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TEST ROTE LINSEN: Wir sehen rot


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.02.2021

Rote Linsen sind gesund. Doch leider landet mit ihnen häufig auch eine Portion Pestizide auf dem Teller. Das hierzulande längst verbotene Glufosinat haben wir sogar in einem Bio- Produkt gefunden.


RATGEBER

1 Linsen ohne Pestizidrückstände gibt es nur Bio: Neun Produkte aus ökologischem Anbau sind „sehr gut".

2 Bio oder nicht: Preislich macht das keinen großen Unterschied. Und die teuersten Linsen im Test kommen mit 3,81 Euro pro 500 Gramm sogar aus konventionellem Anbau.

3 Rote Linsen vor dem Kochen nicht einweichen, aber waschen: Mit warmem Wasser lässt sich auch das Öl entfernen, mit dem manche Produkte ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 3/2021

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... behandelt sind.

Es gibt viele Gründe, warum Linsen in die Riege der Foodstars aufgestiegen sind: Nicht nur, dass sie voller Ballaststoffe und Spurenelemente stecken; ihr hoher Anteil an pflanzlichem Eiweiß macht sie für Fans der vegetarischen und veganen Küche ungeheuer wertvoll. Mit der Popularität in Deutschland stieg in den vergangenen Jahren auch die Auswahl im Supermarktregal. Wir haben uns in diesem Test rote Linsen vorgeknöpft. Rote Linsen sind nichts anderes als geschälte braune Linsen, meist Berglinsen. Weil sie ohne Schale daherkommen, sind sie besonders bekömmlich, gut zu verdauen und weisen eine sehr kurze Garzeit auf.

Im Test sind Bio-Linsen die klaren Gewinner: Alle neun Marken, die mit „sehr gut“ abschneiden, stammen aus ökologischer Landwirtschaft. Nur ein einziges konventionelles Produkt konnten wir mit „gut“ bewerten, zwei sehen rot und sind „ungenügend“ – darunter die bekannte Marke Müller’s Mühle.

Pestizide in allen Konventionellen

In sämtlichen Linsen aus konventionellem Anbau haben wir Rückstände von Pestizi- den gefunden, darunter die Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat und das hierzulande verbotene Glufosinat. Eine echte Überraschung war das nicht. Der Linsenanbau ist aufwendig und hat seine Tücken. Wer Herbizide einsetzt, kann ihn erheblich vereinfachen. So müssen Linsen zum Zeitpunkt der Ernte hart und trocken sein. Herbizide wie Glyphosat und Glufosinat – im Fachjargon Totalherbizide – töten alle blatttragenden Pflanzen. Sie vernichten nicht nur Unkraut, sondern können auch der Linsenpflanze selbst den Garaus machen. Zur rechten Zeit auf die Pflanzen gesprüht, sorgen sie dafür, dass die Pflanze abstirbt und die Linsen gleichmäßig bis zur Erntereife trocknen.


„Kritikwürdig: Deutsche Firmen exportieren Pestizide, die in der EU längst verboten sind. Und das auch noch legal.“
Birgit Hinsch, ÖKO-TEST-Redakteurin


Verbotenes Glufosinat

In drei Produkten steckt Glufosinat. In der EU ist seine Anwendung seit 2019 verboten. Die europäische Chemikalienagentur ECHA hat Glufosinat als reproduktionstoxisch Kategorie 1B eingestuft. Das heißt übersetzt: Das Herbizid kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und steht im Verdacht, das ungeborene Kind zu schädigen. Die mit Glufosinat belasteten Linsen stammen von Feldern in der Türkei und in Kanada. Dort ist Glufosinat laut des Internationalen Pestizid-Aktions-Netzwerkes nicht verboten. Produziert und exportiert wird das Mittel auch vom deutschen BASF-Konzern.

Bio-Linsen belastet

In den Bio-Linsen des Filialisten Dennree hat das beauftragte Labor ebenfalls Glufosinat nachgewiesen. Der gemessene Wert liegt über dem Orientierungswert, der üblicherweise für die Beurteilung von Pestizidrückständen in Bio-Produkten herangezogen wird. Rückstandsgehalte oberhalb dieses Wertes können auf Probleme in der Prozesskette für Bio hindeuten.

Woher kommt nun das Glufosinat in den Bio-Linsen? Anbieter Dennree hat uns nur sehr allgemein geantwortet und gibt als mögliche Ursache Verwehungen über die Luft an. Aus unserer Sicht wäre es angebracht, der konkreten Ursache der Belastung in diesen Bio-Linsen auf den Grund zu gehen und sie zu beseitigen.

