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TEST Versorgungslückenrechner: Lauter Pannen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2010 vom 01.02.2010

Die Versprechen klingen vollmundig: Versorgungslückenrechner im Internet wollen Vorsorgeplanern helfen, Lücken im Alterseinkommen zu erkennen – und damit die Basis für eine verlässliche Vorsorgeplanung liefern. Doch die Ergebnisse können selten überzeugen. Über 90 Prozent aller Rechner patzten im ÖKO-TEST.


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Fast alle Bundesbürger stecken in einem Vorsorgedilemma. Diverse Umfragen belegen: Einerseits ist ihnen sehr bewusst, dass die staatliche Rente später zum Leben nicht reicht. Andererseits unterschätzen die meisten trotz aller Aufklärung über mögliche Versorgungslücken das Risiko, im ...

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Fast alle Bundesbürger stecken in einem Vorsorgedilemma. Diverse Umfragen belegen: Einerseits ist ihnen sehr bewusst, dass die staatliche Rente später zum Leben nicht reicht. Andererseits unterschätzen die meisten trotz aller Aufklärung über mögliche Versorgungslücken das Risiko, im Alter in Geldnöte zu geraten. Denn wie viel Geld sie im Ruhestand wirklich benötigen bzw. wie groß die Versorgungslücke wirklich ist, wissen die wenigsten. Versicherer, betriebliche Versorgungswerke, Finanzdienstleister und unabhängige Informationsportale halten deshalb im Internet Versorgungslückenrechner bereit, mit denen Verbraucher ermitteln können, wie viel Geld ihnen im Alter fehlt.

Die Rechner sollen Hilfe bei der Vorsorgeplanung bieten. Denn auf Basis der individuellen Versorgungslücke können Verbraucher nicht nur prüfen, wie viel Vorsorgeanstrengungen sie noch unternehmen müssen. Vielmehr können sie auch schnell abschätzen, ob etwaige Offerten zur Altersvorsorge ausreichen, die ermittelten Lücken zu schließen.

ÖKO-TEST hat die Versorgungslückenrechner daher unter die Lupe genommen und anhand von drei Modellfällen geprüft. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass die Betroffenen im Alter wenigstens 70 Prozent ihres heutigen Nettoeinkommens benötigen. Sofern möglich wurde aber auch eine Berechnung mit 90 Prozent vom Nettoeinkommen durchgeführt. Denn wir sind davon ausgegangen, dass viele Vorsorgeplaner ihren derzeitigen Lebensstandards im Ruhestand weitgehend halten möchten.

Das Testergebnis

■ Die Ergebnisse sind erschreckend: Lediglich in vier von 48 durchgerechneten Modellvarianten spuckte ein Versorgungslückenrechner korrekte Ergebnisse aus. Das ist eine Trefferquote von bescheidenen 8,3 Prozent. Bei den restlichen 91,7 Prozent aller Berechnungen produzierten die Rechner mehr oder minder große Fehler, weil sie den Versorgungsbedarf falsch einschätzten, die möglichen Rentenansprüche unter- oder überschätzten und daher auch die Versorgungslücke nicht korrekt ermittelten.
■ Dass fast alle Versorgungslückenrechner Probleme haben, ist allerdings kein Wunder. Das Grundproblem beginnt schon bei der Datenabfrage: Mehr als zwei Drittel aller Rechner erlaubt nur eine grobe Schätzung der späteren Rentenansprüche. Denn der Rentenverlauf wird meist einfach aus den Daten zum heutigen Bruttoeinkommen, ein paar Abfragedaten zum Berufsbeginn und dem damaligen Ausbildungsgehalt hochgerechnet. Bei einer derart groben Schätzung können selbst korrekte Ergebnisse nur Zufallstreffer sein. Auf jeden Fall überrascht es nicht, dass über 77 Prozent aller ausgewiesenen Renten mehr oder minder stark danebenliegen.

