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TEST Schreibtischstühle für Kinder und Jugendliche: Sitzenbleiber


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2015 vom 25.09.2015

In der Schule können Eltern kaum Einfluss auf die Sitzmöbel für Kinder nehmen. Daheim schon. Wir haben neun Drehstühle und einen Kufenstuhl getestet. Drei Produkte krachen mit „ungenügend“ durch, vier Stühle können wir empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Schreibtischstühle für Kinder und Jugendliche: Sitzenbleiber" aus der Ausgabe 10/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/imagebroker

Bereits seit einiger Zeit schlagen Kinderärzte und Orthopäden Alarm: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Rückenschmerzen. Aber auch wenn Krankenkassen und Internetforen immer mal wieder mit erschreckenden Umfrageergebnissen und horrenden Prozentzahlen vorpreschen: „Wie viele Kinder und Jugendliche über Rückenprobleme klagen, ist nicht bekannt. ...

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... Dafür gibt es keine verlässlichen repräsentativen Daten“, sagt der Kinder- und Jugendmediziner Christian Neumann, zugleich Pressesprecher im Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Rheinland-Pfalz. „Wir beobachten allerdings, dass die Zahl gerade jüngerer Patienten mit diesen Beschwerden immer mehr zunimmt. Ein Grund dafür ist auch das lange Sitzen am Schreibtisch in der Schule und zu Hause.“

Beim Sitzen wird die Rückenmuskulatur einseitig belastet und die Lendenwirbelsäule entgegen ihrer natürlichen Biegung verformt. Daher kann langes Sitzen zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen führen. „Kinder und Jugendliche sollten deshalb in regelmäßigen Abständen kleinere Bewegungspausen einlegen, um ihre Rückenmuskulatur zu entlasten“, rät Neumann. Um einen Ausgleich in der Schule zu schaffen, fordert der BVKJ seit Langem eine Intensivierung des Sportunterrichts. Möglichen Gesundheitsschäden kann neben Entspannungs- und Bewegungspausen auch das sogenannte dynamische Sitzen, also ein häufiger Wechsel der Sitzpositionen, vorbeugen (siehe Kompakt).


Langes Sitzen ist anstrengend. Kurze Bewegungspausen sind daher ratsam.


Auch die richtige Auswahl des Schreibtischstuhls ist entscheidend. Allerdings: Drehstühle, Multifunktionsstühle oder andere Sitzmöbel, auf denen Kinder ihre Hausaufgaben machen oder lernen können, gibt es wie Sand am Meer – sowohl für den privaten Bereich als auch für die Schulen. Letztere sind besonders in der Pflicht, für eine vernünftige Ausstattung zu sorgen. Denn die meiste Zeit sitzen Kinder und Jugendliche ja in der Schule. Die Firma VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken aus Baden-Württemberg zum Beispiel bietet mit Freischwingern, Drehstühlen und Hockern diverse Sitzmöbel, die sich den Produktauslobungen nach an die Körper der Schüler anpassen sollen. Das Unternehmen Marlower Möbel aus Mecklenburg-Vorpommern bietet Modelle unter anderem aus Holz oder Kunststoff, mit klassischer oder „luftgepolsterter“ Rückenlehne sowie mit Stahlrohr- oder Alugestellen an. Der Schulträger, der letztlich über Auswahl und Kauf des Mobiliars entscheidet, kann da ebenso schnell in Entscheidungsnot geraten wie Eltern, die mit ihrem Nachwuchs im Möbelhaus auf Sitzprobe gehen. Fehlkäufe und Schnellschüsse, weil vielleicht nur auf den Preis geachtet oder dem Fachverkäufer voreilig vertraut wurde, sind dabei nämlich nicht ausgeschlossen.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob es den (annähernd) perfekten Stuhl für Kinder und Jugendliche zu Hause überhaupt gibt. Deshalb haben wir zehn unterschiedliche Produkte eingekauft und in Laboren genauer unter die Lupe nehmen lassen. Im Schadstofftest überprüften die beauftragten Labore die Bezugsstoffe und Polster auf unerwünschte Substanzen. Im Praxistest wurden die Produkte dann ausgiebig in Sachen Handhabung, Ergonomie und Sicherheit getestet.

