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TEST Stilleinlagen: Auslaufmodelle


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2015 vom 25.09.2015

Einweg oder Mehrweg? Wir haben 20 verschiedene Stilleinlagen auf Inhaltsstoffe und Funktionalität untersucht. Nur ein Produkt schafft die Bestnote. Im Praxistest patzten vor allem die ökologisch sinnvollen Mehrwegmodelle.


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Foto: Natalia Deksbakh/Shutterstock

Seinem Kind in der Öffentlichkeit die Brust zu geben, ist in der westlichen Kultur nicht (mehr) selbstverständlich. Früher oder später sieht sich deshalb wohl jede stillende Mutter mit Fragen konfrontiert: Wo kann ich mein Kind stillen? Fühlen sich meine Mitmenschen davon womöglich gestört? Und möchte ich als Frau selbst, dass Fremde meine entblößte ...

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... Brust sehen?

Doch das Thema Diskretion führt noch weiter – hin zum Auftreten der Mutter als Frau, die nicht rund um die Uhr als Milchlieferantin für den Nachwuchs wahrgenommen werden möchte. Künden feuchte Flecken auf dem Shirt allzu deutlich von der aktuellen Lebenslage, ist das vielen Frauen unangenehm. Stilleinlagen schützen vor dem leidigen Durchfeuchten der Kleidung, sorgen zugleich für Hygiene auf der Brust und schonen die Brustwarzen. Doch sollen es Einwegprodukte aus Zellstoff sein, die nach dem Benutzen einfach entsorgt werden? Oder greift frau lieber zur wiederverwendbaren Variante, die zwar weniger Müll verursacht, aber auch mehr Arbeit macht, weil sie ständig gewaschen werden muss?

Meike Possehl ist Mutter von zwei Töchtern, ihre Jüngste ist gerade ein Jahr alt und wird nur noch zum Einschlafen gestillt. Inzwischen braucht die junge Mutter keine Stilleinlagen mehr, doch sie erinnert sich gut: „Ich musste in den ersten Monaten immer Stilleinlagen benutzen, wenn ich verhindern wollte, dass meine Kleidung völlig durchnässt. Ich habe mich für Wegwerfeinlagen entschieden, weil sie für mich einfach praktischer waren“, sagt die junge Frau. Bei einer befreundeten Mutter sei es genau umgekehrt gewesen, erzählt sie. Die habe sich ganz bewusst für ein wiederverwendbares Modell aus Baumwolle entschieden, nachdem sie wegen ihres starken Milchflusses bis zu einem halben Paket Einwegeinlagen täglich verbraucht hatte. Das ging auf Dauer ins Geld und die waschbaren Stilleinlagen machten sich schnell bezahlt.

Typische Erfahrungen, die Frauke Bratz vom Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL) kennt. „Wenn sie ein Kind haben, muss es für Frauen vor allem zweckmäßig sein“, weiß sie. „Gerade berufstätige Mütter nehmen oft lieber Wegwerfeinlagen.“ Die Wahl der Stilleinlage falle meist aufgrund von Empfehlungen aus dem Freundeskreis, der Stillgruppe, von Beratern, Hebammen oder Gynäkologen. Bei wiederverwendbaren Einlagen spiele, ähnlich wie bei Stoffwindeln, oft auch das Umweltbewusstsein bei der Entscheidungsfindung mit.

Egal welches Modell – jede Stilleinlage kommt an einer sensiblen Körperregion zum Einsatz, die ständig mit dem Mund des Babys in Kontakt ist. Deshalb erwarten Mütter besonders schadstofffreie Produkte. Wir haben die Materialien von 14 Einweg- und 6 Mehrwegeinlagen in den Laboren überprüfen lassen. Weil bei Stilleinlagen ebenso wichtig ist, ob sie ihren Zweck erfüllen, wurden sie außerdem einer kritischen Praxisprüfung unterzogen.

Das Testergebnis

■  Nicht lupenrein. Von einem Hygieneprodukt wie der Stilleinlage erwarten wir höchste Qualität. Dennoch haben wir problematische Stoffe gefunden. Nur die Hälfte schafft im Testergebnis Inhaltsstoffe ein „sehr gut“. In der Praxisprüfung überzeugten nur sieben Produkte vollends. Im Gesamturteil schaffen es einzig die Babydream für Mama Stilleinlagen zur Bestnote, 13 weitere schneiden „gut“ ab.
■  Einwegproblem. In sieben Einlagen wiesen die Labore halogenorganische Verbindungen nach. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen, die Brom, Jod oder (meistens) Chlor enthalten. Viele können Allergien auslösen, manche sind krebserregend und fast alle ein Problem für die Umwelt. Dass wir sie ausschließlich in Einwegprodukten gefunden haben, die ohnehin einen ökologischen Nachteil gegenüber waschbaren Einlagen haben, wirft unter dem Umweltaspekt ein noch schlechteres Licht auf diese Produktgruppe.
■  Auf optische Aufheller verzichten. Ein Hygieneprodukt soll sauber sein und auch so aussehen. Dafür greifen manche Hersteller zu optischen Aufhellern – wir haben sie in Teilen der drei waschbaren Einlagen Imse-Vimse Nursing Inserts Stay Dry, Boob Washable Breast Pads und Philips Avent Breast Pads Cotton nachgewiesen. Sie sind jedoch nicht in der Faser gebunden. Lösen sie sich, können sie unter Sonnenlicht Allergien auslösen; zudem sind sie in der Umwelt schwer abbaubar. In einem Teil der Einlage, der Hautkontakt hat, führten sie zu Punktabzug im Testergebnis Inhaltsstoffe – steckten sie wie in der Penaten Mama-Einlage nur im Klebestreifen, werteten wir sie als Weiteren Mangel ab. Noch ein Grund, in Stilleinlagen auf optische Aufheller zu verzichten: Lösen sie sich an der Brust, können sie in Babys Mund gelangen. In Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten, das „erfahrungsgemäß oder vorhersehbar in den Mund genommen wird“, empfahl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits 2003, dass „keine optischen Aufheller auf die Schleimhäute oder die Haut übergehen“ können sollten.

