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TEST Vliese und Vliestapeten: Keine Alternative zur Raufaser


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2010 vom 01.02.2010

Vliese und Vliestapeten werden bei Heimwerkern immer beliebter, denn sie lassen sich relativ einfach verarbeiten. Weil diese Produkte aber fast immer mit PVC aufgeschäumt sind, enthalten sie viele Schadstoffe. Nur zwei Marken in unserem Test bekommen ein „gut“.


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Foto: Fancy

Hurra, endlich eine neue Wohnung gefunden! Die Tapeten sind zwar von anno dazumal und auch schon ordentlich ramponiert. Aber das sollte selbst für den Gelegenheitsheimwerker kein Problem sein. Also: Ärmel hochgekrempelt und ab in den Baumarkt.

Raufaser? Da gibt es eigentlich was Besseres, erklärt der Verkäufer. Heute werden bevorzugt ...

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... Vliestapeten gekauft. Sie müssen nicht eingeweicht werden, sondern können direkt auf die eingekleisterte Wand geklebt werden. Außerdem sind sie maßstabil, das heißt sie dehnen sich nicht und sie schrumpfen nicht. Wie die Raufaser können sie beliebig oft überstrichen werden, es sei denn, man wählt bereits eine fertige weiße oder auch farbige Tapete. Und noch ein Vorteil: Die Tapete lässt sich später ganz einfach trocken abziehen.

Gefragt sind zur Zeit glatte Wände oder feine Strukturen – grob liegt nicht im Trend. Wer ganz glatte Oberflächen möchte, kann reine Vliese wählen, die dann überstrichen oder mit anderen Techniken dekorativ gestaltet werden können. Diese Vliese bestehen aus Zellstoffen, die mit Polyester- oder Glasfasergarnen ergänzt wer den, um sie reißfester zu machen.

In den Regalen der Baumärkte liegen aber vor allem Vliestapeten mit unterschiedlichen Körnungen und Strukturen, die eigentlich nicht mehr überstrichen werden müssen. Einige Hersteller empfehlen jedoch auch bei den weißen Vliestapeten einen Anstrich. Die Strukturen, die an Putz, Raufaser, Gewebe und andere Dekore erinnern, entstehen in den meisten Fällen durch Aufschäumen mit PVC.

Und da liegt auch das Problem, denn mit solchen Tapeten holt man sich riesige Flächen dieses problematischen Kunststoffs ins Haus. PVC ist immer mit Schadstoffen belastet, denn nur so kann er weich, elastisch und lichtbeständig bleiben. Wenn dann womöglich noch der Bodenbelag aus PVC besteht, kann von einem gesunden Wohnklima wirklich keine Rede mehr sein. Dazu kommt, dass gerade im Haushalt mittlerweile jede Menge Kunststoff vorhanden ist: Laminat am Boden, Kunststofffenster, Möbel mit beschichteter Oberfläche, Leuchten, Computer, Unterhaltungselektronik und viele mehr oder wenige nützliche Dinge des Alltags. Plaste wohin man schaut.

Um zu prüfen, wie es um Vliese und Vliestapeten bestellt ist, kaufte ÖKOTEST zehn weiße Vliestapeten mit einer Putzstruktur und drei glatte Vliese ein. Wir wollten wissen, ob sie die Wohnungen mit Schadstoffen belasten und wie sie zu verarbeiten sind.

Das Testergebnis

■ … ist ernüchternd. Mit Ausnahme derErfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301 sind alle Vliestapeten mit Weichmachern und anderen Schadstoffen belastet und „ungenügend“. Die glatten Vliese enthalten zwar kein PVC und keine Weichmacher, doch unterm Strich konnte auch hier nur ein Produkt, dasMarburg Patent Vlies 9869 , mit dem Testurteil „gut“ überzeugen.

Fast alle Strukturtapeten enthalten PVC und große Mengen bedenklicher Weichmacher

■ Fast alle strukturierten Tapeten sind mit umweltbelastenden PVC/PVDC/ chlorierten Kunststoffen aufgeschäumt und enthalten große Mengen an Phthalatweichmachern, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug, die in den Mund genommen werden können, verboten sind. Über den Hausstaub verbreiten sie sich in der Wohnung und können aufgenommen werden. Einzig Hersteller Erfurt hat ein Verfahren entwickelt, bei dem die Strukturen unter Wärme direkt in das Vlies eingeprägt werden.