Das Testergebnis

Drei Sitzenbleiber. Weil sie die Teilprüfung Sicherheit mit „ungenügend“ nicht bestanden haben, sind drei getestete Schreibtischstühle für Kinder und Jugendliche mit dem Gesamturteil „ungenügend“durchgefallen. DerMoll Maximo 15, grau/rot und derPaidi Pepe, silbergrau/orange/grün haben sich die Bestnote „sehr gut“ verdient. Zwei weitere Stühle schafften ein „gut“. Die schlechtesten Stühle waren im Übrigen die billigsten. Wer einen ordentlichen Stuhl für sein Kind sucht, muss also schon etwas Geld ausgeben.

Lernen kann man nicht nur am Schreibtisch gut. Kinder können ihre Schularbeiten ruhig auch mal auf dem Bett liegend erledigen.


Foto: Ivonne Wierink/Shutterstock

■ Do legst di nieda! Das Umkippen des Stuhls nach vorne und/oder hinten birgt eine enorme Verletzungsgefahr. Insgesamt fielen fünf Stühle um. Nach vorne und nach hintenüber kipptenLink‘s Drehstuhl Pezzi, grün sowie derTerena Kinderstuhl 090907, pink. „Nur“ nach hintenüber fielen derJako-O Open Art Junior, schwarz/blau , derTopstar Ergokid 15 Jet schwarz/ Blumen und derRovo Five, blau . Grundlage war die Prüfung gemäß DIN EN 1335. Zwar richten sich ihre Vorgaben an Büroarbeitsstühle und damit an die Körpermaße erwachsener Nutzer. Weil aber die getesteten Stühle laut Laborexperten auch für Jugend liche von größerer und/oder schwererer Statur geeignet sind, haben wir die Messlatte etwas höher gelegt. Immerhin: Die Hälfte der Produkte hat die strenge Prüfung bestanden. Zwei der im Kipptest durchgefallenen Stühle, derLink’s Drehstuhl Pezzi, grün sowie derTerena Kinderstuhl 090907, pink , werben sogar mit dieser Norm. Hierzu hat das Deutsche Institut für Normung gegenüber ÖKO-TEST bestätigt: Wer mit einer DIN-Norm wirbt, hat dann auch alle ihre Vorgaben exakt einzuhalten.
■ Aua!!! Mögliche Quetschstellen für Finger, Hände, Zehen und Füße haben unsere Experten an sieben von zehn Stühlen identifiziert. Hier sollten die Hersteller unbedingt nachbessern!
■ Von der Rolle. Kinder sitzen nicht immer still, sie rutschen auf dem Stuhl hin und her oder wechseln ihre Sitzhaltung und -position. Wenn sich ein Stuhl beim Aufstehen oder Hinsetzen dann zu leicht wegschieben lässt, kann es passieren, dass Kinder plötzlich auf dem Hosenboden landen und sich wehtun. Wir haben deshalb den Rollwiderstand überprüft. Nicht bestanden haben derLink’s Drehstuhl Pezzi, grün sowie derTerena Kinderstuhl 090907, pink. Grund: die ungebremsten Rollen.
■ Zu dick aufgetragen. Das von uns beauftragte Labor hat den Stühlen auch unter den Bezug geschaut. Den Polstern dreier Stühle attestierten unsere Experten die Gefahr des vorzeitigen Durchsitzens. An vier Modellen stellten sie fest, dass ein Hohlraum entweder unter dem Bezugsstoff oder unter dem Sitzflächenpolster besteht. Dem Verbraucher wird also eine größere Polsterdicke suggeriert, als tatsächlich vorhanden ist. Solche Mogeleien werten wir ab.
■ Nicht für alle. Die meisten Produkte sind nicht für alle Kinder und Jugendlichen geeignet. So müssen zum Beispiel für klein gewachsene Kinder und Jugendliche geringere Sitztiefen eingestellt werden können, da eine zu große Sitztiefe zu Fehlhaltungen führt. Für größere Nutzer sollte die Sitztiefe anpassbar sein. Zwar ist bei allen Stühlen die Sitzbreite ausreichend groß bemessen. Was die einstellbaren Sitzhöhen und Sitztiefen vieler von uns getesteter Stühle betrifft, müs-sen Eltern aber befürchten, dass ihr Kind schnell keinen Platz mehr findet. Eine - wenn überhaupt - nur sehr geringe Einschränkung der Nutzergruppe machten unsere Experten hingegen für denMoll Maximo 15, grau/rot aus.

