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TEST SHAMPOOS OHNE SILIKONE: MEHR ALS NUR SCHÖNER SCHEIN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 25.04.2019

Gut zu Haar und Umwelt. Das ist die Hoffnung, die Kunden in ein Shampoo ohne Silikone setzen. Warum ist der flüssige Kunststoff überhaupt in die Kritik geraten – und heißt „ohne Silikone“ auch frei von Schadstoffen?


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 5/2019

Garantiert glänzendes Haar. Jahrelang war Silikon die Antwort Nummer 1 der Schönheitsindustrie auf sprödes Haar, es wirkt dadurch glatter und geschmeidiger. Weiteres Plus: kein Ziepen beim Kämen.

Also alles gut? Nein, sagen die Kritiker. Und ihre Zahl wächst. Inzwischen gibt es neben den Naturkosmetik-Shampoos ohne Silikone auch viele konventionelle „Ohne“-Varianten zu kaufen. Denn: Auch wenn ...

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... das Haar gesund aussieht, heißt es nicht, dass es das auch ist.

Silikone legen sich um die Haare, lagern sich ab und versiegeln sie. Pflanzenfarben haften deshalb nicht mehr. Wenn man zudem auf Dauer silikonhaltige Shampoos nimmt, kann es sein, dass die Haare mit der Zeit lasch wirken, berichtet etwa Naturfriseurin Gabi Hölzle. „Zu uns kamen schon Kunden und sagten: ‚Ich bekommen keine Frisur mehr hin.‘“

Hölzle und ihre Tochter Deborah Winter setzen privat schon seit Jahren auf Naturkosmetik. Nicht nur wegen der Silikone, auch wegen anderer Inhaltsstoffe in konventionellen Produkten. 2018 haben sie dann den Schritt gewagt und einen Naturfriseursalon in einem kleinen Ort im Nordschwarzwald eröffnet. Die Nachfrage ist da.

Unwillkommen in der Umwelt! Für viele Kunden, die auf Naturkosmetik beziehungsweise silikonfreie Shampoos setzen, ist der Umweltschutz auch ein Thema. Das Shampoo fließt ins Abwasser. Was die Kläranlagen an Silikonen packen, findet sich im Klärschlamm und der gelangt dann teilweise in den Boden. Was die Kläranlagen nicht schaffen, landet möglicherweise in unseren Gewässern.


Silikone legen sich ums Haar, Pflanzenfarben haften nicht mehr


Manche Silikone gelten als besonders kritisch, da sie sehr langlebig sind und sich somit in der Umwelt anreichern. Dazu zählen die Siloxane D4 und D5, die deshalb in der EU ab 2020 in Shampoos und Co. beschränkt sind.

Auch wenn die Anbieter die bekannten bösen Buben dann nur noch in gewissen Mengen in abwaschbaren Kosmetika verwenden dürfen, können wir für die anderen Silikone keine Entwarnung aussprechen. Wie zum Beispiel für Dimethicon. Es ist einer der häufig eingesetzten Glanzgeber.

Grundsätzlich gehören Silikone und Silikonöle wie Dimethicon zu den biologisch schwer abbaubaren Verbindungen, das bestätigt uns das Umweltbundesamt. Und: Diese sollten möglichst nicht in Wasch- und Reinigungsmitteln und abwaschbarer Kosmetika eingesetzt werden.

Die Shampoos im Test sind silikonfrei. Heißt das auch, dass sie immer ohne Kunststoffverbindungen auskommen? Nein, weit gefehlt. Es gibt noch andere synthetische Polymere, die wir abwerten. Diese setzen die Anbieter teilweise als Ersatz für Silikone ein, um den Schopf zum Glänzen zu bringen und um das Kämmen zu erleichtern. Der Umwelt zuliebe ist es besser, auf alle Vertreter dieser Gruppe zu verzichten.

Im Test werten wir insgesamt zwölf Produkte wegen Kunststoffverbindungen ab. Dabei handelt es sich um Carbomer- und Polyquaterniumverbindungen. Shampoos gehören für die meisten zur täglichen Duschroutine und so kommt auf die Dauer eine Menge zusammen.

ÖKO-TEST RÄT

► Viele Anbieter werben damit, dass ihr Shampoo silikonfrei ist. Wenn es nicht groß auf der Verpackung steht, erkennen Sie typische Silikone an den Bezeichnungen „Dimethicone“ und „Dimethiconol“.

► Wenn man die Haarpflege auf silikonfrei umstellt, sehen die Haare oft vorübergehend etwas angegriffen aus. Verzagen Sie nicht gleich nach wenigen Haarwäschen.

ÖKO TEST

„Nicht nur die Auswahl an silikonfreien Shampoos ist erfreulicherweise groß. Auch die Zahl der überzeugenden Shampoos lässt sich sehen. Weiter so.“

Svenja Markert , ÖKO-TEST-Redakteurin, Kosmetik und Mode


Dass das Repertoire an Kosmetikinhaltsstoffen Alternativen bietet, zeigen sowohl konventionelle Shampoos als auch die Naturkosmetikvarianten. Für Kunden vielleicht am auffälligsten: Bier. Beliebt hierzulande als Getränk, ist es schon lange als Hausmittel für Haare bekannt — und das garantiert ohne Kater danach. Ansonsten verwenden die Naturkosmetikanbieter zum Glätten auch Weizenproteine oder Inulin aus der Chicoréewurzel.