Glyphosat in sechs Produkten

Neben Glufosinat hat das Labor in sechs konventionellen Produkten das umstrittene Glyphosat nachgewiesen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft es als „wahrscheinlich krebserzeugend" ein, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht keinen Krebsverdacht. Unbestritten ist jedoch, dass Glyphosat die biologische Vielfalt gefährdet.

Mineralöl: Querbeet ein Problem

Auch Bestandteile von Mineralöl sind ein Thema in roten Linsen. In drei Produkten fand das Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen auch krebserregende Verbindungen sein können; in fünf Linsensorten gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH), die sich in Organen anreichen. Anders als bei den Pestiziden stecken diese Mineralöl-Verunreinigungen in konventionellen wie Bio-Produkten gleichermaßen. Ein möglicher Grund: Diese Stoffe kommen häufig bei der Verarbeitung etwa aus Maschinenölen ins Spiel oder aus der Verpackung. Immerhin: die „sehr guten" Linsen enthalten keine oder nur sehr geringe Mineralölrückstände.

So haben wir getestet

Aus dem großen Angebot an Linsen wählten wir für diesen Test 20 Mal roten Linsen aus. Rund zwei Drittel stammen aus biologischem Anbau, darunter viele Eigenmarken der Supermärkte und Discounter. In der Vergangenheit fielen Linsen vor allem durch Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln auf. Deshalb ließen wir die Produkte im Labor auf ein breites Spektrum an Pestiziden untersuchen: unter anderem auf Glyphosat und Glufosinat. Landwirte in der konventionellen Landwirtschaft spritzen diese Mittel nicht nur, um Unkraut zu unterdrücken. Sie töten damit auch die Linsenpflanze ab, sodass die Linsen gleichmäßig trocknen und so reif für die Ernte werden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Untersuchung von Mineralölbestandteilen, die immer wieder in Lebensmitteln auftauchen. Schließlich interessierte uns, ob giftige Schwermetalle wie Cadmium oder Nickel in höheren Gehalten in den Linsen stecken.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: MOSH = gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, MOAH = aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Laut Anbietergutachten wurde in einer Vorabanalyse eines Durchschnittsmusters ein geringerer Gehalt an Glufosinat analysiert. Diesen hätten wir als Spuren bewertet. Ob das Muster allerdings – wie vom Anbieter mitgeteilt – zu der Partie des untersuchten Testprodukts gehört, war für uns nicht nachvollziehbar. 2) Weiterer Mangel: Nachweis eines für Bio nicht zugelassenen Pestizids in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg in einem Bio-Produkt.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) der Nachweis von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH); b) ein Pestizidgehalt, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge zu mehr als 50 Prozent ausschöpft, wenn diese 0,02 bis < 0,05 mg/kg beträgt (in der Tabelle „stark erhöht“); c) ein in der EU nicht zugelassenes Pestizid in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glufosinat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: „MOSH leicht erhöht“); b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat), wenn nicht bereits wegen Glufosinat um zwei Noten abgewertet wurde; c) ein Pestizidgehalt, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge zu mehr als 10 bis 50 Prozent ausschöpft, wenn diese mehr als 0,1 mg/kg beträgt (in der Tabelle „erhöht“). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Nachweis eines für Bio nicht zugelassenen Pestizids in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg in einem Bio-Produkt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2103
Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020. Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

TIPPS

Superfood Linse

Voller Proteine

Linsen liefern ein wahres Feuerwerk wertvoller Nährstoffe. Sie sind eine gute Quelle für B-Vitamine, Magnesium, Eisen und Zink. Vor allem aber enthalten sie reichlich Ballaststoffe und pflanzliches Eiweiß: Durchschnittlich zu einem Viertel ihres Gewichts bestehen Linsen aus Proteinen.

Guter Ballast

Ballaststoffe gelten als Schlüssel einer fitten Abwehr: Denn von ihnen ernähren sich die „guten“ Bakterien der Darmflora, davon profitiert das Immunsystem. Eine Portion von 50 Gramm Linsen liefert ein Viertel der empfohlenen Tagesmenge an Ballaststoffen. Rote Linsen enthalten 20 bis 50 Prozent weniger, da sie geschält sind. Nicht schlimm: Es sind gerade die verbleibenden löslichen Ballaststoffe des Linsenkerns, die positiv auf die Darmflora wirken.

Gut für Böden

Linsen bereichern auch die Fruchtfolge: Mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln können sie Stickstoff aus der Luft im Boden binden – eine Art natürliche Düngung.


Foto: Indian Food Images/Shutterstock Illustrationen: galunga.art/Shutterstock

Fotos: Anja Wägele; 5 second Studio/Shutterstock