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TEST Schwarze Kosmetik: Angeschwärzt


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2016 vom 09.06.2016

Schwarz für Weiß. Porentiefe Reinigung durch Kohle oder Vulkanstein in Zahncremes, Peelings, Masken und Reinigern? Beweisen kann das keiner der Hersteller im Test. Und statt des weißen Wunders haben wir in einigen Produkten sogar PAK gefunden.


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Foto: Subbotina Anna/Shutterstock

Dem Weißen Riesen, Meister Proper und all den anderen Saubermännern aus der Reinigungsmittelindustrie ist es zu verdanken, dass Weiß wie keine andere Farbe für hygienische Sauberkeit steht. Ihr dunkler Gegenspieler, das verruchte Schwarz, fristete bislang sein Dasein auf den Gesichtern malochender Bergarbeiter oder als Dresscode für ...

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... Trauerfeiern. Dass Schwarz einmal synonym für tiefenreine Sauberkeit stehen könnte, hielten vermutlich nur medizinisches Fachpersonal oder Filtertechnikexperten für möglich. In deren Branchen nämlich hat sich die tiefschwarze Aktivkohle zur Adsorption von Schadstoffen etabliert. Sie bindet zuverlässig Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt und wird als Filtermaterial in Belüftungs- oder Wasseraufbereitungsanlagen eingesetzt. Ihre Effektivität in diesen Anwendungsgebieten ist unbestritten.

Das möchte sich auch die Kosmetikindustrie zunutze machen. Schließlich lässt sich mit der bewährten Wirkweise der Aktivkohle hervorragend werben und so wird sie als Inhaltsstoff von Zahncremes, Seifen, Peelings oder Masken für die „porentiefe Reinigung“ angepriesen. Neben Ablagerungen und Talg soll die Wunderzutat auch Gerüche binden. Passenderweise eignen sich diese Produkte auch noch ausgezeichnet dazu, das häufig etwas stiefmütterlich behandelte Segment der Männerkosmetik zu bedienen. Denn: „Im Großstadtdschungel“ verstopfen nicht nur die Hauptverkehrsstraßen zur Rushhour schnell, sondern auch die zarten Poren empfindlicher Männerhaut – zumindest wenn es nach den Werbetextern des L’Oréal-Konzerns geht. Der Zahncreme-Anbieter Curaden richtet indes seine Wirkversprechen gezielt an beide Geschlechter einer ominösen „Hey!-I-make-it-happen-generation“, die weiß, „dass das Leben oft dann am besten ist, wenn die Vernunft im Zaum gehalten wird“ – etwa während des exzessiven Konsums von Kaffee, Tee, Zigarren oder Rotwein, dessen Spuren auf den Zähnen mit der Superkraft der dunklen Paste entfernt werden können.


Bislang wurde Kohle meist als Farbstoff in dekorativer Kosmetik genutzt


In den Inhaltsstoffen der schwarzen Kosmetika finden sich Kohlenstoffverbindungen wie „Charcoal Powder“ sowie „Carbon Black“ und „CI 77266“. Bei den beiden Letzteren handelt es sich um Bezeichnungen für Industrieruß, der gezielt aus natürlichen oder künstlich hergestellten Grundstoffen gefertigt und etwa in Mascara oder Lidschatten als Farbstoff eingesetzt wird. Zwar kann auch dieser durch aufwendige Aktivierungsverfahren theoretisch eine sehr große Oberfläche erlangen. In der europäischen Datenbank für kosmetische Inhaltsstoffe (Cosing) werden ihm allerdings keine der adsorbierenden oder abrasiven Eigenschaften zugeschrieben, für die die Aktivkohle bekannt ist. Viele Lifestyle-Portale haben im Internet bereits über die schwarze Kosmetik berichtet und plappern zum Teil ungeniert die Werbeversprechen der Anbieter nach. Kaum ein Autor hinterfragt, ob an der beschworenen Reinigungskraft wirklich etwas dran ist. Wissenschaftliche Belege für eine Wirkung von Kohle als Inhaltsstoff in Kosmetika sucht man in der Tat vergeblich und auch die meisten Experten aus Chemie, Dermatologie und Zahnheilkunde halten sich mit konkreten Bewertungen lieber zurück. Professorin Dr. Carolina Ganß, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin, geht zwar nicht von einem schädlichen Einfluss der Aktivkohle auf Zahnfleisch und Zähne aus, steht den Wirkversprechen aber prinzipiell eher kritisch gegenüber: „Aktivkohle ist ja relativ reaktiv – ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht mit den vielen Inhaltsstoffen einer Zahncreme reagiert.“ Dass die Kohlenstoffteilchen durch die anderen Zutaten des Produkts also bereits gesättigt sein könnten und somit gar nicht mehr in der Lage wären, Schmutzpartikel von außen zu binden, ist eine naheliegende Annahme. Das gilt übrigens nicht nur für Zahncremes, sondern auch für andere Kosmetikprodukte.


