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TEST Wattepads: Die Weichen sind gestellt


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2011 vom 25.03.2011

Wattepads sind praktische Helfer in fast jedem Badezimmer – um Make-up, Wimperntusche oder Nagellack zu entfernen oder auch den kleinen Schnitt nach der Rasur zu „verarzten“. Unser Test zeigt: Die Pads sind fast frei von Schadstoffen.


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Foto: fotandy/Fotolia.com

Manche Menschen benutzen Wattepads, um damit Ihre Brillengläser zu reinigen. Andere tränken sie in Kamillen- oder Schwarztee und legen sie auf die Augen, um zu entspannen. Die meisten aber nehmen diese Produkte, um Make-up, Lippenstift und Wimperntusche abzuschminken. Das Pad soll – zusammen mit der Reinigungslotion – den Schmutz entfernen und ...

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Manche Menschen benutzen Wattepads, um damit Ihre Brillengläser zu reinigen. Andere tränken sie in Kamillen- oder Schwarztee und legen sie auf die Augen, um zu entspannen. Die meisten aber nehmen diese Produkte, um Make-up, Lippenstift und Wimperntusche abzuschminken. Das Pad soll – zusammen mit der Reinigungslotion – den Schmutz entfernen und dabei schön weich sein, um die empfindliche Gesichtshaut nicht zu reizen.
Traditionshersteller Rauscher schafft das zum Beispiel mit unterschiedlichen Schichten von Baumwollfasern im Produkt. Das Innenleben besteht aus kürzeren, die Außenlagen aus etwas längeren Fasern. Alle Produkte des Hauses haben prinzipiell einen offenen Rand, weil eine Prägung rau sein könnte. Für verschiedene Bedürfnisse gibt es bei Rauscher verschiedene Pads. Hauptzielgruppe für die besonders dicke, feste und dennoch weiche Qualität in ovaler Form – die Maxi Pads – ist die Generation 50 +. „Die Haut wird mit dem Alter einfach dünner und empfindlicher“, erklärt Produktmanagerin Gonda Czubik. Noch fester und mit Vlies kombiniert ist das neue Produkt „Young Generation“, das es derzeit allerdings nur in Österreich zu kaufen gibt. Eine Marktforschungsstudie ergab, dass junge Mädchen das Pad gerne in besonders fester Qualität wollen. Fast alle Pads in unserem Test bestehen aus reiner Baumwolle. Die Wattehersteller müssen dabei nicht etwa mit der Textilindustrie konkurrieren, sondern bekommen Fasern aus den Spinnereien, die für Kleidung weniger geeignet sind.

Beim Anbau und der Aufbereitung von Baumwolle kommt viel Chemie zum Einsatz

Sowohl beim Anbau von Baumwolle als auch bei der Reinigung und Aufbereitung von Fasern kommt jede Menge Chemie zum Einsatz. Wir wollten deshalb wissen, ob Schadstoffe in den Pads stecken, die schließlich direkt mit der empfindlichen Haut in Berührung kommen. 21 verschiedene Wattepads aus Drogerien, Discountern und Supermärkten – fünf davon in Bio-Qualität – gingen in die von uns beauftragten Labore.

Das Testergebnis

■ … könnte kaum besser sein. Die meisten Produkte bekommen die Bestnote „sehr gut“, zwei sind „gut“.
■ Nur in denBellecare Watte pads wies das von uns beauftragte Labor optische Aufheller nach. Zwar waren lediglich die drei Pads betroffen, die oben in der Verpackung lagen; die restlichen 77 in der derselben Packung waren nicht betroffen. Dennoch: Der Kunde erwartet durchgängig gute Qualität.

