Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Tiefkühl-Pommes-frites: Bitte wenden!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2011 vom 28.04.2011

Kaum ein anderes Nahrungsmittel ruft so einhellige Begeisterung hervor wie Pommes – nicht nur bei Kindern. Zum Glück können wir knapp die Hälfte der untersuchten Kartoffelstäbchen weitgehend empfehlen. Vier Marken sollten jedoch dringend verbessert werden.


Artikelbild für den Artikel "TEST Tiefkühl-Pommes-frites: Bitte wenden!" aus der Ausgabe 5/2011 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Dan Race/Fotolia.com

Pommes schmecken suuuper!“ Der neunjährige Nico weiß genau, was er mag und was nicht. Brokkoli, Möhren oder Pellkartoffeln gehören jedenfalls nicht dazu. Sehr zum Leidwesen seiner Eltern. Diese mühen sich seit Jahr und Tag, etwas Vernünftiges in ihren Sohn hineinzubekommen. Doch die Erfolge sind mäßig und meist mit ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2011 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 5/2011 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 5/2011 von Neue Produkte: im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 5/2011 von TEST Discounterprodukte: Penny, Netto Marken-Discount, Norma: Ist das denn Norma(l)?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Discounterprodukte: Penny, Netto Marken-Discount, Norma: Ist das denn Norma(l)?
Titelbild der Ausgabe 5/2011 von Gärtnern auf Balkonien: Frischer geht´s nicht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gärtnern auf Balkonien: Frischer geht´s nicht
Titelbild der Ausgabe 5/2011 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Taschengeld: Jetzt reicht´s aber
aus dieser Ausgabe

Pommes schmecken suuuper!“ Der neunjährige Nico weiß genau, was er mag und was nicht. Brokkoli, Möhren oder Pellkartoffeln gehören jedenfalls nicht dazu. Sehr zum Leidwesen seiner Eltern. Diese mühen sich seit Jahr und Tag, etwas Vernünftiges in ihren Sohn hineinzubekommen. Doch die Erfolge sind mäßig und meist mit knallharten Kompromissen erkauft. „Drei Gabeln Tomatensalat für die Bundesliga im Sky-TV“ ist so ein Ergebnis zähen Ringens. Besser klappt es da mit dem größeren Sohn, dem elfjährigen Jonas. Der isst die knusprigen Kartoffelstäbchen zwar auch für sein Leben gern, aber er mag eben auch das meiste Grünzeug.

Doch was tun, wenn Kinder am liebsten vermeintlich Ungesundes essen? „Aus meiner Erfahrung sehen Eltern die Ernährung ihrer Kinder häufig viel zu schwarz“, meint Ernährungswissenschaftlerin Stephanie Wetzel, die in Berlin Unternehmen, Kindertagesstätten und Schulen in Sachen Ernährung berät. „Kinder essen nie „nur“ ungesund.“ So esse das eine Kind zumindest Obst, ein anderes immerhin Kartoffeln. Ganz wichtig sei, die Kinder in dem, was ihnen schmeckt und was nicht, ernst zu nehmen. „Jeder soll sein Lieblingsessen bekommen dürfen. So könnte es für Nico zum Beispiel immer freitags Pommes geben, während an anderen Tagen andere Familienmitglieder dran sind.“ Gute Erfahrungen hat Wetzel damit gemacht, für das Essen klare Regeln einzuführen, diese aber „locker“ zu vermitteln. Dabei helfe es, die Kinder in die Planung, den Einkauf oder das Kochen einzubeziehen. „Dann probieren sie viel eher auch mal Gemüse.“

Fest steht, dass Pommes reichlich Fett und Kalorien enthalten. Konkret schlägt eine 150-Gramm-Portion im Backofen zubereiteter Fritten bei fünf Prozent Fett mit rund 300 Kalorien zu Buche, während die gleiche Portion aus der Fritteuse rund 15 Prozent Fett und 480 Kalorien liefert.

Doch auch Schadstoffe können ein Thema sein. Bekannt ist das Krebsgift Acrylamid, das immer dann entsteht, wenn Pommes, Toastbrot oder Kekse zu dunkel gebacken werden. Ein anderes Problem können die Fettschadstoffe 3-MCPD-Ester sein. Sie bilden sich während der industriellen Reinigung von Ölen, der sogenannten Raffination. Wie man die Schadstoffbildung drosseln kann, wird derzeit intensiv erforscht. Doch eine Lösung, die sich im industriellen Maßstab umsetzen ließe, ist noch nicht in Sicht. Klar ist immerhin, dass der Hauptverdächtige Palmöl heißt. So bleibt derzeit nur, Palmöl gegen andere, unproblematischere Öle auszutauschen – was viele Unternehmen auch tun, nicht zuletzt deshalb, weil ÖKO-TEST die Belastung mit den Fettschadstoffen immer wieder kritisiert.