■ Jede Menge Schadstoffe im Stuhl. Abzüge für den Nachweis von Diisononylphthalat (DINP) gab es für denRovo Five, blau und denMayer Multifunktionsstuhl 1251, schwarz/rot. Der Weichmacher ist in Babyartikeln und Spielzeug aus Weich-PVC, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verboten. Im Muster desTopstar Ergokid 15 Jet schwarz/Blumen stecken optische Aufheller, die mit dem Schweiß auf die Haut der Kinder gelangen und bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung allergische Reaktionen auslösen können. Weitere Abwertungen gab es für phosphororganische Verbindungen, die zum Teil möglicherweise krebserregend sind, sowie für halogenorganische Verbindungen.

So reagierten die Hersteller

■ Einige Hersteller kritisierten unseren strengen Kipptest. Schließlich seien deren Produkte zum Beispiel mit einem TÜV- oder GS-Siegel zertifiziert und somit für die entsprechende Größenklasse gemäß Norm als „sicher“ befunden worden. Das ist korrekt, sofern der Stuhl auch von einem Kind genutzt wird, das zu dieser Größenklasse gehört. Weil ÖKO-TEST nicht ausschließen kann, dass auch größere und schwerere Kinder einen dieser als „sicher“ geprüften Stühle benutzen, haben wir alle einer gleich hohen Belastung ausgesetzt. Für die Stühle, die den strengen Test bestanden haben, ist das ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.
■ Völkle stellte unter anderem die erhobenen Daten zur Sitzhöhe (ohne Belastung) infrage. „Die Sitzhöhe des Stuhls beträgt 390 bis 525 mm.“ Wie die von uns ermittelte Sitzhöhe von 420 mm bis 560 mm zustande komme, sei nicht nachvollziehbar. Weil Fehler passieren können, haben wir nachmessen lassen. Das Ergebnis: Eine minimale Abweichung von 5 mm zur ersten Messung. Die vom Hersteller mitgeteilten Maße konnte das Labor nicht bestätigen. Auch Völkles Einwand, sein Produkt halte dem Kipptest nach DIN EN 1335 mit der von ihm mitgeteilten „richti gen bzw. tatsächlichen Sitzhöhe“ stand, ging das Labor nach. Ergebnis: Der Stuhl kippte erneut! Außerdem, so Völkle, sei eine Anpassung der Bezugsmaterialien vorgenommen worden. Das Zertifikat hat uns die Firma überlassen.
■ Hersteller Topstar prüfte die von uns aufgrund eines unsauber geschnittenen Gewindes mit „schwierig“ bewertete Montage desJako-O Open Art Junior, schwarz/ blau anhand einer „statistisch aussagekräftigen Stichprobe“ selbst noch einmal nach. Dabei habe man kein weiteres beschädigtes Gewinde feststellen können.
■ Der Geschäftsführer der Firma Room 44 ließ uns telefonisch wissen: „Ich habe kein Interesse an einer Stellungnahme.“ Warum diese Reaktion? Nachdem unser Herstellerbrief mit den Labordaten von der Post als „nicht zustellbar“ zurückkam - die Firma hatte auf ihrer Internetseite eine falsche Adresse im Impressum stehen -, haben wir den Geschäftsführer telefonisch um die aktuelle Anschrift gebeten. Als wir ihm auf seine Nachfrage hin mitteilten, wer wir sind und was wir tun, verweigerte er die Auskunft.

