht der Traum vieler Gartenbesitzer aus. Mit Fertigrasen, wie Rollrasen offiziell heißt, soll dieser Traum schnell und einfach Wirklichkeit werden. Doch unsere Testergebnisse liegen absolut nicht im grünen Bereich.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 7/2012

Heute wird der neue Rasen eingeweiht. Kerstin Just aus dem Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hat Freunde eingeladen. Auf dem satten Grün liegt eine rote Picknickdecke, die anderthalbjährigen Kinder füßeln barfuß durchs frische Gras und quietschen vor Vergnügen, alles ...

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Heute wird der neue Rasen eingeweiht. Kerstin Just aus dem Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hat Freunde eingeladen. Auf dem satten Grün liegt eine rote Picknickdecke, die anderthalbjährigen Kinder füßeln barfuß durchs frische Gras und quietschen vor Vergnügen, alles ist perfekt.

Dabei sah es im knapp 70 Quadratmeter großen Garten der 40-jährigen Grafikdesignerin vor zwei Wochen noch ganz anders aus: Wüst, vertrocknet und hellbraun. Doch dann rückten gegen neun Uhr morgens die Mitarbeiter eines kleinen Gartenbaubetriebs an. Im Gepäck 70 Bahnen Rollrasen.

Die alte Grasnarbe wurde abgetragen, der Boden mit einer Fräse gelockert. Die Fachleute harkten, walzten, wässerten und legten die Soden – so heißen die ausgestochenen Grasstücke im Fachjargon – Naht an Naht nebeneinander. Nachmittags um drei war alles grün. Es folgten zwei Wochen intensiver Bewässerung – zweimal am Tag für jeweils eine Stunde ließ Kerstin Just die vor dem Verlegen eingebaute Beregnungsanlage laufen. Nach 14 Tagen verpasste der Chef des Gartenbaubetriebs dem saftigen Grün den ersten moderaten Schnitt auf sechs Zentimeter Höhe. Der Rasen war dank Temperaturen um die 20 Grad Celsius gut angewachsen, die Schonfrist damit abgelaufen: Rasen frei für einen wunderbaren Sommer im Grünen.

Die Vorteile von Fertigrasen gegenüber einem selbst ausgesäten Rasen liegen klar auf der Hand. Die Wartezeit bis zu einer möglichen Belastung des Rollrasens ist mit zwei bis drei Wochen unschlagbar kurz. Wer neu einsät, muss je nach Witterung mindestens acht bis zehn Wochen vergehen lassen, bevor er auch nur daran denken kann, die neue Grünfläche für Sport, Spiel und Erho lung zu nutzen. Die mühsame Arbeit des Säens und Pflegens übernimmt der Rasen hersteller. Meist wird das Saatgut dort auf großen Feldern ausgesät. In diesen Rasenschulen wird er bewässert, gewalzt, gemäht und gedüngt, bevor der Rasen dann nach gut einem Jahr mit Spezialmaschinen geerntet wird. Diese schälen häufig 40 x 250 Zentimeter große Stücke ab – das entspricht genau einem Quadratmeter. Der Rasen produzent trägt dabei alle Risiken, die die Jugendphase mit sich bringt: Dass die Saat nicht aufgeht, dass freche Vögel sich über den Samen hermachen, dass die keimenden Pflänzchen vertrocknen oder der neue Rasen aussieht wie ein braungrüner Flickenteppich. Das sind gute Gründe dafür, dass Rollrasen auch in immer mehr Privatgärten Einzug hält.

Ein entscheidender Nachteil aber ist, dass der Gartenbesitzer nicht weiß, in welchem Umfang Spritz gifte auf dem Fertigrasen angewendet wurden. Wer selber sät und hegt und pflegt, behält hier die Kontrolle.

Für die unterschiedlichen Anwendungen gibt es unterschiedliche Rasentypen. Stark belastbarer Strapazierrasen zum Beispiel kommt auf Sportplätzen zum Einsatz. Für den privaten Hausgarten ist Spiel- und Gebrauchsrasen geeignet. Damit die Rasentypen den unterschiedlichen Anforderungen opti mal standhalten, sind sie aus verschiedenen Gras arten zusammengesetzt.