■  Antibakterielle Ausrüstung: Der Anbieter der Chicco Extra Comfort Breast Pads wirbt mit der antibakteriellen Ausrüstung seiner Einlagen. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass dafür eine quartäre Ammoniumverbindung verwendet wird. Wir halten das für überflüssig: Um übermäßiger Keimbildung vorzubeugen, reicht es, die Pads regelmäßig zu wechseln und die Brust gut zu reinigen. Mehr noch: Werden antimikrobiell wirksame Substanzen ständig eingesetzt, können Bakterien Resistenzen entwickeln. Das kann dazu führen, dass die Stoffe nicht mehr wirken, wenn sie im Medizinbereich benötigt werden.
■  Mehrweg im Praxistest tendenziell schlechter. Bis auf die Imse-Vimse Nursing Inserts Stay Dry erreichen nur Einwegeinlagen Bestwerte in den Testkriterien Aufsaugegeschwindigkeit, -kapazität und Rückfeuchtung.

Die Stilleinlagen der Marken Babydream, Babies RUs, Chicco, Lansinoh, Medela, Nuby und Imse-Vimse überzeugten in allen Bereichen: Sie saugten viel Testmilch sofort auf und gaben kaum etwas wieder ab. Die MAM Stilleinlagen, die Nuk Classic Stilleinlagen, die Natracare Nursing Pads und die Babyline Stilleinlagen erzielten im Vergleich zu den übrigen Einwegeinlagen eher schlechte Werte – allerdings sind sie mit einem „befriedigenden“ Ergebnis noch immer um Längen besser als die Mehrwegprodukte Elanee Seide-Wolle-Stilleinlagen, Hans Natur Stilleinlagen Seide-Wolle-Seide und Lotties Stilleinlagen Cotton 2-lagig, die nicht über ein „ungenügend“ hinauskommen. Diese Mehrwegmodelle brauchten mehrere Minuten, um die Milch aufzusaugen, können nur wenig aufnehmen und halten sie schlecht fest. Da sie aber in puncto Inhaltsstoffe nicht zu beanstanden sind, können Frauen, denen eine geringere Saugleistung reicht, sie trotzdem benutzen.

ÖKO-TEST rät

• Wer mit dem Testsieger nicht zurechtkommt, kann unter 13 „guten“ Produkten wählen. Wir empfehlen, Produkte zu bevorzugen, die im Testergebnis Inhaltsstoffe „sehr gut“ abschneiden.

• Vor dem Stillen die Brust mit einem feuchten, sauberen Waschlappen abwischen.

• Nachts und zu Hause kann frau auch einfach ein Stofftaschentuch oder einen Waschlappen zusammenfalten und in den BH legen, um die auslaufende Milch aufzufangen. Das spart Geld und schont die Umwelt.

So haben wir getestet

Mithilfe eines Papiertuchs überprüfte das Labor die Rückfeuchtung.


Foto: Labor

Der Einkauf
Im Babyfachhandel, in Drogerien, im Internet und sogar in einem Möbelhaus fanden wir insgesamt vierzehn Einwegstilleinlagen und sechs waschbare Exemplare für unseren Test. Die Einwegprodukte kosten zwischen 95 Cent bis 9,99 Euro pro Packung; ein Paar wiederverwendbare Einlagen zwischen einem und 8,32 Euro. Während die Schachteln mit Wegwerfeinlagen bis zu 74 Exemplare enthalten, war es bei manch einer waschbaren Variante, die häufig nur als Paar verkauft werden, gar nicht so leicht, genug gleiche Einlagen für alle Prüfungen zu bekommen.

Die Inhaltsstoffe
Stilleinlagen werden direkt auf einer sensiblen Körperregion angewendet, die noch dazu mit dem Mund des Babys in Kontakt ist. Grund genug, genau hinzuschauen: In strahlend weißen Teilen können optische Aufheller stecken. Auch mit der Analyse auf Formaldehyd, giftige Farbstoffe, halogenorganische Verbindungen und Schwermetalle haben wir die Labore beauftragt.

Die Praxisprüfung
Ähnlich wichtig wie saubere Materialien sind bei Stilleinlagen Aufsaugegeschwindigkeit, -kapazität und Rückfeuchtung. Um das zu testen, hat das Labor Muttermilchersatznahrung angerührt und auf die Einlage aufgetragen. Die Experten brauchten dafür ein gutes Auge und feine Messinstrumente: Wie schnell verschwindet die Milch in der Einlage? Wie viel davon kann sie aufsaugen und wie viel gibt sie wieder ab, wenn die Tester sie danach auf ein gefaltetes Stück Küchenpapier drücken? Außerdem haben zwei Laborexpertinnen Handhabung und Beschaffenheit der Einlagen geprüft.

Die Bewertung
Haben wir im Material der Stilleinlage bedenkliche Stoffe in kritischer Konzentration entdeckt, wurde abgewertet – in manchen Fällen war es nur eine Substanz, in anderen summierten sich die Problemstoffe. Das Resultat floss zu 50 Prozent in das Gesamturteil ein. Die andere Hälfte lieferte die Praxisprüfung, in der wir die Aufnahmegeschwindigkeit, die Aufnahmekapazität und die Rückfeuchtung jeweils in drei Abstufungen bewertet haben.