Moll Maximo 15, grau/rot

Preis: 369,00 Euro
Nutzergruppe: kaum eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 480 mm (mit langen Oberschenkeln bis 16 Jahre)
Geringste Sitztiefe: 285 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab sieben Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 320 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab neun Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 585 mm (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre und älter)
Breite der Rückenlehne: 385 mm (mit breiten Schultern bis 13 Jahre)

Im Schadstofftest wurden keine bedenklichen und/oder problematischen Inhaltsstoffe in für uns abwertungsrelevanten Gehalten nachgewiesen. Und auch den Praxistest meisterte derMoll Maximo 15, grau/rot mit einem sehr guten Ergebnis. Kleines Manko: Der Stuhl hat keine Gasdruckfeder, über die ein Kind die richtige Sitzhöhe eigenständig einstellen kann. Bis zu einem gewissen Alter ist es hierfür auf die helfende Hand der Eltern angewiesen.
Gesamturteil „sehr gut“

Paidi Pepe, silbergrau/orange/grün

Preis: 239,00 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 350 mm (mit langen Oberschenkeln bis neun Jahre)
Geringste Sitztiefe: 300 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab acht Jahren)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 345 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab elf Jahren)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 445/500 mm (mit langen Unterschenkeln bis 17 Jahre)
Breite der Rückenlehne: 440 mm (mit breiten Schultern bis 18 Jahre und älter)

Wir bemängeln unter anderem die nicht optima le Lage der Beckenrandabstützung sowie den Hohlraum unter dem Sitzflächenpolster. Den Belastungstest zur Kippsicherheit („nach hintenüber“) hat derPaidi Pepe silbergrau/ orange/grün hingegen bestanden. Die Höhenverstellung mittels Gasfeder kann bereits problemlos von Kindern ab sechs Jahren betätigt werden. Eine Auffälligkeit am Steilteil, die allerdings zu keiner Abwertung führte: Die Griffmulde ist laut Einschätzung unserer Experten etwas zu klein geraten.
Gesamturteil „sehr gut“

Kettler Berri, flieder/anthrazit

Preis: 249,90 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 395 mm (mit langen Oberschenkeln bis elf Jahre)
Geringste Sitztiefe: 270 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab sechs Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 360 mm (mit kurzen Unterschenkeln b 12 Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 515 mm (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre)
Breite der Rückenlehne: 380 mm (mit breiten Schultern bis 13 Jahre)

Insgesamt machte das Kettler-Produkt eine gute Figur. Besonders die Montage erfolgte aufgrund vormontierter Teile und sehr einfacher Aufbauschritte in gerade einmal eineinhalb Minuten sehr fix. Schwachstellen im Praxistest waren unter anderem die zu hoch angeordnete Stützfunktion des Beckens sowie ein Hohlraum unter dem Sitzflächen-Bezugsstoff. Im Schadstofftest hat das Labor mit Antimon eine Substanz nachgewiesen, die Haut und Schleimhäute reizen kann.
Gesamturteil „gut“

Moizi 6 Kufenstuhl, apple

Preis: 464,55 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 375 mm (mit langen Oberschenkeln bis zehn Jahre)
Geringste Sitztiefe: 315 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab neun Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 375 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab 13 Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 470 mm (mit langen Unterschenkeln bis 14 Jahre)
Breite der Rückenlehne: 400 mm (mit breiten Schultern bis 14 Jahre)

Der teuerste Stuhl im Test. Bedenkliche und/oder problematische Inhaltsstoffe wurden keine nachgewiesen. Dennoch gibt es einen harten Kritikpunkt: Sehr problematisch sehen wir eine potentielle Quetschstelle zwischen Boden und dem stählernen Stützelement zwischen den Kufen. Im Teilbereich Sicherheit kommt der Stuhl deshalb nicht über ein „mangelhaft“ hinaus. Der Stuhl lässt sich in seiner Höhen- und Tiefeneinstellung nur mit Werkzeug justieren, was wir dem Produkt aber nicht als Nachteil ausgelegt haben.
Gesamturteil „gut“

Jako-0 Open Art Junior, schwarz/blau

Preis: 119,00 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 335 mm (mit langen Oberschenkeln bis acht Jahre) Geringste Sitztiefe: 275 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab sechs Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 395 (mit kurzen Unterschenkeln ab 15 Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 515 mm (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre)
Breite der Rückenlehne: 425 mm (mit breiten Schultern bis 17 Jahre)

