Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Spinat: Grünes Wunder


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 24.09.2020

Ja, Spinat ist gesund. Wenn er nicht zu stark mit Stoffen wie Nitrat, Nitrit und Cadmium belastet ist. Wir können ein Viertel der Tiefkühlblattspinate im Test empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Spinat: Grünes Wunder" aus der Ausgabe 10/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: knape/getty images

RATGEBER

1 Bio-Spinat ist in unserem Test komplett frei von Pestiziden.

2 Spinat richtig durcherhitzen, weil in dem Tiefkühlgemüse Keime wie Listerien stecken können.

3 Ausprobieren: Frischer Spinat wird in Deutschland bis November geerntet. Für Salat eignet sich allerdings nur der zarte Frühlings- und Sommerspinat.

Zutaten: Blattspinat! Bei den 16 Produkten in diesem Test handelt sich um gesundes Gemüse pur. Keine ...

Weiterlesen
Artikel 2,50€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2020 von GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von ÖKO-TEST WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST WIRKT
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Endlich gut schlafen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Endlich gut schlafen
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Endlich gut schlafen: INTERVIEW: Wenn Frauen schlecht schlafen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Endlich gut schlafen: INTERVIEW: Wenn Frauen schlecht schlafen
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Endlich gut schlafen: Demystifiziert: Was Menschen über Schlaf denken und was Wissenschaftler dazu sagen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Endlich gut schlafen: Demystifiziert: Was Menschen über Schlaf denken und was Wissenschaftler dazu sagen
Vorheriger Artikel
Das Rezept: Deckel auf, Hafer drauf
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Heimisches Superfood: Regional ist das neue Super
aus dieser Ausgabe

... Zusatzstoffe, keine billigen Geschmacksträger wie Kristallzucker, einfach nur Blattspinat. Dieser ist, anders als sein Nachbar im Supermarktregal, der fertig gewürzte Rahmspinat, vegan. Jede und jeder kann ihn so würzen und kombinieren, wie sie oder er ihn mag.

7 von 16 fallen durch

Allerdings liegen nicht alle Ergebnisse im grünen Bereich. Nur drei Produkte sind „sehr gut“, eines ist „gut“. Drei Spinatmarken landen am hinteren Ende der Tabelle und erhalten das Gesamturteil „ungenügend“, vier sind „mangelhaft“. Fünf Produkte liegen im Mittelfeld von „befriedigend“ bis „ausreichend “.

Neben aus unserer Sicht erhöhten bis stark erhöhten Nitrat-, Nitrit- und Cadmiumgehalten hat das Labor in zwei Fällen giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA) gemessen. Das sind natürliche Pflanzengifte, die aus Beikräutern stammen.

Nitrat knapp über Höchstgehalt

Spinat gehört zu den Pflanzen, die viel Nitrat aus dem Boden anreichern. Soweit, so normal. Zuviel Nitrat ist jedoch ein Problem. Aus Nitrat kann durch Bakterien und Enzyme im menschlichen Mund und Magen Nitrit entstehen. Auch im Gemüse selbst finden sich die Bakterien und bilden Nitrit, etwa wenn der zubereitete Spinat warm gehalten oder bei Zimmertemperatur gelagert wird. Aus Nitrit wiederum können sich im Körper krebserregende Nitrosamine bilden. Außerdem behindert Nitrit den Sauerstofftransport im Blut. Den höchsten Nitratgehalt, knapp oberhalb des Höchstgehalts laut EU-Kontaminantenverordnung, hat das von uns beauftragte Labor im Bio Inside Blattspinat nachgewiesen. Zwei weitere Bio-Produkte und die konventionelle Marke Frosta schöpfen in unserem Test diesen Höchstgehalt zu mehr als der Hälfte aus. Immerhin: In den restlichen Produkten ist der Nitratgehalt gering.

Nitrit weist auf Hygienemängel hin

Belastungen mit dem problematischeren Nitrit schon im noch nicht zubereiteten Tiefkühlspinat gelten als Hinweis auf Hygienemängel oder eine zu lange Lagerung des Spinats vor dem Frosten. Wir kritisieren Nitrit in vier Produkten. Im Bio Bio Junger Blattspinat und im Edeka Blattspinat überschreiten die Analysewerte in unserem Test den in den Leitsätzen für Gemüseerzeugnisse vorgegebenen Wert für tiefgefrorenen Spinat von zehn Milligramm pro Kilogramm. Die Leitsätze im Deutschen Lebensmittelbuch sind rechtlich nicht bindend, fließen als sachverständige Gutachten aber oft in die Gesetzgebung ein.


