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TEST Veggie-Würstchen - Es geht um die Wurst


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 09.09.2021

TEST VEGGIE- WÜRSTCHEN

Artikelbild für den Artikel "TEST Veggie-Würstchen - Es geht um die Wurst" aus der Ausgabe 9/2021 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1

Nur sechs Bratwürstchen im Test können wir mit „gut“ oder „sehr gut“ empfehlen.

2

Sämtliche Bratwürstchen im Test eignen sich für die Pfanne und fast alle auch für den Grill. Grillen Sie möglichst bei niedrigen Temperaturen – dann trocknen die Würstchen weniger aus.

3

Achtung: Seitan besteht aus Weizeneiweiß, also Gluten. Wer Gluten nicht verträgt, wählt Würstchen ohne Weizeneiweiß.

Weniger Fleisch auf dem Speisezettel ist immer ein guter Plan. Für die Gesundheit, fürs Klima, fürs Tierwohl. Gilt das auch für Bratwürstchen? Kommt drauf an. Wie gut die Bilanz wirklich ausfällt, hängt vor allem davon ab, womit die Hersteller das Fleisch ersetzen. Wir haben 19 fleischfreie Bratwürstchen getestet. Die Mehrheit besteht hauptsächlich aus Tofu oder Sojaeiweiß, in einigen Marken bilden das Weizeneiweiß Seitan, Süßlupinen oder Gemüse die Grundlage.

Gleich vorneweg: Unter dem Strich ...

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... stehen nur wenige gute Noten. Nur eine Marke bewerten wir mit „sehr gut“, fünf mit „gut“, sechs sind „befriedigend“. Eine dominante Farbe in der Tabelle ist Rot: Zwei Produkte fallen mit „mangelhaft“ durch und fünf mit „ungenügend“. Darunter auch jeweils eines mit Bio-Zertifikat.

Von wegen gesund

Denn leider trüben Schadstoffe die gute Gesundheitsbilanz der fleischfreien Würstchen. Viele wertvolle Pflanzenproteine sind unbestritten ein Pluspunkt. Negativ zu Buche schlagen aber vor allem die im Labor gefundenen Mineralölbestandteile: 16 der 19 Produkte waren mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) verunreinigt, drei davon in einer Menge, die wir als „stark erhöht“ betrachten.

Diese Stoffe können sich im Körperfett, der Leber oder den Lymphknoten anreichern. In einem Fall fand das beauftragte Labor zusätzlich aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen sich auch krebserregende Verbindungen befinden können. Die Mineralöleinträge sind ein Problem, das wir bereits in früheren Tests von Fleischersatzprodukten festgestellt haben. Es betrifft auch die Bio-Würstchen im Test. Die Verunreinigungen können etwa aus dem Schmieröl von Produktionsanlagen oder dem Formen der Würste stammen.

Das beauftragte Labor hat zudem in fünf konventionellen Würstchen Spuren von Pestiziden gefunden. Noten haben wir für bedenkliche Stoffe wie das vermutlich krebserregende Chlorpropham abgezogen. Seine Anwendung ist in Deutschland seit Ende 2020 verboten.

Nachhilfe beim Geschmack

Von einem Bratwürstchen – auch von einem fleischlosen – erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher, dass es würzig schmeckt und dass es einen gewissen Biss hat. Geschmacklich können alle Würstchen in unserem Test überzeugen, das bescheinigten Sensorikexperten nach der Verkostung. Doch in einigen Würstchen steckt aus unserer Sicht zu viel Salz. Dauerhaft hoher Salzkonsum kann Bluthochdruck verursachen. Und damit das mit dem Geschmack und dem halbwegs Knackigen klappt, enthalten die Produkte einiges an Zusatzstoffen: Viele Hersteller helfen etwa mit Aromen, glutaminsäurehaltigem Hefeextrakt oder „Würze“ nach. „Würze“ hat allerdings wenig mit Gewürzen zu tun: Dahinter verbergen sich Eiweißhydrolysate, also chemisch behandelte und gespaltene Proteine. Solche Zusätze sehen wir kritisch, denn unser Geschmacksempfinden kann sich daran gewöhnen und der natürliche Geschmackssinn verloren gehen. Zudem lässt sich guter Geschmack auch mit natürlichen Zutaten und Gewürzen erzeugen – die Mehrheit der Bio-Würstchen führt es vor.