Während die Prüfung auf Rollwiderstand und der Kipptest nach vorne über noch bestanden wurden, fiel der Stuhl unter Belastung nach hintenüber. Bemängelt haben unsere Experten außerdem die Lage der Beckenrandabstützung: Aufgrund des Netzcharakters der Rückenlehne finden Nutzer hier keinen optimalen Halt. Rückenlehne und Sitzhöhe können Kinder und Jugendliche justieren, während sie auf dem Stuhl sitzen. Die Sitztiefe muss allerdings mit Werkzeug verstellt werden.
Gesamturteil „befriedigend“

Topstar Ergokid 15 Jet, schwarz/Blumen

Preis: 49,99 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 360 mm (mit langen Oberschenkeln bis neun Jahre)
Geringste Sitztiefe: 330 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab neun Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 410 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab 16 Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 500 mm (mit langen Unterschenkeln bis 17 Jahre)
Breite der Rückenlehne: 405 mm (mit breiten Schultern bis 15 Jahre)

Der zweitgünstigste Stuhl im Test kippte nach hintenüber, weshalb er im Teilbereich Sicherheit mit „mangelhaft“ bewertet wurde. Weil der Stoff bezug die Scheuerprüfung mit 20.000 Touren nicht bestanden hat, kassiert er im Teilbereich Handhabung ebenfalls ein „mangelhaft“. Dass der Stuhl nicht auch insgesamt mit dieser Note abgeschnitten hat, verdankt er dem „befriedigenden“ Teilbereich Ergonomie – trotz eines Hohlraums unter dem Sitzflächenpolster.
Gesamturteil „ausreichend“

Mayer Multifunktionsstuhl 1251, schwarz/rot

Preis: 219,00 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Sitztiefe: 415 mm (für Nutzer mit langen Oberschenkeln bis elf Jahre; mit kurzen Oberschenkeln ab 13 Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 405 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab 16 Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 530 mm (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre und älter)
Breite der Rückenlehne: 445 mm (mit breiten Schultern bis 18 Jahre und älter)

Sitztiefe und Rückenlehne lassen sich nicht verstellen. Außerdem ist die Nutzungsmöglichkeit des oberen Lehnenbereichs aufgrund der Lehnenkonstruktion nicht optimal. Das Labor konnte in den Materialien mit DINP einen Weichmacher nachweisen, der in Spielzeug und Babyartikeln, die in den Mund genommen werden, ab mehr als 0,1 Masseprozent verboten ist. Außerdem vermasselten ein zu hoher Gehalt an phosphororganischen sowie halogenorganischen Verbindungen ein insgesamt besseres Ergebnis.
Gesamturteil „befriedigend

Link’s Drehstuhl Pezzi, grün

Preis: 56,47 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Sitztiefe: 370 mm (mit langen Oberschenkeln bis neun Jahre; mit kurzen Oberschenkeln ab 12 Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 465 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab 18 Jahren und älter)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 580 mm (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre und älter)
Breite der Rückenlehne: 375 mm (mit breiten Schultern bis 13 Jahre)

Der Stuhl scheiterte in zwei von drei für uns relevanten Sicherheitsprüfungen: Während der Mangel im Rollwiderstandtest durch den Einsatz von gebremsten Rollen noch sehr einfach behoben werden kann, wird man für eine verbesserte Kippsicherheit womöglich die gesamte Stuhlkonstruktion überdenken müssen. Das hat der Hersteller in seiner Stellungnahme bereits angedeutet. Inwieweit das überarbeitete Produkt dann auch über eine einstellbare Rückenlehne und Sitztiefe verfügt, bleibt abzuwarten.
Gesamturteil „ungenügend“

Rovo Five, blau

Preis: 179,90 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 400 mm (mit langen Oberschenkeln bis elf Jahre)
Geringste Sitztiefe: 280 mm (mit kurzen Oberschenkeln ab sieben Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 415 (mit kurzen Unterschenkeln ab 17 Jahre)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 550 (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre und älter)
Breite der Rückenlehne: 420 (mit breiten Schultern bis 16 Jahre)

Der Stuhl kippte bei entsprechender Krafteinwirkung nach hintenüber. Außerdem identifizierten die Laborexperten mögliche Verletzungsgefahren für die Finger an der Sitztiefenverstellung. Der Scheuertest mit Touren zeigte deutliche Farbveränderungen. Im Schadstofftest wurden unter anderem der Weichmacher DINP und der Ersatzweichmacher DEHT nachgewiesen. Allein aufgrund der Sicherheitsmängel fiel das Produkt durch unseren Test.
Gesamturteil „ungenügend“

