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TEST VENENMITTEL: FEINE BEINE


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 25.04.2019

Mit dem Frühling kommt die Zeit der kurzen Röcke und Hosen. In der Sonne fallen Krampfadern und andere Anzeichen einer Venenschwäche besonders auf. Kapseln und Tabletten können helfen. Den überwiegenden Teil der Präparate können wir empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST VENENMITTEL: FEINE BEINE" aus der Ausgabe 5/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 5/2019

ÖKO-TEST RÄT

► Venenpräparate zum Einnehmen können helfen, die Venenbeschwerden zu lindern. Elf Produkte können wir Ihnen empfehlen.

► Venenerkrankungen gehören grundsätzlich in die Hände eines Arztes. Nur er kann feststellen, welche Behandlung notwendig ist oder ob sogar eine Thrombosegefahr besteht.

► Von Mitteln zum Einreiben raten wir ab. In unserem Test im ...

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... ÖKO-TEST Magazin 8/2016 schnitten alle 13 getesteten Gels und Cremes wegen fehlender Wirksamkeitsbelege mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ab.

Müde, schwere Beine: Das können Symptome einer Venenschwäche sein. Auch Schwellungen, Wadenkrämpfe und Juckreiz plagen viele Betroffene. Besonders oft sind es jedoch Krampfadern. 15 bis 20 Prozent der deutschen Erwachsenen leiden darunter. Frauen sind von Venenbeschwerden häufiger betroffen. Sie greifen auch viel eher zu den entsprechenden Arzneimitteln: Laut Zahlen des Datenanalysten Insight Health kauften Frauen in der Apotheke im Jahr 2018 dreimal so häufig Mittel gegen Gefäßerkrankungen und Krampfadern wie Männer. Mit 80 Prozent war die deutliche Mehrheit der Kunden 60 Jahre und älter.


15 bis 20 Prozent der deutschen Erwachsenen leiden unter Krampfadern. Frauen haben häufiger Venenbeschwerden.


Grund für die Beschwerden sind Venen, die den Rücktransport des verbrauchten, sauerstoffarmen Blutes von den Beinen ins Herz nicht mehr richtig bewältigen können. Beinvenen leisten Schwerstarbeit: Sie befördern mithilfe der Wadenmuskelpumpe täglich rund 7.000 Liter Blut gegen die Schwerkraft nach oben in Richtung Herz. Dafür, dass es nicht wieder ins Bein zurückfließt, sorgen die Venenklappen. Funktionieren sie nicht mehr richtig, kann es zu Blutstauungen kommen. Die Folge: Krampfadern und andere Symptome.

Bei einer chronisch-venösen Insuffizienz (Venenschwäche) helfen viel Bewegung und Sport sowie möglichst wenig Sitzen und Stehen. Weitere Maßnahmen: Kompressionstrümpfe und kalte Wassergüsse. Präparate zum Schlucken aus der Apotheke sollten nur ein ergänzendes Mittel sein. In Deutschland verbreitet sind Extrakte aus Rosskastaniensamen und roten Weinrebenblättern. Klinische Studien deuten darauf hin, dass sie Entzündungen hemmen, Schwellungen (Ödeme) reduzieren, Schmerzen lindern und die Durchlässigkeit der Blutgefäße verbessern.

ÖKO-TEST hat 17 Venenmittel zum Einnehmen eingekauft. Wir haben sie von Experten vom Institut für pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt am Main begutachten lassen und einen kritischen Blick auf die Deklaration geworfen.

Top oder Flop. Das Feld teilt sich in elf „sehr gute“ und „gute“ sowie in sechs „mangelhafte“ und „ungenügende“ Produkte auf. Mittelmäßige Ergebnisse gibt es nicht. Entweder die Wirksamkeit der Präparate ist nachgewiesen und wir können sie empfehlen. Oder es liegen keine oder keine ausreichenden Nachweise vor und wir raten davon ab.

Kastanien und Weinlaub vorn. Zuverlässige Wirksamkeitsnachweise liegen zurzeit nur für drei Wirkstoffe vor: für Extrakte aus Rosskastaniensamen und roten Weinrebenblättern sowie für Oxerutin. Sie sind als Wirkstoffe in 13 Mitteln enthalten. Für Rutosid und Troxerutin – in jeweils zwei Präparaten – ist die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt. Wir ziehen deshalb vier Noten unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel ab. Besser als „mangelhaft“ können sie nicht sein.

ÖKO TEST

„Azorubin färbt die Pillen kastanienfarben. Die überflüssige Beigabe kann jedoch allergische Reaktionen hervorrufen. Also: Raus damit! Das gilt auch für andere synthetische Farbstoffe.“

Frank Schuster , ÖKO-TEST-Redakteur


Keine Angabe zum Gehalt. Damit die Präparate aus Rosskastaniensamen ihre Wirkung entfalten können, müssen sie dem Körper nachweislich eine Tagesdosis von mindestens 100 Milligramm des Wirkstoffs Aescin (von „Aesculus“, lateinisch für Rosskastanie) zuführen. Das erfüllen acht von zehn Produkte.