Zinnorganische und flüchtige organische Verbindungen belasten Raumluft und Bewohner

■ In sechs Produkten konnte das von uns beauftragte Labor nach ÖKO-TESTMaßstäben zu viel giftiges Dibutyl- beziehungsweise in einem Fall auch Tributylzinn nachweisen. Am höchsten belastet ist dasNovamur Hochwertiges Fertigvlies 6040-10 .
■ Alle Produkte gasten mehr oder weniger große Mengen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. Auffallend waren dabei recht hohe Anteile an Terpenen, die bei sensiblen Menschen Augen und Schleimhäute reizen können, darunter teilweise auch das starke Allergen Delta- 3-Caren, das wir aufgrund der geringen Mengen aber nicht abwerten. Wir verge- ben in vier Fällen dennoch einen Minuspunkt, wenn in der Summe viele flüchtige Verbindungen an die Raumluft abgegeben werden, die bei empfindlichen Nutzern möglicherweise Reaktionen hervorrufen können.

Auch im Praxistest konnten nicht alle Tapeten überzeugen. Häufig sind Vor- und Nacharbeiten nötig

■ Im Praxistest schnitten immerhin drei Vliestapeten mit „sehr gut“ ab, die schlechtesten Produkte sind „ausreichend“. Besonders streng bewertete unser erfahrener Handwerker die Tatsache, dass zwei Anbieter – Novamur und Erismann/ProfiDeco – eine Vorbehandlung mit einem völlig ungeeigneten Putzgrund empfehlen, da dieser zu körnig ist.
■ Eine pigmentierte Vorbehandlung ist immer dann nötig, wenn ein Überstreichen von Herstellerseite nicht vorgesehen ist. Denn mehrfach schlug der Untergrund durch. Außerdem waren Kleisterflecken zu erkennen, die erst nach dem Trocknen sichtbar werden und dann nur noch schwer zu entfernen sind. Auch saubere Nähte sind bei Vliestapeten schwer herzustellen. Bei einigen Produkten war das auch für unsere Tester eine Herausforderung. Durch Überstreichen verschwinden diese Mängel, weshalb wir keine Minuspunkte vergaben, sofern die Anbieter diesen Arbeitsgang vorsahen.
■ Insgesamt waren die Vliestapeten recht gut zu handhaben. Bei den Vliesen konnte nur dasMarburg Patent Vlies 9869 überzeugen, das als einziges der drei Produkte in Standardbreite und -länge konfektioniert ist. Besonders schwierig war der Umgang mit demStoTap Pro 100 P Malervlies Glas vlies , dessen Rolle mit einem Meter Breite und 50 Metern Länge über zehn Kilogramm schwer und somit nur schwer zu handeln ist. Allerdings ist dieses Produkt auch nicht für Heimwerker, sondern für professionelle Anwender vorgesehen. Bei allen glatten Vliesen schlugen am Ende selbst kleine Unebenheiten stark durch, die auch nach dem Überstreichen noch sichtbar waren. Der Untergrund muss also besonders glatt sein.

So reagierten die Hersteller
Die Firma Rasch versicherte, dass sie ebenso wie ihr Lieferant keine zinnorganischen Verbindungen einsetze. Das von uns beauftragte Labor bestätigte jedoch die Analyseergebnisse und hält Verunreinigungen der eingesetzten Rohstoffe für eine mögliche Ursache.

Anbieter Sto weist uns darauf hin, dass das Profihandwerk die Zielgruppe ist: „Hier ist es üblich und auch Anforderung, mit breiter Rollenware zu arbeiten.“ Die Rollenabmessung vonStoTap Pro 100 P sei für großflächige Objekte gedacht. Die werkseitige Pigmentierung erspare dem Handwerker einen Arbeitsgang beim Anstreichen.