Terena Kinderstuhl 090907, pink

Preis: 26,90 Euro
Nutzergruppe: eingeschränkt
Maximal einstellbare Sitztiefe: 435/440 mm (mit langen Oberschenkeln bis 12 Jahre; mit kurzen Oberschenkeln ab 15 Jahre)
Geringste Sitzhöhe unter Belastung: 445 mm (mit kurzen Unterschenkeln ab 18 Jahre und älter)
Maximale Sitzhöhe unter Belastung: 540 mm (mit langen Unterschenkeln bis 18 Jahre und älter)
Breite der Rückenlehne: 395 mm (mit breiten Schultern bis 14 Jahre)

Der günstigste Stuhl im Test. Von den Schadstoffen her mit „gut“ bewertet, zeigte er im Praxistest erhebliche Mängel. Neben zwei nicht bestandenen Sicherheitstests (Kippen, Rollwiderstand) lässt das Produkt auch im Teilbereich Ergonomie zu wünschen übrig: Die Lage der Beckenrandabstützung ist ebenso wenig optimal wie die Nutzungsmöglichkeit des oberen Lehnenbereichs. Das Polster birgt die Gefahr des vorzeitigen Durchsitzens. Dass sich die Höhe der Rückenlehne und die Sitztiefe nicht einstellen lassen, war für uns ebenfalls Anlass, das Produkt abzuwerten.
Gesamturteil „ungenügend“

ÖKO-TEST rät

•  Die Billigheimer haben in unserem Test schlecht abgeschnitten. Besser investieren Sie gleich in ein teureres Modell und achten darauf, dass der Stuhl „mitwächst“. Dann rechnet sich die Investition auch.

•  Schreibtischstuhle möglichst nicht im Internet, sondern im Fachhandel kaufen. Zumindest sollte das Kind aber im stationären Handel auf den Stühlen Probe sitzen und alle Einstellmöglichkeiten testen.

•  Auch auf dem besten Stuhl wird langes Sitzen irgendwann anstrengend. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind immer mal wieder aufsteht und Pausen macht sowie die Sitzhaltung ändert.

Expertin

Bewegte Hausaufgaben

Frauke Mecher , Physiotherapeutin und Beiratssprecherin im Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK)


Foto: Dr. Stephan Fritz

„Nach einem langen Schultag müssen sich Kinder erst einmal bewegen. Die Hausaufgaben sollten dann auf einem gut angepassten Stuhl und Schreibtisch gemacht werden, wobei zwischendurch mal Lümmeln erlaubt oder Aufstehen und im Zimmer umherlaufen wünschenswert sind. Besonders Vokabeln und Gedichte kann man gut im Gehen lernen. Ein Teil der Hausaufgaben lässt sich ganz leicht auch in verschiedenen Positionen auf dem Fußboden erledigen, zum Beispiel auf dem Bauch liegend oder im Schneidersitz.“

Kompakt

Richtig sitzen heißt auch „dynamisch“ sitzen

Das bewegungslose Sitzen lässt unsere Muskeln schlaff werden, die Bandscheiben werden belastet und die Skelettmuskulatur muss permanent Haltearbeit leisten. Eine rückenschonende Sitzhaltung ist da unumgänglich. Hier ein paar Tipps:
■ Den Oberkörper aufrichten und die Wirbelsäule gestreckt halten.
■ Mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen. Das entlastet den Körper.
■ Die Arme und Beine sollten im rechten Winkel sein. Das erreichen Sie, wenn Sie die Sitzhöhe richtig einstellen.
■ Die gesamte Sitzfläche nutzen. Die Rückenlehne sollte den Rücken im unteren und mittleren Bereich abstützen.
■ Das Becken leicht nach vorne kippen, sodass der Druck auf den Sitz überwiegend von Po und Oberschenkeln ausgeübt wird.
■ Das Gewicht hin und wieder auf eine Seite verlagern, sich mal nach vorne geneigt hinsetzen (Arbeitsposition) oder entspannt nach hinten (Zuhörerposition).
■ Bewegen Sie sich beim Sitzen, rutschen Sie auf dem Stuhl herum oder lümmeln Sie sich entspannt nach hinten.