Die Regel-Saatgut-Mischung für „Gebrauchsrasen-Spielrasen“, die als Qualitätsstandard von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau fest gelegt ist, umfasst drei Grasarten: Ausdauerndes Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenrispe (Poa pratensis) und Rotschwingel (Festuca rubra). Die Gräser bestimmen, wie der Rasen aussieht, wie gut und schnell er sich von Strapazen erholt und wie viel Pflege er braucht. Ausdauerndes Weidelgras entwickelt sich sehr schnell und setzt sich gut gegen Wildkräuter durch. Es erholt sich auch rasch. Die Wiesen rispe sorgt durch Ausläufer für zusätzliche Stabilität. Rotschwingel ist anspruchs los und trockenverträglich und schließt Lücken.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Rollrasen bestellt ist und haben 15 unterschiedliche Marken im Baumarkt und direkt bei Rollrasenproduzenten eingekauft und prüfen lassen. Die Experten haben sich angesehen, wie dicht der Fertigrasen gewachsen ist, aus welchen Gräsern er sich zusammensetzt und wie stark er bereits verfilzt ist. Es wurde geprüft, wie dick und gut der Rasen abgeschält wurde und ob das Gras die optimale Höhe hatte. Uns interessierte auch die Bodenbeschaffenheit und vor allem wie stark der Fertigrasen mit Pflanzenschutzmitteln belastet war.

Das Testergebnis

Alarmstufe Rot. Neun Rollrasen fallen mit „ungenügend“ durch, weil darin nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel nachgewiesen wurden. Schade. Denn die Rasenqualität ist bei den meisten Produkten „gut“ oder „befriedigend“. Die drei Fertigrasen von Büchner Fertigrasen, McRasen (Rollrasen Aue) und Rasenland Pattensen – Freiherr Knigge haben aber ein „gutes“ Gesamturteil und sind somit empfehlenswert.

Verbotenes Gift im Gras. Offen sichtlich scheren sich einige Rasenhersteller wenig darum, ob die eingesetzten Pflanzenschutzmittel zugelassen sind oder nicht. Das Mittel Methabenzthiazuron, das das von uns beauftragte Labor in sechs Fällen in deutlichen Konzentrationen nachgewiesen hat, ist seit 2007 in der EU generell nicht mehr zugelassen – in Deutschland liefen die Zulassungen bereits 1996 aus. Die Wirkstoffe Spiroxamin und Fenpropidin hatten in Deutschland noch nie eine Zulassung für Rasen. Wir haben die Stoffe nicht nur in einer Mischprobe aus Boden und Gras gefunden. Bei den Stoffen im Boden hätte es sich möglicherweise um Altlasten handeln können. Doch das beauftragte Labor hat die nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittel auch in den reinen Grasproben nachgewiesen. Die gefundenen Mengen sind so groß, dass man von einem gezielten Einsatz ausgehen kann. Die drei genannten Stoffe sind stark wassergefährdend. Sie sind nicht unbedingt gefährlicher als zugelassene Pflanzenschutzmittel, aber ihr Einsatz ist ein Gesetzesverstoß.
Erlaubtes Gift im Gras. Von den nachgewiesenen zugelassenen Pestiziden kritisieren wir etliche als besonders gesundheits- und umweltrelevant. Einige stehen im Verdacht, Krebs zu erregen oder das Kind im Mutterleib zu schädigen, andere sind extrem wassergefährdend, schädigen Wasserorganismen sogar langfristig, und sind diesbezüglich nach europäischem Gefahrstoffrecht in die höchste Gefährdungsklasse eingestuft. Keinerlei Pflanzenschutzmittel ließen sich in den Rasenstücken von Büchner Fertigrasen und Die-Rasenpartner.de nachweisen. Bei den Schwermetallen, die auch von Natur aus in gewissen Konzentrationen im Boden zu finden sind, war in den getesteten Bodenproben lediglich in einem Fall der Arsengehalt relativ hoch.
Eher erfreulich ist die Rasen qualität. Fast die Hälfte der Rasenproben schneidet mit „gut“ ab, besonders hervorzuheben sind die Fertigrasen der Rasenspezialisten Büchner Fertigrasen, Rasenland Pattensen – Freiherr Knigge, Gebrüder Peiffer, Roll rasen Hedderich sowie von Obi. Denn sie erzielen in der Rasen qualität die Note 1,5 und weisen nur unerhebliche Mängel auf.
Zu kleine Fläche, zu dünner Boden, zu dicker Filz, zu hohes Gras – das sind die Mängel der begutachteten Grassoden. Zum Glück sind nicht alle Marken betroffen. Rund die Hälfte der Produkte zeigt keine nennenswerten Mängel. Ein Quadratmeter – so wird die Größe für eine Rolle Fertigrasen angegeben. Die Testrollen des Rollrasen 1. Qualität von McRasen (Rollrasen Aue) waren im Mittel sieben Prozent kleiner. Das ist auch nach den Richtlinien des Deutschen Rollrasen Verbandes zu viel. Die übliche Schäl dicke eines Fertigrasens beträgt zwei Zentimeter. Die Rasenstücke von Eu-Bo-Rollrasen und Hagebau halten wir mit 15,5 Milli meter im Mittel für zu dünn. Der Rasenfilz, eine oberflächliche organische Schicht aus toten und lebenden Pflanzenteilen, sorgt zwar dafür, dass die ausgestochenen Rasenflächen stabil sind. Ein zu dicker Filz ist aber unerwünscht, weil Wasser und Luft nur noch schwer zu den Wurzeln gelangen. Für Sportrasen gibt es eine Industrienorm, die vorschreibt, dass der Filz nur fünf Milli meter dick sein darf. Für den Gebrauchs- und Spielrasen im Test hat der beauf tragte Experte weit weni ger strenge Maßstäbe angelegt und duldet Rasenfilz bis zu einer Höhe von zehn Millimetern. Drei Testprodukte waren stärker verfilzt, am stärksten der Spielrasen RSM 2.3 von Die-Rasenpartner.de. Neuer Rollrasen soll nicht zu hoch sein, damit er nicht gleich nach Verlegen durch Rasenmähen strapaziert werden muss. Der Rasen von zwei Anbietern war mehr als fünf Zentimeter hoch gewachsen.