Fett gedruckt sind Mangel.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) In Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierte Phthalate. 2) PVC/PVDC/chlorierte Kunst stoffe in der Verpackung. 3) Optische Aufheller. 4) Keine Erklarung zu den verwendeten Piktogrammen. 5) Der auf der Verpackung aufgefuhrte Anbieter existierte nicht unter der angegebenen Adresse und war auch telefonisch nicht erreichbar. 6) Laut Anbieter ist das Produkt fur das Profihandwerk gedacht, wo es ublich ist, mit breiter Rollenware zu arbeiten. 7) Laut Anbieter handelt es sich um Restbestande der Ware aus 2008. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen von Qualitats- und Produktstandards habe er den damaligen Lieferanten ausgelistet.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Test ergebnis Inhaltsstoffe fuhren zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) in der Summe mehr als 10.000 mg/kg gesetzlich reglementierter Phthalate (Diisononylphthalat [DINP], Diisodecylphthalat [DIDP]); b) ein stark erhohter Gehalt von mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). Zur Abwertung um zwei Noten fuhrt: ein erhohter Gehalt von mehr als 25 bis 250 μg/kg Dibutyl zinn (DBT) oder Tributylzinn (TBT), falls nicht schon ein stark erhohter Gehalt an Dibutylzinn abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) in der Summe deutlich mehr als 200 bis 1.000 μg/m3 fluchtige organische Verbindungen (VOC); b) halogenorganische Verbindungen; c) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt.
Unter dem Testergebnis Praxisprufung fuhrt zur Abwertung um drei Noten: ein schlechter Hinweis des Anbieters, der eine Vorbehandlung mit Putzgrund empfiehlt. Zur Abwertung um zwei Noten fuhrt: sehr schwierig zu handhaben (100 cm Rollenbreite und groses Gewicht). Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) schwierig zu handhaben (70 cm Rollenbreite); b) Kleisterflecken sichtbar, falls kein Uberstreichen von Herstellerseite vorgesehen; c) Nahte sichtbar, falls kein Uberstreichen von Herstellerseite vorgesehen; d) Untergrund schlagt durch, falls kein Uberstreichen von Herstellerseite vorgesehen; d) jede Unebenheit sichtbar.
Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhrt zur Abwertung um vier Noten: der auf der Verpackung aufgefuhrte Anbieter ist nicht existent und nicht erreichbar. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) optische Aufheller; b) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung; c) keine Erklärung zu den verwendeten Piktogrammen. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden: Inhaltsstoffe: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Phthalate/weitere Weichmacher/ phosphororganische Verbindungen: GC/MS nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat und Derivatisierung. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes. Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED. Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Flüchtige organische Verbindungen (VOC): EPZ-Messung mit Thermodesorption-GC/MS; alle nicht näher identifizierbaren Verbindungen wurden alsToluol- äquivalent berechnet; Umrechnung auf einen Raum 4 x 3 x 2,5 = 30 m3 und eine Produktoberfläche = 32 m2 (3 m2 als nicht tapezierbar für Fenster und Tür abgezogen); Luftwechselzahl 0,5/h. Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Praxisprüfung: Herstellung eines trockenen, sauberen und tragfähigen Untergrunds; Glattspachtelung mit Uniflott, anschließend schleifen und zweimal Anstrich mit hochwertiger Dispersionsfarbe; Tapezieren zweier Rollen bei Standardgröße bzw. einer Rolle bei größeren Formaten, 8 Bahnen, mit speziellem Kleister für Vliestapeten; Ablauf: an Wandoberseite in den Kleister eingelegt, mit Tapetenandrückroller blasenfrei eingedrückt, anschließend zurechtgeschnitten. Prüfung der Verarbeitungsanleitung auf Vollständigkeit.
Einkauf der Testprodukte: September - Oktober 2009.Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Kompakt

Gütezeichen

DasRAL-Gütezeichen für Tapeten, das viele Vliesprodukte tragen, wird von der Gütegemeinschaft Tapete e. V. vergeben. Die Hersteller müssen auf schwermetallhaltige Pigmente verzichten. Blei-, cadmium- und organozinnhaltige Stabilisatoren dürfen nicht eingesetzt werden, Grenzwerte für Verunreinigungen mit diesen Stoffen gibt es allerdings keine. Die Aussagen zu den Weichmachern sind so formuliert, dass sie selbst für unser Labor schwer zu interpretieren sind, da es kaum verlässliche Daten zu den dort geforderten Siedepunkten und Druckbedingungen gibt. Auch aus Veröffentlichungen des Deutschen Tapeten-Insti tuts geht hervor, dass die nachgewiesenen Phthalate zulässig sind. Die flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) werden für das Gütezeichen mit anderen Methoden bestimmt, sodass diese Ergebnisse nicht mit unseren Abwertungsgrenzen vergleichbar sind. Auch hier scheint ÖKO-TEST etwas strenger zu sein, wie unser Test zeigt. Insgesamt ist das Label wenig hilfreich.

DerOeko-Tex Standard 100 wird von der Internationalen Oeko-Tex- Gemeinschaft für Textilprodukte vergeben. Die Anforderungen sind in vier Klassen unterteilt, wobei Tapeten zur Klasse 4, Ausstattungsmaterialien, zählen, für welche die am wenigsten strengen Anforderungen gelten. Es sind beispielsweise hohe Gehalte an Formaldehyd, Blei, Cadmium, Dibutyl- und Tributylzinn erlaubt, auch dürfen im Vergleich zu unseren Abwertungsgrenzen mehr VOCs und bedenkliche Aromaten entweichen. Der Klasse 1, die für Babyprodukte gilt, hat sich Hersteller Sto für sein Malervlies freiwillig verschrieben. Doch auch für diese Gruppe liegen einige Grenzwerte unter den ÖKO-TESTAnforderungen. Insgesamt ist auch dieses Label wenig hilfreich.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben in Bau- und Fachmärkten zehn verschiedene weiße Vliestapeten mit einer Putzstruktur und fertiger Oberfläche eingekauft, teilweise können oder sollen sie aber noch überstrichen werden. Um auch Alternativen zu den meist mit PVC aufgeschäumten Produkten aufzeigen zu können, wählten wir auch drei glatte Vliese, die als Untergrund für Anstriche und andere Oberflächenbehandlungen geeignet sind und überwiegend von Profis verwendet werden.

