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TEST Stoppersocken: Stop and go


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 26.08.2011

Stoppersocken sind unschlagbar praktisch. Wo Barfußlaufen nicht möglich ist, empfehlen sie sogar Ärzte als Alternative. Aber leider enthalten viele Modelle immer noch bedenkliche Schadstoffe. Dabei geht es auch anders, wie unser Test zeigt.


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Foto: Boris Ryaposov/Fotolia.com

Auf Stoppersocken mögen viele Eltern nicht mehr verzichten. Damit Parkett und Fliesen nicht zur unkontrollierbaren Rutschbahn werden, gibt’s für die Kleinen was an die Füße. Auch der Münchner Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Fendel empfiehlt die Socken mit Antirutschsohle, wo Barfußlaufen nicht möglich ist. Die Socken bieten mehr ...

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Auf Stoppersocken mögen viele Eltern nicht mehr verzichten. Damit Parkett und Fliesen nicht zur unkontrollierbaren Rutschbahn werden, gibt’s für die Kleinen was an die Füße. Auch der Münchner Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Fendel empfiehlt die Socken mit Antirutschsohle, wo Barfußlaufen nicht möglich ist. Die Socken bieten mehr Bewegungsfreiheit als Schuhe, so kann sich das Fußgewölbe besser ausbilden.

Trotzdem sind die Noppensocken nicht unbedenklich. Um die „Stopper“ geschmeidig zu machen, verwenden viele Hersteller Weichmacher. Dabei muss das gar nicht sein, wie die Stoppersocke des Textilherstellers Hirsch Natur zeigt. Hier stellt man die Noppen mit Silikon her, das von sich aus flexibel ist. „Als wir uns 2002 genauer mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Phthalaten befasst haben, war klar: Wir wollen kein PVC mehr verwenden“, sagt Geschäftsführer Matthias Kloppenborg.

Das Unternehmen stellte auf Silikon um. „Es hat einige Jahre gedauert, bis die richtige Rezeptur gefunden war“, blickt Kloppenborg zurück. „Silikon ist schwer zu verarbeiten, weil es schnell geliert.“ Dass die Herstellung der Noppen zudem teurer geworden ist, seit Silikon verwendet wird, nimmt das münsterländische Unternehmen gern in Kauf.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Stoppersocken, die aktuell im Handel angeboten werden, bestellt ist, und haben 14 unterschiedliche Sockenpaare ins Labor geschickt. Dort wurden sie einer umfassenden Schadstoffprüfung unterzogen.

Praktisch auf Parkett und Fliesen: Stoppersocken bieten kleinen Füßen mehr Bewegungsfreiheit als Schuhe.


Foto: Sergey Komarov/Fotolia.com

Das Testergebnis

Offensichtlich haben nur wenige Hersteller begriffen, welche Verantwortung sie haben. Mehr als die Hälfte der getesteten Produkte fällt durch. Eines ist nicht einmal verkehrsfähig, fünf weitere Produkte schneiden mit „ungenügend“ ab, zwei mit „mangelhaft“. Zum Glück gibt es Alternativen. Falke Catspads Saisonal, Babydream ABS-Söckchen und die Hirsch Natur Stoppersocke enthalten keine bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffe und sind damit „sehr gut“.
Ein Paar Socken hätte gar nicht verkauft werden dürfen. Immer noch stecken in acht der 14 Socken PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe. Für die Flexibilität der Kunststoffsohle benutzen viele Hersteller inzwischen Ersatzweichmacher wie Diethylhexylterephthalat (DEHT). In zwei Produkten ist allerdings noch der als fortpflanzungsgefährdend eingestufte Weichmacher Diethylhexyl phthalat (DEHP) enthalten. Bei den rosa Socken der Marke Bruin von Toys „R“ Us übersteigt der DEHP-Gehalt sogar den für Babyartikel gesetzlichen Grenzwert. Sie hätten deshalb gar nicht erst in den Verkehr gebracht werden dürfen, stellt die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) Sachsen auf Nachfrage von ÖKO-TEST fest. Dabei bezieht sich die Behörde auf das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz, wonach ein Produkt so beschaffen sein muss, dass es die Gesundheit des Verwenders nicht gefährdet. „Diese Voraussetzung ist bei hohen DEHP-Gehalten in Babysöckchen nicht gegeben“, sagt Dr. Gerlinde Schneider vom LUA Sachsen, „es ist allgemein bekannt, dass Babys beliebige Gegenstände zum Kennenlernen in den Mund nehmen und auch an Textilien oder Schuhen saugen und nuckeln.“
Weniger Weichmacher, aber krebsverdächtige PAK: Auch wenn der Gesetzgeber formal zwischen Spielzeug und Bekleidung unterscheidet, Babys und Kleinkinder tun das nicht. Daher bewerten wir auch den Gehalt der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebsverdächtig sind, strenger als bei Textilien für Erwachsene. In sechs Produkten hat das Labor stark erhöhte PAK-Werte festgestellt. Das Problem ist auch in der Politik angekommen. Dass die Regelungen zur chemischen Sicherheit von Spielzeug und Babyartikeln unzureichend sind und insbesondere die PAK-Grenzwerte deutlich gesenkt werden müssen, darüber sind sich inzwischen alle Fraktionen im Deutschen Bundestag einig.
Zinnorganische Verbindungen haben in Stoppersocken nichts zu suchen. Und trotzdem hat das Labor bei dem Toys-„R“-Us-Produkt die beiden sehr giftigen Stoffe Dibutylzinn (DBT) und Tributylzinn (TBT) nachgewiesen. Bereits kleine Mengen genügen, um das Immun- und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen.
Die gute Nachricht: Einige Hersteller haben dazugelernt und verwenden Silikon für die Herstellung der Noppen. Schade nur, dass dies für den Verbraucher so gut wie nicht zu erkennen ist, denn nur bei der Hirsch Natur Stoppersocke ist das Noppenmaterial überhaupt auf der Verpackung ausgewiesen.

