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TEST Tomatenmark: Da sehen wir rot


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 29.07.2021

RATGEBER

1 Schimmelpilzgifte „stark erhöht“ heißt es ausgerechnet in drei Bio-Produkten. Das Tomatenmark von Alnatura, Dm Bio und Ener Bio (Rossmann) lassen Sie besser im Regal. Zum Glück gibt es vier „sehr gute“ Bio-Alternativen.

2 Günstig muss nicht schlecht sein: Drei preiswerte konventionelle Produkte schneiden „sehr gut“ ab. Das Markenprodukt von Cirio hingegen ist als einziges „ungenügend“.

3 Sie wollen Ihr Tomatenmark lieber selber machen? Können Sie. Auf Seite 62 verraten wir Ihnen wie.

Artikelbild für den Artikel "TEST Tomatenmark: Da sehen wir rot" aus der Ausgabe 8/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

TEST: JOHANNA MICHL

So schön einfach, so schön praktisch: Tomatenmark ist aus der schnellen italienischen Küche nicht wegzudenken. Gut, dass fast die Hälfte der 20 getesteten Produkte Pizza, Lasagne und Minestrone noch ein bisschen besser machen. Blöd, dass in fast der gesamten anderen Hälfte Schimmelpilzgifte in einer Höhe stecken, die wir als „erhöht“ oder sogar „stark erhöht“ bewerten.

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Klingt eklig? Ist es. Aber Ekel ist hier nicht das größte Problem. Bei den im Test entdeckten Schimmelpilzgiften handelt es sich um Alternariatoxine, speziell um Alternariol und Tenuazonsäure (TeA). Beide stellen ein mögliches Gesundheitsrisiko dar (siehe Kasten auf S. 56). Jetzt sollte man meinen: Wenn das so ernst ist, dann gibt es auch Grenzwerte. Dann tut die Politik etwas dagegen. Von echten Grenzwerten ist die Politik allerdings noch weit entfernt. Die EU-Kommission plant gerade „Richtwerte“, nach denen Unternehmen sich, wie der Name schon sagt, richten können – oder eben auch nicht. Für das „oder eben auch nicht“ haben sich vier Hersteller entschieden. In den Bio-Produkten von Alnatura, Dm Bio und Ener Bio (Rossmann) stecken Alternariatoxine in einer Höhe, die die geplanten Richtwerte für verarbeitete Tomatenprodukte überschreiten. Am stärksten belastet und damit als einziges Produkt im Test „ungenügend“ ist das Cirio Tomatenmark doppelt konzentriert, das sogar beide Richtwerte, also die für Alternariol und TeA, deutlich übersteigt. „Supercirio“ nennt sich das Produkt auf der Verpackung – so viel Selbstbewusstsein sollte man sich leisten können.

Verbotenes Pestizid

Unser zweiter Kritikpunkt: In fünf Produk-ten stecken Spuren von besonders bedenklichen Pestiziden. Kauflands Eigenmarke K-Classic ist diesbezüglich am stärksten belastet. In dem Tomatenmark hat das von uns beauftragte Labor neben dem bienentoxischen Imidacloprid auch das in Deutschland bereits verbotene Chlorfenapyr nachgewiesen.

Bella España

Jetzt zur Herkunft. Die meisten Produkte schmücken sich in den italienischen Nationalfarben, viele Hersteller schreiben zudem auf die Verpackungen, dass sie nur Tomaten aus Italien verwenden. Weil das zieht. Weil wir Verbraucherinnen und Verbraucher Wert drauf legen, dass unser Olivenöl, unsere Spaghetti und eben unser Tomatenmark aus Bella Italia stammen. Die Firmen profitieren von dieser Verbrauchererwartung. Und das ist völlig legitim – wenn die Tomaten wirklich aus Italien stammen. Das haben wir per Isotopenanalyse untersuchen lassen. Zudem haben wir die Hersteller gebeten, uns die Lieferkette transparent nachzuweisen. Das Ergebnis: Tatsächlich kommen fast alle Tomaten aus Italien. In drei Fällen deutet die Analyse allerdings auf die Herkunft Spanien oder Marokko hin. Bei dem Lidl-Produkt Freshona ist das ein Problem: Es hat auf der Verpackung die italienischen Nationalfarben abgedruckt. Das ist laut einer EU-Verordnung nur erlaubt, wenn die Tomaten tatsächlich aus Italien stammen oder auf der Verpackung steht, dass dem eben nicht so ist. Daran ändern auch die Lieferdokumente, die Italien als Herkunft nachweisen, wenig. Denn die zeigen nur, dass ein Teil der Tomaten aus Italien stammt.

