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TEST Vegane Brotaufstriche


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ÖKO-TEST Spezial Vegetarisch und Vegan - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 12.11.2020

TEST Vegane Brotaufstriche

ÖKO TEST

RATGEBER 

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1 Wer auf einen hohen Gemüseanteil achtet, spart meistens auch beim Fett.

  2 Einmal geöffnet halten sich die Aufstriche im Kühlschrank nur wenige Tage. Wenn’s knapp wird, den Aufstrich als Dip, Pesto oder zum Kochen zweckentfremden. 

3 Das Glas drum herum einfach mal weglassen und Gemüse pur aufs Brot legen: Tomaten, Gurken, Salat, Kohl – alles geht.

D as Angebot an pflanzlichen Brotaufstrichen wächst und wächst. Selbst beim Discounter findet man die Aufstriche – in der Regel in Bio-Qualität. Dass pflanzenbetontes Essen ein Megatrend ist, zeigt nicht zuletzt ...

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... eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Forsa. Demnach bezeichnete sich rund die Hälfte der Befragten als Flexitarier, also als jene, die sich immer mal wieder bewusst gegen Fleisch auf dem Teller entscheiden. Die Organisation Proveg International stellte 2019 in einer Untersuchung Ähnliches fest, fand aber auch heraus, dass Verbraucher mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis und dem Geschmack veganer Produkte häufig unzufrieden sind und ihnen das Angebot insgesamt nicht vielfältig genug sei.

Grund genug, vegane Bio-Brotaufstriche wieder unter die Lupe zu nehmen. Wie in unserem Test 2017 haben wir uns auch dieses Mal die besonders verbreitete Geschmacksrichtung Tomate-Paprika vorgenommen. Damals war jedes dritte Produkt stark mit Mineralölbestandteilen belastet, etliche andere wiesen leicht erhöhte Gehalte auf.

Mineralöl ist kein Thema mehr

Tatsächlich fand das beauftragte Labor Mineralöl in diesem Test nur noch vereinzelt, und wenn, dann in geringen Spuren, die wir nicht abwerten. Es geht also deutlich besser. Bio-Hersteller Allos erklärt dies unter anderem mit einer stärkeren Sensibilisierung der Rohstofflieferanten. Sie würden ihre Prozesse stetig verbessern und müssten dies durch regelmäßige Mineralölanalysen nachweisen. Auch für die eigene Produktion werde sichergestellt, dass kein Eintrag stattfinde.

Es gibt weitere gute Nachrichten: So hat das Labor keinerlei Rückstände von Pestiziden nachgewiesen. Auch Chlorat wurde lediglich in unbedenklichen Mengen gefunden. Chlorat ist ein Rückstand aus der Trinkwasserdesinfektion, der die Jodaufnahme in die Schilddrüse negativ beeinflussen kann.

Einmal zu viel Nickel

Auffällig viel Nickel fand das Labor jedoch in dem Bio Zentrale Aufstrich Rucola Tomate. Bereits mit einer 30-Gramm-Portion dieses Aufstrichs nimmt ein Erwachsener mehr als die Hälfte der Menge auf, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) als Obergrenze für einen Tag empfiehlt. Nickel hat in Tierstudien die Entwicklung und die Fortpflanzung gestört. Die Efsa hat deshalb für die langfristige Aufnahme einen sehr niedrigen Tagestoleranzwert festgelegt. Die gefundenen Mengen in den anderen Aufstrichen liegen deutlich niedriger.

Gemüse: von viel bis sehr wenig

Die Spanne der Gemüseanteile reicht von opulenten 84 Prozent im Sanchon Bio Brotaufstrich Antipasti Olive bis zu mageren 17 Prozent in der Mein Veggie Tag Vegane Bio Streichcreme Paprika-Chili. Dabei nennen alle Produkte im Test mindestens eine Gemüsesorte im Namen und bilden die Früchte meist groß und bunt auf den Gläsern ab. Auch der neue Nutri-Score, den Hersteller ab Herbst 2020 offiziell auf ihre Produkte drucken dürfen, bezieht den Gemüseanteil als positiven Aspekt ein. Bereits ab mehr als 40 Prozent können Obst und Gemüse etwa einen zu hohen Kaloriengehalt ausgleichen. Wir ziehen bei den Brotaufstrichen eine Note ab, wenn der Gemüseanteil unter 50 Prozent liegt.