Selbst verlegen

Bodenvorbereitung: Es wartet die gleiche harte Arbeit wie bei der Rasensaat. Zuerst muss die alte Grasnarbe weg. Das geht gut mit Spaten, scharfen Schippen und Hacken. Für große Flächen kann man sich Sodenschneider leihen. Auch weitere Geräte wie Fräse oder Rasenwalze werden oft von Baumärkten vermietet. Den Boden mit einer Fräse feinkrümelig lockern, mit der Harke einebnen und mit einer Rasenwalze verfestigen. Tipp: Erst den Boden vorbereiten, dann den Rollrasen beschaffen. Für sandigen Boden keine lehmigen Soden verwenden, auf lehmigem Boden wurzeln lehmige Soden sehr gut an.
Verlegen: Der Boden muss gut feucht sein. Mit der ersten Bahn am besten an einer geraden Kante, etwa der Terrasse beginnen. Die nächste Bahn exakt anschließen lassen, Naht an Naht verlegen, keine Fugen bilden! Zweite Reihe versetzt anlegen, überstehenden Rasen abschneiden. Nach dem Verlegen Bahnen mit Rasenwalze andrücken, in die gleiche Richtung walzen, in der auch verlegt wurde.
Pflege in den ersten 14 Tagen: Wässern, wässern, wässern! Der Rasen muss zwei Wochen lang bis zu den Wurzeln feucht sein. Nach etwa 10 bis 14 Tagen darf zum ersten Mal gemäht werden. Am Rasenrand kann man versuchen, eine Sode anzuheben, um zu prüfen, ob der Rasen fest verwachsen ist. Beim ersten Mal nicht zu kurz mähen, nur auf eine Höhe von etwa sechs Zentimetern.
Weitere Pflege: Wer seinen Rollrasen liebt, der schiebt – den Rasenmäher. Mindestens einmal die Woche. Ganz kurzes Schnittgut von zwei bis drei Millimetern Länge kann als Dünger liegen bleiben. Die ideale Rasenhöhe liegt zwischen 3,5 und 5 Zentimetern. Der Rasen braucht während der Vegetationsperiode ausreichend Nährstoffe, also angepasst düngen. Rasen je nach Witterung und Bedarf wässern. Besser seltener, dafür aber länger. Vertikutieren, sprich entfernen von Rasenfilz und Moos, darf man Rollrasen erst, wenn er fest verwachsen ist. Auch zum Vertikutieren gibt es spezielle hand- oder motorbetriebene Geräte.

