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TEST Vliese und Vliestapeten: Raufaser bleibt unschlagbar


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2011 vom 06.05.2011

Die Raufaser hat Konkurrenz bekommen: Vliestapeten, die fast genauso günstig sind, aber leichter zu verarbeiten. Viele Modelle in unserem Test sind mit PVC aufgeschäumt – das bringt eine hohe Schadstoffbelastung mit sich. Aber es geht auch ohne, wie zwei Marken zeigen, die „gut“ abschneiden.


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Foto: irisblende.de

Raufaser? Da gibt es eigentlich was Besseres, erklärt der Verkäufer im Baumarkt. Vliestapeten seien das Wandkleid der Stunde. Sie müssen nicht eingeweicht werden, sondern können direkt auf die eingekleisterte Wand geklebt werden. Außerdem sind sie maßstabil, das heißt sie dehnen sich nicht und sie ...

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Raufaser? Da gibt es eigentlich was Besseres, erklärt der Verkäufer im Baumarkt. Vliestapeten seien das Wandkleid der Stunde. Sie müssen nicht eingeweicht werden, sondern können direkt auf die eingekleisterte Wand geklebt werden. Außerdem sind sie maßstabil, das heißt sie dehnen sich nicht und sie schrumpfen nicht. Wie die Raufaser können sie beliebig oft überstrichen werden, es sei denn, man wählt bereits eine fertige weiße oder auch farbige Tapete. Und noch ein Vorteil: Die Tapete lässt sich später ganz einfach trocken abziehen.

Gefragt sind zur Zeit glatte Wände oder feine Strukturen – grob liegt nicht im Trend. Wer ganz glatte Oberflächen möchte, kann reine Vliese wählen, die dann überstrichen oder mit anderen Techniken dekorativ gestaltet werden können. Diese Vliese bestehen aus Zellstoffen, die mit Polyester- oder Glasfasergarnen ergänzt werden, um sie reißfester zu machen. In den Baumarktregalen findet man aber vor allem Vliestapeten mit unterschiedlichen Körnungen und Strukturen, die eigentlich nicht mehr überstrichen werden müssen – einige Hersteller empfehlen’s dennoch.

Die Strukturen, die an Putz, Raufaser, Gewebe und andere Dekore erinnern, entstehen in den meisten Fällen durch Aufschäumen mit PVC. Und da liegt auch das Problem, denn mit solchen Tapeten holt man sich riesige Flächen dieses problematischen Kunststoffs ins Haus. PVC ist immer mit Schadstoffen belastet, denn nur so kann er weich, elastisch und lichtbeständig bleiben.

Um zu prüfen, wie es um Vliese und Vliestapeten bestellt ist, kaufte ÖKOTEST neun weiße Vliestapeten mit Struktur und drei glatte Vliese ein. Wir wollten wissen, ob sie die Wohnungen mit Schadstoffen belasten und wie sie zu verarbeiten sind.

Das Testergebnis

■ … ist ernüchternd. Die meisten strukturierten Vliestapeten enthalten große Mengen von Phthalatweichmachern und weitere Schadstoffe, und schneiden dementsprechend schlecht ab. Nur dieErfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301 ist gänzlich frei von Weichmachern und zinnorganischen Verbindungen, und sticht deshalb heraus. Die glatten Vliese enthalten zwar kein PVC und keine Weichmacher, doch unterm Strich konnte auch hier nur ein Produkt, dasMarburg Patent Vlies 9869 , mit dem Testurteil „gut“ überzeugen.
■ Fast alle strukturierten Tapeten sind mit umweltbelastenden PVC/ PVDC/chlorierten Kunststoffen aufgeschäumt und enthalten Phthalate, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug, die in den Mund genommen werden können, verboten sind. Der Hersteller Erismann verzichtet bei seinen ModellenYour Style Vlies Line Premium 8200-1 sowieRatz-Fatz! Strukturvlies in Rauhfaseroptik 1004-01 auf diese höchst problematischen Phthalatweichmacher und setzt den Ersatzstoff DiNCH ein. Allerdings kann sich auch dieser Stoff aus dem Kunststoff lösen und die Wirkung auf Mensch und Umwelt ist noch nicht hinreichend geklärt.
■ In sieben Produkten wies das von uns beauftragte Labor nach ÖKOTEST-Maßstäben zu viel giftiges Dibutylzinn nach. Etliche Produkte gasten mehr oder weniger große Mengen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. Auffallend waren dabei die recht hohen Anteile an Terpenen, die bei sensiblen Menschen Augen und Schleimhäute reizen können.
■ Eine pigmentierte Vorbehandlung des Untergrunds ist immer dann nötig, wenn ein Überstreichen von Herstellerseite nicht vorgesehen ist. Denn mehrfach schlug der Untergrund durch. Außerdem waren Kleisterflecken zu erkennen, die erst nach dem Trocknen sichtbar werden und dann nur noch schwer zu entfernen sind. Auch saubere Nähte sind bei Vlies tapeten schwer herzustellen. Bei einigen Produkten war das auch für unsere Tester eine Herausforderung. Durch Überstreichen verschwinden diese Mängel, weshalb wir keine Minuspunkte vergaben, sofern die Anbieter diesen Arbeitsgang vorsahen.
■ Bei den glatten Vliesen konnte nur dasMarburg Patent Vlies 9869 überzeugen, das als einziges der drei Produkte in Standardbreite und -länge konfektioniert ist. Besonders schwierig war der Umgang mit demStoTap Pro 100 P Malervlies Glasvlies , dessen Rolle mit einem Meter Breite und 50 Metern Länge über zehn Kilogramm schwer und somit nur schwer zu handhaben ist. Allerdings ist dieses Produkt auch nicht für Heimwerker, sondern für professionelle Anwender vorgesehen. Bei allen glatten Vliesen schlugen am Ende selbst kleine Unebenheiten stark durch, die auch nach dem Überstreichen noch sichtbar waren. Der Untergrund muss also besonders glatt sein.