Bei genauem Hinsehen entpuppen sich selbst halbwegs korrekte Angaben als Zufallstreffer

■ Dabei wäre es vergleichsweise einfach, den Rechnern etwas mehr Präzision einzuhauchen: Schließlich bekommen alle gesetzlich Rentenversicherte über 27 seit 2002 Jahr für Jahr eine Rentenmitteilung ins Haus geschickt, aus der sie die Höhe der bereits erworbenen und bis zum Ruhestand wahrscheinlich erreichten Rentenansprüche ablesen können. Doch nur bei drei Rechnern, dem Versorgungslückenrechner der R+V Versicherung, dem Onlinerechner vom AWD und dem Rechner der Skandia ist die Eingabe der tatsächlichen Rentenansprüche überhaupt möglich. Alle drei Anbieter wollen aber auch User nicht verschrecken, die solche Daten nicht parat haben. Deshalb lassen sie auch die Hochrechnung auf Basis rudimentärer Daten zu. Das führt bei allen drei Rechnern aber bisweilen zu Patzern. Deshalb bleiben sie in einigen Modellfällen hinter ihrer maximal möglichen Leistung zurück.

■ Sieger im Test ist trotz dieser Schwächen der Versorgungslückenrechner vom AWD. Denn er enthält alle Abfragedaten, die Vorsorgeplaner benötigen, um ihre persönliche Versorgungslücke korrekt zu berechnen. Auch in den Testfällen hat er nur selten danebengelegen. Wirklich korrekte, individuelle Ergebnisse können in der Praxis aber wahrscheinlich nur vorinformierte User erreichen, die genau erkennen, welche Knöpfchen sie drücken müssen, um ihre persönlichen Werte einzugeben. Alle anderen landen bei der Standardversion, die deutlich ungenauer ist und bei Berechnung der Versorgungslücke automatisch 2,5 Prozent Inflation unterstellt. Entsprechend groß ist die Lücke – was unbedarfte Vorsorgeplaner re - gelmäßig erschrecken und in die Beratung treiben dürfte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Im Test läuft diese Standardversion ohne Bewertung. Sie soll lediglich veranschaulichen, wie unterschiedlich die Ergebnisse je nach Voreinstellung des Rechners ausfallen können.
■ Immerhin auf Rang 2 landet der Rechner der R+V Vorsorge, die Skandia verpasst Rang 2 um Haaresbreite. Beide erlauben ebenfalls in allen wichtigen Punkten die Eingabe persönlicher Daten und können die individuelle Versorgungslücke je nach Vorgabe korrekt ausweisen. Wer, wie wir, allerdings die Ermittlung der künftigen Rentenansprüche dem Rechner überlässt, bekommt weniger genaue Ergebnisse.
■ Auch der Versorgungslückenrechner der Hamburg-Mannheimer weist passable Ergebnisse auf. Weil er das Versorgungsniveau aber standardmäßig mit 65 Prozent des letzten Bruttoeinkommens vorgibt und keine exakte Renteneingabe erlaubt, trifft er die korrekten Ergebnisse nicht genau. Insgesamt reicht es daher nur für Platz 5.

Über die meisten Rechner könnte man lachen, wenn das Thema Altersvorsorge nicht so ernst wäre

■ Die Versorgungslückenrechner der Commerzbank/ ehemals Dresdner Bank und der Metallrente erreichen dagegen nur einen mangelhaften 5. Rang. Denn auch sie ermöglichen es Vorsorgeplanern nicht, die persönlichen Rentenansprüche einzugeben. Auf Basis der pauschal ermittelten Rentenwerte sind die Ergebnisse der Rechner zudem zu ungenau, um als Basis für die persönliche Vorsorgeplanung zu dienen.