In den meisten Wattepads stecken erfreulicherweise keinerlei bedenkliche Inhaltsstoffe

■ Viele Hersteller schreiben auf die Verpackung: Chlorfrei gebleicht. Das stimmt, es waren diesbezüglich keinerlei Rückstände nachweisbar. Die Bleiche wird heute mithilfe von Sauerstoff gemacht.
■ Auch weitere bedenkliche und umstrittene Schadstoffe, die während der Aufbereitung und Verarbeitung in die Fasern gelangen können, etwa Formaldehyd oder der ebenfalls umstrittene Ersatzstoff Glyoxal, wurden in keinem Produkt nachgewiesen.
■ Alle Hersteller von Wattepads in Bio-Qualität werben mit einer kompostierbaren Verpackung. Die Idee ist gut, aber in der Praxis funktioniert sie nicht. In hoch automatisierten industriellen Kompostierwerken sind die abbaubaren Folien maschinell nicht erkennbar und werden – wie reine Kunststofffolien auch – zum großen Teil gleich aussortiert. Die Stückchen, die es in den Kompost schaffen, verrotten – verglichen mit anderem organischen Material – zu langsam und werden später aussortiert.
■ In vier Produkten stecken die optischen Aufheller in den Bändern der Verpackung, an denen man diese aufhängen kann. Weil sie die Umwelt belasten, werten wir auch das ab.
Hella Hansen

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140.
Anmerkungen: 1) Optische Aufheller in der Verpackung. Betroffen ist jeweils das Band zum Aufhängen und/oder Verschließen der Verpackung. 2) Laut Anbieter wird aktuell die Gestaltung relauncht. Dabei ändert sich lediglich das Design, an der Produkt- und Verpackungsqualität ändert sich nichts. Die neu gestalteten Wattepads – zu erkennen an einem Schmetterling auf der Verpackung – befinden sich bereits in vielen Verkaufsstellen. 3) Laut Anbieter ist die Produktqualität überarbeitet und verbessert worden. Gleichzeitig hat ein Relaunch der Verpackung stattgefunden, zu erkennen an einem Schmetterling auf der Verpackung und der Duo-Qualität. Bei Redaktionsschluss waren beide Angebotsformen im Handel. 4) Laut Anbieter wird das Produkt unter anderem in Österreich, aber nicht in Deutschland vertrieben. Da ÖKO-TEST es aber in Deutschland gekauft hat, beziehen

Unsere Empfehlungen

Viele Hersteller bieten ihre Produkte in sogenannter Duo-Qualität an. Eine Seite ist leicht geprägt und soll perfekt zum Abschminken geeignet sein. Die andere, ungeprägte glatte Seite soll man zum Auftragen von Cremes und Lotionen benutzen. Allerdings: Wenn das Pad durch Reinigungslotion oder Wasser nass wird, verschwindet die Prägung größtenteils. Einfache Qualitäten reichen also.
Körperlotion kann problemlos mit der Hand auf die Haut aufgetragen werden. Dazu braucht man keinen Wattepad.
Zum Entfernen von Augen-Make-up gibt es auch bereits mit Reinigungslösung getränkte Pads. Hautärzte empfehlen zum Abschminken aber trockene Pads und ein parfumfreies Baby-, Körper- oder Gesichtsöl. Zur Nachreinigung nimmt man eine milde Waschlotion.

Handelspartner wie der Müller Drogeriemarkt das Produkt im Ausland. 5) Angebotsform im Test: 60 Stück. 6) Angebotsform im Test: 70 Stück. 7) Angebotsform im Test: 80 Stück. 8) Angebotsform im Test: 120 Stück. 9) Angebotsform im Test: 200 Stück. 10) Verpackung ausgewiesen als kompostierbar oder biologisch abbaubar. 11) Das Produkt hat auf einer Seite eine Vliesauflage aus Viskose- und Polyesterfasern.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: Optische Aufheller im Produkt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) optische Aufheller in der Verpackung; b) Eine Verpackung, die als kompostierbar und/oder biologisch abbaubar bezeichnet wird. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochene) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden: Optische Aufheller im Produkt und in der Verpackung: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Formaldehyd: DIN EN 645, Kaltwasserextraktion nach DIN 645, Bestimmung nach EN 1541, fotometrisch. Glyoxal: DIN 54603, Kaltwasserextraktion, fotometrische Bestimmung. Halogenorganische Verbindungen: Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes. Pestizide: GC/MS-Pestizidscreening: ASU § 64 LFGB L00.00-34; LC/MS/MS-Screening: ASU § 64 LFGB L00.00-113. Phenoxycarbonsäuren: saure Extraktion, LC/MS/MS. PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Steht bei Analyseergebnissen „nein“ bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Einkauf der Testprodukte: Januar 2011
Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Zum ersten Mal testet ÖKO-TEST Wattepads. Meistens sind sie aus reiner Baumwolle, manchmal ist die auch kombiniert mit Kunst- oder Holzfasern, um eine höhere Festigkeit zu erlangen. Zusätze wie Aloe vera sollen die Pads hautfreundlicher machen. Wir haben uns für die schnörkellose, reine Baumwollvariante entschieden. Die gibt es inzwischen auch schon aus Bio-Baumwolle. Klar dass wir dieses neue Marktsegment auch berücksichtigt haben.

