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TEST VEGANE FERTIGGERICHTE : FIX & FERTIG


ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 02.11.2018

Ob Chili sin Carne oder indisches Curry: Vegane Fertiggerichte gibt es für jeden Geschmack. Häufiges Problem: zu viel Salz. Wie sieht es mit Schadstoffen aus? Wie schmeckt das überhaupt? Wir haben Produkte ohne tierische Zutaten getestet.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken, Ausgabe 11/2018

Vegan zu leben ist mehr als nur ein kurzfristiger Trend. Die Zahl der Veganer steigt seit Jahren. Mittlerweile ernähren sich rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland rein pflanzlich. Doch nicht nur strenge Veganer sind für die Lebensmittelindustrie eine neue, begehrte Zielgruppe: Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts TNS aus dem Jahr 2015 isst mehr als ...

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... die Hälfte der Deutschen bewusst seltener Fleisch. Auch diese Flexitarier haben vegane Lebensmittel für sich entdeckt – insbesondere solche, die optisch und geschmacklich an die Lebensmittel erinnern, die der gemeine Mischköstler zu essen gewohnt ist. Das Angebot an rein pflanzlichen Speisen wächst daher stetig. Auch die Produktgruppe der Fertiggerichte erlebt einen Aufschwung. Laut Marktforschungsinstitut Mintel waren im Jahr 2013 gerade einmal 2,71 Prozent aller Fertiggerichte vegan. 2017 betrug der Anteil bereits 12,32 Prozent. Ein Umstand, den die internationale Ernährungsorganisation Proveg, ehemals Vebu, ausdrücklich begrüßt. Je größer die Verfügbarkeit veganer Alternativen in allen Produktgruppen sei, desto mehr Menschen kämen mit pflanzlichen Lebensmitteln in Berührung und würden erkennen, wie einfach es sei, rein pflanzlich zu leben.


Ob strenge Veganer oder bewusste Flexitarier – die Lebensmittelindustrie hat neue kauffreudige Zielgruppen für sich entdeckt.


Auch die Tierrechtsorganisation Peta ist froh über jedes Produkt, das den Stempel „vegan“trägt – ob aufwendig verpacktes Fertiggericht oder naturbelassenes Grundnahrungsmittel. „Wir wollen, dass die Menschen vegan leben. Und da hilft es natürlich, wenn sie überall dort vegane Lebensmittel erhalten, wo sie auch sonst immer einkaufen“, sagt Felicitas Kitali, Fachreferentin für Ernährung bei Peta.

Aber was ist davon zu halten, wenn ehemals ausschließlich fleischverarbeitende Unternehmen plötzlich vegane Alternativen anbieten? Für Proveg und Peta ist auch das „ein Fortschritt“. Für Andreas Bender, Tierschutzaktivist und Chef einer veganen Druckerei, ist das hingegen ein absolutes No-Go. „Menschen, die aus ethischen Gründen vegan leben, möchten Tierausbeutung verhindern. Wenn sie nun aber beispielsweise Produkte von Wiesenhof kaufen, unterstützen sie die dortige Tierausbeutung“, sagt Bender. In seinen Vorträgen, die er bundesweit zum Thema Greenwashing hält, möchte Bender darauf aufmerksam machen, dass die großen Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht kleine Firmen mit ausschließlich veganer Produktpalette verdrängen.


„Der Kauf veganer Produkte von Fleischherstellern unterstützt die dortige Tierausbeutung.“


Für Proveg stehen die positiven Auswirkungen des veganen Engagements der großen Unternehmen im Vordergrund. Sie könnten Produkte schneller und günstiger auf den Markt bringen und diesen entsprechend beeinflussen. Auch Peta begrüßt die Signalwirkung, die der Einstieg der Fleischindustrie in den veganen Markt hat. Gleichzeitig hält Tierrechtlerin Kitali es trotzdem für die beste Entscheidung, bei rein veganen Herstellern einzukaufen.

Wo und von welchem Anbieter Sie kaufen, müssen Sie selbst entscheiden. Die Qualität sollte in jedem Fall stimmen. Wir haben 20 vegane Fertiggerichte sowohl auf Schadstoffe als auch auf geschmackliche Auffälligkeiten untersuchen lassen.

DAS TESTERGEBNIS

Gute Nachrichten: Drei Viertel der veganen Fertiggerichte können wir als „sehr gut“ oder „gut“ empfehlen. Schadstoffe stecken nur in wenigen Produkten und geschmacklich haben Chili sin Carne und die anderen auch überzeugt.
Kochsalz an sich ist kein Problem. Zu viel davon kann zum Problem werden. Bei empfindlichen Menschen lässt es den Blutdruck steigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als sechs Gramm Salz am Tag zu verzehren. Über sechs Gramm Salz pro Portion stufen wir daher als „stark erhöht“ ein, mehr als drei Gramm als „erhöht“.
Mineralöl, nein danke. Gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) können bereits bei der Ernte, aber auch während der Produktion in die Lebensmittel gelangen. POSH können aus Kunststoffen in den Verpackungen ins Produkt übergehen. Mineralölbestandteile wie MOSH lagern sich in der Leber und im Fettgewebe ab und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt. Wir werten vier Produkte aufgrund ihrer MOSH/POSH-Gehalte ab, drei davon sind Instantgerichte.

Fix auf den Teller: Vegane Fertiggerichte erleichtern es Neuveganern, sich rein pflanzlich zu ernähren.


