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TEST Vegane Kosmetik: Mit Fragezeichen


ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 9/2016 vom 01.09.2016

Nicht immer kann man sich auf die Auslobung „vegan“ verlassen. Außerdem können vegane Produkte genauso wie andere Schadstoffe enthalten. Zwei Kosmetikprodukte fallen durch, doch eine beachtliche Zahl ist empfehlenswert.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken, Ausgabe 9/2016

Wer nach veganer Kosmetik sucht, der orientiert sich zunächst einmal an den Aussagen auf der Verpackung oder auf der Website des Herstellers. Dass hier schon Stolpersteine liegen können, zeigte unser Nagellacktest 2014. „Natür lich und nachhaltig: Nagellacke sind vegan (…) hergestellt“ – diesen Satz fanden wir Anfang 2014 auf der Web site von Butter London. Da verwun derte es uns schon, ...

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... dass laut Deklaration im Snog-Nagellack Guanin enthalten sein könnte. Guanin stammt klassischerweise von Fischschuppen. Auf unsere Nachfrage hin erklärte Butter London aus den USA, man behaupte ja gar nicht, dass die Lacke vegan seien. Konfrontiert mit der deutschsprachigen Internetpräsenz, hieß es dann weiter: Wir arbeiten daran, die Information auf der deutschen Website zu korrigieren.

Worauf können sich Kunden aber dann verlassen? Für die meisten Rohstoffe mit tierischen Bestandteilen haben die Hersteller mittlerweile gute Ersatzstoffe gefunden: etwa Car naubastatt Bienenwachs oder Sojaprotein statt Keratin in Shampoos und Nagelprodukten. Anhand der Inhaltsstoffliste lässt sich die Frage nach eindeutig tierischen Inhaltsstoffen zwar so einigermaßen beantworten. Allerdings können viele Verbraucher mit den Fachbegriffen nur wenig anfangen. Zudem gibt die Deklaration keine Hinweise auf Stoffe, die sowohl mit tierischen Bestandteilen als auch rein pflanzlich hergestellt werden können. Dazu gehören Fettsäuren und Glycerin. Man gewinnt sie sowohl aus tierischen Fetten als auch aus Pflanzenfetten.


Naturkosmetik bedeutet nicht zwangsläufig auch vegan


Da die Kosmetikanbieter ihre Rohstoffe von Lieferanten beziehen, haben sie keine direkte Kon trolle über den Ursprung eines Stoffes. Die Lieferanten wiederum besorgen ihre Rohstoffe teilweise noch von Zwischenhändlern. Von der Produktionsstätte der Rohstoffe bis hin zur fertigen Creme können also mehrere Zwischenschritte über Kontinente hinweg liegen.

Die Kosmetikanbieter lassen sich von den Rohstofflieferanten zwar Nachweise liefern, doch es gibt keine einheit lichen Regeln, die beschreiben, was unter veganer Kosmetik zu verstehen ist.

Naturkosmetikanbieter, die eine aussagekräftige Zertifizierung haben wie BDIH Kontrollierte Naturkosmetik und Natrue, können immerhin auf einen unabhängigen Dritten verweisen, der kontrolliert. In den Standards sind Bestandteile von toten Wirbeltieren ausgeschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass Naturkosmetik gleich vegan ist. Erlaubt sind beispielsweise der Farbstoff CI 75470, Carminrot, gewonnen von Cochenilleschildläusen, sowie Bestand teile vom lebenden Tier. Viele andere Stoffe dürfen aber nur pflanzlicher Herkunft sein. Natrue und BDIH kontrollieren die Nachweise und besuchen auch die Hersteller im Rahmen sogenannter Audits. Und tatsächlich sind viele vegane Kosmetika als Naturkosmetik zertifiziert.

ÖKO-TEST rät

■ Auf selbst entworfene Vegan-Logos können Sie sich kaum verlassen. Eine Orientierung beim Shoppen gibt die Vegan blume. Und die Naturkosmetiksiegel Natrue und BDIH stehen dafür, dass keine Bestandteile vom toten Wirbeltier eingesetzt werden.
■ Ein als vegan zertifiziertes Produkt ist nicht automatisch gut: Das „ungenügende“ Shampoo von Lush ziert beispielsweise die Veganblume.

Das bekannteste Vegan-Siegel ist die Veganblume. Hierbei sind alle tierischen Bestandteile verboten – nicht nur vom toten, sondern auch vom leben den Tier wie Wollfett und herkömmliche Milchsäure. Beim Herausgeber des Gütezeichens, der Vegan Society in Großbritannien, können Hersteller sowohl ihre konventionellen Produkte als auch Natur kosmetik registrieren lassen. Die Gesellschaft lässt sich die Herkunft ebenfalls durch Nachweise bestätigen und prüft nach eigener Aussage die Lieferkette. Auf Nach frage von uns hieß es: Kontrollbesuche bei den Herstellern können durchgeführt werden. Das bedeutet aber: Regelmäßige Kontrollen sind nicht garan tiert. Damit die Produkte die Blume tragen dürfen, zahlen die Anbieter eine jährliche Gebühr. Dabei bestätigen die Anbieter, dass das Produkt sich nicht geändert hat.