ÖKO-TEST rät

Je frischer der Rasen vom Feld in den Garten kommt, desto besser. Wer seinen Rasen bei einem lokalen Anbieter direkt vom Feld holt, verlegt garantiert frische Ware. Der Rasen muss nach spätestens 24 Stunden verlegt sein. Nicht zu früh im Jahr beginnen. Ab Mitte April, Anfang Mai ist der Rollrasen in den Rasenschulen gut entwickelt, spätester Zeitpunkt fürs Verlegen ist Ende Oktober, wer im Juli oder August verlegt, muss sehr viel wässern. Einige Baumärkte und Rasenschulen liefern den Rasen nach Hause, die Kosten dafür variieren stark und können zwischen 25 und 150 Euro pro Lieferung liegen.
Wer nicht selbst verlegen möchte, kann einen Gartenbaubetrieb beauftragen. Die Preise sind je nach Region und zu bearbeitender Fläche unterschiedlich und liegen oft zwischen 15 und 30 Euro pro Quadratmeter – alles inklusive.
Sie wollen eine Öko-Nische für Bienen und Schmetterlinge? Es gibt Samenmischungen für Kräuter- und Blumenwiesen! Die Wiesen sind aber nicht für häufiges Betreten geeignet und sollten erst nach dem Abblühen gemäht werden.

