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TEST Shampoos für coloriertes Haar: Sie treiben es zu bunt


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2021 vom 24.06.2021

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RATGEBER

1 Die drei Naturkosmetikshampoos glänzen als einzige mit „sehr gut“: Sie enthalten weder Silikone noch sonstige Problemstoffe.

2 Wichtig für coloriertes Haar: Nicht zu häufig und nicht zu heiß waschen. Statt eines Colorschutzprodukts eignet sich auch ein mildes Babyshampoo mit einem Conditioner im Anschluss. Mehr Pflegetipps ab Seite 84

3 UV-Licht und Hitze bleichen die Haare aus. Dagegen hilft ein Sonnenhut, er schützt die Gesichtshaut gleich mit.

Es stimmt: Manche Farbtöne bluten schneller aus als andere. Vor allem bei den synthetischen Permanentfarbstoffen, die den größten Marktanteil einnehmen. Mahagoni oder Kupfer etwa sind im Nachteil. Denn rote Pigmente werden im Haarinneren loser gebunden als andere – und je mehr Rotanteile eine Färbung enthält, desto schneller verblasst sie.

Spezielle Shampoos für coloriertes Haar sollen diesen Farbschwund hinauszögern und ganz nebenbei noch die ...

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... durchs Färben entstandenen Schäden reparieren. 20 dieser Spezialisten haben wir geprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd: Mit„sehr gut“ schneiden nur die drei Naturkosmetikshampoos ab. Unter den konventionellen Produkten finden sich zwar fünf „gute“ noch im grünen Bereich, doch ebenso viele fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch.

Die Kritik? Beginnen wir mit den Tensiden, die für die Reinigungswirkung eines Shampoos sorgen. Je milder sie sind, desto angenehmer für die Kopfhaut und desto weniger wäscht sich eine Farbe aus. Bei allen konventionellen Shampoos außer einem ist das anionische Tensid Sodium Laureth Sulfate (SLES) die wichtigste Zutat gleich nach Wasser. SLES gehört zu den PEG/PEG-Derivaten, die wir bemängeln, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. In diesem Fall kommt hinzu: Es gibt sehr viel mildere Tenside als SLES, die sanfter zur Farbe wären. Beispielsweise das Zuckertensid Coco-Glucoside, das beim Shampoo von Ahuhu ganz oben auf der Zutatenliste steht.

Schädliche Duftstoffe 

Ziemlich ärgerlich finden wir die Beduftung einiger Produkte: Allen voran die künstlichen Moschusdüfte, die drei namhafte Hersteller einsetzen. Diese synthetischen Duftstoffe verbreiten sich überall in der Umwelt, reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und sind sogar in der Muttermilch zu finden. Im Guhl Color Schutz & Pflege Shampoo steckt zudem der möglicherweise fortpflanzungsschädigende Stoff Lilial. Der Hersteller nennt es ein „sinnliches Dufterlebnis“, wir nennen das „überflüssiges Risiko“.

Silikone umhüllen das Haar mit einem dünnen Film und machen es geschmeidiger. Mehr als die Hälfte der Shampoos im Test nutzen diesen Effekt. Aber: Auf Dauer können Silikone das Haar sogar stumpfer wirken lassen. Wie auch andere synthetische Polymere können sie über das Abwasser via Klärschlamm in die Umwelt gelangen. Dort bauen sie sich teilweise nur schwer wieder ab. 

„Von ihren Inhaltsstoffen her unterscheiden sich Colorschutzshampoos kaum von herkömmlichen Shampoos. Mir kommen sie vor wie eine Erfindung der Marketingabteilungen.“

Jürgen Steinert

stellvertretender Chefredakteur

WISSEN

Färben, Schädigung, Ausbleichen

Färben mit synthetischen Permanentfarben ist für das Haar Stress pur. Der chemische Färbeprozess öffnet die äußere Schuppenschicht des Haares (Cuticula) durch ein alkalisches Mittel, zerstört die natürlichen Haarpigmente teilweise oder komplett mit Wasserstoffperoxid und schleust die synthetischen Pigmente ein. Je höher der Anteil an Wasserstoffperoxid und je häufiger nachgefärbt wird, desto mehr strapaziert das die Keratinstränge im Haarinneren und die äußere Schuppenschicht, die für den Glanz sorgt. Ein Teufelskreis: Denn je kaputter die schützende Cuticula wiederum ist, desto stärker dringen Wasser und Tenside bei jeder Haarwäsche ein und spülen Pigmente weg. Frank Sonntag, der als Dozent an der Fachlehranstalt Oldenburg Friseure ausbildet, sagt deshalb zu Colorschutzversprechen von zwölf Wochen und mehr: „Das halte ich für schwer realisierbar, vor allem bei rot gefärbtem Haar. Bei Brauntönen und geringer Haarschädigung ist es eher denkbar.“ Pflanzenfärbungen strapazieren das Haar übrigens weniger – bei ihnen ist Rot das Pigment, das am längsten hält.