„Um Nitrit und Gifte aus Beikräutern in Spinat künftig zu vermeiden, müssen einige Erzeuger bei Ernte und Verarbeitung sorgfältiger vorgehen.“


Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin


Spinat in ZAHLEN

1,3 Kilogramm Spinat essen Deutsche im Schnitt pro Kopf im Jahr. Damit liegt die Beliebtheit des Blattgemüses auf einem Niveau mit Erbsen und Porree.

3,4 Milligramm Eisen enthält Spinat pro 100 Gramm. Das ist deutlich mehr Eisen als in Roter Bete (0,89 g), aber weniger als in Haferflocken (5,8g).

2-mal so hoch wie in Tiefkühlspinat ist der durchschnittliche Nitratgehalt in frischem Spinat. Das Blanchieren vorm Schockfrosten entzieht dem Spinat wasserlösliches Nitrat. Der zartere im Sommer geerntete Spinat ist insgesamt weniger nitrathaltig als Winterspinat.

Quellen: BMEL, Statista, Souci/ Fachmann/Kraut, LGL Bayern 2017.

Cadmium aus der Umwelt

Cadmium hat das beauftragte Labor in fast allen Spinatmarken nachgewiesen, nur der Bofrost Blattspinat war frei davon. Meistens handelt es sich um kleine Spuren. In sieben Produkten ist der Gehalt aber aus unserer Sicht erhöht. Das giftige Schwermetall reichert sich im menschlichen Körper, insbesondere in Leber und Nieren an, der Körper scheidet es nur sehr langsam wieder aus. Über längere Zeit in hohen Dosen aufgenommen, führt Cadmium zu Nierenschäden.

Gifte aus Beikräutern

Der Bio-Inside Blattspinat und der Demeter Garten Blattspinat enthalten Pyrrolizidinalkoloide (PA). Diese Gifte werden von anderen Pflanzen auf dem Feld gebildet, die mit in die Ernte geraten können. „In Lebensmitteln sind sie unerwünscht, da sie die Leber schädigen können und im Tierversuch erbgutverändernde (genotoxische) und krebsauslösende (kanzerogene) Wirkungen zeigen“, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme zu PA.

Bienenschädliche Pestizide

Alle Bio-Produkte im Test sind frei von Pestiziden. In den konventionellen Produkten von Norma und Frosta kritisieren wir das bienengiftige Pestizid Lambda-Cyhalothrin, dessen Wert bei Frosta nach unseren Kriterien erhöht ist. Der Blattspinat von Penny enthält Spuren, der Rewe Beste Wahl Blattspinat einen von uns als erhöht gesehenen Gehalt der bienenschädlichen Substanz Cypermethrin.

WISSEN: Kleine Spinatkunde

Frischer Spinat oder Tiefkühl? Das kommt darauf an. Da in der Produktion des TK-Spinats beim Blanchieren Vitamine verloren gehen, ist frischer Spinat zunächst noch vitaminreicher. Dafür ist beim schockgefrosteten Spinat der Vitaminverlust erst einmal ausgebremst, während er beim frischen rasch fortschreitet. Tipp: Greifen Sie zu, wenn Sie ganz frischen Spinat von einem Feld in der Nähe bekommen und ihn zeitnah zubereiten können. Nicht länger als zwei Tage im Kühlschrank lagern.

Wegwerfen oder aufbewahren? Die Regel Spinat keinesfalls wieder aufzuwärmen war besonders wichtig in Zeiten, bevor es Kühlschränke gab, weil sich damals während der längeren Lagerungszeiten bei Zimmertemperatur sehr viel Nitrit bilden konnte. In der Kühlung ist dieser Prozess nun zumindest stark ausgebremst. Wenn Ihnen die Reste eines Spinatgerichts also zu schade zum Wegwerfen sind, gilt: Schon zum Abkühlen abgedeckt in den Kühlschrank stellen und spätestens am nächsten Tag gut durcherhitzen und aufessen. Für jüngere Kinder Spinat besser wirklich nicht noch einmal erwärmen. Sie reagieren empfindlicher auf Nitrit.

Oxalsäure, ein Problem? Spinat gehört mit Rhababer, Mangold und Kakao zu den besonders oxalsäurereichen Lebensmitteln. Oxalsäure hemmt die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Eisen im Darm. Das kann dann problematisch werden, wenn man insgesamt viel oxalsäurereiches Gemüse isst und wenig Mineralstoffe. Tipp: Spinat mit leckeren calciumreichen Zutaten wie Käse, Frischkäse, Sahne, Sesam oder Hirse kombinieren.