Ungleichmäßige Qualitäten, schräge Bahnen, Risse und Steine fielen unserem Tester ins Auge, als er die Rück seite der Rasenstücke, also die Schälflächen, begutachtete. Die drei Bahnen von Die-Rasenpartner.de sahen sehr unterschiedlich aus und passten nicht richtig zueinander. Die Soden zweier Anbieter waren im Querschnitt betrachtet schräg geschnitten, sodass eine Kante dicker war als die andere. Wenn diese Kanten zusammengelegt werden, führt das zu einem holprigen Rasen. Außerdem zeigte die dünne Kante jeweils Risse. In der Sode von Matthies Landwirtschaft fielen zudem Steine auf.
Nicht ganz dicht. Das wichtigste Kriterium für die Beurteilung des Gräserbestandes war der Deckungsgrad, also wie dicht die Gräser standen. Rund die Hälfte der Rollrasen waren mit einem Deckungsgrad von über 95 Prozent völlig in Ordnung, einige waren noch akzeptabel, vier fielen aber deutlich ab. Am dünnsten bewachsen war der Sportund Spielrasen von Dr. Alex Galabau, der im Mittel nur 73 Prozent deckte. Dazu passt, dass auf diesem Rasenstück auch nur die Wiesenrispe nachgewiesen werden konnte. Mit einer Gras art alleine lässt sich schwerlich ein dichter, strapazierfähiger Rasen bestücken. Auch einen besonders hohen Anteil von Ausdauern dem Weidelgras bewertete unser Rasenfachmann als zu einseitig und ungünstig, da dieses Gras viel Wasser und Nährstoffe braucht und auch anfällig für bestimmte Krankheiten ist. Darüber hinaus haben wir den Pflanzenbestand nicht nach den strengen Maßstäben einer Regel-Saatgut-Mischung beurteilt, auch wenn die Hersteller ihre Produkte teilweise danach, meist RSM 2.3, ausloben. Dass die beauftragten Fachleute selbst in diesen Marken nicht die optimale Zusammensetzung aus Wiesenrispe, Weidelgras und Rotschwingel nachweisen konnten, liegt auch daran, dass wir die Produkte bereits im März/April eingekauft haben. Ein Rasen ist im Laufe des Jahres einem ständigen Wandel unterworfen, nach einem Jahr wird er sich je nach Standort und Pflege anders zusammensetzen. Das muss sich nicht negativ auf die Qualität auswirken. Unangenehm fielen die Rasen mit deutlichem Bewuchs an Fremdgräsern, die häufig blühen, und Wildkräutern, wie Weißklee, Löwenzahn und Hornkraut, auf. Auch wenn ÖKO-TEST naturnahe Kräuter- und Blumenwiesen schätzt, ist ein starker Fremdbesatz in einem Rasenprodukt nicht erwünscht. Im Fall des Büchner Fertigrasens akzeptieren wir die noch moderate Menge an Wildkräutern, da hier keine Pflanzen-schutzmittel nachgewiesen wurden. Besonders viele Fremdgräser fanden sich im Roll rasen von Bauhaus.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 116. Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird der Rollrasen ab sofort nicht mehr erhältlich sein, da er nicht den Qualitätsansprüchen des Anbieters genügt. 2) Laut Anbieter hat der Lieferant vorsorglich einen Dispositions- und Lieferstopp verhängt. Er prüfe neue Bezugsquellen. 3) Laut Anbieter wurde der Bezug des Bestellprodukts sofort gestoppt und die Belieferung ausgesetzt. 4) Laut Anbie ter wurde der Rasen in den Niederlanden produziert.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil werden in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein Pflanzenschutzmittel ohne EU-Zulassung und/oder ohne Zulassung für Rasen in Deutschland (laut Auskunft BVL keine Ausnahmegenehmigung, Stand Mai 2012). Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Gehalt von 25 mg/kg Arsen und mehr. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) fünf bis neun Pflanzenschutzmittel; b) drei und mehr besonders gesundheits- und/oder umweltrelevante Pflanzenschutzmittel (dazu zählen Pflanzenschutzmittel, die von der amerikanischen Umweltbehörde EPA (Version 2009) als „wahrscheinlich“ oder „möglicherweise“ krebserregend und/oder nach dem GHS-Gefahrstoffsystem (Global harmonisiertes System in der EU) als „vermutlich“ krebserregend Kat. 2 und/oder vermutlich reproduktionstoxisch Kat. 2 und/oder als gewässergefährdend Kat. 1 („aquatic acute 1“, „aquatic chronic 1“) eingestuft und/oder vom Hersteller als gewässergefährdend Kat. 1 („aquatic acute 1“, „aquatic chronic 1“) an die Europäische Chemikaliengehörde (ECHA) gemeldet wurden.
Das Testergebnis Rasenqualität setzt sich zu gleichen Teilen zusammen aus dem Teilergebnis Grassode und dem Teilergebnis Pflanzenbestand und ist kaufmännisch gerundet. Ein Produkt mit einem Teilergebnis „mangelhaft“ kann im Testergebnis Rasenqualität nicht besser sein als „ausreichend“. Unter dem Teilergebnis Pflanzenbestand führt zur Abwertung um drei Noten: ein Deckungsgrad von lediglich mehr als 70 bis 80 % und nur eine Grasart. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Deckungsgrad von mehr als 80 bis 90 %. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Deckungsgrad von mehr als 90 bis 95 %; b) 3 % und mehr Fremdgräser und Wildkräuter; c) ein hoher Anteil von mehr als 75 % Weidelgras; d) weitere Mängel des Pflanzenbestands (Pflanzenbestand ungleichmäßig, teilweise Fäulnis, optische Mängel und/oder Splitt auf Oberfläche). Unter dem Teilergebnis Grassode führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) eine mittlere Schäldicke von weniger als 16 mm; b) eine mittlere Rasenhöhe von 50 mm und mehr; c) eine Filzdicke von 10 mm und mehr; d) eine zu geringe Fläche der Rolle (Abweichung mehr als 5 %); e) weitere Mängel der Schälfläche (eine Seitenkante immer etwas dünner als andere, Anschnitte und Risse, Steinbesatz und/oder komplett unterschiedliche Soden und/oder ungleichmäßige Qualitäten).
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: keine Verlegeanleitung anbei und auch nicht im Internet hinterlegt. Das Gesamt urteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Rasen qualität. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Wei tere Mängel, das „befriedigend“ oder schlechter ist, verschlechtert das Testergebnis Rasenqualität um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1207“ eingeben.
Abholpreise sind Bruttopreise und beziehen sich auf eine Abnahmemenge von 200 Quadratmetern.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürgen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme und Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Fäulnis, Splitt und optische Mängel. Für deutliche optische Mängel, die unseren Rasenexperten auffielen, mit ungleichmäßigem Pflanzenbestand und Fäulnis, gab es bei einem Rasen Notenabzug, bei einem anderen wegen unerklärlichem Splitt auf der Oberfläche. Bei kleineren Fehlern, wie teil weise noch gelbgrünen Gräsern, drückten wir ein Auge zu, da wir bereits im März/April eingekauft hatten, zu einem Zeitpunkt, wo sich der Rasen möglicherweise noch nicht vom Winter erholt hatte.
Wie verlegen? Auch wenn wir davon ausgehen, dass sich der Rasenliebhaber vor dem Kauf von Rollrasen informiert, ist es nicht akzeptabel, wenn man beim Kauf keine Verlegeanleitung erhält und diese auch im Internet nicht zu finden ist. Das war bei den Baumärkten Hagebau und Hornbach der Fall.