■ Die restlichen Rechner im Test haben dagegen lediglich Unterhaltungswert. Korrekte Ergebnisse liefern sie jedenfalls nicht. Das ist auch kaum möglich, weil die Abfrage wichtiger Eckdaten fehlt. Außerdem lassen auch die Erläuterungen zu wünschen übrig. So bleibt oft im Dunkeln, ob der Rechner nun eine Netto- oder Bruttoversorgungslücke ermittelt oder ob es sich bei der angegebenen Rente um die Bruttorente handelt bzw. welche Abzüge vorgenommen wurden.
■ Weitere Mängel: Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Onlinerechner fällt das bereits angesparte Vorsorgevermögen oder eine bereits angesparte Zusatzvorsorge komplett unter den Tisch. Danach wird bei sechs der elf getesteten Rechner einfach nicht gefragt. Kein Wunder daher, wenn sie schiefliegen. Eine korrekte Berechnung der individuellen Versorgungslücke ist auf diese Weise gar nicht möglich.
■ Rechner mit derart rudimentären Abfragedaten haben wir im Test daher abgestraft – selbst wenn sie in einzelnen Modellfällen auch mal ausreichende Ergebnisse brachten. Doch das können nur Zufallstreffer sein. Weil eine korrekte individuelle Berechnung der Rentenlücke mangels ausreichenden Abfragedaten schlicht unmöglich ist, rangieren die Onlinerechner der Helvetia, der CiV Versicherung, der Sparkasse Köln|Bonn, der Victoria und der Familienfürsorge allesamt auf dem ungenügenden 6. Rang.
■ Ein weiteres Manko bei vielen Onlinerechnern: Das gewünschte Versorgungsniveau kann nicht individuell angepasst werden. Solche Stellschrauben sind nur bei knapp der Hälfte aller untersuchten Rechner vorgesehen. Alle anderen geben das Versorgungsniveau standardmäßig vor. Dabei wird üblicherweise unterstellt, dass Vorsorgeplaner ihren im Erwerbsleben gewohnten Lebensstandard im Alter halten wollen. In die Sprache der Rechner übersetzt bedeutet das: Standardmäßig wird ein Bedarf in Höhe von 100 Prozent des letzten Nettoeinkommens unterstellt und entsprechend üppig fällt dann die Lücke zwischen Soll und Haben im Alter aus.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft will seinen Rechner von ÖKOTEST nicht testen lassen

■ Die Familienvorsorge unterstellt sogar, dass die Kunden 100 Prozent vom letzten Bruttogehalt als Ruhestandseinkommen benötigen – und spuckt folgerichtig einen außerordentlich hohen Bruttovorsorgebedarf aus. Das soll alle User vermutlich wachrütteln und in die persönliche Beratung treiben. Ein entsprechender Hinweis auf der Website fehlt jedenfalls nicht. Ob der Kunde dort besser beraten wird, wissen wir nicht. Die Familienfürsorge versicherte uns aber nach Vorlage der Testergebnisse, dass der Kunde im persönlichen Gespräch „detailliertere Berechnungen“ erhält und dass dann auch ein individueller Rentenbeginn und jede Einkommenshöhe wählbar sind.
■ Folgt man der Argumentation des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV), dann sind Bruttoberechnungen wie bei der Familienfürsorge aber eigentlich unlauter, weil der Versorgungsbedarf so automatisch „überdramatisiert“ wird. Laut GDV würde bereits eine Berechnung der Versorgungslücke mit 90 Prozent vom letzten Bruttoeinkommen zu einer massiven Überversorgung führen. Jedenfalls lehnt der GDV unter anderem mit diesem Hinweis seine Testteilnahme ab. Denn auch der GDV-Rechner kalkuliert bislang ausschließlich mit Bruttowerten. Und weil wir bei allen Fällen, in denen das Versorgungsniveau individuell einstellbar war, wahlweise mit einem Versorgungsniveau von 70 und von 90 Prozent gerechnet haben, fürchtet der GDV, sein Rechner würde ebenfalls zu große Versorgungslücken ausweisen. Außerdem wird der Rechner des GDV derzeit aktualisiert. Bleibt zu hoffen, dass er beim nächsten Test dann besser funktioniert.