So haben wir getestet

TIEFKÜHL-BLATTSPINAT

Wir haben insgesamt 16 Tiefkühlblattspinate eingekauft, darunter sieben ökologisch und neun konventionell erzeugte Produkte. Alle Spinate wurden von spezialisierten Laboren genau unter die Lupe genommen. Untersucht haben die Laborexperten das Blattgemüse zunächst auf Pestizidrückstände. Spinatpflanzen reichern vergleichsweise viel Cadmium und Nitrat an. Deshalb ließen wir auf beides testen. Und weil Nitrat bei unsachgemäßer Handhabung der Rohware zum problematischen Nitrit wird, haben wir auch auf Nitrit prüfen lassen.
Beikräuter – weniger freundlich: Unkraut – wie Jakobs- Kreuzkraut – enthalten giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Wenn diese Beikräuter mit unter die Ernte geraten, kann auch der Spinat PA enthalten. Darauf haben wir den Spinat ebenso untersuchen lassen wie auf Chlorat und Perchlorat, die als Rückstände von Desinfektionsmitteln in Lebensmittel gelangen können.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzung: PA = Pyrrolizidinalkaloide.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird das Produkt auf eine neue Verpackung mit Angabe des Nutri-Scores umgestellt und ab ca. November 2020 in den Verkauf gehen. 2) Laut Anbietergutachten wurde in einer chargengleichen Probe ein etwas niedrigerer Gehalt an Lambda-Cyhalothrin analysiert, welcher zu einer Ausschöpfung des Höchstgehalts von knapp unter 10 % und somit nach unseren Kriterien zu einer Spurenbewertung führen würde. Der Anbieter möchte laut eigener Angabe sein Produkt optimieren und in Zukunft auf Rohware aus eigenem Anbau setzen.
Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein Nitratgehalt über dem gesetzlichen Höchstgehalt für tiefgefrorenen Spinat von mehr als 2.000 mg/kg (in Tabelle „über Höchstgehalt“). Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Nitritgehalt über dem in den Leitsätzen im Deutschen Lebensmittelbuch für Gemüseerzeugnisse für tiefgefrorene Spinaterzeugnisse empfohlenen Wert von mehr als 10 mg/kg (in der Tabelle „Nitrit stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führt: a) ein Nitratgehalt von mehr als 1.000 bis 2.000 mg/kg (in Tabelle „erhöht“). Dies entspricht mehr als 50 bis 100 Prozent des gesetzlichen Höchstgehalts für tiefgefrorenen Spinat; b) ein Nitritgehalt von mehr als 5 bis 10 mg/kg (in Tabelle „Nitrit erhöht“); c) ein Cadmiumgehalt von mehr als 0,1 bis 0,2 mg/kg (in Tabelle „erhöht“). Dies entspricht mehr als 50 bis 100 Prozent des gesetzlichen Höchstgehalts für Blattgemüse; d) ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in Tabelle „erhöht“), der mehr als 50 bis 100 Prozent der aktuell empfohlenen maximalen Tagedosis von 0,024 μg/kg Körpergewicht ausschöpft. Für die Berechnung sind wir von einer Person mit 60 kg Körpergewicht (KG) und von einem Wochenverzehr von 200 g Spinat ausgegangen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) 1 bis 2 als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Cypermethrin, Lambda-Cyhalothrin); b) ein Gehalt eines Pestizids, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge um mehr als 10 bis 50 Prozent ausschöpft, wenn diese ≥ 0,1 mg/kg beträgt (in Tabelle „erhöht“).
Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung des Inhalts.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2010.
Einkauf der Testprodukte: Juli 2020.
Aufgrund der zum Einkaufszeitpunkt noch laufenden Produktzusammenführung von Aldi-Nord- und Aldi-Süd- Produkten konnte kein Aldi-Produkt berücksichtigt werden. Zu gegebenem Zeitpunkt wird ein Nachtest durchgeführt.
Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen. Dieser Test löst die Tests Tiefkühlblattspinat aus dem ÖKO-TEST Magazin 02/2014 und dessen Neuveröffentlichungen im Ratgeber Essen, Trinken 2014 und Jahrbuch 2015 ab.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.


Fotos: Anja Wägele; Karpenkov Denis/Shutterstock Illustration: noun project

Fotos: HandmadePictures/Shutterstock; mogilami/Shutterstock