Die Inhaltsstoffe

Man kann schon an den weichen, elastischen Oberflächen fühlen, welche Tapetenstrukturen mit umwelt- und gesundheitsbelastendem PVC aufgeschäumt sind. Das Vlies dient hier als Trägermaterial. Im Falle eines Brands in der Wohnung und in der Müllverbrennung bilden sich giftige Di oxine. Um den problematischen Kunststoff elastisch zu machen, werden Weichmacher eingesetzt, außerdem Stoffe, die für Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit sorgen. Leider handelt es sich dabei oft um problematische Verbindungen. In erster Linie sind hier Phthalate als Weichmacher zu nennen, die in Babyartikeln und Kinderspielzeugen bereits reglementiert sind. Auch die giftigen zinnorganischen Verbindungen Dibutyl- und Tributylzinn, die als Stabilisatoren eingesetzt werden, können wahrscheinlich auch beim Menschen schon in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen. Das Stoffgemisch der Tapete kann zudem eine Vielzahl von flüchtigen organischen Verbindungen aus gasen, welche die Raumluft belasten und Augen und Schleimhäute reizen können.

Die Praxisprüfung

Unser Fachmann, der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann, prüfte mit Unterstützung von Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Fachstufe Maler und Lackierer der August-Bebel- Schule in Offenbach, wie sich Tapeten und Vliese verarbeiten lassen. Dafür hatte er für jedes Produkt eine rund 13 Quadratmeter große Wandtafel gespachtelt, geschliffen und gestrichen, sodass ein trockener, sauberer und tragfähiger Untergrund gegeben war, wie er häufig in Wohnungen vorkommt. Die Tapeten wurden nach Anleitung auf die mit einem Spezialkleister eingestrichenen Wände aufgebracht, mit einem Andrückroller blasenfrei eingedrückt und anschließend zurechtgeschnitten. Am Schluss prüften die Tester das Ergebnis kritisch auf Kleisterflecken und durchschlagenden Untergrund und begutachteten die Nähte. Auch die Verarbeitungsanleitung wurde bewertet.

Die Bewertung

Tapeten sollen sich gut verarbeiten lassen und die Räume nicht mit Schadstoffen belasten. Deshalb entscheidet das schlechteste Einzelergebnis über das Gesamturteil. Die Tapeten, die aufgrund der Schadstoffbelastung ein „ungenügend“ erhalten, können wir trotz guter Praxisprüfung nicht empfehlen. Die schlechten Noten bei den Inhaltsstoffen resultieren vor allem aus den Phthalatweichmachern und den zinnorganischen Verbindungen.

Kompakt

Tipps vom Fachmann

■ Untergründe sollten sauber und glatt, trocken und tragfähig sein. Häufig ist ein Voranstrich mit einer weiß pigmentierten Farbe erforderlich, wenn später kein Überstreichen der Tapete erfolgen soll, da einige Produkte dunkle Stellen, Flecken oder sogar Bleistiftstriche nicht abdecken. Je nach Weißton der Vliestapeten ist es ratsam, den Nahtbereich mit diesem Ton zu streichen, da bei unsauberer Naht der Untergrund durchblitzt und die einzelnen Bahnen sichtbar werden.

■ Die Bahnen so auf Stoß kleben, dass die Nähte nicht zu sehen sind. Das erfordert etwas Übung.

Foto: dti

■ Viele Hersteller weisen zwar darauf hin, dass mit der ganzen Rolle gearbeitet werden soll. Leichter ist es aber, alle Bahnen im Voraus auf die benötigte Länge plus einer Zugabe von zehn bis 15 Zentimetern zuzuschneiden.

■ Wichtig ist ein sattes Kleisterbett. Dazu trägt man den Kleister am besten mit einem Farbroller auf die Wand auf. Es sollte nicht mehr als eine Bahnenbreite im Voraus eingekleistert werden, da sonst der Nahtbereich schon eintrocknen kann und die Nähte möglicherweise aufgehen. Besser und vor allem rationeller ist es, zu zweit zu arbeiten.

■ Die erste Bahn wird oben in den Kleister eingelegt, senkrecht abgerollt und blasenfrei mit einem Andrückroller eingedrückt, dann zurechtgeschnitten. Das funktioniert am besten mit einem scharfen Cutter und einem Schneidelineal mit Stahlkante.

■ Kleisterflecken immer vorsichtig mit einem feuchten weichen Tuch entfernen, denn sie können je nach Lichteinfall sichtbar werden.