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TEST Spaghetti: Glyphosat kocht mit


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 28.01.2021

Spaghetti gehen immer. Gut, dass viele Marken im Schadstoff- und Geschmackstest picobello abschneiden. Allerdings enthält über die Hälfte der Pastaprodukte das bedenkliche Pestizid Glyphosat.


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Foto: imago images/Imaginechina-Tuchong

Das ist bitter: Nur 3 von 15 konventionellen Spaghettimarken im Test waren frei von Glyphosat. So hat das von uns beauftragte Labor das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in insgesamt zwölf Produkten nachgewiesen. Die gute Nachricht: Alle fünf Bio-Spaghetti waren frei davon.

Wie gefährlich ist Glyphosat?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat das ...

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... Pestizid als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft. Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) teilt diese Einstufung nicht. Glyphosat könne aber (beim Aufbringen auf dem Feld) schwere Augenschäden verursachen und sei giftig für Wasserorganismen, so die Einschätzung der Echa. Was bedeutet das Glyphosat in den Spaghetti nun für die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Zunächst einmal: Die hier gefundenen sehr geringen Spurengehalte sind nicht akut gefährlich. Wie viel die Menschen, die das Gift spritzen oder nebenan leben, möglicherweise abbekommen haben, ist jedoch eine andere Frage. Außerdem gefährdet der trotz jahrelanger Verbotsdiskussion (siehe Kasten „Kommt das Glyphosatverbot?“, Seite 60) immer noch verbreitete Einsatz von Glyphosat die biologische Vielfalt. Das Mittel tötet alle Pflanzen ab - „Totalherbizid“ heißt so ein Mittel im Fachjargon - und zerstört damit auch die Lebensgrundlage für viele Insekten- und Vogelarten. Vier Produkte enthielten neben Glyphosat auch dessen Abbauprodukt AMPA. Es hält sich deutlich länger im Boden, gilt aber als wenig toxisch.

Noch mehr Schadstoffe

Doch Glyphosat ist bei Weitem nicht das einzige Problem, das Spaghetti haben können. Die beauftragen Labore haben in etlichen Marken Verunreinigungen mit Mineralöl sowie Belastungen mit Schimmelpilzgiften nachgewiesen. Das summiert sich. So fällt die Eigenmarke von Edeka mit „mangelhaft“ durch, die Penny-Eigenmarke sogar mit „ungenügend“. Immerhin haben Pastaliebhaber aber die Wahl zwischen acht Spaghetti, die rundum mit „sehr gut“ abschneiden, darunter alle fünf Bio-Marken im Test. Weitere sieben bewerten wir insgesamt noch mit „gut“.


„Prima: Alle Bio-Spaghetti im Test sind frei von Pestiziden und Mineralölbestandteilen.“


Meike Rix, ÖKO-TEST-Redakteurin


Besser ohne Mineralöl

Kritisch sehen wir die Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) in vier Produkten. In den Penny Spaghetti sind sie aus unserer Sicht sogar „stark erhöht“. Die Stoffe können sich in den Organen und im Fettgewebe ansammeln. Je weniger Menschen davon aufnehmen, desto besser. Wie die Mineralölbestandteile in die Spaghetti gekommen sind? Das können wir als Tester nicht mit Sicherheit sagen. Denkbar ist aber beispielsweise ein Eintrag im Herstellungsprozess, etwa über Schmieröle für Maschinen.

Schimmelpilzgifte in zwei Eigenmarken

In den Combino Spaghetti von Lidl und den Gut & Günstig Spaghetti No. 5 von Edeka hat das Labor das Schimmelpilzgift Deoxynivalenol (DON) in Gehalten festgestellt, die wir als „erhöht“ bewerten. DON wird von einem Pilz gebildet, der die Weizenähren auf dem Feld befällt. DON kann das Immunsystem stören - weniger belastete Nudeln sind daher die bessere Wahl, zumal Schimmelpilzgifte auch in anderen Getreideprodukten stecken können (siehe Test Frühstücksflakes ab Seite 42).

Nebulöse Herkunft

Auf vielen Spaghettipackungen finden sich Hinweise auf eine Herstellung in Italien, aber keine Angaben zum Ernteland des Weizens. Nur vier Hersteller nannten auf Nachfrage Italien als einziges Herkunftsland des Hartweizens. Ansonsten teilten uns die Anbieter neben verschiedenen EU-Ländern auch Kanada oder die USA als Anbauländer mit. Nur der Hersteller Teigwaren Riesa gab an, ausschließlich Weizen aus Deutschland verarbeitet zu haben. Der Hersteller der Aldi-Nord-Spaghetti erklärte, diese bestünden„überwiegend“ aus deutschem Weizen. Übrigens: Beide Produkte enthalten kein Glyphosat.