„Reduzierter Fleischkonsum ist gut – aber bitte mit weniger Mineralöl!“

Johanna Michl, ÖKO-TEST-Redakteurin

Schneller Nährwertvergleich

Am Ende sind vegane und vegetarische Würstchen – wie die meisten Fleischersatzprodukte – eben hoch verarbeitete Lebensmittel. Wie sie im Vergleich untereinander aus ernährungsphysiologischer Sicht dastehen, dafür liefert der Nutri -Score erste Anhaltspunkte. Wir haben den Nutri-Score, wo möglich, anhand der Nährwertangaben auf den Verpackungen errechnet und führen ihn in der Tabelle auf. Diese neu eingeführte Ampelkennzeichnung hat zwar viele Schwächen, erlaubt aber einen schnellen Vergleich gerade von hoch verarbeiteten Lebensmitteln: Auf einer Skala von A bis E bildet der Score unter anderem die Menge und Qualität der Fette oder die Menge an Proteinen und Ballaststoffen ab. Knapp die Hälfte der Produkte landet bei „C“, sechs bei „B“, und nur die Alberts Lupinen Rostbratwürstchen, vegan und die Guzinos Gemüse Grillos, 5 lange Bratwürste, vegan erhalten die beste Kennzeichnung „A“. Das liegt vor allem an einem vergleichsweise hohen Ballaststoffgehalt.

Kükentöten für vegetarische Wurst?

Und wie steht es mit dem Tierwohl? Fünf Produkte im Test sind vegetarisch, nicht vegan. Sie binden die Wurstmasse mit Ei, meist als Konzentrat eingesetzt. Mengen-mäßig ist das oft gar nicht so wenig, der Anteil an konzentrierten Eiklarpulvern beträgt bis zu knapp zehn Prozent.

Besser fürs Klima?

Herkunft der Rohstoffe macht’s

Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch – dem Klima zuliebe. Und auf diesem Feld punkten die Veggiewürstchen tatsächlich. Wie sehr – das hängt von den jeweiligen Zutaten ab: Leider schreiben die wenigsten Hersteller auf ihre Verpackung, woher die verwendeten Pflanzenrohstoffe stammen. Gerade beim Sojaanbau wäre das aber ein wichtiger Punkt: Die Hülsenfrucht – Basiszutat bei einer Mehrheit der Produkte im Test – genießt in puncto Umweltschutz nicht den besten Ruf. In den Hauptanbauländern USA und Brasilien werden noch immer riesige Flächen von Grünland oder Wald in Ackerflächen umgewandelt; auch Regenwälder, die große Mengen CO₂ binden können und eine wichtige Rolle im weltweiten Klimaschutz spielen. Kein Würstchen in unserem Test hat aber Regenwald auf dem Gewissen: Bei den konventionellen Produkten stammt das Soja überwiegend aus China oder den USA; die Bio-Hersteller beziehen es aus euro päischem Anbau, wie unsere Nachfrage ergab.

Pflanzennahrung spart CO₂

Gut so. Allerdings landen ohnehin über drei Viertel der weltweiten Sojaernte als Futtermittel in der Fleischproduktion. Das wichtigste Argument also zuletzt: Die Fleischproduktion ist so ineffizient und verschlingt so große Mengen Pflanzenfutter, dass es allemal klima-und ressoucenschonender ist, diese Pflanzen direkt zu essen, anstatt den Umweg über das Tierfutter zu nehmen – egal, ob es sich um Sojabohnen, Weizeneiweiß oder Lupinen handelt. Denn um eine Kalorie aus Fleisch zu erzeugen, braucht es im Durchschnitt sieben pflanzliche Kalorien.

Wir wollten wissen: Wie werden die Hühner gehalten, von denen die Eier stammen? Wurden im Rahmen der Zucht der Legehennen die männlichen Küken getötet? Einzig der Hersteller der Hermann Rostbratwürstchen ohne Fleisch verarbeitet Eier mit dem AMA-Gütesiegel aus österreichischer Bio-Freilandhaltung, die mehr Auslauf und die Aufzucht von Bruderhähnen vorsieht. Die übrigen Anbieter verwenden Eipulver aus Freiland-oder in einem Fall auch aus der noch schlechteren Bodenhaltung. Das Töten männlicher Eintagsküken können sie alle nicht ausschließen. Ein Anbieter im Test kündigt an, für sein Produkt – die Mein Veggie Tag Veggie Bratwurst – auf eine vegane Rezeptur ganz ohne Ei umsteigen zu wollen. Guter Plan! Denn wer Würstchen ohne Fleisch brutzelt, hat sicher nichts dagegen, wenn dafür keine Tiere leiden mussten.