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TEST Seifenfreie Waschlotionen: Haut im Gleichgewicht


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 25.03.2021

„Säureschutzmantel“, „pH-hautneutral“: Werbeaussagen von gestern? Nicht unbedingt. Manche Menschen wollen oder müssen auf starke Seife verzichten. Mehr als drei Viertel der seifenfreien Syndets im Test können wir empfehlen.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2021

5,5 – eine Zahl wie eine Zauberformel. Oder ein Versprechen. Groß und in roter Schrift vorne auf die Verpackung von seifenfreien Waschlotionen, auch Syndets genannt, aufgedruckt.

Gemeint ist der pH-Wert, der eine – je nach Auslobung – „milde Reinigung“, „hohe Hautverträglichkeit“ verspricht oder „den natürlichen Säureschutzmantel der Haut“ bewahren soll. Für Menschen mit empfindlicher ...

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... Haut oder bestimmten Hauterkrankungen, etwa Neurodermitis, kann ein Verzicht auf Seife und der Griff zu einem pH-hautneutralen Syndet durchaus sinnvoll sein. Auch für Menschen, die sich berufsbedingt häufig die Hände waschen müssen.

Wir haben 20 seifenfreie Waschlotionen eingekauft und in die Labore geschickt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 17 Produkte können wir empfehlen, drei mit „sehr gut“, 14 mit „gut“. Zwei sind „befriedigend“, eines ist „ausreichend“.

Im grünen Bereich

Fast alle Lotionen im Test erfüllen ihr „pH-hautneutral“-Werbeversprechen. Wir haben die pH-Werte im Labor messen lassen. Bei 18 Produkten liegen sie zwischen 4,5 und 5,6 und damit im „leicht sauren“ Bereich, den die Haut von Natur aus aufweist. Bei denjenigen Produkten, die eine konkrete Zahl angeben – zehnmal 5,5 –, gibt es nur geringe Abweichungen in den Stellen nach dem Komma.

Ein Syndet bewegt sich allerdings deutlich außerhalb der an die Kosmetikindustrie gerichteten Empfehlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für pH-hautneutrale Produkte. Diese fordert einen pH-Wert zwischen 4,1 von 5,8. Die Empfehlung basiert auf einer 2007 veröffentlichten Studie mit Messungen des natürlichen pH-Werts auf der Hautoberfläche. Die Cetaphil Reinigungslotion Hohe Hautverträglichkeit liegt mit pH 6,5 über der Branchenempfehlung. Dafür ziehen wir eine Note unter dem Testergebnis Weitere Mängel ab. Der Wert liegt immer noch deutlich unter dem von Seife, die pH 8 und höher aufweist.

RATGEBER

1 Sie haben die große Auswahl: 17 seifenfreie Waschlotionen können wir Ihnen empfehlen, drei davon mit „sehr gut“.

2 Wie Seife sind auch Syndets in der Lage, mit ihren waschaktiven Substanzen die Lipidschicht des Coronavirus zu zerstören. Der pH-Wert spielt hierfür keine Rolle.

3 Verschluss und Flasche getrennt in die Gelbe Tonne geben. Viele regionale Abfallbetriebe sortieren sie sonst aus, da sie meist aus unterschiedlichen Kunststoffen bestehen.

Wenig hautfreundlich

In mehr als drei Viertel der Produkte finden sich PEG/PEG-Derivate, meist Sodium Laureth Sulfate. Sie dienen als Tenside, also reinigende Stoffe. Allerdings können Polyethylenglykole (PEG) und ihre Abkömmlinge die Haut durchlässiger machen für Fremdstoffe. In Produkten, die als hautfreundlich ausgelobt sind, haben sie nach Ansicht von ÖKO-TEST nichts zu suchen. Dass es auch ohne sie geht, zeigen die drei im Gesamturteil mit „sehr gut“ bewerteten Waschlotionen: die beiden als Naturkosmetik zertifizierten Syndets Bioturm Waschlotion empfindliche Haut pH-Wert 5,5 und Luvos Heilerde Med Waschlotion sowie das Salthouse Totes Meer Therapie Seifenfreies Waschgel. In ihnen sind unter anderem natürliche und mildere Zuckertenside eingesetzt, etwa auf Kokosbasis (Coco-Glucoside).

Gar nicht dufte

In der Bepanthol Wasch- und Duschlotion wies das Labor den nach Maiglöckchen riechenden, aber synthetischen Duftstoff Lilial (Butylphenyl Methylpropional) nach. Die Substanz hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend gezeigt. In der Cetaphil Reinigungslotion analysierten Laborchemiker die problematischen Konservierungsstoffe Propyl- und Butylparaben. Sie stehen in Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Sie haben sich, ebenfalls in Tierversuchen, als fortpflanzungsschädigend erwiesen.


„Gerade bei häufigem Händewaschen, etwa in der Corona-Zeit, ist es ratsam, auf einen milden pH-Wert zu achten.“


Frank Schuster, ÖKO-TEST-Redakteur

Verpackungsmüll

Wir haben die Anbieter gefragt, ob die Plastikflaschen der Lotionen Anteile von recycelten Kunststoffen enthalten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Lediglich der Drogeriemarkt Dm legte uns ein Dokument des Packungsherstellers vor, aus dem hervorgeht, dass die Flasche der Balea Med pH 5,5 Hautneutral Seifenfreie Waschlotion zu 66 Prozent aus recyceltem PET-Kunststoff besteht. Von den anderen kam entweder die Angabe „nein“ oder keine Antwort.