Foto: Stockbyte/getty images

Chlorpropham setzen Kartoffelbauern als Keimhemmungsmittel ein, die Kartoffeln sind so länger haltbar. Der Stoff ist allerdings besonders bedenklich, da er vermutlich Krebs auslösen kann. Im Satori Gemüsecurry Napapiri und im Jütro Vegan Gemüse Curry Napapiri hat das Labor Chlorpropham-Gehalte nachgewiesen, die über unserer Abwertungsgrenze liegen. Im Jütro-Produkt kritisieren wir zudem, dass vier weitere Pestizide enthalten sind.Anorganisches Arsen kann bereits in geringen Dosen Haut, Lungen- und Harnwegstumore auslösen. Auffällige Mengen stecken im Produkt Cenovis Schneller Becher Gemüsereis Mediterran. Das Arsen stammt vermutlich aus dem Reis, der mit 79 Prozent der Hauptbestandteil des Fertiggerichts ist. Reis nimmt Arsen über die Wurzeln aus der Erde und dem Wasser auf.


In mehr als der Hälfte der Fertig gerichte steckt zu viel Salz.


Cadmium: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat für das gift ige Schwermetall Cadmium eine wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) festgelegt. Der Verzehr des Satori Gemüsecurry Napapiri schöpft diese bereits zu mehr als 50 Prozent aus.
Hefeextrakt, Würze, Aromen: Sie sollen den Gerichten einen Geschmack verleihen, den andere Hersteller durch die richtige Auswahl guter Zutaten erreichen. Die Produkte von Heirler, Weight Watchers und Fittaste werten wir wegen solcher Zusätze ab.
Geschmack, Geruch, Aussehen und Konsistenz: Sensorikexperten haben alle Fertiggerichte zubereitet und bewertet. Das Urteil fällt positiv aus, keines der Produkte schneidet schlechter als „gut“ ab. Fünf Gerichte erhielten jedoch nicht die volle Punktzahl, da die Prüfer das Aussehen oder die Konsistenz bemängelten.

Fett gedruckt sind Mängel. Abkürzungen: MOSH = mineral oil saturated hydrocarbons; POSH = polyolefi n oligomeric saturated hydrocarbons. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern fi nden Sie auf Seite 160. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Innenbeschichtung des Deckels. 2) Weiterer Mangel: unrealistisch kleine Portionsgröße. 3) Weiterer Mangel: Die Angabe „ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“. Dem Fertiggericht ist aber die Zutat Hefeextrakt beigefügt. 4) Weiterer Mangel: Die Tagesreferenzmenge wird auf 100 Gramm und nicht auf die Portionsgröße bezogen. 5) Weiterer Mangel: keine konkrete Angabe, welche Menge an Wasser dem Gericht beigefügt werden soll. Wir haben dies von einem Labor ermitteln lassen. 6) Laut Anbietergutachten wurden in einer chargengleichen Probe weniger MOSH/POSH analysiert. 7) Geringe Mängel in der Konsistenz: hier „Gemüse/Obst/Teigwaren oder dergleichen feste Einlagen: schleimig“. 8) Geringe Mängel im Aussehen: hier „stark zerschlagen (zum Teil halbe Kidneybohnen vorhanden)“. 9) Geringe Mängel in der Konsistenz: hier „Gemüse/dergleichen feste Einlagen: zu weich“. 10) Für die Berechnung des Kaloriengehalts haben wir auch die bei der Zubereitung empfohlenen 15 Gramm Öl berücksichtigt. 11) Das Produkt wird nicht speziell als „vegan“ ausgelobt. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als zwei bis vier Milligramm pro Kilogramm zubereitetes Produkt; b) ein erhöhter Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 100 bis 200 μg/kg; c) ein erhöhter Cadmiumgehalt, der die von der Efsa festgelegte wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) zu mehr als 50 Prozent ausschöpft. Für die Berechnung sind wir von einer 60 Kilogramm schweren Person ausgegangen und davon, dass der gesamte Packungsinhalt verzehrt wird. Zur Abwertung um jeweils eine Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/ POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als ein bis zwei Milligramm pro Kilogramm zubereitetes Produkt; b) ein erhöhter Kochsalzgehalt von mehr als drei bis sechs Gramm pro Portion; c) Chlorpropham als besonders bedenklich eingestuftes Keimhemmungsmittel in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg; d) fünf bis neun in Spuren nachgewiesene Pestizide und/oder Keimhemmer (hier: Chlorpropham); e) Zusatz von natürlichem Aroma und/oder Würze und/oder Hefeextrakt. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: eine DLG-Punktzahl von 4,5 bis 4,9. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckelinnenbeschichtung; b) eine unrealistisch kleine Portionsgröße (hier: Die 250-Gramm-Packung soll laut Anbieter zwei Portionen ergeben); c) die Angabe „ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“, wenn Hefeextrakt enthalten ist; d) die Tagesreferenzmenge wird auf 100 Gramm und nicht auf die Portionsgröße (hier: 400 Gramm) bezogen; e) keine konkrete Angabe, welche Menge an Wasser dem Gericht beigefügt werden soll. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Sensorik und ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, hat keine Auswirkungen auf das Gesamturteil.
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Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 5/2018. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/ zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
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ÖKO-TEST RÄT

►Fertiggerichte enthalten häufig zu viel Salz. Wer selbst kocht, würzt individuell und kann mit weniger Salz auskommen.

►Viele Fertiggerichte enthalten weder Hefeextrakt noch Aroma. Die umstrittenen Zusätze müssen auf der Verpackung genannt sein, ein Blick auf die Zutatenliste genügt.


Foto: imago/Westend61