Anmerkungen: 1) Testergebnisse mit Unsicherheit belastet, da der Anbieter die Teilnahme am Test verweigert. 2) Testergebnisse mit Unsicherheit belastet, da keine Ruckmeldung des Anbieters zu den Testergebnissen. 3) Versorgungsziel muss selbst eingegeben werden, Rentenangaben in brutto und netto bei Ermittlung durch Programm. Berechnung ohne Inflation. Anbieter unterstellt automatisch 2,5 % Inflation, entsprechend groser fallt die Versorgungslucke aus. Fur vorinformierte User auch prazisere Berechnung moglich, sofern die Rentenanspruche laut Rentenbescheid vorliegen und eingegeben werden. 4) Versorgungsziel wird vom Rechner automatisch auf Basis des errechneten Nettogehalts vorgegeben; Rente netto nach Steuern ausgewiesen. 5) Anbieter empfiehlt als Versorgungsniveau das errechnete derzeitige Nettoeinkommen anzugeben. Keine Angaben, ob es sich bei der ausgewiesenen Rente um die Brutto- oder Nettorente handelt. 6) Rentenbeginn nicht einstellbar, Rente automatisch fur Rentenbeginn mit 65 berechnet; Rente fur 63 und 64 Jahre wird mit angegeben; ausgewiesene Rente ist Bruttorente; bei Modellfall 2 konnte nur ein Einkommen bis 5.149 Euro zugrunde gelegt werden, hohere Einkommen konnen nicht berechnet werden. 7) Rechner gibt automatisch 65 % vom letzten Bruttogehalt als Versorgungsniveau vor. 8) Rechner gibt automatisch 100 % vom errechneten Nettogehalt als Versorgungsniveau vor; ausgewiesene Rente ist eine Bruttorente; Rechner wurde Ende Dez. 09 auf Version 2010 aktualisiert. 9) Rentenbeginn nur zwischen 60 und 65 Jahre einstellbar; standardmasig 90 % vom errechneten Nettoeinkommen als Versorgungsniveau vorgegeben; keine Angaben, ob es sich bei der ausgewiesenen Rente um Brutto- oder Nettorente handelt. 10) Rente im Modellfall durch Rechner ermittelt; Versorgungslucke ohne Inflation berechnet, automatische Voreinstellung rechnet mit 2 % Inflationsrate; keine Angaben, ob es sich bei der vom Rechner ermittelten Altersrente um die Brutto- oder Nettorente handelt. Laut Auskunft R+V funktioniert der Rechner nur mit dem Nettogehalt. 11) Rentenbeginn automatisch nach Geburtsjahr; Rechner nimmt als Versorgungsniveau standardmasig das errechnete Nettogehalt an. Im Modellfall 3 Versorgungs lucke nur fur die Frau ohne Splittingtarif gerechnet. 12) Rentenbeginn automatisch nach Geburtsjahr. Standardmasig werden 100 % des errechneten Monatsnettoeinkommens als Versorgungsniveau unterstellt. Modellfall 3 kann nicht berechnet werden, da die Berechnung nur mit den Angaben des Ehepartners erfolgen kann. Rechner ermittelt automatisch auch Versorgungslucke bei Erwerbsminderung, langerer Krankheit und fur Hinterbliebene. Modell nicht fur komplexe Falle geeignet; Kunde soll nur Eindruck seiner Versorgungssituation erhal- ten und dass er selbst fur sein Alter vorsorgen muss. Mitte Januar 2010 wird Rechner neues Flashtool haben. 13) Keine Angaben, an welchem Versorgungsniveau sich die Berechnung orientiert; ausgewiesene Rente gleich Bruttorente abzuglich Krankenund Pflegeversicherungsbeitrag.