Doch die Anbieter scheinen sich zunehmend ihrer Verantwortung für nachhaltigere Verpackungen bewusst zu werden: Der Murnauer Markenvertrieb kündigte an, dass das von ihm angebotene Salthouse-Waschgel ab Herbst 2021 in einer Verpackung aus PCR (Post-Consumer-Rezyklat) in den Handel komme. Die Firma Beiersdorf, Anbieter der Eucerin pH 5 Waschlotion, teilte mit, in allen Kunststoffverpackungen bis 2025 einen Anteil von 30 Prozent recycelten Materials erreichen und den Einsatz von neuem, erdölbasiertem Plastik um 50 Prozent reduzieren zu wollen.

Eine weitere Umweltsünde: Mit der Eucerin pH 5 Waschlotion und der Budnicare Med Waschlotion pH-hautneutral 5,5 enthalten zwei Produkte synthetische Polymere (Polyquaternium-10 bzw. -39). Derartige Verbindungen sind zwar kein festes Mikroplastik. Viele dieser flüssigen Kunststoffe bauen sich jedoch in der Umwelt ebenfalls nur schwer ab. Sie dienen unter anderem als Trübungsmittel und Filmbildner. Dass ihr Einsatz verzichtbar ist, zeigen die 18 anderen Produkte im Test.

So haben wir getestet

Wir haben 20 seifenfreie Waschlotionen in Supermärkten, Drogerien und Apotheken eingekauft, darunter zweimal zertifizierte Naturkosmetik. Die Preise klaffen weit auseinander: für 500 Milliliter zahlten wir zwischen rund 90 Cent und 25 Euro. Die Seifen-Alternativen für die Gesichts-, Handwäsche oder zum Duschen loben einen „milden“ pH-Wert aus, der den natürlichen Säureschutzmantel der Haut erhalten soll.

Um zu überprüfen, ob die Angaben korrekt sind, hat ein Labor die pH-Werte für uns bestimmt. Prüfinstitute analysierten die Syndets zudem auf bedenkliche Formaldehyd/-abspalter, problematische Duft- und Konservierungsstoffe sowie halogenorganische Verbindungen. Die Liste der Inhaltsstoffe klopften wir auf umstrittene PEG/PEG-Derivate und synthetische Polymere ab. Die Verpackungen ließen wir nicht nur auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen untersuchen. Wir forderten von den Herstellern zudem Nachweise über den Rezyklatanteil in den Plastikflaschen.

Eine empfehlenswerte seifenfreie Waschlotion zeichnet sich durch möglichst wenige Problemstoffe und einen milden pH-Wert aus. Summieren sich allerdings die umweltrelevanten Weiteren Mängel eines Produkts, verschlechtern diese das Gesamturteil.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Auslobung eines milden pH-Werts, obgleich der gemessene pH-Wert deutlich außerhalb des hauttypischen pH-Bereichs von 4,1 bis 5,8 liegt. 2) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 3) Weiterer Mangel: synthetische Polymere (hier: Polyquaternium-10, Polyquaternium-39). 4) Laut Anbieter ist das Produkt inzwischen in einer Flasche mit einem transparenten Pumpkopf und dem Aufdruck „ohne Mikroplastik und wasserlösliche rein synthetische Polymere“ im Handel. Die Rezeptur sei unverändert. Die neue GTI-Nummer laute: 4058172509780. 5) Laut Anbieter ist das Waschgel seit Februar 2021 mit einem neuen Etiketten-Layout im Handel. Die Rezeptur sei unverändert. Ab dem dritten Quartal 2021 komme das Produkt mit einer zu 100 Prozent aus Rezyklat hergestellten Flasche in den Verkauf, zu einem späteren Zeitpunkt folgten noch der Klappverschluss und das Etikett. Die Rezeptur bleibe unverändert.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Lilial (Butylphenyl Methylpropional). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) Propyl-/Butyl- paraben.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere (hier: Polyquaternium-10, Polyquaternium-39). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) Auslobung eines milden pH-Werts, obgleich der gemessene pH-Wert deutlich außerhalb des hauttypischen pH-Bereichs von 4,1 bis 5,8 liegt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2104.
Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020.

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WISSEN

Hautschutzmantel

Was bedeutet pH-hautneutral?
Der natürliche pH-Wert der menschlichen Haut ist „leicht sauer“. Er liegt bei 5,0 bis 5,5. Etwas höher ist er an Stellen, an denen der Mensch mehr schwitzt: Achseln (7,1), Fußsohlen (7,0) und im Intimbereich (6,5). Bei als seifenfrei oder pH-hautneutral beworbenen Waschlotionen, die für den ganzen Körper bestimmt sind, sollte der pH-Wert zwischen 4,1 und 5,8 liegen. Das empfiehlt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) – Arbeitsgruppe Kosmetische Mittel den Herstellern. Die Empfehlung ist zwar rechtlich nicht bindend, die deutsche Industrie richtet sich aber in der Regel danach.

„Bewahrt den natürlichen Säureschutzmantel der Haut.“ Dieser Satz steht seit Jahrzehnten auf den Packungen von seifenfreien Syndets. Feste Seifen haben basische pH-Werte von 8 bis 11, Flüssigseifen liegen meist darunter. Beim Waschen damit verschiebt sich kurzfristig der pH-Wert der Haut, was deren Säureschutzmantel beeinflusst. Er ist für die Barrierefunktion der Haut verantwortlich und abhängig von deren natürlichen, feuchtigkeitsgebenden Faktoren wie Schweiß, Talg und Wasser. Neuere Studien relativieren: Eine länger anhaltende Beeinflussung der Hautoberfläche lässt sich nach Gebrauch von Seife nicht beobachten, da sich die pH-Verschiebung bei gesunder Haut innerhalb einer Stunde zurückbildet.


Foto: kieferpix/getty images

Foto: Anja Wägele Illustration: noun project