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TEST Synthetikteppichböden: Am laufenden Meter


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2011 vom 06.05.2011

Kunststoffteppichböden sind günstig, strapazierfähig und pflegeleicht. Leider stapeln die Hersteller bei der Angabe von Beanspruchungs- und Komfortklassen ab und an etwas zu hoch. Aber die Schadstoffbelastung hält sich in Grenzen.


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Parkett passt leider nicht ins Budget, Laminat ist zu ungemütlich. Ein schallschluckender Boden wäre gut, etwas Dämpfendes, Warmes. Das Verlegen soll kein wochenfüllendes Programm werden und außerdem: Wer weiß, wie lange man noch in der Mietwohnung wohnt? Große Investionen verkneift man sich da lieber. Viele Gründe sprechen für einen Teppichboden ...

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Parkett passt leider nicht ins Budget, Laminat ist zu ungemütlich. Ein schallschluckender Boden wäre gut, etwas Dämpfendes, Warmes. Das Verlegen soll kein wochenfüllendes Programm werden und außerdem: Wer weiß, wie lange man noch in der Mietwohnung wohnt? Große Investionen verkneift man sich da lieber. Viele Gründe sprechen für einen Teppichboden aus Kunststofffasern. Die Modelle sind mit teilweise weniger als zehn Euro pro Quadratmeter unschlagbar günstig und dennoch mit einer Beanspruchungsklasse gekennzeichnet, die viel erwarten lässt. Knapp 90 Millionen Quadratmeter sogenannter Tuftingteppiche werden Jahr für Jahr in Deutschland verlegt. Auch wenn das Laminat in den vergangenen dreißig Jahren stark aufgeholt hat und mittlerweile knapp 80 Millionen Quadratmeter jährlich verkauft werden: Der klassische Velours- und Schlingenboden hat noch immer die Nase vorn.

Zu Naturfaserteppichböden aus Ziegenhaar oder Wolle greift der Verbraucher nur selten. Das Stück Natur zu Hause macht zwar optisch was her und sorgt für ein schönes Raumklima, dämmt Schall besonders gut, das natürliche Wollfett wirkt schmutzabweisend. Aber Naturfaserteppiche kosten eine ganze Stange mehr als die synthetische Konkurrenz.

Die Herstellung von Velours- und Schlingenböden basiert auf der gleichen Technik. Beim Tuften stechen Tausende Nadeln ins Trägermaterial ein, von unten wird alles fixiert. Bei Velouren werden die Schlingen, die oben entstehen, aufgeschnitten und anschließend geschoren, um eine samtige Oberflächenstruktur zu erhalten. Die Herstellung der Auslegware findet zum Großteil in Europa statt, die großen Firmen sitzen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Anders sieht es bei abgepasster Ware, also bereits zugeschnittenen, abgekettelten und häufig gewebten Teppichen aus. Hier kommt ein großer Teil der Produkte aus der Türkei, aus Ägypten, Indien und China.

Bisher haben wir es bei Teppichböden bei einer Untersuchung der Schadstoffe belassen. Dieses Mal haben wir auch die praktischen Eigenschaften unter die Lupe genommen. Wir wollten wissen, ob die Böden wirklich so strapazierbar und komfortabel sind, wie ihre Hersteller es versprechen. Im Test: 14 Veloursteppichböden in Naturtönen, darunter Produkte aus dem Fachhandel und aus Baumärkten, das Preisspektrum bewegt sich zwischen 8,99 Euro und 55,40 Euro für den Quadratmeter.