So reagierten die Hersteller

Der Deutsche Rollrasenverband und mehrere Hersteller kritisierten den frühen Einkaufstermin von März bis April, weil sich der Rasen vor allem im März noch nicht vom Winter erholt hätte. ÖKO-TEST hat dies berücksichtigt und leichte optische Mängel, von denen wir ausgehen, dass sie sich auswachsen, nicht abgewertet.
Obi: Der Anbieter legte uns Prüfberichte seines Lieferanten vor. Danach wurden Ende Mai drei verschiedene Boden proben genommen und analysiert und keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Gras nachgewiesen. Im Boden fanden sich zwei bis drei Wirkstoffe, darunter das nicht zugelassene Mittel Methabenzthiazuron in sehr geringer Konzentration. ÖKOTEST hat eine Mischprobe aus Boden und Gras und zur Absicherung auch das Gras allein untersuchen lassen. In beiden Analysen wurden deutliche Konzentrationen nachgewiesen, die auf einen aktiven Einsatz schließen lassen. Unsere Probe stammt von Ende April; in der Zwischenzeit können die Pflanzenschutzmittel möglicherweise abgebaut sein.

Zeus/Hagebau: Auch dieser Anbieter legte uns einen Prüfbericht seines Lieferanten vor zu einer Ende Mai genommenen Probe: Danach war das Gras unbelastet, im Boden wurden drei andere Pflanzenschutzmittel in geringerer Konzentration als in der ÖKO-TEST-Probe nachgewiesen. Es gibt keinen Hinweis, ob diese Probe überhaupt vom selben Feld stammt.
Die Baumärkte Bauhaus, Hagebau, Hornbach und Obi teilten uns mit, dass sie das Produkt – zumindest vorerst – nicht mehr verkaufen. Er genüge nicht Hornbachs „Qualitätsansprüchen“. Bauhaus sowie die Lieferanten von Hagebau und Obi haben den Bezug gestoppt und die Belieferung ausgesetzt. Bauhaus wolle „die Ergebnisse zum Anlass nehmen, zukünftig besonderes Augenmerk auf etwaige Rückstände zu legen“. Die Lieferanten von Hage bau und Obi würden „neue Bezugsquellen für das Produkt Rollrasen“ prüfen.
Rasenland Pattensen – Freiherr Knigge: Der Rechtsanwalt des Anbieters schickte uns eine Unterlassungserklärung, die uns untersagen sollte, die Ergebnisse von Rasen land Pattensen zu veröffentlichen und den Anbieter zu benennen. Diese haben wir selbstverständlich nicht unterschrieben. Es sei nicht nachvollziehbar, ob die Proben überhaupt vom Anbieter stammen. Darüber hinaus wurden die Methoden kritisiert. In unserem Test ist jedoch die Gleichbehandlung aller Proben gewährleistet.
Rollrasen Aue: Auch hier schickte uns ein Rechtsanwalt eine Unterlassungserklärung. An unseren Ergebnissen haben die von uns beauftragten Testinstitute aber keinerlei Zweifel.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben in Baumärkten und direkt bei Rasenschulen nach sogenanntem Gebrauchs- und Spielrasen Ausschau gehalten, der sich gut für den normalen Gebrauch in Hausgärten eignet. Auf etlichen Produkten, die unsere Einkäufer beschafft haben, prangt die Bezeichnung „RSM 2.3“. RSM steht für Regel-Saatgut-Mischung, RSM 2.3 ist die Regel-Saatgut-Mischung für Gebrauchsrasen-Spielrasen, wie sie in den Qualitätsstandards der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau festgelegt ist. Viele der gekauften Rasen werden von den Anbietern aber einfach nur als „Sport- und Spielrasen“, „Spielrasen“, „Spiel- und Gebrauchsrasen Premium“ oder schlicht als „Rollrasen“ bezeichnet. In zwei Fällen wurde uns offensichtlich ein höherwertiger Sportrasen verkauft.