Fazit: Eine 100-prozentige Garantie für Verbraucher gibt es zurzeit nicht. Die höchste Sicherheit erreichen Hersteller, wenn sie ihre Rohstofflieferanten gewissenhaft aussuchen. Orientierung beim Kauf liefert die Veganblume und – bezogen auf den Verzicht auf tote Wirbeltiere – eine Naturkosmetikzertifizierung wie die von BDIH und Natrue.

Wie gut sind die Inhaltsstoffe von veganer Kosmetik? Kommen sie ohne Schadstoffe aus? Wir haben 27 Produkte ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Gut, aber… Die meisten getesteten veganen Kosmetika sind empfehlenswert. Durch die Bank „sehr gut“ war die zertifizierte Naturkosme tik. Die zwei „ungenügenden“ Schlusslichter sind ein Shampoo sowie ein Nagellack.
„Nicht verkehrsfähig“ heißt es für den Nagellack Spa Ritual, Crystal Waters Shimmer. Darin hat das von uns beauftragte Labor freies Phenol nachgewiesen, das im Anhang der Kosmetikricht linie der EU als verbotene Substanz gelistet ist. Schon 2014 gab es in zwei Nagellacken Befunde von freiem Phenol. Verschiedene Kon trollbehörden haben uns daraufhin bestätigt, dass dies ihrer Ansicht nach technisch vermeidbar sei – auch in den von uns gefundenen Mengen. Der von uns getestete Nagellack hätte aus unserer Sicht somit gar nicht verkauft werden dürfen. Zudem steckt in dem Lack ein bedenklicher UV-Filter sowie Triphenylphosphat.
Nichts gelernt: Im Daddy-O Shampoo von Lush zeigte die Analyse deutlich Anilin auf. Der Stoff ist krebsverdächtig und kann sich vom Farbstoff CI 17200 abspalten. Das ist nicht der erste Befund dieser Art in Produkten der Firma Lush: Schon vor mehr als zehn Jahren wiesen die von uns beauftragten Labore in einer Badekugel von Lush Anilin nach. Außer dem enthält das Shampoo bedenkliche Parabene, PEG/ PEG-Derivate und den Duftstoff Isoeugenol, der vergleichsweise häufig Allergien auslösen kann.

Tierisch oder nicht? Auf keinem der untersuchten Produkte war ein Inhaltsstoff deklariert, der eindeutig tierischen Ursprungs ist. In vielen Kosmetika stecken aber Glycerin und/oder Fettsäuren wie Öl-, Palmitin- oder Stearin säure. Bei den jeweiligen Anbietern fragten wir nach. Die meisten haben uns geantwortet und Nachweise geschickt: Entweder lassen Sie sich die vegane Herkunft vom Lieferanten bestätigen oder sie verweisen auf die Zertifizierung als Naturkosmetik, die Registrierung bei der Vegan Society in London oder auf eigene Besuche bei Lieferanten. Nicht geantwortet auf die Frage nach der Herkunft dieser Inhaltsstoffe haben Alna tura, Inika und Korres.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n. u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erübrigt.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 144.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 3) Farnesol deklariert, aber nicht im Labor nachgewiesen. 4) Enthält den UV-Filter Benzophenone-1. 5) Produkt wird auch bei Edeka vertrieben. 6) Geraniol nicht deklariert, aber im Labor nachgewiesen. 7) Citral nicht deklariert, aber im Labor nachgewiesen.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um fünf Noten führt: freies Phenol. Zur Abwertung um vier Noten führt: Anilin. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 100 mg/kg des Duftstoffs Isoeugenol in abspülbaren Produkten; b) der bedenkliche UV-Filter Benzophenon- 1; c) halogenorganische Verbindungen; d) mehr als 100 mg/kg Triphenylphosphat. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate in abspülbaren Produkten; b) bedenkliche Parabene (hier Propylparaben); c) mehr als 10 mg/kg des Duftstoffs Lyral in einem Produkt, das auf der Haut bleibt; d) der Farbstoff CI 15985 in Lippenprodukten; e) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier Acetyltributylcitrat, TXIB), wenn nicht schon wegen Triphenylphosphat abgewertet wurde. Unter den Testergebnissen Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) ein Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „T1609“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness 2015. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
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Foto: vesmil/iStock/Thinkstock