In frittierten Kartoffelprodukten hat ein speziell gezüchtetes Sonnenblumenöl das Rennen gemacht: High-Oleic-Sonnenblumenöl, so der Name in Fachkreisen. Wichtiges Kennzeichen: ein hoher Anteil an Ölsäure, der für eine bessere Hitzestabilität sorgt. Ernährungsexperten beurteilen das Öl im Vergleich zu Palmöl zudem als hochwertiger. Wir wollten genauer wissen, welche Öle denn nun in Pommes frites aus der Tiefkühltruhe stecken, und ließen im Labor 20 Produkte unter die Lupe nehmen. Neben Schadstoffen interessierte uns die Fettqualität.

Das Testergebnis

→ … ist durchwachsen. So schneiden vier Produkte mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ richtig schlecht ab. „Sehr gute“ Alternativen gibt es zum Glück aber auch. Hier haben die Produkte von Aldi, Netto, Norma und Edeka die Nase klar vorn – noch vor den Markenprodukten und den Bio-Fritten.


Zwei Produkte enthalten angeblich nur Sonnenblumenöl, doch es steckt auch Palmöl drin


• Etikettenschwindel: Anbieter Penny und Aviko halten ihr Versprechen nicht, nur „reines“ bzw. „100 %“ Sonnenblumenöl einzusetzen – wie auf den Tüten zu lesen ist. In Wirklichkeit sind die Pommes mit einer Mischung aus Sonnenblumenöl und rund 35 Prozent bzw. rund 20 Prozent Palmölen vorfrittiert, so die Laboranalyse. Das ist echt ärgerlich, denn wer sich bewusst für Pommes mit Sonnenblumenöl entscheiden will, blickt hier in die Röhre. Palmöl wird aus mehreren Gründen kritisch gesehen: oft schadstofflastig, eher ungünstig für die Ernährung und häufig wenig nachhaltig im Anbau – aber billig.
• In denReal Quality Pommes Frites und denEismann Backofen-Fritten steckt nur Palmöl. Allerdings verspricht die Deklaration auch nichts anderes. Wie zu erwarten, weisen beide Produkte stark erhöhte Gehalte an 3-MCPD-Estern auf. Die mit Palmöl gemischtenMarena Pommes Frites von Penny bringen es immerhin auf erhöhte Werte. Wir haben unsere Bewertung auf Kinder bezogen, da die tolerierbare 3-MCPD-Menge aufgrund des niedrigeren Körpergewichts deutlich geringer ausfällt als bei Erwachsenen. Die beiden stark mit 3-MCPD-Estern belasteten Produkte enthalten darüber hinaus noch nennenswerte Mengen am eventuell noch bedenklicheren Fettschadstoff Glycidylester.


Die Acrylamidbelastung ist gesunken, fast jedes zweite Produkt enthält trotzdem zu viel


• Knapp die Hälfte der Marken enthält relativ viel Acrylamid. Auch hier sind wir streng und werten bereits ab mehr als zehn Mikrogramm pro 140-Gramm-Portion Pommes ab. Dabei handelt es sich übrigens um die gebackenen Pommes frites. In gefrorener Form wog die Portion 200 Gramm, was einem Backverlust von durchschnittlich 30 Prozent entsprach. Insgesamt ist die Acryl amidbelastung im Vergleich zu früheren Tests aber gesunken. So unterschreiten alle Produkte den aktuellen Richtwert der EU um ein Vielfaches, genauso wie den strengeren deutschen Signalwert. Alle Hersteller setzen demnach Maßnahmen zur Minimierung um, etwa indem sie zuckerarme Kartoffelsorten verarbeiten und schonend frittieren.
• In sieben Produkten fanden sich Hinweise auf einen beginnenden oxidativen Fettverderb – beurteilt nach der im Labor gemessenen Anisidinzahl. Laut einiger Hersteller sei diese jedoch als Beurteilungs kriterium ungeeignet, da es dafür unter anderem weder Richtnoch Grenzwerte gäbe. Aus Sicht unseres Experten ist die Anisidinzahl ein Maß für die Oxidation der eingesetzten Fette, die bei einigen Produkten niedriger ausfällt als bei anderen. Zudem schreitet die Fettoxidation fort, sodass das Fett zum Ende der Haltbarkeit verderben kann.

Unsere Empfehlungen

Achten Sie beim Kauf von Tiefkühl-Pommes auf das enthaltene Fett. Steht nur „pflanzliches Öl“ in der Zutatenliste, steckt meist Palmöl dahinter. Die Kennzeichnung „mit Sonnenblumenöl“ ist ein guter Hinweis, allerdings nicht immer verlässlich – wie unser Test zeigt.
Beim Backen im Ofen sollten maximal 200 Grad eingehalten werden (Umluft auf 180 Grad einstellen). Höhere Temperaturen fördern die Bildung von Acrylamid. Genauso wichtig: Die Fritten nicht zu braun werden lassen. Auch das Wenden während des Backvorgangs reduziert die Acrylamidbildung.
Das Frittieren sollte bei maximal 175 Grad erfolgen. Geeignet ist jedes raffinierte Pflanzenöl, etwa Sonnenblumen-, Maiskeim- oder Rapsöl. Auch hier gilt: Sobald die Pommes frites am Rand beginnen, braun zu werden, das Frittieren beenden. Verbrauchtes Öl in Flaschen abfüllen und im Restmüll entsorgen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Egal, ob Wellen-, Normal- oder Feinschnitt – die von uns ausgewählten Fritten sollten für den Backofen geeignet sein. Diese Zubereitung ist fettsparender, aber auch gebräuchlicher, da fast jeder Haushalt einen Backofen, nicht jedoch eine Fritteuse besitzt. Von den Markenanbietern Agrarfrost und McCain kauften wir je zwei Produkte, hinzu kamen die Eigenmarken von Supermärkten und Discountern, je ein Produkt der Tiefkühlspezialisten Eismann und Bofrost sowie drei Bio-Produkte.