Legende: Anbieter sortiert nach Gesamtpunktzahl bzw. nach Gesamtpunktzahl im jeweiligen Modellfall. Die Gesamtpunktzahl im Modellfall setzt sich aus der Punktzahl bei Bewertung der Abfragedaten und der Punktzahl zusammen, die fur die Rechnerergebnisse im jeweiligen Modellfall ermittelt wurden. Bei Ermittlung der Gesamtpunktzahl fur die Rechner wurden die Werte fur die Abfragedaten dagegen nur einmal berucksichtigt und zu den Punkten fur die Rechenergebnisse in allen drei Modellfallen addiert. Die Punkte fur die abgefragten Daten wurden nach Relevanz gewichtet: Zehn Punkte gab es, sofern der Rechner die Eingabe der bereits erworbenen, individuellen gesetzlichen Rentenanspruche bzw. der Anspruche auf eine Beamtenpension ermoglicht. Sofern der Rechner die Eingabe bereits erworbener Privatrentenanspruche oder von sonstigem Vorsorgevermogen erlaubt, gab es funf Punkte. Fur die Moglichkeit, das gewunschte Versorgungsniveau und den Rentenbeginn individuell einstellen zu konnen sowie fur die Frage nach Kindern, wurden jeweils zwei Punkte vergeben. Die Moglichkeit, das derzeitige Brutto- oder Nettoeinkommen sowie das Geburtsdatum eingeben zu konnen, wurde mit einem Punkt bewertet. Fragen nach dem Familienstand waren uns 0,5 Punkte wert. Insgesamt konnte bei den Abfragedaten daher eine maximale Punktzahl von 23,5 Punkten erreicht werden. Korrekte Ergebnisse bei Ermittlung des Versorgungsbedarfs, der gesetzlichen Ren - tenanspruche und der ausgewiesenen Versorgungslucke in den Modellfallen waren uns jeweils drei Punkte wert, sodass je Modellfall maximal neun Punkte fur korrekte Rechenergebnisse erzielbar waren. Bei der Ermittlung der Daten haben wir allerdings eine Abweichung der Rechenergebnisse vom korrekten Wert um von 2,5 % nach oben oder unten fur Vergabe der vollen Punktzahl noch toleriert. Bei Abweichungen der ermittelten Werte um 10 % nach oben und nach unten, gab es zwei Punkte. Wich der vom Rechner ermittelte Wert um 20 % vom korrekten Ergebnis ab, gab es einen Punkt. Grosere Abweichungen wurden nicht toleriert. Bewertungsmasstab waren die Ergebnisse bei korrekter Ermittlung der Rentenanspruche anhand der vorgegebenen Legende. Da das Versorgungsniveau nicht fest vorgegeben war, haben wir alle Ergebnisse berucksichtigt und jeweils nach dem zuvor beschriebenen Schema bewertet, die ein Versorgungsniveau in Hohe von 70, 90 