Kohleverbindungen können potenziell krebserregende PAK enthalten


Unbekannt ist das „schwarze Gold“ in der Zahnpflege jedoch nicht: In Afrika und Asien sei es als Zahnputzmittel lange bekannt und werde zum Teil heute noch angewendet, weiß Professorin Ganß. Asche und Kohle werden etwa als Pulver oder gemischt mit Wasser auf die Zähne geschrubbt. Diese Technik sei auch im Zusammenhang mit der Verwendung von Miswak, dem vor allem im arabischen Raum traditionell genutzten Zweig des Zahnbürstenbaums (Salvadora persica) bekannt, so Ganß. Ein reinigender Effekt der Kohle sei aber eher auf eine scheuernde als auf eine adsorbierende Wirkung zurückzuführen. Die Professorin bezweifelt, dass die Kohlezahnpasta fest am Zahn haftende Ablagerungen überhaupt lösen kann. Diese seien eher ein Anzeichen für falsche Putztechniken, die es vorrangig zu beheben gelte. „Auch angesichts des Preises von bis zu 30 Euro pro Tube gibt es sicher sinnvollere Maßnahmen, zum Beispiel eine professionelle Zahnreinigung“, betont sie.

Ist das Kunst oder macht das sauber? Schwarze Kosmetik ist ein neuer Trend, der der Kosmetikindustrie Gewinne einbringen soll.


Foto: Radharani/Shutterstock

Mund auf, Augen zu? Es kostet schon Überwindung, sich mit schwarzer Paste die Zähne zu putzen.


Foto: ÖKO-TEST

Ob nun Zahncreme, Duschgel oder Maske – gemeinsam haben die Produkte vor allem eines: ihre gewöhnungsbedürftige Farbe. Wie ein Mittel zur effektiven Reinigung sieht die grauschwarze Pampe nicht aus; eher wie ein Überbleibsel des letzten Ölwechsels am Auto. Kann so etwas gesund sein? Dass sich bei der Herstellung von „Charcoal Powder“ und „Carbon Black“ polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bilden können, haben das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf Nachfrage von ÖKO-TEST bestätigt. PAK, von denen einige nachweislich krebserregend sind, andere unter dringendem Krebsverdacht stehen, bilden sich bei Verbrennungsprozessen – wie der Gewinnung von Kohle. Bereits in den 1990er-Jahren hatte der Bundesrat „ein Verbot von Steinkohlenteer und Bestandteilen aus Steinkohlenteer in kosmetischen Mitteln“ in die Kosmetikverordnung aufgenommen, da sie problematische PAK enthielten. Steinkohlenteer ist ein Nebenprodukt der Kohlegewinnung und darf seither nur noch über einen begrenzten Zeitraum etwa in medizinischen Shampoos gegen Schuppenflechte (Psoriasis) angewendet werden.

Um zu überprüfen, ob die schwarzen Kosmetikprodukte sauber sind, haben wir 15 von ihnen in den Laboren untersuchen lassen. Um zu erfahren, ob sie sauber machen, forderten wir die Hersteller auf, uns Wirksamkeitsnachweise für ihre Produkte zu schicken.

Das Testergebnis

Ab in den Keller. Kein Produkt im Test kann so richtig überzeugen. Wenn zudem noch problematische Zutaten drinstecken, rauscht das Gesamturteil schnell in den Keller. Ganze sechs Produkte fallen mit „ungenügend“ durch, drei weitere Anzeige kommen mit „mangelhaft“ nicht wesentlich besser weg. Immerhin: Die Inhaltsstoffe der fünf Produkte, die es im Gesamturteil auf „befriedigend“ bringen, sind laut den von uns beauftragten Laboranalysen unbedenklich.