Die Inhaltsstoffe

Die Produkte sind blütenweiß. Deshalb hat das von uns beauftragte Labor geprüft, ob dabei optische Aufheller im Spiel sind. Sie können im direkten Hautkontakt mit gleichzeitiger Sonneneinstrahlung allergische Reaktionen hervorrufen. Halogenorganische Verbindungen bleiben möglicherweise als Rückstände aus der Bleiche zurück. Da der Baumwollanbau bekannt ist für reichlichen Einsatz von Spritzgiften, ließen wir die Pads stichprobenmäßig auf ein Spektrum von über 500 Insekten-, Unkraut- und Pilzvernichtungsmitteln untersuchen. Bereits 49 Prozent der weltweiten Anbaufläche von Baumwolle sind gentechnisch verändert. Daher wollten wir die Produkte eigentlich auch auf gentechnisch veränderte Bestandteile untersuchen lassen. Das klappte aber leider nicht, weil das Ausgangsmaterial zur Untersuchung – die DNA – gar nicht zu finden war. Das liegt daran, dass die Pads hoch verarbeitet sind. Zudem werden auch bei der Reinigung und Aufbereitung und zum Verfestigen der Baumwollfasern allerlei Chemikalien eingesetzt. Sie können zum Beispiel Rückstände von krebsverdächtigem Formaldehyd oder dem ebenfalls stark umstrittenen Ersatzstoff Glyoxal hinterlassen.

Die Bewertung

Anders als normale Watte fusseln die Pads nicht. Das schaffen die Hersteller durch unterschiedliche Faserlagen und ultrafeine Wasserstrahlen, die das Gewebe sanft verfestigen. Weil die Unterschiede in der Reißfestigkeit und Reinigungsleistung minimal sind, haben wir uns auf die Prüfung möglicher Schadstoffe konzentriert. Uns kommt es darauf an, ob durch das Abschminken mit verunreinigten Wattepads Schadstoffe auf die Haut gelangen können.
Die beauftragten Labore fanden nur optische Aufheller. Im Hautkontakt werden sie strenger abgewertet, als wenn sie im Bändchen der Verpackung stecken. Die Bio-Produkte werden in kompostierbaren, biologisch abbaubaren Verpackungen angeboten. Weil das gut gemeinte Konzept in der Praxis nicht funktioniert, werten wir das unter Weitere Mängel ab.

Trend zu Bio

Die Bio-Wattepads sind noch ein Nischenprodukt, kommen aber von immer mehr Firmen auf den Markt. Sie kosten drei bis vier Mal mehr als die günstigen Varianten. Alle Anbieter kontrollieren die Bio-Rohware nach international anerkannten Richtlinien wie die EG-Öko-Verordnung oder dem Global Organic Textile Standard (GOTS). Der teuerste Anbieter Bocoton bietet zusätzlich Fairtradequalität. Auf der Verpackung vonBel Nature Bio-Wattepads ist das nicht angegeben, die Firma Consumer Medical Care teilte uns aber mit, dass Produktionsstätten und Prozesse Fairtrade-zertifiziert sind. Die anderen Firmen gaben an, nach dem Standard SA 8000 zu produzieren. Er legt ein Mindestmaß an Arbeits-, Gesundheits- und Sicherheitstandards fest, die aber weit unter den Anforderungen von Fairtrade liegen.

Foto: Sergey Yarochkin/Fotolia.com