und 100 Prozent des derzeitigen Monats- nettogehalts unterstellen. Bruttowerte wurden auf Basis des Steuertarifs 2009 und der fur 2009 gultigen Sozialversicherungsbeitrage in Nettowerte umgerechnet. Rechner, die bereits vorhandenes Vermogen oder bereits erworbene Rentenanspruche nicht abfragen, konnen nicht besser als 5. Rang sein. Wird beides nicht abgefragt, wird der Rechner mit dem 6. Rang bewertet.
Anforderungen an die Rechner: Berechnet wurden drei Modellfalle. Modellfall 1: Mann, geboren am 1.1.1973, verheiratet, Ehefrau gleich alt, nicht berufstatig, 1 Kind (1.1.2004). Einkommen des Mannes: 43.750 Euro pro Jahr, verteilt auf 12,5 Gehalter. Fur die Steuerberechnung wurde der Splittingtarif unterstellt – auch fur die Rentenphase. Sofern der Rechner individuellere Daten abfragt, wurde folgende Legende unterstellt: Bislang erworbene Entgeltpunkte RV laut Rentenauskunft: 13,267 EP, voraussichtlich bis Rentenbeginn 54,69 EP; Berufseintritt: 7/1993, erstes Gehalt: 300 Euro pro Monat bzw. 3.600 pro Jahr. Schule bis 6/1993. Keine weiteren Versorgungsanspruche. Modellfall 2: Mann, geboren am 1.1.1964, verheiratet, Ehefrau gleich alt, fur Modellrechnung als Ehefrau ohne Einkommen unterstellt, 1 Kind (1.1.2004). Einkommen des Mannes: 68.250 Euro pro Jahr, verteilt auf 13 Gehalter. Fur die Steuerberechnung in Erwerbs- und Rentenphase wurde ebenfalls Splittingtarif unterstellt. Bislang erworbene Entgeltpunkte RV laut Rentenauskunft: 27,237 EP, voraussichtlich bis Rentenbeginn 71,33 EP; Berufseintritt: 7/1984, erstes Gehalt: 300 Euro pro Monat bzw. 3.600 pro Jahr. Schule bis 6/1984. Keine weiteren Versorgungsanspruche. Modellfall 3: Frau, geboren am 1.1.1978, verheiratet, 2 Kinder (1.1.2004 und 1.1.2002), Ehemann gleich alt, fur Modellrechnung ohne Einkommen unterstellt. Einkommen der Frau: 21.000 Euro pro Jahr, verteilt auf 12 Gehalter, kein Splittingtarif. Bislang erworbene Entgeltpunkte RV laut. Rentenauskunft: 8,3 EP voraussichtlich bis Rentenbeginn 32,35 EP; Berufseintritt: 7/1998, erstes Gehalt: 300 Euro pro Monat bzw. 3.600 pro Jahr. Schule bis 6/1998. Keine weiteren Versorgungsanspruche. Falls die Eingabe der zu erwartenden Altersrente vom Staat erforderlich war, wurde je Entgeltpunkt jeweils ein Rentenwert von 27,20 Euro (aktueller Rentenwert West) angenommen.
Testmethode: Samtliche Daten wurden in der Zeit von Ende Oktober bis Ende November 2009 im Internet bei den jeweiligen Versorgungsluckenrechnern erhoben und den Anbietern anschliesend zur Verifizierung zuruckgespielt. Die Ermittlung der korrekten Werte fur die Versorgungslucke sowie der anschliesende Vergleich und die Bewertung wurden dann von OKO-TEST vorgenommen.
Stand: 30.12. 2009.