„Ohne Silikone“ heißt nicht „ohne bedenkliche Stoffe“. An fünf „ungenügenden“ Schaumschlägern haben wir besonders viel zu kritisieren. Vier davon enthalten problematische Konservierer. Das ist zum einem das starke Allergen Methylchloroisothiazolinon, abgekürzt CIT. Im Falle von Aussie Shampoo Aussome Volume sind zusätzlich noch Parabene deklariert, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken.
Die mögliche hormonelle Wirkung ist auch unser Kritikpunkt am UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat. Der Anbieter des Guhl Intensiv Kräftigung Shampoo Bier setzt ihn nicht als UV-Filter für Kopf und Haut ein, sondern zum Schutz des Produkts.

Die Industrie verwendet die chemischen Filter auch, um zu verhindern, dass Sonnenstrahlen etwa den Duft oder die Farbe ihrer Kosmetik verändern. Das ist unnötig, viele andere Anbieter lösen es einfach über die Art der Verpackung. Im Falle des Guhl-Shampoos führt es vor allem dazu, dass mit jeder Haarwäsche ein bedenklicher Inhaltsstoff auf dem Kopf landet.

Nicht dufte! An allen fünf „ungenügenden“ Shampoos stört uns zudem die Beduftung. Einer der bemängelten Duftstoffe ist Lilial. Dieser war im Tierversuch fortpflanzungsschädigend.
Groß im Einsatz sind PEG/PEG-Derivate. Damit stehen die Schlusslichter wahrlich nicht allein da. Dafür gibt es für 23 Shampoos Punktabzug. PEG und PEG-Derivate können die Haut durchlässiger machen für körperfremde Stoffe.
Sauberes Ergebnis: Wirklich glänzend schneiden die 17 „sehr guten“ Shampoos ab. Dabei sind alle, deren Verpackung ein Naturkosmetiksiegel schmückt. Hier haben wir nichts zu bemängeln. Wenn eines davon noch Ihren persönlichen Geschmack trifft, passt es perfekt in Ihr Badezimmer!

SALICYLSÄURE IM SHAMPOO

Eine Säure, viele Funktionen: Salicylsäure dient als Wirkstoff in Anti-Schuppen-Shampoos und steckt in Peelings sowie Mitteln gegen Hornhaut.


In vier Shampoos steckt Salicylsäure. Sie dient in Kosmetik unter anderem als Konservierer. In höheren Konzentrationen, zum Beispiel in Hornhautmitteln, weicht die Säure die Haut auf. In Haarprodukten bewertete es das wissenschaftliche Kosmetik-Gremium der EU, SCCS, Ende 2018 als sicher. Unter der Voraussetzung, dass die Anbieter es nur in gewissen Mengen einsetzen. Die Experten weisen jedoch daraufhin, dass die weiteren wissenschaftlichen Erkenntnisse zu beobachten sind. Eine neuere dänische Arbeit gibt Hinweise, dass Salicylsäure ein Umwelthormon ist. Dafür haben die Forscher verschiedene Studien ausgewertet. Diese drehen sich jedoch meist nicht um die Säure selbst, sondern um ihre Abkömmlinge. ÖKO-TEST behält Salicylsäure auf jeden Fall im Blick.

SO TESTET ÖKO-TEST

Wir haben41 Shampoos eingekauft. Gemeinsam haben sie alle: Hier stecktkein Silikon drin. Das steht teilweise mit dicken fetten Buchstaben auf der Verpackung, manchmal verrät es nur die Lektüre der kleingedruckten Inhaltsstofflisten. 250 Milliliter kosten zwischen ein paar Cent und mehr als zehn Euro. 14 der Saubermacher schmückt ein Label, das ÖKO-TEST als Garant für echte Naturkosmetik akzeptiert.
Im Labor ließen wir überprüfen, ob die Anbieterkritische Duftstoffe für ihren typischen Produktgeruch einsetzen. Außerdem haben die Labore die Shampoos auf bedenkliche Konservierungsmittel getestet. Manche Anbieter verzichten zwar auf Silikone, verwenden dafür aber andere synthetische Polymere, die möglicherweise auch die Umwelt belasten. Dafür gibt es Punkabzug unter den weiteren Mängeln.
Bei manchen Kandidaten kommt so viel zusammen, dass siedie schlechteste Note kassieren. Immerhin bemängeln wir keine ganz besonders problematischen Inhaltsstoffe, wie etwa krebsverdächtige oder verbotene Konservierer.

Gabi Hölzle (rechts) führt zusammen mit ihrer Tochter Deborah Winter einen Naturfriseursalon.


„Während der Umstellung auf silikonfreie Shampoos, wenn die Haare zunächst etwas struppiger aussehen, kann man in die Spitzen gute Bio-Öle, wie Kokos- oder Mandelöl, einmassieren. Da die Haare danach fettiger aussehen, am besten ein paar Stunden vor dem Waschen. Möglich ist auch, die Haare mit einer verdünnten Essigspülung zu behandeln. Das schließt die Schuppenschicht wieder. Dafür nimmt man etwa zwei Esslöffel auf einen Liter Wasser und spült mit klarem Wasser nach.“


Foto: Mihailo_Milovanovic/getty images

Foto: Anja Wägele

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Foto: privat