„Fast jedes zweite Produkt hat ein Problem mit Schimmelpilzgiften – höchste Zeit, dass die EU nicht nur laxe Richtwerte, sondern gesetzliche Grenzwerte festlegt.“

Johanna Michl ÖKO-TEST-Redakteurin

Die Arbeitsbedingungen auf den Feldern in Süditalien sind hart. In der sengenden Hitze arbeiten viele Migranten, oft illegale, für einen Hungerlohn. Sie leben teils in Gettos ohne fließend Wasser und Strom. Wir wollten von den Herstellern wissen, ob sie sich wenigstens um bessere Arbeitsbedingungen bemühen. Dafür sollten sie die Lieferkette transparent offenlegen – denn nur, wer weiß, wo seine Tomaten herkommen, kann auch etwas bewirken. Zudem sollten sie uns mit Zertifikaten und Auditberichten, die sich an internationalen Sozialstandards orientieren, überzeugen. In unserem Test Passierte Tomaten (ÖTM 05/2021) hatte das noch die Hälfte der (oft identischen) Hersteller verschlafen. Für das Tomatenmark sind nun alle aufgewacht und haben uns die Nachweise geschickt. Immerhin!

Wir haben getestet

WISSEN

TEST Tomatenmark: Alternaria ... was?

Was sind Alternariatoxine?

Alternariatoxine sind Gifte von Schimmelpilzen. Schwärzepilze der Gattung Alternaria produzieren sie, daher der Name.

Wo sind die drin?

Auf Pflanzen sind Alternariatoxine ziemlich weit verbreitet – sie können etwa in Nüssen, Getreide, Gewürzen, Obst und Gemüse wie eben Tomaten stecken.

Was machen die?

Im Test haben die von uns beauftragten Labore zwei Formen entdeckt: Alternariaol und Tenuazonsäure (TeA). Beide sind bedenklich, Alternariol aber noch einmal mehr: Es wirkt „in vitro genotoxisch“, hat also in Zellstudien das Erbgut geschädigt. TeA hat in Tierversuchen die Bildung körpereigener Proteine gehemmt, was erst einmal harmlos klingt, aber zu Organschäden führen könnte.

So haben wir getestet

Im Test: Tomatenmark. 20 Produkte sind in unserem Einkaufswagen gelandet, darunter ein-, zwei- und dreifach konzentriertes Tomatenmark. Acht stammen aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft. Die von uns beauftragten Labore untersuchten das Tomatenmark auf Schimmelpilzgifte, Rückstände von Pestiziden, Ergosterol und Lycopin. Letzteres ist ein Qualitätsparameter, der anzeigt, dass der Hersteller reife und wenig grüne Tomaten verwendet hat. Hier hatten wir nichts zu bemängeln. Ergosterol hingegen ist ein Indikator, der darauf hinweist, dass teils nicht mehr ganz frische Tomaten verarbeitet wurden. Erstmals haben wir in diesem Test auch die Isotopenanalyse eingesetzt, um Rückschlüsse auf die Herkunft der Tomaten zu ziehen. Zudem sollten die Hersteller die Lieferkette der Tomaten offenlegen. Weiterhin wollten wir von ihnen wissen: Bemühen sie sich wenigstens um bessere Arbeitsbedingungen auf den Feldern? Das sollten sie mit aussagekräftigen Nachweisen belegen. Denn: Transparenz ist die Grundvoraussetzung dafür, dass sich die Situation für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Feldern in Süditalien bessert.

Fett gedruckt sind Mängel.