Kompakt

Das neue ÖKO-TEST Kompakt Riester

Keine Frage, die Riester-Rente boomt. In Deutschland sichern sich inzwischen 13 Millionen Sparer die staatlichen Zulagen. Doch welche Tarife lohnen sich und wie kann man kostspielige Fehler vermeiden? Sichern Sie mit den angebotenen Produkten wirklich Ihre Zukunft oder füllen Sie nur die Kassen der Finanzinstitute? Wer sich im Riester-Förderdschungel zurechtfinden will, der braucht entweder detektivisches Gespür oder er greift zum neuen ÖKOTEST Kompakt Riester. Wir haben für Sie über 1.000 Riester-Tarife untersucht und bewertet. Das ernüchternde Ergebnis – die weitaus meisten sind ihr Geld nicht wert. Wie und wo Sie die rühmlichen Ausnahmen finden, das lesen Sie im Heft.

Aus dem Inhalt

■ Welches Riester-Produkt für wen
■ Wegweiser durch den Förderdschungel
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Die Tests

■ Riester-Renten, Klassik- und Fondstarife
■ Riester-Fonds- und Banksparpläne
■ Förderrechner
■ Wohn-Riester-Darlehen
■ Wohn-Riester-Bausparverträge
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Das neue ÖKO-TEST Kompakt ist am 22. Januar erschienen. Es kostet 3,90 Euro. Sie bekommen es am Kiosk, per Telefon: 0 69 / 3 65 06 26 26 oder direkt unter http://shop.oekotest.de

So haben wir getestet

Die Datenerhebung

Sämtliche Daten wurden in der Zeit von Ende Oktober bis Ende November 2009 im Internet bei den jeweiligen Versorgungslückenrechnern erhoben.

Die Modellfälle

Die Rechner sollten die Versorgungslücke für verschiedene Modellfälle ausweisen. Damit wollten wir feststellen, ob die Rechner mit unterschiedlichen Lebenssituationen zurechtkommen. Daher haben wir nicht nur eine immer noch typische Konstellation gewählt (Ehepaar, ein Kind, Ehefrau nicht berufstätig), sondern unter anderem eine leider auch nicht unwahrscheinliche (Ehepaar, zwei Kinder, Mann arbeitslos und ohne Einkommen, Frau Alleinverdienerin mit 21.000 Euro im Jahr).

Die Rechnerqualität

Ob ein Rechner gut oder schlecht ist, entscheidet sich an der ausgewiesenen Versorgungslücke – aber nur, wenn auch die Rentenansprüche anhand der vorgegebenen Legende korrekt ermittelt wurden. Denn falsch berechnete Rentenansprüche können zusammen mit einer falschen Berechnung zwar zum Ausweis einer Versorgungslücke in der annährend richtigen Höhe führen. Doch ein solches Zufallsergebnis, können wir selbstverständlich nicht akzeptieren. Daher haben wir zunächst geprüft, ob der Rechner alle erforderlichen Daten dazu abfragt: Geburtsdatum/Alter, gewünschter Rentenbeginn, Einkommen, zu erwartende Rentenansprüche, bereits vorhandenes Vorsorgevermögen oder vorhandene Zusatzrenten, gewünschtes Versorgungsniveau sowie der Familienstand und die Zahl der Kinder. Letzteres ist einerseits von Bedeutung, wenn der Rechner selbst die Rentenansprüche ermittelt. Darüber hinaus beeinflusst die Frage, ob Kinder vorhanden sind oder nicht, auch die Höhe des Beitrags zur Pflegepflichtversicherung, die bei Berechnung von Nettogehalt und Nettorente berücksichtigt werden muss. Und der Familienstand beeinflusst die Wahl des Steuertarifs.

Die Bewertung

Selbstverständlich war für uns die ermittelte Versorgungslücke Grundlage der Bewertung. Um Zufallsergebnisse auszuschließen, konnten Rechner bestenfalls mangelhaft (5. Rang) abschneiden, wenn die Eingabe des bereits vorhandenen privaten Vermögens oder der persönlichen Rentenansprüche nicht möglich war. Konnte beides nicht eigegeben werden, blieb nur ein „ungenügend“ (6. Rang). Denn solche Rechner liefern bestenfalls grobe Orientierungswerte für eine mögliche Versorgungslücke, die vom Einzelfall meilenweit abweichen kann.

Unsere Empfehlungen

• Die meisten Onlinerechner taugen nicht, um die Versorgungslücken individuell zu ermitteln. Lassen Sie sich bei der Planung der Altersvorsorge besser von der Deutschen Rentenversicherung oder einer Verbraucherzentrale beraten.
• Halbwegs brauchbare Ergebnisse liefern nur die drei Testsieger. Doch nur vorinformierten Usern können sie auch eine echte Hilfe sein.
• Lassen Sie sich von den Rechenergebnissen mancher Online-Renten-Rechnern zudem nicht verunsichern. Die meisten Rechner übertreiben den Vorsorgebedarf.
• Bedenken Sie immer: Für viele Anbieter sind Onlinerechner nur ein Köder, um Kunden in die Beratung zu locken.