Fett gedruckt sind Mangel.
Glossar: siehe Seite 152.
Anmerkungen: 1) Mehr als 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalate (Diisononylphthalat [DINP], Diisodecylphthalat [DIDP]). 2) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt. 3) Weitere Mangel: optische Aufheller. 4) Weitere Mangel: keine Erklarung zu den verwendeten Piktogrammen. 5) Mehr als 25 bis 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). 6) Laut Anbieter ist das Produkt fur das Profihandwerk gedacht, wo es ublich ist, mit breiter Rollenware zu arbeiten. 7) Mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). 8) Halogenorganische Verbindungen. 9) Fluchtige organische Verbindungen (VOC). 10) Mehr als 1.000 mg/kg des weiteren Weichmachers DiNCH.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhren zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) in der Summe mehr als 10.000 mg/kg gesetzlich reglementierter Phthalate (Diisononylphthalat [DINP], Diisodecylphthalat [DIDP]); b) mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). Zur Abwertung um zwei Noten fuhrt: mehr als 25 bis 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) in der Summe deutlich mehr als 200 bis 1.000 μg/m3 fluchtige organische Verbindungen (VOC); b) halogenorganische Verbindungen; c) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt; d) mehr als 1.000 mg/kg des weiteren Weichmachers DiNCH. Unter dem Testergebnis Praxisprufung fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: sehr schwierig zu handhaben (100 cm Rollenbreite und groses Gewicht). Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) schwierig zu handhaben; b) Kleisterflecken sichtbar, falls kein Uberstreichen von Herstellerseite vorgesehen; c) Nahte sichtbar, falls kein Uberstreichen von Herstellerseite vorgesehen; d) Untergrund schlagt durch, falls kein Uberstreichen von Herstellerseite vorgesehen; e) jede Unebenheit sichtbar. Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhren zur Abwertung um jeweils eine Note: a) optische Aufheller; b) keine Erklarung zu den verwendeten Piktogrammen. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Praxisprufung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Test ergebnis Weitere Mangel, das „mangelhaft“ oder „ungenugend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden: Inhaltsstoffe: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Rontgenfluoreszenzanalyse. Phthalate: GC/MS nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat und Derivatisierung. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED. Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Fluchtige organische Verbindungen (VOC): EPZ-Messung mit Thermodesorption-GC/MS; alle nicht naher identifizierbaren Verbindungen wurden als Toluolaquivalent berechnet; Umrechnung auf einen Raum 4 x 3 x 2,5 = 30 m3 und eine Produktoberflache = 32 m2 (3 m2 als nicht tapezierbar fur Fenster und Tur abgezogen); Luftwechselzahl 0,5/h. Praxisprufung: Herstellung eines trockenen, sauberen und tragfahigen Untergrunds; Glattspachtelung mit Uniflott, anschliesend schleifen und zweimal Anstrich mit hochwertiger Dispersionsfarbe; Tapezieren zweier Rollen bei Standardgrose bzw. einer Rolle bei groseren Formaten, 8 Bahnen, mit speziellem Kleister fur Vliestapeten; Ablauf: an Wandoberseite in den Kleister eingelegt, mit Tapetenandruckroller blasenfrei eingedruckt, anschliesend zurechtgeschnitten. Prufung der Verarbeitungsanleitung auf Vollstandigkeit.
Bereits veröffentlicht: OKO-TEST-Magazin 2/2010. Aktualisierung der Angaben, sofern die Anbieter Produktanderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mangeln geandert oder OKO-TEST neue/zusatzliche Untersuchungen durchgefuhrt hat.
Einkauf weiterer Testprodukte: Marz 2011.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 154.
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Unsere Empfehlungen

■ Mit PVC aufgeschäumte Tapeten besser im Regal liegen lassen, lieber geprägte Tapeten, glatte Vliese oder Raufaser wählen.
■ Vliese eignen sich sehr gut für dekorative Wandgestaltungen wie Spachteltechniken und dickschichtige Beschichtungen. Bei späterem Nichtgefallen können diese zusammen mit der Vliesfaser einfach wieder abgezogen werden.