Das Testergebnis

■ Die Schadstoffbelastung der Böden hält sich in Grenzen. Wie schon bei unserem 2004er-Test sind es vor allem die Bleigehalte sowie die mögliche elektrostatische Oberflächenspannung, die zur Abwertung führen. Bei den Praxisprüfungen zeigte sich, dass die Hälfte der Anbieter zu hoch stapelt, was die Strapazierfähigkeit oder Luxusqualität ihrer Böden angeht.
■ Da man einem Teppich nicht ansehen kann, wie strapazierbar er ist, muss sich der Kunde auf die Angaben, die er beim Einkauf erhält, verlassen können. Beanspruchungs- und Komfortklasse sind dem technischen Datenblatt zu entnehmen. Doch es ist keinesfalls selbstverständlich, dass man bei der Bestellung oder Lieferung des Bodens das passende Dokument erhält. Gerade bei den Baumärkten mussten wir richtig hinterher sein.
■ Etliche Teppiche halten nicht, was die Infos beim Einkauf, also das technische Datenblatt, versprechen.Diva Fb. 44 von Associated Weavers,Flair/ Toskana Sand 27 von Neodon undDancerVR 89-wool von Billermann geben eine höhere Beanspruchungsklasse an, als die Prüfung ergab. In der Verschleißprüfung schlugen sich diese Teppiche zwar wacker, der Verlust an Masse hielt sich in Grenzen. Aber bei den Tests in der Vetterman-Trommel, bei denen die Aussehensveränderung nach mehreren Jahren der Nutzung simuliert wird, schnitten sie schlechter ab, als die Norm für die angegebene Klasse erlaubt. Übersetzt ins normale Leben heißt das: Es können sich früher als erwartet Laufstraßen bilden. Ein besonderer Fall ist der Teppich Beige. Nach der Verschleißprüfung wurde die Beanspruchungsklasse 22+, die uns beim Kauf versprochen wurde, um eine Klasse unterschritten. Bei der Tretradprüfung aber löste sich mehr als 30 Prozent Masse aus dem Material, damit konnte das Produkt nach der Norm in keine Klasse mehr eingestuft werden, denn hier ist bei einem Verlust von mehr als 25 Prozent Schluss.
■ Bei der Überprüfung der Komfortklasse geht es darum, wie viele Noppen sich im Velours verbergen und wie schwer und dick der Pol, also die Nutzschicht, tatsächlich ist. Die Unterschiede sind groß: BeimDancer VR 89-wool wurden 1.721 Noppen pro Quadratdezimeter gezählt, bei dem ModellClub von Infloor 7.895. BeiBingo von Vorwerk ist der Pol drei Millimeter hoch, beiRennommee von Zoeppritz 7,7 Millimeter. Letztlich ist es Geschmacksache, wie dick und samtig man es mag. Wichtig ist aber, dass die Produkte die ausgewiesene Klasse erfüllen.Brillant von Parade Carpets BV und derDancer VR 89-wool versprechen zu viel. Gleich zwei Modelle von ITC - eines davon bei Hornbach eingekauft, eines im Fachhandel - entsprechen nicht der ausgewiesenen Komfortklasse.
■ Drei Teppiche enthalten mehr als Spuren von Blei, zwei umstrittene halogenorganische Verbindungen. Und ein altbekanntes Problem bekommen auch nicht alle in den Griff: die elektrostatische Aufladung, die sich auch schon bei leichten Erhöhungen schlecht aufs Raumklima auswirkt. Erhöhte Werte wurden beiFigaro New UX+ 37 gemessen, bei vier weiteren Teppichen wurden leicht erhöhte Werte ermittelt. Ausgerechnet zwei der günstigsten Vertreter - der Billermann-Teppich sowie ein ITC-Modell, das wir bei Hornbach gekauft haben - schnitten hier mit Werten unter 100 Volt ab. Das ist Naturwollteppichniveau.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 188.
Anmerkungen: 1) Zu dem Produkt wurde eine Umwelt- und Produktdeklaration nach ISO 14025 erstellt. 2) Beim Einkauf erhielten die ÖKO-TEST-Einkäufer eine Produktbeschreibung, nach der Europa St. Gallen mit der Beanspruchungsklasse 22+ und der Komfortklasse LC 5 ausgewiesen ist. Laut technischem Datenblatt des Herstellers Condor Carpets ist das Produkt, das auch unter dem Namen Timeless vertrieben wird, mit der Komfortklasse LC 2 ausgewiesen. Laut technischem Datenblatt der Firma Inver, die das Produkt in Deutschland vertreibt, entspricht das Produkt der Beanspruchungsklasse 22 und der Komfortklasse LC 3. Bei den Prüfungen, die ÖKO-TEST durchführen ließ, erreichte Europa St. Gallen/Timeless die Beanspruchungsklasse 22+ sowie die Komfortklasse LC 2. Ein Abgleich mit der deklarierten Klassifizierung ist aufgrund dieser widersprüchlichen Angaben nicht möglich. 3) Das technische Datenblatt zu Dancer VR 89-wool, das ÖKO-TEST bei Obi ausgehändigt wurde, weist das Produkt mit der Komfortklasse LC 3 aus. Das Datenblatt stammt direkt vom Billermann-Fax. Laut aktualisiertem technischen Datenblatt, das der Hersteller uns nach Erhalt der Testergebnisse zusandte, ist das Produkt mit der Komfortklasse LC 2 ausgewiesen. Laut Anbietergutachten haben Prüfungen der Fertigware des Dancer VR 89-wool Bleigehalte von 3 mg/kg ergeben. Das wären nach ÖKO-TEST-Bewertungen nur Spuren. Im Rückseitenvlies wurden laut Anbietergutachten 7 mg/kg Blei analysiert. 