Viel Werbung, wenig Wirkung Sonne bleicht die Haarfarbe aus. Aber hilft UV-Schutz im Shampoo? Allzu viel davon dürfte nach dem Ausspülen nicht in den Haaren zurückbleiben. Kritisch finden wir, dass Anbieter Guhl für sein Produkt einen bedenklichen UV-Filter wählt: Ethylhexylmethoxycinnamat kann möglicherweise das Hormonsystem beeinflussen, wie Tierversuche nahelegen.

Was die Wirkung betrifft, nehmen manche Hersteller den Mund ziemlich voll: „Bis zu zwölf Wochen Farbschutz“ verspricht etwa das Gliss Kur Hair Repair Color- Schutz & Glanz Shampoo – das Guhl-Produkt will für „14 Wochen gesunde Farbbrillanz“ sorgen. Wir haben von allen Herstellern für ihre Auslobungen Belege in Form unabhängiger Studien angefordert. Es kam nur eine – und die bezog sich auf die Anwendung von Shampoo plus Kur.

Im Test: 20 Shampoos für coloriertes Haar, darunter drei mit Naturkosmetikzertifikat. Sie eignen sich für alle Farbnuancen und kosten, bezogen auf 250 Milliliter, zwischen einem und fast 16 Euro.

Alle Shampoos ließen wir auf bedenkliche Formaldehyd/-abspalter, umstrittene halogenorganische Verbindungen, Diethylphthalat sowie problematische Duftstoffe analysieren. Per Deklaration erfassten wir PEG/PEG-Derivate, Antioxidantien, UV-Filter, Silikone und andere synthetische Polymere. Schließlich schauten wir uns die Verpackungen an: Wurden sie aus oder mit Rezyklat hergestellt? Enthalten sie chlorierte Verbindungen wie PVC?

Das Gesamturteil basiert auf der Bewertung der Inhaltsstoffe. Notenabzüge unter den Weiteren Mängeln können es verschlechtern. Die vollmundigen Auslobungen haben wir nicht bewertet. Denn der Farberhalt hängt unter anderem auch von der verwendeten Haarfarbe, von der Häufigkeit und Intensität des Haarewaschens sowie vom Haarzustand ab.

Fett gedruckt sind Mängel. 

Abkürzungen: BHT = Butylhydroxytoluol; CIT = Chlormethylisothiazolinon. 

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126. 

Anmerkungen: 

1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 

2) Dem Produkt liegt ein Balsam bei. In diesem ist Hydroxycitronellal deklariert, das aber im Labor nicht nachgewiesen wurde. 

3) Laut Anbieter wird man Anfang nächsten Jahres mit einer neuen Formel ohne die jetzt noch enthaltenen PEG/PEG-Derivate, Silikone, Siloxane und Polyquaternium-10 auf den Markt gehen. 

4) Laut Anbieter werden die Shampooflaschen im zweiten Halbjahr 2021 schrittweise und rollierend auf 100 Prozent rezykliertes PET umgestellt. 

5) Laut Anbieter wurde das Produkt zum Januar 2021 überarbeitet. Die neue Variante enthalte keinen UV-Filter, und die Flasche habe ein neues Design erhalten.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. 

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: 

a) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB, Tonalid/AHTN und/oder Cashmeran); 

b) Ethylhexylmethoxycinnamat (bedenklicher UV-Filter); 

c) CIT (halogenorganische Verbindung); 

d) Butylphenyl Methylpropional (Lilial). 

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: 

a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); 

b) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat; 

c) PEG/PEG-Derivate; 

d) BHT.Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone und/oder weitere synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Acrylat-Co-und Crosspolymere, Carbomer, Polyquaternium-Verbindungen). 

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: 

a) Umkarton, der kein Glas schützt; 

b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu. In der Tabelle ist der Rezyklatanteil im Flaschenmaterial laut Anbieter angegeben.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ oder „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2107 

Einkauf der Testprodukte: Februar und März 2021.

Dieser Test löst den Test Farbglanzshampoos aus dem ÖKO-TEST Magazin 6/2008 und dessen Wiederveröffentlichung im Jahrbuch für 2009 sowie den Test Shampoos für coloriertes und strapaziertes Haar aus dem ÖKO-TEST Magazin 6 und 8/2004 und dessen Wiederveröffentlichungen im Jahrbuch Kosmetik für 2005 und im Kompakt Haare 2005 ab.

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