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TEST: Schokolade: Genuss und Verdruss


ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 95/2013 vom 17.05.2013

Ein Stück dunkle Schokolade ist ein ganz besonderer Genuss. Denn sie enthält viel aromatischen Kakao. Doch Verdruss kommt auf, wenn die Bauern dafür einen Kakaopreis erhalten, der nicht zum Leben reicht. Wir haben 24 Schokoladen eingekauft und geprüft, welche Anbieter fair handeln. Zusätzlich sind die Produkte natürlich auf Schadstoffe überprüft worden.


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Foto: Courtesy/ILRF

Wir haben gelernt, die Augen zu schließen, wenn wir in Schokolade beißen. Die Augen zu schließen, bedeutet, sich ganz auf den Genuss zu konzentrieren. So machen es uns die Darsteller in den Werbespots vor. Zergeht die Schokolade im ...

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... Mund, lächeln sie, weil die Gaumenfreude „zart schmelzend“, „voll“ oder „harmonisch“ ist. Was die Zunge nicht herausschmeckt: ausbeuterische Kinderarbeit auf der Kakaoplantage oder die Zahlung menschenverachtend niedriger Kakaopreise an die Bauern, um die Margen beim Weiterverkauf der Rohware oder dem Verkauf des süßen Endproduktes nicht zu minimieren. Wir sollten lernen, die Augen zu öffnen, wenn wir in Schokolade beißen.

In unserem Test sind wir der Frage nachgegangen, was die Hersteller der 24 eingekauften Testschokoladen für fairen Handel tun.

Das Testergebnis

■ Die meisten Schokoladen im Test sind „unfair“ oder „überwiegend unfair“ – auch zwei Bio-Schokoladen. Aber immerhin ein Drittel aller Testprodukte beurteilen wir als „fair“.
■ Bei den Fairtradeschokoladen ist garantiert, dass die Kakaobauern einen Mindestpreis für den Kakao erhalten. Alle anderen Produkte im Test erhielten hier Punktabzug. Die Ausnahmen: Die Schokolade Hachez Wild Cocoa De Amazonas enthält Kakao, der im brasilianischen Re- genwald wild wächst. Von dem Projekt von Hachez und dem Freiburger Regenwald-Institut profitiert eine Pflücker-Kooperative, die aus mehreren Familien der traditionellen Flussuferbewohner Amazoniens besteht. Dieses besondere Projekt sichert den Menschen ein verlässliches Einkommen. Der Preis, den Hachez für diesen seltenen Kakao zahlt, liegt deutlich über dem Fairtrademindestpreis. Auch das Unternehmen Hussel lieferte für sein Produkt Iara 62 % Vollmilch-Chocolade den Nachweis, dass der gezahlte Kakaopreis über dem Fairtrademindestpreis für Bio-Kakao liegt.
■ Wenig Konkretes zur Kinderarbeit: Der Verweis auf Unternehmensrichtlinien, die Kinderarbeit prinzipiell ausschließen, ist für uns kein Nachweis dafür, dass Kontrollen vor Ort erfolgen. Die Anbieter Alnatura und Hussel gaben an, dass sie Kakao aus Ländern beziehen, in denen Kinderarbeit kein Problem sei. Im Fall von Alnatura ist es die Dominikanische Republik, im Falle Hussels Ecuador. Das ist uns zu allgemein. Die Kinderschutzorganisation Plan sieht in beiden Ländern sehr wohl die Gefahr von Kinderarbeit anstelle des Schulbesuches. Eine ILO-Studie unterstützt diese Aussage in Bezug auf Ecuador.
■ Kleine und mittlere Betriebe arbeiten mit großen Kakaovermahlern zusammen, von denen sie Kakaobohnen oder Schokoladenmasse beziehen. So verwiesen diese Anbieter auf Nachfrage zu missbräuchlicher Kinderarbeit und Mindestpreis auf ihre Vorlieferanten wie etwa Barry Callebaut und Cargill. Das sagt noch nicht viel: Diese Unternehmen, die große Kakaomengen einkaufen, arbeiten einerseits mit den drei bekannten Labelorganisationen zusammen. Grundsätzlich wäre also die Rückverfolgbarkeit der Kakaobohne auch für einen kleinen Betrieb nachprüfbar, wenn er zertifizierte Ware kauft. Nicht rückverfolgbar ist allerdings der große Teil des Kakaos, den die Kakaovermahler bei Zwischenhändlern kaufen.

■ Lindt & Sprüngli verweist auf ein eigenes Beschaffungsmodell. In Ghana kaufe man Kakao über einen Partner vor Ort, der die „vollumfängliche Rückverfolgung bis zu den Bauern gewährleiste“. Damit soll Qualität gesichert, aber auch Missstände wie missbräuchliche Kinderarbeit erkannt und abgeschafft werden. Ein Nachweis für das Bemühen, missbräuchliche Kinderarbeit zu verhindern, ist das allerdings noch nicht. Denn das Unternehmen bezieht für die Testschokolade auch Kakao aus Südamerika, besonders Ecuador. Dort befindet sich laut Lindt das System der Rückverfolgbarkeit erst im Aufbau. Auf die Frage, ob Lindt einen festen Mindestpreis zahle, antwortete das Unternehmen, dass für den Kakao aus Ghana ein Aufpreis bezahlt würde, der an die Partnerorganisation Source Trust fließt, die Projekte finanziert. Offen bleibt, ob die Bauern selbst einen höheren Preis für ihren Kakao bekommen.
■ Schadstoffe in der Schokolade: Cadmium ist ein giftiges Schwermetall. Im Test weisen zwölf Schokoladen, deren Kakao vor allem aus lateinamerikanischen Ländern stammt, bedenkliche Cadmiumwerte auf. Ursache sind die naturgemäß hohen Cadmiumgehalte der vulkanischen Böden Südamerikas. Die Kakaopflanze nimmt den Schadstoff über das Wurzelwerk auf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt einen Cadmiumhöchstgehalt von 0,3 Milligramm pro Kilogramm dunkler Schokolade. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes werten wir bei 0,15 Milligramm pro Kilogramm ab.