4) Die Produktinformation, die die ÖKO-TEST-Einkäufer beim Einkauf bei Aro erhalten haben, enthielt statt der genormten Symbole die Informationen „Komfortwert: gut“ sowie „Strapazierwert: stark“. Die Bewertung bezieht sich deshalb auf das technische Datenblatt zu Toskana, das wir daraufhin bei www.aro.de heruntergeladen haben und das die entsprechenden Symbole enthält. Die Einstufungen sind identisch mit jenen, die uns Hersteller Neodon mitgeteilt hat. Neodon vertreibt das Produkt unter dem Namen Flair, Aro unter dem Namen Toskana.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Material führt zur Abwertung um zwei Noten: eine mögliche erhöhte elektrostatische Oberflächenspannung von mehr als 2.000 bis 5.000 Volt. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) mehr als 5 mg/kg Blei; c) eine mögliche leicht erhöhte elektrostatische Oberflächenspannung von mehr als 500 bis 2.000 Volt. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führen zur Abwertung um jeweils drei Noten: a) keine Einstufung in Beanspruchungsklasse möglich wegen zu hohem relativen Massenverlust (mehr als 25%) bei der Tretradprüfung; b) widersprüchliche Angaben zur Komfortklasse, Abgleich mit tatsächlich erreichter Einstufung nicht möglich. Zur Abwertung um zwei Noten führt: angegebene Beanspruchungsklasse unterschritten. Zur Abwertung um eine Note führt: angegebene Komfortklasse um eine Stufe unterschritten. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Material und dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.
Testmethoden: Analysiert wurde jeweils eine repräsentative Mischprobe. PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle; Elementbestimmung mittels ICP-MS. Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle; Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Weichmacher/Flammschutzmittel/ antimikrobiell wirksame Substanzen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Aromatische Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung; Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2 Prüfung ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (Juni 2004); Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-4 Prüfung nach vorhergehender Extraktion DIN EN 14362-2 (Juni 2004); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-9 (September 2006); GC/MS, TLC, Bestimmungsgrenze: 5 mg/kg; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Allergisierende Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10 Norm DIN 54231 (November 2005). Dünnschichtchromatografie, TLC, HPLC mit DAD (UV/Vis-Detektor). Flüchtige organische Verbindungen (VOCs): EPZ-Probenahme mit Thermodesorption-GC/MS nach 24 h. Alle nicht näher identifizierbaren Verbindungen wurden als ToluolÄquivalent berechnet. Die Angaben beziehen sich auf einen Raum von 4 m x 3 m x 2,5 m, Luftwechselzahl 0,5/h, Produktoberfläche: 12 m². Mögliche elektrostatische Oberflächenspannung: Messung mit Elektrofeldmeter EFM 022/110/251 sowie mit Tera-Ohm-Meter TOM 374 nach alltagstypischer Reibung bei 22 °C und 45 % relativer Luftfeuchte ohne leitenden Unterboden; bis zu 200 V = sehr niedrig, mehr als 200 V bis 500 V = niedrig, mehr als 500 V bis 2.000 V = leicht erhöht, mehr als 2.000 V bis 5.000 V = erhöht, mehr als 5.000 V = stark erhöht. Praxisprüfungen: Bestimmung der Beanspr uchungs- und Komfortklasse gemäß EN 1307:2008. Kennzeichnende Merkmale: Direktive 96/73 & 96/74; ISO 1765:1986; ISO 1766:1999; ISO 8543:1998; EN 1307:2008; ISO 1763:1986. Aussehensveränderung: in Anlehnung an ISO 10361:2000. Beurteilung nach EN 1471, Verwendung eines Bodenstaubsaugers mit rotierender Bürste. Verschleißverhalten: Prüfung mit Tretradgerät System Lisson gemäß EN 1963:2007, Prüfung A. Reibechtheit (trocken/nass): DIN EN 105-X 12. Wasserechtheit: DIN EN ISO 105-E01. Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-Test-Magazin 11/2010. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 154.

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Unsere Empfehlungen

■ Für einen „sehr guten“ Boden, der ohne problematische Inhaltsstoffe auskommt und dazu auch noch hält, was er verspricht, muss man ab 20 Euro den Quadratmeter rechnen. Die günstigeren Modelle hatten immer irgendeinen Haken.
■ Wo soll der Boden liegen? Was muss er aushalten? Über all das muss man sich vor dem Kauf im Klaren sein. Das technische Datenblatt enthält die wesentlichen Informationen. Sollten Sie nicht alle Symbole entschlüsseln können: auf www.pro-dis. info werden sie erklärt.
■ Die Elektrostatik eines Bodens wird maßgeblich durch den gesamten Materialaufbau bestimmt: Je leitfähiger die Oberfläche, der Untergrund und der möglicherweise verwendete Kleber, desto weniger Elektrostatik. An trockenen Wintertagen oder bei Zentralheizungsluft ist generell mit höherer elektrostatischer Belastung zu rechnen als an einem feuchtwarmen, schwülen Sommertag.