So reagierten die Hersteller

Ernsting’s Family undJako-O weisen darauf hin, dass ihre Produkte den Vorgaben des Öko-Tex-Siegels entsprechen. Öko-Tex Standard 100 steht für eine reine Schadstoffkontrolle und lässt Chemierückstände teilweise in Mengen zu, die wir speziell bei Babykleidung für inakzeptabel halten. Für die Stoffgruppe PAK beispielsweise liegt der Grenzwert bei 10 mg/kg. Auch umwelt- und gesundheitsschädliche zinnorganische Verbindungen wie TBT sind nicht gänzlich tabu. Auf den Ersatzweichmacher DEHT, der inzwischen häufig statt des problematischen Phthalatweichmachers DEHP eingesetzt wird, wird erst gar nicht geprüft.

Strenge Grenzwerte auch für Kinderkleidung

„Ich halte es für skandalös, dass Babysöckchen noch Weichmacher wie DEHP enthalten. Unsere Forderung, die strengen Grenzwerte für Lebensmittelverpackungen auf Spielzeug anzuwenden, muss auch für Kinderkleidung gelten. Schließlich lutschen und kauen kleine Kinder auch an der Kleidung und nicht nur am Spielzeug.“

Elvira Drobinski-Weiß , verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 14 Stoppersocken für Jungen und Mädchen in Babygrößen eingekauft. Bei sieben Produkten besteht das Stoppermaterial aus Noppen, bei der anderen Hälfte aus einer durchgängigen Kunststoff sohle. Je nachdem ob bekannte Marke oder No-Name hat das Paar Socken zwischen 1,25 und 8,50 Euro gekostet. Eingekauft haben wir die Produkte bei Babyausstattern, in Kaufhäusern und in Drogeriemärkten. Bei einem Produkt stammt die Baumwolle laut Anbieter aus kontrolliert biologischem Anbau.

Foto: Yulia Podlesnova/Fotolia.com

Die Inhaltsstoff e
Das Antirutschmaterial, das eine normale Socke zu einer Stoppersocke macht, kann viele Probleme bergen. Also haben wir uns die Beschichtungen ganz besonders angeschaut. Die Labore testeten sie nicht nur auf PVC/PVDC/chlorierte Kunststoff e, sondern auch auf in Babyartikeln verbotene Phthalate und Ersatzweichmacher, die das Material geschmeidig machen sollen. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die über Weichmacheröle in den Kunststoff gelangen können, und zinnorganische Verbindungen, die das Material stabilisieren sollen, gehörten ebenfalls zur Schadstoffprüfung. Außerdem haben wir das Textil der Socken auf verbotene und bedenkliche Farbstoffe und halogenorganische Verbindungen, die sich aus Farbstoff en lösen können, untersuchen lassen. Geprüft wurde auch, ob die Hersteller bei den Weißtönen mit optischen Aufhellern nachgeholfen haben.

Die Bewertung
Wir halten es für wichtig, dass nicht nur Spielzeug, sondern auch Baby- und Kinderkleidung schadstofffrei sind. Daher werten wir Phthalatweichmacher, die in Spielzeug und Babyartikeln verboten sind, konsequent ab. Streng sind wir ebenfalls bei hohen PAK-Gehalten, auch wenn diese vom Gesetzgeber noch nicht hinreichend reglementiert sind.

ÖKO-TEST rät

■ Drei Produkte können wir guten Gewissens empfehlen, darunter die Stoppersocken des Textilherstellers Hirsch Natur, die sogar aus Bio-Baumwolle gestrickt sind.
■ Der Preis ist kein Qualitätskriterium. Die „sehr guten“ Socken von Rossmann, deren Noppen auf Silikonbasis hergestellt sind, gehören zu den preisgünstigsten.
■ Fragen Sie nach Noppen aus Silikon, das ist im Vergleich die sauberere Alternative.

Geduld hilft Kindern beim Laufenlernen

Weniger ist mehr beim Laufenlernen. Der Münchner Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Fendel warnt insbesondere vor Lauflernhilfen. „Diese Produkte behindern mehr als sie helfen, denn der Gleichgewichtssinn der Kinder wird nicht geschult“, sagt Fendel, „daher ereignen sich mit den Lauflernhilfen oft schwere Sturzunfälle.“ Auch das „An-der-Hand-Gehen“, ein beliebtes Spiel von Kindern und Erwachsenen, beschleunigt das Laufenlernen nach Erfahrungen des Kinderarztes nicht. Er empfiehlt: Die Kinder in Ruhe lassen und warten, bis sie sich von selbst aufrichten. In der Regel macht der Nachwuchs seine ersten Schritte entlang von Möbelstücken. Dringend nötig ist es also, Regale wackelsicher zu verschrauben und Teppiche rutschfest zu machen.

Foto: stockbyte


Foto: SPD-Bundestagsfraktion