Naphthalin in Lush-Produkten. In mehr als der Hälfte der Produkte hat das Labor tatsächlich PAK nachgewiesen. Diese alarmierende Nachricht können wir etwas entschärfen, denn die meisten enthalten nur Verunreinigungen im niedrigen Mikrogrammbereich. Eigentlich sind PAK wie Naphthalin, Anthracen und Benzo[a]anthracen zwar laut EU-Kosmetikverordnung verboten – allerdings können bei der Herstellung nicht vermeidbare Spuren enthalten sein, wie uns mehrere verantwortliche Behörden auf Nachfrage darlegten. In der Lush Coalface Peelende Gesichtsseife und dem Lush Dark Angels Gesichts- & Körperreiniger allerdings hat das Labor Konzentrationen des als krebsverdächtig eingestuften Naphthalin (auch: Steinkohlenteerkampfer) nachgewiesen, die wir für bedenklich halten und abwerten. Naphthalin verlieh früher übrigens Mottenkugeln als deren Hauptinhaltsstoff ihren charakteristischen Geruch; inzwischen wurde es durch Paradichlorbenzol ersetzt. Wie die Lush-Produkte ohne das eingesetzte Übermaß an Duftstoffen riechen würden, möchte man sich da lieber nicht vorstellen.
Durchgeschleust. PEG/PEG-Derivate können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. In der Mehrzahl der acht Produkte im Test, in denen sie enthalten sind, werden sie schnell abgewaschen und daher weniger streng abgewertet. Stecken sie in Masken, die länger auf der Haut bleiben, oder Zahncremes, die auf die empfi ndliche Mundschleimhaut gelangen, bewerten wir sie kritischer.
Zum Kariesschutz wird in Zahncremes Fluorid eingesetzt. Seine Wirkung ist wissenschaftlich erwiesen – deshalb empfi ehlt auch ÖKO-TEST fluoridhaltige Zahncremes. Wer kein zusätzliches Fluorid zuführt, etwa über Tabletten oder Salz, hat keine Überdosierung zu befürchten. Zahncremes ohne Fluorid bekommen Punktabzug.

Keine Kohle. Das Balea Men Vulkanstein Peeling + Maske ist zwar schwarz, wirbt aber nicht mit der Wirkung von Aktivkohle, sondern von Vulkangestein. Das in der Inhaltsstoffl iste angegebene „Pumice“ ist nichts anderes als Bimsstein, seine schwarze Farbe bekommt es durch den Farbstoff CI 77499 (Eisenoxid), der auch in anderen Produkten im Test zusätzlich zu den kohlehaltigen Inhaltsstoffen eingesetzt wird.
Kein Beweis für große Worte. Keiner der Hersteller hat uns eine Wirksamkeitsstudie geschickt, die die besonderen Wirkversprechen, die in der Produktbeschreibung zu lesen sind, mit konkreten und überzeugenden Messdaten aller Probanden belegt.