Die Inhaltsstoffe
Im Vordergrund der Analysen standen zunächst die für diese Produktgruppe relevanten Schadstoffe Acrylamid und 3-MCPD-Fettsäureester. Acrylamid entsteht, wenn kohlenhydratreiche Lebensmittel – wie die Kartoffel – über 120 Grad erhitzt werden. Es hat sich im Tierversuch als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für den Menschen gilt. Die Analysen erfolgten in den im Backofen zubereiteten Pommes. Im Unterschied dazu bilden sich 3-MCPD-Ester bereits im Vorfeld der Pommeszubereitung, nämlich während der Raffination der zum Frittieren eingesetzten Öle. Wie sich 3-MCPD-Ester gesundheitlich auswirken, ist noch nicht so gut erforscht. Experten gehen aber davon aus, dass die Ester im Körper frei werden können, sodass freies 3-MCPD entsteht, das die Nieren schädigen und gutartige Tumore verursachen kann. Bei der 3-MCPD-Analyse miterfasst werden auch die möglicherweise noch gefährlicheren Glycidylester. Auch diese können unter Umständen im Körper frei werden, sodass freies Glycidol entsteht. Dieses hat im Tierversuch zu Krebs geführt. Weiter ließen wir analysieren, ob das eingesetzte Fett der auf der Packung angegebenen Ölsorte entspricht und inwieweit es sich oxidativ bereits verändert hat. Außerdem auf dem Prüfplan: die Temperaturempfehlungen zum Backen und Frittieren. Sind diese zu hoch, kann das die Acrylamidbildung fördern.

Die Bewertung
Wie die Produkte im Endergebnis abschnitten, hatte primär mit der Belastung der Schadstoffe zu tun. Die analysierten Gehalte wurden dabei jeweils auf eine 200-Gramm-Portion Pommes (gefroren) bezogen und die Werte für 3-MCPD-Ester zusätzlich auf die tolerierbare Aufnahmemenge für Kinder. Schließlich mögen Kinder Pommes besonders gern, und das sollte entsprechend berücksichtigt werden. Bei zwei Produkten führte die irreführende Angabe der Ölsorte zusätzlich zur Abwertung. Bei der Fettqualität selbst gab es hingegen nur wenig zu bemängeln.

• Die meisten Pommesprodukte bestehen aus Kartoffeln, Öl und sonst gar nichts. Andere wiederum warten mit langen Listen an Zusätzen auf, darunter Phosphate, Verdickungsmittel, Farbstoffe, Salz und Dextrose – ohne jedoch einen besonderen Geschmack hervorzuheben. Da es in dieser Produktgruppe offensichtlich anders geht, werten wir Zusätze ab.
• Viele Hersteller geben zur Berechnung des Energiegehalts eine Portionsgröße an. Das ist gut. Allerdings sollten die Angaben nichts beschönigen und auf realistischen Portionsgrößen beruhen. War das nicht der Fall, führte das zur Abwertung. Unklar bleibt auf einigen Packungen, ob sich die Nährwertangaben pro Gewichtseinheit auf die gefrorenen oder zubereiteten Pommes beziehen. Wer die verzehrte Portion genauer einschätzen will, braucht diese Information aber.

Wer die Portion Pommes mit 100 oder 120 Gramm angibt, spart nur scheinbar Kalorien
• Besonders pikant: Real wirbt damit, dass die Pommes in einem „hochwertigen Öl“ vorgebacken sind. Enthalten ist jedoch Palmöl, was gerade nicht als hochwertig gilt. Das führt zu zwei Noten Abzug unter den Weiteren Mängeln.

So reagierten die Hersteller
Penny teilte mit, dass mit dem Lieferanten seit Anfang November der Einsatz von 100 Prozent High-Oleic-Sonnenblumenöl vereinbart sei. Die Gutachten des Lieferanten, die Penny uns zur Verfügung stellte, würden keinen Rückschluss auf eine Beimischung von Palmöl zulassen. Man stehe diesbezüglich jedoch in engem Dialog mit dem Hersteller. Die Gutachten sind tatsächlich unauffällig, beruhen allerdings auf anderen, nicht von uns untersuchten Chargen.
Birgit Hinsch