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TEST Silikonbackformen Gib Gummi


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2013 vom 29.11.2013

Silikonbackformen sind furchtbar praktisch. Dennoch ist vielen das Backen in der Kunststoffhülle nicht ganz geheuer. Unser Test zeigt aber: Die meisten Backformen sind sauber. Nur bei einigen lösen sich flüchtige Verbindungen, wenn es heiß wird. Wer sichergehen will, lässt sie vorm ersten Mal ausgasen.


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Foto: imago/Ralph Peters

Eine Backform, in der garantiert nichts kleben bleibt – ohne Einfetten. Die auch als Eisform dient. Und die sich zur Not in die letzte Ecke des Küchenschranks quetschen lässt, ohne aus der Form zu geraten. Gäbe es noch keine Silikonformen, man müsste sie erfinden.

Dennoch bleibt bei ...

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... vielen eine Restunsicherheit. Ist das Material so sauber, dass man es auf Lebensmittel loslassen kann? Silikone kommen nicht in der Natur vor. Ausgangsmaterial ist das chemische Element Silizium, von dem es enorm viel gibt, etwa in Sand, Ton oder anderen keramischen Materialien. Aber es liegt nicht pur und verarbeitungsbereit vor, sondern in Form von Siliciumdioxid und Silikaten. Zunächst muss also im Hochofen das Silizium abgetrennt werden. Im nächsten Schritt wird es mit Methylchlorid zu Silanen umgesetzt. Erst aus diesen können Silikone hergestellt werden – in nahezu unzähligen Varianten, von ölartig über elastisch bis fest. Entsprechend breit ist das Einsatzgebiet. Silikone können Haare leichter kämmbar machen, Maschinen wie geschmiert laufen lassen und sie machen die Fugen im Badezimmer dicht. Während Silikone, die an der Luft trocknen – beispielsweise Silikonfugenmassen –, häufig zinnorganische Verbindungen als Katalysatoren enthalten, um das Aushärten in Gang zu setzen, können die Hersteller von Backformen mit anderen Techniken arbeiten. Auch winzige Mengen an Platin können als Katalysator wirken. Oder es wird mit einer zweiten Komponente, wie Peroxiden, gearbeitet, die dafür sorgen, dass die Silikone die gewünschten Materialeigenschaften erlangen. In der Regel werden Festsilikone im Formpressverfahren in Form gebracht, Flüssigsilikone im Spritzgussverfahren.

Entscheidend ist der nächste Schritt: das „Tempern“, ein Ausgasen, das dafür sorgt, dass das Endprodukt möglichst frei von flüchtigen organischen Bestandteilen ist, die ins Kochgut übergehen können. Empfohlen wird, die Formen vier Stunden bei 200 Grad nachzubehandeln. Eine aufwendige Prozedur, die sich offenbar manche Hersteller auch sparen.


Silikon ist nicht gleich Silikon – und auch die Verarbeitung muss stimmen


Immer wieder liegen Küchen-Silikonprodukte über den gesetzlichen Grenzwerten. Aus Kunststoffen, die mit Lebenmitteln in Kontakt kommen, dürfen sich nicht mehr als 0,5 Prozent flüchtige organische Bestandteile herauslösen und nicht mehr als zehn Milligramm Material pro Quadratdezimeter Oberfläche ans Kochgut abgegeben werden. Zuletzt fielen drei von 14 Produkten bei einer Untersuchung des Instituts für Bedarfsgegenstände in Lüneburg negativ auf – sie hätten so nicht verkauft werden dürfen.

Wenig beruhigend für alle, die gerne mit den praktischen Küchenhelfern arbeiten. Vielen ÖKO-TEST-Lesern sind die Kunststoffformen suspekt. Deshalb haben wir nun zwölf Produkte getestet. Was steckt drin? Was kommt raus?

Das Testergebnis

Vorsichtige Entwarnung: Fast alle Silikonbackförmchen sind frei von problematischen Inhaltsstoffen. Und nur bei drei Formen muss man befürchten, dass ihre Bestandteile beim Backen in den Kuchenteig übergehen.
Gut getempert. Alle Backformen halten die gesetzlichen Grenzwerte ein. Bei genauem Hinsehen zeigen sich aber doch Unterschiede. Manche Produkte können mehr Spuren im Kuchenteig hinterlassen als andere. Bei drei Marken führt das zur Abwertung: die Silicone Zone Mambo Muffinform und die Ikea Sockerkaka Backförmchen erreichen die Hälfte des Richtwerts für flüchtige organische Bestandteile, die Muffinförmchen im GU Cupcakes Set liegen deutlich über der Hälfte. Das können die anderen Modelle besser! Bei der Prüfung der Gesamtmigration (messbarer Übergang) zeigte sich, dass sich aus fünf Formen ein bisschen was löst. Allerdings so wenig, dass man von Spuren sprechen kann.