Die Inhaltsstoffe

Damit nicht statt Rasen Unkraut wächst, kommen in der Rasenschule Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Viele Menschen wollen in ihrem Hausgarten aber keine gefährlichen Gifte haben. Deshalb hat das beauftragte Labor die Rasenstücke inklusive anhängender Erde auf etwa 300 Stoffe untersuchen lassen. Wenn Pflanzenschutzmittel gefunden wurden, die in Europa oder in Deutschland nicht zugelassen sind, dann hat das Labor nochmals eine Untersuchung nur am Gras durchgeführt. So konnte gezeigt werden, dass die verbotenen Mittel verspritzt wurden und sich nicht „nur“ als Rückstände aus früheren Zeiten im Boden abgelagert haben. Die Erde, die am Fertigrasen hängt, kann außerdem mit giftigen Schwermetallen wie Arsen oder mit krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet sein. Wir haben die Erde auf diese Stoffe testen lassen.

Die Rasenqualität

Die Rasenqualität ließen wir von unabhängigen Rasenexperten prüfen. Ein gutes Stück Fertigrasen ist dicht und einheitlich bewachsen. Die Mischung der Gräser muss dafür sorgen, dass der Rasen gut wächst und trotzdem belastbar ist. Die Regel-Saatgut-Mischung RSM 2.3, die etliche Hersteller deklarieren, gibt eine ausgewogene Mischung vor. Aber auch andere Mischungen liefern gute Qualitäten. Wildkräuter und andere ungeeignete Grasarten allerdings sind im Fertigrasen weniger erwünscht. Das Gras selbst sollte beim Verlegen allerhöchstens fünf Zentimeter hoch sein – sonst wird es in der Zeit, in der man den Rasen anwachsen lassen muss und ihn nicht betreten, also auch nicht mähen darf, viel zu hoch. Die Schäldicke, also die Dicke der abgetragenen Erde, beträgt am besten zwei Zentimeter. Sind die Rasenstücke unterschiedlich dick, gibt es Sprünge beim Verlegen. Zu dünne Soden – so heißen die ausgestochenen Rasenstücke in der Fachsprache – reißen leicht ein. Perfekt ist es, wenn die Soden mit glatten Kanten und ohne Einschnitte abgeschält sind und wenn die Schälfläche schön gleichmäßig aussieht, dann wird der verlegte Rasen glatt und einheitlich. Zwischen Rasen und Boden findet sich eine Schicht Rasenfilz. Der Filz gibt den Rasenstücken zusätzliche Stabilität, darf aber nicht zu dick sein, denn zu viel Filz hält Luft, Wasser und Düngemittel von den Graswurzeln fern.

Die Bewertung

Ein Rasen, auf dem oft auch Kinder herumtollen, sollte so wenig Gifte wie möglich enthalten. Für Pestizidcocktails mit fünf und mehr Stoffen und für besonders bedenkliche Verbindungen gibt es daher beim Testergebnis Inhaltsstoffe Notenabzug. Hat das Labor im Gras Pflanzenschutzmittel entdeckt, die hierzulande nicht zugelassen sind, dann kann solch ein Rasen nur „ungenügend“ sein. Wichtigstes Kriterium beim Testergebnis Rasenqualität ist, dass die Rasenstücke gut und dicht bewachsen sind. Notenabzug gibt es auch für zu viele Fremdgräser und Wildkräuter, für zu hohen Rasen, zu dicken Filz und eine einseitige Zusammensetzung der Gräsermischung. Sind die Rasenstücke zu dünn abgeschält oder weist die Schälfläche Mängel auf, dann geht das ebenfalls in die Bewertung mit ein. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe oder das Testergebnis Rasenqualität. Schlussendlich: Wer Rasen selbst verlegen will, muss wissen wie. Haben wir weder direkt beim Verkäufer noch via Internet eine Verlegeanleitung für das Produkt erhalten, dann werten wir das als weiteren Mangel.

Um die Wuchshöhe zu ermitteln, legten die Tester eine leichte Polystyrolplatte auf den Rasen.


Mithilfe eines Gitters von 30 x 30 Zentimeter Größe wurden der Deckungsgrad der Gräser und die Artenverteilung bestimmt.


Neben den drei üblichen Grasarten fanden sich in einigen Proben Fremdgräser und Wildkräuter wie Weißklee.


Beim Auslegen der Bahnen fielen auch ungleichmäßige Qualitäten auf.


Anschnitte und Risse in den Grassoden zeigten sich in einigen Rasenstücken.

Foto: luoman/istockphoto.com

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Fotos: Labor (5)