So haben wir getestet

Vorsichtig Quetschgefahr! Besonders im Bereich der Verstellmechanismen können Kinder sich weh tun.


Foto: Labor

Der Einkauf
Ein Schreibtischstuhl – als Synonym für einen Dreh- oder Multifunktionsstuhl – für Kinder und Jugendliche darf nicht der Gesundheit schaden und muss robust sein. Wir haben die Preisspanne weit gefasst. Von den zehn eingekauften Produkten kostete das billigste 26,90 Euro, das teuerste 464,55 Euro.

Der Praxistest
Ein Schreibtischstuhl muss sich gut auf die individuellen Körpereigenschaften eines Kindes abstimmen lassen können. Außerdem müssen die Stühle sicher sein, das heißt, sie dürfen weder unter dem Gewicht eines Kindes zusammenbrechen, noch beim Versuch sich draufzusetzen nach hinten wegrollen. Nach vorne oder hinten umkippen dürfen sie natürlich auch nicht. Um diese Gefahren für jeden Stuhl auszumachen, haben wir sie im Labor etlichen Prüfungen unterzogen, teilweise sogar strenger, als in der Norm vorgegeben. Außerdem haben unsere Experten das Polster, Quetschstellen für Finger und Füße sowie die verschiedenen Einstellmöglichkeiten der Stühle unter die Lupe genommen. Weil es kein für alle Stühle gleichermaßen geltendes, normiertes Testverfahren gibt, haben wir unsere Prüfung aus diversen Einzelnormen (darunter die DIN EN 1729 für Stühle in Bildungseinrichtungen sowie die DIN EN 1335 für Büro-Arbeitsstühle) zusammengestellt. Da besonders die Prüfverfahren, mit denen sich die Hersteller ein GS- oder TÜV-Siegel bestätigen lassen, möglicherweise nicht bei allen Stühlen gleich sind (Stichwort: variable Größenklassen), haben wir die Sicherheit aller Stühle nach den strengeren Vorgaben der DIN EN 1335 testen lassen.

Die Schadstoff e
Besonders im Sommer brüten Kinder häufig in kurzer Hose und T-Shirt über ihren Hausaufgaben. Weil ihre Haut dabei in Kontakt mit dem Stoff bezug kommen kann, wollten wir wissen, welche problematischen Inhaltsstoffe im Bezug und im Polster stecken. Unsere Erfahrung aus früheren Tests hat gezeigt, dass in den Textilien sensibilisierende Farbstoffe und verbotene Azo-Farbstoffe sowie halogenorganische Verbindungen enthalten sein können, von denen einige Allergien und sogar Krebs auslösen können.

Die Bewertung
Der Schadstoff test und der Praxistest mit Prüfungen zur Ergonomie, Handhabung und Sicherheit der Schreibtischstühle fließen zu je 50 Prozent in das Gesamturteil ein. Fällt ein Stuhl in dem Teilbereich Sicherheit mit „ungenügend“ durch, kann er auch im Gesamturteil nicht besser abschneiden.

Das muss ein Schreibtischstuhl können

Ein ideales Sitzmöbel zum Lernen oder zum Arbeiten am Computer wächst mit dem Kind mit und ermöglicht ein bewegtes und sicheres Sitzen. Sitzfläche, Rückenlehne und Sitztiefe sollten einstellbar sein. Ein Kind muss mit beiden Füßen den Boden komplett berühren können. Die Oberschenkel müssen dabei waagerecht auf der Sitzfläche aufliegen. Zwischen Kniekehlen und Vorderkante der Sitzfläche sollte etwas Abstand sein. Ergonomisch wünschenswerte Schreibtischstühle, die das dynamische Sitzen ermöglichen, lassen drei Sitzpositionen zu: Die mittlere, die eine ideale aufrechte Lesehaltung bietet. Die vordere, als Arbeitshaltung zum Beispiel zum Schreiben sowie, drittens, eine zurückgelehnte Sitzposition als entspannte Haltung beim Zuhören. Optimal wäre außerdem eine frei bewegliche Sitzfläche, die sich der Bewegung des Nutzers anpasst, sozusagen „mit ihm mitgeht“.