Die Ausnahmen bilden die beiden günstigsten Rosskastanien-Präparate im Test. In den Beipackzetteln der Abtei Venen Aktiv Rosskastanien Venen-Dragees und der Zirkulin Rosskastanien Venen-Dragees gibt es keine Angaben zum Aescingehalt. Eine Aussage über deren Wirksamkeit ist somit nicht möglich. Zudem sind beide mit Wasser als Auszugsmittel hergestellt und nicht mit den Alkoholen Ethanol oder Methanol wie die anderen Mittel im Test. Der Wirkstoff ß-Aescin ist jedoch kaum wasserlöslich. Ein wässriger Extrakt besitzt eine andere Zusammensetzung als ein alkoholischer. Präparate, deren Aescingehalt unklar ist, können wir nicht empfehlen.


Bei zwei Produkten ist der Wirkstoffsgehalt unklar. Eine Aussage über deren Wirksamkeit ist nicht möglich.


Extrakt ist nicht gleich Extrakt. Für Venenmittel mit rotem Weinlaub liegt lediglich eine einzige ausreichende Studienreihe für den Extrakt mit der Bezeichnung AS 195 vor, den die Antistax Extra Venentabletten enthalten. Bei pflanzlichen Präparaten könnten Studienergebnisse jedoch „aus grundsätzlichen Überlegungen immer nur streng auf den jeweiligen Extrakt“ bezogen werden, heben Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics vom Institut für pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt am Main in ihrem Gutachten hervor.

Sie haben die Produkte für ÖKO-TEST auf ihre Wirksamkeit hin beurteilt. Die Studienergebnisse für das Antistax-Präparat könnten nicht einfach auf andere Mittel mit rotem Weinlaubextrakt übertragen werden. Deshalb erhalten die Antiveno Heumann Venentabletten, das zweite Mittel mit Weinlaubextrakt im Test, einen Abzug um eine Note.

Überflüssige Farbstoffe. Die Hilfsstoffe der getesteten Venenmittel sind größtenteils unproblematisch. Acht von ihnen enthalten allerdings synthetische Farbstoffe, die wir kritisieren. Die halogenorganische Verbindung Erythrosin (E 127) hat im Tierversuch Beeinträchtigungen der Nervenfunktion, hormonelle Effekte und krebsartige Veränderungen gezeigt. Die Farbstoffe Gelborange S (E 110) und Azorubin (E 122) können allergische Reaktionen hervorrufen.

Stützstrümpfe nicht vergessen! Die Einnahme von Präparaten ersetzt nicht andere vorbeugende Maßnahmen. Venenmittel sind nur ein Baustein zur Behandlung der Beschwerden. Wesentliche Komponenten bilden die Kompressionstherapie mit entsprechenden Strümpfen oder Wickeln sowie kalte Wassergüsse. Darüber sollten auch Beipackzettel aufklären. Fehlen solche Hinweise, werten wir das als Deklarationsmangel ab. Dies ist bei drei Produkten der Fall.

Im Samen der Rosskastanie befindet sich der Wirkstoff Aescin. Studien zeigten, dass er wirksam gegen Venenbeschwerden ist.


SO TESTET ÖKO-TEST

Manfred Schubert-Zsilavecz , Professor für pharmazeutische Chemie, beurteilte die Mittel auf ihre Wirksamkeit.


In Apotheken und Drogerien haben wir17 Venenmittel zum Einnehmen – Tabletten, Kapseln und Dragees – eingekauft. Sie dienen zur Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen (chronische Veneninsuffizienz). Häufigster Wirkstoff im Test ist mit zehn Präparaten ein Trockenextrakt ausRosskastaniensamen . Zwei Produkte enthalten einen Trockenextrakt aus rotenWeinrebenblättern , jeweils zwei weitere Rutosid und Troxerutin sowie eines Oxerutin.

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics vom Institut für pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main haben die Mittel auf ihreWirksamkeit überprüft und dazu die Studienlage ausgewertet. In ihrem Gutachten bewerteten sie die verschiedenen Wirkstoffe nach aktuellem wissenschaftlichen Stand.

In Tabletten, Kapseln und Dragees dienenHilfsstoffe unter anderem dazu, den Wirkstoff in gewünschter Weise freizusetzen. Doch nicht immer sind die eingesetzten Substanzen unproblematisch. Wir haben die Produkte aufumstrittene Farbstoffe wie Azorubin, Chinolingelb, Gelborange S und Erythrosin geprüft. Die Wirksamkeit der Präparate steht bei der Beurteilung an erster Stelle. Ist sie nicht nachgewiesen, kann das Produkt nicht besser als „mangelhaft“ sein. Notenabzug gibt es auch fürproblematische Hilfsstoffe. Ebenso dafür, wenn der Beipackzettel nicht auf ergänzende Behandlungsmaßnahmen hinweist.


Foto: imago images/Westend61

Foto: Anja Wägele

Illustration: Bodor Tivadar/Shutterstock

Foto: Jürgen Lecher, Goethe-Universität Frankfurt