Wie viel Gemüse in den Produkten steckt, können Verbraucher nicht immer erkennen. Wir haben deshalb nachgefragt. Wie im Nutri-Score zählen wir Tomatenmark und Hülsenfrüchte zum Gemüse dazu. Erste Hinweise liefert das Zutatenverzeichnis auf den Gläsern: Stehen Sonnenblumenkerne, Sonnenblumenöl oder Wasser ganz oben, ist der Gemüseanteil meistens gering.

Fettiger als Leberwurst

Wenig Gemüse bedeutet meist auch viel Fett im Glas. So bringt es die Mein Veggie Tag Vegane Bio Streichcreme Paprika-Chili auf 34 Gramm Fett pro 100 Gramm – mehr als jedes andere Produkt im Test. Liegt der Fettgehalt über 30 Gramm pro 100 Gramm, haben wir abgewertet. Selbst mit Leberwurst oder Doppelrahmfrischkäse bleiben Freunde des Aufstrichs noch unter diesem Wert. Das in den Pflanzenprodukten verwendete Sonnenblumenöl ist trotzdem wertvoller. Denn es ist reich an gesunden ungesättigten Fettsäuren. Das besonders hochwertige Rapsöl steckt jedoch nur im Aufstrich von Zwergenwiese.

Zu viel Salz in der Ernährung kann Bluthochdruck fördern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb maximal sechs Gramm am Tag. Tatsächlich nehmen 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer mehr auf. Verantwortlich dafür sind zu einem großen Teil die Salzgehalte in Brot, Wurst und Käse. Vegane Aufstriche, die auch gesundheitlich punkten wollen, sollten deshalb nicht zu viel Salz enthalten.

Zu viel Salz

Wir ziehen die Grenze bei 1,5 Gramm pro 100 Gramm und orientieren uns dabei am „alten“ Ampelsystem der Verbraucherzentralen. Auch dieses sollte Verbrauchern helfen, die Nährwerte von Fertiglebensmitteln besser einordnen zu können. Damals sprang die Ampel auf Rot, wenn der Salzgehalt bei mehr als 1,5 Gramm pro 100 Gramm lag. Der Nutri-Score bewertet zu viel Salz ebenfalls negativ. Er beschert Produkten mit solch hohen Salzgehalten allein sechs von zehn möglichen Minuspunkten.

Erfüllt die Erwartungen

In puncto Sensorik stellten die Experten allen Aufstrichen „sehr gute“ Noten aus: Kein Produkt fiel durch muffige oder bittere Noten unangenehm auf, und alle wertgebenden Zutaten wie Tomaten, Kräuter oder Hanf waren geruchlich und geschmacklich wahrnehmbar.

*Gemüseanteil: alle Gemüsezutaten inklusive Tomatenmark und Hülsenfrüchten.

Fett gedruckt sind Mängel.

  Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128.

  Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung. 2) Laut Anbieter stammen die 28 Prozent Tomaten nachweislich aus „geretteter“ Bio-Rohware in Spanien. „Gerettet“ bedeutet in diesem Fall, dass der Bio-Landwirt einen fairen Preis erzielen konnte. Andernfalls hätten die gesunden, aber nicht voll ausgereiften Bio-Tomaten unter Preis verkauft werden müssen. 3) Weiterer Mangel: Bezeichnung eines veganen Produkts als „Vegetarische Streichcreme“. 4) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: Auslobung eines veganen Produkts als „laktosefrei“). 5) Laut Anbieter handelt es sich bei der Angabe „laktosefrei“ um eine sinn-und wertvolle Information. Dadurch werde gewährleistet, dass laktoseintolerante Erwachsene den Verzehr des Aufstrichs aufgrund des garantierten Gehalts von ≤ 0,1 g Laktose pro 100 g in ihre Ernährung sicher integrieren können. 

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Nickelgehalt, der den TDI der Efsa von 2,8 µg/kg Körpergewicht zu mehr als 50 bis 100 Prozent ausschöpft. Zugrunde gelegt haben wir ein Körpergewicht von 60 kg und eine 30-g-Portion. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gemüseanteil von weniger als 50 Prozent oder keine Angabe hierzu. Zum Gemüseanteil haben wir alle Gemüsezutaten, Tomatenmark und Hülsenfrüchte gezählt, wie von den Anbietern oder Herstellern genannt und/oder im Zutatenverzeichnis aufgeführt; b) ein deklarierter Salzgehalt von mehr als 1,5 g/100 g; c) ein deklarierter Fettgehalt von mehr als 30 g/100 g. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Bezeichnung eines veganen Produkts als „Vegetarische Streichcreme“; c) Werbung mit Selbstverständlichkeiten: Auslobung eines veganen Produkts als „laktosefrei“. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/T2011

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2020. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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