ÖKO-TEST rät

• Für alle Fans von Silikonbackformen: Man kann auch zu Hause tempern. Küchenfenster auf, Backofen auf 200 Grad Celsius aufheizen und die Backform vier Stunden darin ausgasen lassen. Oder von Anfang an zu anderen Materialien greifen.

Phenanthren im Förmchen. Bei der Prüfung der Inhaltsstoffe im Silikon fiel nur ein Produkt negativ auf: die Birkmann Form für 12 Cup Cakes. Sie enthält Phenanthren in einer Größenordnung, die wir um zwei Noten abwerten. Die Verbindung gehört zur riesig großen Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, sie kommt in fossilen Brennstoffen vor und ist ein Produkt unvollständiger Verbrennung. Phenanthren gehört zu den 16 Verbindungen, die auf die Liste der prioritären Schadstoffe der US-Umweltbehörde EPA aufgenommen wurde.

Mehr zum Thema

Hat Ihnen das Testergebnis Lust aufs Backen gemacht? Wenn Sie auf www.oekotest.de→ Suchen → „M1312“ eingeben, finden Sie ein weihnachtliches Muffin-Rezept.

Fett gedruckt sind Mängel. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 192. Anmerkungen: 1) Das Set besteht aus mehreren Farben. Untersucht wurde jeweils die pinkfarbene Form. 2) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Die Lizenz für die Marke „Dr. Oetker“ wurde in der Zwischenzeit von Leifheit an Fackelmann verkauft. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alpha betischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen; b) ein erhöhter Gehalt von 0,25 % bis 0,5 % flüchtige organische Bestandteile. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1312“ eingeben. Einkauf der Testprodukte: August 2013. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

So haben wir getestet

Löst sich was aus dem Silikon? Nach vier Stunden bei 200 Grad wussten die Fachleute Bescheid.


Foto: Labor

Der Einkauf

Wir haben zwölf Silikonbackformen eingekauft, die zum Backen von Muffins, Cupcakes, Cakepops oder anderen Kleinigkeiten gedacht sind. Dafür waren wir in Kaufhäusern, Supermärkten, bei Ikea und in spezialisierten Onlineshops unterwegs.

Die Inhaltsstoffe

Uns interessierte, ob in den Silikonen womöglich giftige zinnorganische Verbindungen als Katalysatoren zum Einsatz gekommen sind – bei anderen Silikonprodukten wie Sexspielzeug ist das leider immer wieder Thema. Ebenso weit verbreitet bei Kunststoffen: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen viele als krebserregend gelten. Darüber hinaus ließen wir Formen und Verpackungen auf PVC und andere chlorierte Verbindungen sowie auf Schwermetalle untersuchen. Was aber geht beim Backen in den Kuchenteig über? Um das zu simulieren, wanderte das Silikonmaterial, bedeckt mit speziellen Kunststoffkügelchen, für zwei Stunden in einen 175 Grad heißen Trockenschrank. Danach wurde geprüft, wie viel vom Silikon in die Kügelchen übergeht. Im Fachjargon nennt man das „Gesamtmigration“. Bei einer zweiten Prüfung wurde gemessen, inwiefern sich flüchtige organische Bestandteile aus dem Material lösen. Dazu wurde das Silikon in kleine Stücke zerteilt und für vier Stunden in einen 200 Grad heißen Trockenschrank gestellt. Die Stückchen wurden vorher und nachher gewogen – eine amtliche Methode, um zu ermitteln, ob etwas verdampft ist.

Die Bewertung

Bei der Bewertung der Gesamtmigration haben wir uns an der EU-Gesetzgebung, bei der Bewertung der ausgasenden flüchtigen organischen Bestandteile an den Vorgaben des Bundesinstituts für Risikobewertung orientiert. Allerdings werten wir bei den flüchtigen Bestandteilen ab der Hälfte des erlaubten Werts ab. Sicher ist sicher. Das gilt auch für die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die zwar gesundheitlich bedenklich sind, für die es aber für Silikonbackformen keinen Grenzwert gibt. Wir werten Produkte mit erhöhter Belastung ab.