Abkürzungen: TeA: Tenuazonsäure, AOH: Alternariol.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Hinweis auf eine konventionelle Düngung bei einen Bio-Produkt. 3) Laut Anbieter ist die Umstellung auf eine PVC-freie Deckeldichtung ab 01.06.2022 geplant. 4) Weiterer Mangel: Die bildliche Darstellung einer italienischen Flagge in Herzform mit der Aufschrift „Prodotto in Italia“ bei einem Produkt, deren Tomaten laut Isotopenanalyse (der von ÖKO-TEST untersuchten Charge) mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 % nicht aus Italien stammen. 5) Laut Gutachten des Lieferanten wurde bei einem Produkt anderer Marke – jedoch mit gleicher Charge des hier untersuchten Produkts – ein geringerer Gehalt an Tenuazonsäure festgestellt, der bei uns zu keiner Abwertung führen würde. 6) Laut Herstellergutachten einer ähnlichen Charge, aber aus derselben Abfüllung, wurde ein geringerer Gehalt an Tenuazonsäure analysiert, der bei uns zu keiner Abwertung führen würde. 7) Laut Anbietergutachten zweier anderer als der von uns getesteten Charge wurde die Herkunft Italien bewiesen. Bei der von ÖKO-TEST beauftragten Analyse deuten die Isotopenwerte eher auf eine Herkunft aus Spanien oder Marokko hin. 8) Laut Anbieter habe der Hersteller glaubhaft bestätigt, keinen konventionellen Dünger eingesetzt zu haben, was auch regelmäßig im Rahmen der Bio-Kontrollen geprüft werde. Es sei nur für den biologischen Anbau zugelassener Flüssigdünger sowie Hühnermist verwendet worden. 9) Laut Anbietergutachten mit ähnlicher Charge (laut Anbieter: gleiche Rohware) und einem weiteren anderer Charge wurde die Herkunft Italien bewiesen. Bei der von ÖKO-TEST beauftragten Analyse deuten die Isotopenwerte eher auf eine Herkunft aus Spanien oder Marokko hin.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Gehalte an Alternariatoxinen über den von der EU vorgeschlagenen Richtwerten für verarbeitete Tomatenprodukte von 500 µg/kg für Tenuazonsäure und /oder 10 µg/kg für Alternariol (in der Tabelle: jeweils „stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Tenuazonsäuregehalt, der den von der EU vorgeschlagenen Richtwert zu mehr als der Hälfte ausschöpft (in der Tabelle: „TeA erhöht“); b) ein in der EU nicht zugelassenes, bedenkliches Pestizid (hier: Chlorfenapyr) sowie ein weiteres bedenkliches Pestizid (hier: Imidacloprid) im Spurenbereich. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein besonders bedenkliches Pestizid im Spurenbereich (hier: Dimethomorph). Dimethomorph gilt laut ECHA als vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen; b) ein Ergosterolgehalt von mehr als 15 mg/kg Tomatentrockenmasse (in der Tabelle „Ergosterol erhöht“), wenn nicht schon für Alternariatoxine abgewertet wurde. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Unter dem Testergebnis Transparenz führt zur Abwertung um eine Note: für die Herkunft der Tomaten in der untersuchten Charge konnte per Isotopenanalyse das vom Anbieter mitgeteilte Herkunftsland Italien nicht bestätigt werden. Anhand von Lieferscheinen und anderen von Anbieter und / oder Hersteller gesendeten Dokumenten wurde die Herkunft aus Italien belegt. Als Nachweise für die Bemühung um faire Arbeitsbedingungen werteten wir Zertifikate der Sozialstandards SA8000 und Social Footprint sowie Evaluierungsnachweise für Global Gap mit dem Zusatz GRASP; außerdem Auditberichte bzw. die nachgewiesene Mitgliedschaft für das Kontrollinstrument Sedex/SMETA – jeweils bezogen auf den genannten Verarbeitungsbetrieb und/ oder den/die Erzeuger. Die Nachweise sollten dem Herstellungsbetrieb und der Produktgruppe nachvollziehbar zuzuordnen sein. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Die bildliche Darstellung einer italienischen Flagge in Herzform mit der Aufschrift „Prodotto in Italia“ bei einem Produkt, deren Tomaten laut Isotopenanalyse (der von ÖKO-TEST untersuchten Charge) mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 % nicht aus Italien stammen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung; b) Hinweis auf eine konventionelle Düngung bei einem Bio-Produkt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Transparenz bzw. ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Transparenz bzw. ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. „Gute“ Testergebnisse Transparenz bzw. Weitere Mängel wirken sich nicht aus.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2108. Einkauf der Testprodukte: März – April 2021.

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