Lecker, wie Spaghetti sein sollen

Ob Marke, No Name, Bio oder konventionell: Die Sensorikexperten waren mit Geschmack und Mundgefühl aller Spaghetti zufrieden. Keine Nudel war nach dem Kochen matschig. Alle waren mehr oder weniger bissfest, also „al dente“. Die Nudeln schmeckten und rochen meist deutlich nach Grieß und Stärke. Grieß schmeckt etwas herber, Stärke etwas mehliger, beides ist typisch für Spaghetti. Die Spaghetti von Barilla und Alnatura rochen und schmeckten sogar stark nach Grieß. Für Sensorikprüfer heißt das: mehr Pep.

TEST

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben 20-mal klassische Spaghetti eingekauft, darunter bekannte Marken wie Barilla und Buitoni, außerdem günstige Produkte aus Supermärkten und Discountern. Fünf Produkte tragen ein Bio-Siegel. Alle Spaghetti bestehen zu 100 Prozent aus Hartweizengrieß. Im Fokus der Laboruntersuchungen standen deshalb Pestizide, die im Getreideanbau eingesetzt werden. Dazu gehört auch Glyphosat. Obwohl die Zulassung in der EU in wenigen Jahren ausläuft, zählt es zurzeit - auch in Deutschland - noch immer zu den am häufigsten eingesetzten Pestiziden. Kein Wunder: Glyphosat macht sämtliche Unkräuter platt und sorgt ohne großen Aufwand für einen „reinen“ Acker.
Darüber hinaus ließen wir in den Laboren nach Schimmelpilzgiften und Mineralölbestandteilen fahnden. Auch Geschmack und Konsistenz der zubereiteten Spaghetti haben wir prüfen lassen: Können es Billigmarken mit den Marktführern aufnehmen? Geschulte Sensoriker haben die Spaghetti nach Packungsanweisung zubereitet und professionell verkostet.

KOMMT DAS GLYPHOSATVERBOT?

Glyphosat ist nicht nur das meistgenutzte Herbizid weltweit, sondern auch das, über das am meisten gestritten wird. Ersetzbar oder nicht? Krebserregend oder nicht? Verbieten oder nicht? In den USA hat die Firma Bayer mit der Übernahme von Monsanto auch mehr als 100.000 Klagen übernommen, in denen es um möglicherweise durch das Glyphosatprodukt Roundup verursachte Krebserkrankungen geht. Im vergangenen Sommer kündigte Bayer an, bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar für Vergleiche zu zahlen.

Und bei uns? Die Europäische Union hat die Zulassung 2017 noch einmal bis Ende 2022 verlängert. Inklusive Übergangsfrist sind glyphosathaltige Mittel dann noch bis Ende 2023 zugelassen. Ob es wirklich zum Verbot kommt, ist offen. Denn eine Gruppe von Unternehmen hat eine Genehmigung über 2022 hinaus beantragt und damit ein neues Überprüfungsverfahren in Gang gesetzt.

In Deutschland wurde zwar schon im Koalitionsvertrag von Februar 2018 ein schnellstmöglicher, grundsätzlicher Ausstieg aus der Anwendung von Glyphosat vereinbart. Mittlerweile heißt es aus dem Agrarministerium jedoch, ein nationales Totalverbot sei europarechtlich gar nicht möglich. Man strebe aber eine teilweise Reduktion an.

Fakt ist: Glyphosat ist immer noch das am meisten genutzte Spritzmittel. 2019 betrug der Inlandsabsatz laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gut drei Tonnen. Der Einsatz zur Steuerung des Erntetermins per „Totspritzen“ ist zwar nicht mehr erlaubt. Aber andere Anwendungen wie die „Reinigung“ der Felder nach der Ernte sind nach wie vor verbreitet.

RATGEBER

1 Acht Spaghetti im Test waren frei von Pestiziden und Mineralöl, darunter alle Bio-Produkte. Sie sind erste Wahl.

2 Hochpreisigere Markenspaghetti sind nicht grundsätzlich besser als andere - auch nicht im Geschmack.

3 Vollkornspaghetti enthalten mehr Ballast- und Mineralstoffe. In unserem Test (ÖKO-TEST Magazin 3/2020, oekotest.de/11137) konnten wir insgesamt 9 von 20 Produkten empfehlen.

WISSEN: Perfekte Spaghetti kochen

1 Nudeln sollen schwimmen und sich bewegen können, wenn sie in den Topf kommen. Für 100 Gramm Spaghetti rechnet man einen Liter Wasser.

2 Nudeln in sprudelnd kochendes Wasser geben, das verbessert die Bissfestigkeit. Danach die Temperatur herunterschalten und den Deckel auflegen.

3 Kein Öl ins Kochwasser geben und Nudeln nicht abschrecken, weil sie sonst die Soße schlechter aufnehmen. Besser die Spaghetti im Wasser sobald wie möglich mit einer Gabel umrühren, dann kleben sie nicht zusammen.

4 Eine Minute vor Ablauf der angegebenen Kochzeit probieren. Die Spaghetti können dann noch etwas härter als al dente sein, da sie nach dem Abgießen noch nachgaren.

5 Die Soße darf vor den Nudeln fertig sein. Beides sofort vermengen und servieren.


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Foto: Anja Wägele; Zero Creatives/getty images

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