So reagierten die Hersteller

HerstellerBeiersdorf bedankte sich, dass wir ihn auf Formaldehyd/-abspalter in seiner Nivea Men Active Clean Pfl egedusche Aktiv-Kohle aufmerksam gemacht haben. Zur Ursachenforschung habe man bereits eigene Analysen angestoßen. Zudem teilte der Konzern mit, dass für beide Nivea Men-Produkte im Test Studien zur Reinigungswirkung der Gesamtformel vorlägen, die jedoch nur Behörden zugänglich gemacht würden. Dies berechtige uns nicht zu der „Behauptung [...], es seien keine Belege vorhanden bzw. die Wirkaussagen seien nicht ausreichend belegt“. Wir wollen aber mit eigenen Augen sehen, ob die Produkte aufgrund der eingesetzten Kohlenstoffverbindungen einen besonderen Reinigungseffekt haben. Auf Werbeslogans verlassen wir uns nicht.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n. u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produktes erübrigt.
Glossar: Erläuterung zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 208.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt.2) Butylphenyl Methylpropional deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.3) Geraniol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.4) Cumarin und Citronellol nicht deklariert, aber im Labor nachgewiesen.5) Das Produkt wird nicht mit den reinigenden Eigenschaften von (Aktiv-)Kohle, sondern von Vulkangestein (INCI: Pumice) beworben. Die schwarze Farbe wird durch den kosmetischen Farbstoff CI 77499 (Eisenoxid) erreicht.6) Parfüm nicht explizit deklariert, aber deklarationspflichtige Duftstoffe enthalten.7) Wirkversprechen gefunden auf www.mannaseife.de. Als weitere Wirkversprechen für medizinische Kohle in Mannaseife sind dort angegeben: „Weil es sich um einen natürlichen Stoff handelt; Weil sie Giftstoffe bindet; Weil sie in Asien schon seit Jahrhunderten als die beste gesichtsreinigende Seife bekannt ist; Weil sie ungepflegt wirkender, öliger Haut ein Ende setzt und Sie stattdessen mit einer reinen und gesunden Haut beschenkt.“8) Besonderes Wirkversprechen ins Deutsche übersetzt, da auf der Verpackung nur auf Englisch vorhanden: „Charcoal powder is an ancient Asian beauty secret proven to draw out impurities from the skin, up to thousands of times its own mass. It has traditionally been used to draw out tensions from the mind too, destressing and calming.“
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter; b) kein Fluorid enthalten (Zahncremes). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate in Produkten, die mit der Mundschleimhaut in Kontakt kommen und/oder längere Zeit auf der Haut verbleiben; b) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorphenesin und Methylchloroisothiazolinon); c) mehr als 100 μg/kg einer PAK-Einzelverbindung (hier: Naphthalin); d) Butylphenyl Methylpropional (in der Tabelle: Lilial). Zur Abwertung um eine Note führt: PEG/ PEG-Derivate in Produkten, die unmittelbar nach der Anwendung von der Haut abgespült werden. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Keine vollständige produktbezogene Studie als Nachweis der besonderen Wirkversprechen vorgelegt. Von einer vollständigen Studie erwarten wir unter anderem eine bestimmte Anzahl von Probanden über einen bestimmten Zeitraum, die das beworbene Produkt unter den gleichen Bedingungen angewendet haben. Die im Labor anhand einheitlicher Verfahren gemessenen Werte dieser Probanden müssen den Werten einer Kontrollgruppe oder eines Halbseitenvergleichs, zum Beispiel mit der anderen Gesichtshälfte, gegenübergestellt werden, um einen Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Produkt bzw. im gleichen Zeitraum unbehandelter Haut zu belegen. Zur Abwertung um eine Note führt: Umkarton, der kein Glas schützt und nicht mehrere Produkte/Teile beinhaltet. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder schlechter ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen → „N1606“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 01/2016. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Wenn Sie die schwarzen Kosmetika dennoch ausprobieren möchten, dann versuchen Sie es mit den Produkten, die im Testergebnis Inhaltsstoffe „sehr gut“ sind.
■ Wunder kann man von den Kohleprodukten nicht erwarten – es besteht also kein Grund, utopische Preise wie knapp 24 Euro für eine Tube Zahncreme oder bis zu 30 Euro für eine Gesichtsmaske zu bezahlen.
■ Wenn Sie die abrasiven Eigenschaften der Aktivkohle zur Zahnreinigung testen wollen, können Sie medizinische Aktivkohletabletten aus der Apotheke zu Pulver zerstoßen, damit Ihre Zähne schrubben und das Ganze anschließend gut mit Wasser abspülen. Diese Methode ist allerdings nichts für die tägliche Anwendung und ersetzt auf keinen Fall die normale Mundhygiene mit einer fluoridhaltigen Zahncreme.

Kompakt

Woraus besteht Aktivkohle? Aktivkohle ist eine durch Erhitzen von Holz, tierischen Stoffen, Zuckermelasse oder anderen organischen Substanzen unter Luftabschluss gewonnene Form von Kohle. Sie wird durch die Reaktion mit Chemikalien oder Gasen aktiviert und weist eine äußerst poröse Struktur auf – hochwertige Aktivkohle kann eine Oberfläche von bis zu 1.500 m²/g erreichen.
Wie funktioniert Aktivkohle? Sie zeichnet sich durch ihr großes Adsorptionsvermögen aus. Das heißt, sie kann durch ihre Beschaffenheit Stoffe an sich binden. Bevorzugt adsorbiert sie unpolare Moleküle wie Fette und Öle.

Erinnert an Teer und ist mit Naphthalin belastet: das Lush-Produkt im Test.


Foto: Ullrich Böhnke/ÖKO-TEST

Wozu wird Aktivkohle genutzt? Trockene Aktivkohle wird als Pulver, Pellets oder im Block genutzt, um beispielsweise Farbstoffe oder Verunreinigungen aus Flüssigkeiten oder der Luft zu filtern. In der Medizin wird sie als Tablette angewendet, um Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt zu binden. In Pulverform ist eine adsorbierende und abrasive Wirkung auch auf der Haut oder den Zähnen denkbar.
Kann Aktivkohle auch in Kosmetikprodukten wirken? Die Beladbarkeit der Aktivkohle ist begrenzt – ist sie gesättigt, kann sie keine weiteren Moleküle aufnehmen und muss unter hoher Hitzeeinwirkung gereinigt und reaktiviert werden. Daher ist es mehr als fraglich, ob in Kosmetika eingesetzte Aktivkohle überhaupt noch freie Kapazitäten für die Aufnahme weiterer Partikel haben kann. Denn auch andere Inhaltsstoffe, wie etwa Duftstoffe, können sich an den Kohlenstoffteilchen anlagern und dazu führen, dass sie beladen sind, bevor sie überhaupt Haut oder Zähne berühren. Unsere Recherchen ergaben, dass noch keine wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema angestellt wurden.