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TEST WC-Reiniger: Wie reizend!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 29.07.2021

RATGEBER

1 Mehr als die Hälfte der WC-Reiniger bewerten wir mit „sehr gut“ und „gut“. Von Produkten mit besonders aggressiven Säuren oder Desinfektionsmitteln raten wir ab.

2 Empfehlenswert sind Produkte mit Messskalen auf der Flasche. Dadurch ist es möglich, kontrolliert und sparsam zu dosieren.

3 Es gibt viele Hausmittel, um gegen hartnäckigen Kalk- und Urinstein vorzugehen und ihm vorzubeugen. Tipps hierzu ab Seite 100.

Artikelbild für den Artikel "TEST WC-Reiniger: Wie reizend!" aus der Ausgabe 8/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Illustration: Alano Design/Shutterstock

Urinstein. Schon das Wort klingt nicht besonders appetitlich. Die Ablagerung entsteht durch eine chemische Reaktion des Kalks im Spülwasser mit dem Urin. Verunreinigt er erst einmal die Sanitärkeramik, ist er – ebenso wie Kalkränder – nur schwer aus der Klosettschüssel wieder wegzubekommen.

WC-Reiniger enthalten deshalb Säuren, die je nach Stärkegrad als ätzend oder reizend gekennzeichnet sind. ÖKO-Test hat 20 WC-Reiniger, allesamt zähflüssig ...

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... oder gelförmig, eingekauft und in die Labore geschickt. Wir wollten nicht nur wissen, welche Säuren oder problematischen Inhaltsstoffe in den Mitteln stecken, sondern auch, wie praxistauglich sie sind.

Aggressive Säuren

Zwölf Mittel im Test enthalten mit Salz-, Sulfamid-oder Ameisensäure einen Hauptwirkstoff, den ÖKO-TEST abwertet. Es handelt sich um relativ aggressive Säuren, wobei Salz-und Sulfamidsäure deutlich saurer reagieren als Ameisensäure. Bei falscher Anwendung können diese Stoffe Reizungen oder Verätzungen der Haut und Augenschäden verursachen.

Klar – sie wirken gegen Kalk- und Urinstein. Aber es gibt bessere, mildere Alternativen. Auch Mittel, die Zitronen- und Milchsäure enthalten, schnitten im Praxistest teils „gut“ ab. Zudem bauen sich diese Säuren in der Kläranlage und in der Umwelt besser ab. Das Umweltbundesamt rät vor dem Gebrauch von Reinigern mit Salzsäure ab. Sulfamidsäure ist als langfristig schädlich für Wasserorganismen eingestuft.

Unnötige Desinfektionsmittel

Etliche Reiniger werben damit, „99,9 Prozent der Bakterien“ zu entfernen. Das 00 Null Null WC Aktiv Gel 4 in 1 Fresh Green und das WC Ente Total Aktiv Gel Marine, beide mit Ameisensäure, enthalten als Desinfektionsmittel etwa Benzalkoniumchlorid. Der Stoff kann die Haut reizen und Allergien auslösen. Dabei sind Desinfektionsmittel in WC-Reinigern kein Muss. Eine absolut keimfreie Kloschüssel hilft nicht viel, die Bakterien in der Kloschüssel machen nicht krank. Viel wichtiger ist es, nach dem „Geschäft“ die Hände zu waschen. Für den Fall, dass es in der Familie tatsächlich einmal mal eine ansteckende Krankheit geben sollte, gibt es für die Klobrille spezielle Desinfektionsmittel. Auch der Sagrotan WC-Reiniger Ozeanfrische und das Domestos Aktiv Kraft WC Gel Ocean Fresh werben mit desinfizierender Wirkung. In ihnen wirken die enthaltene Salzbzw. Sulfamidsäure als Bakterientöter.

„Desinfektionsmittel im WC-Reiniger sind unnötig. Viel wichtiger ist: Hände waschen.“

Frank Schuster ÖKO-TEST-Redakteur

Gute Reinigung – auch ohne Salzsäure

Wir wollten wissen: Wie gut beseitigen die Reiniger Ablagerungen von Kalk und Urinstein? Um das herauszufinden, mussten die Mitarbeiter im Praxislabor keine Kloschüsseln sauber schrubben. Sie untersuchten das Kalklösevermögen anhand von Carrara-Marmor, der von Natur aus aus Kalkgestein, hauptsächlich Calcit und Dolomit, besteht. Sie tunkten Marmorplatten in die Reiniger ein und wogen nach zehn Minuten den Abtrag von Calciumcarbonat (Kalk). Die Ergebnisse klafften weit auseinander: von fünf Mal „sehr gut“ bis zwei Mal „mangelhaft“.

Auffällig: Die Art der Säure spielt für die Reinigungskraft nur bedingt eine Rolle. Ein „sehr gut“ im Kalklösevermögen erreichten zwar nur Produkte mit Salzoder Ameisensäure. Aber zwei Reiniger, die einen Mix aus Zitronen- und Milchsäure enthalten, erzielten immerhin ein „gut“. Die beiden „mangelhaften“ Schlusslichter 00 Null Null und WC Ente beinhalten wiederum Ameisensäure.

Haften und benetzen

Damit ein WC-Reiniger gut wirkt, muss er möglichst lange unter dem Rand und in der WC-Schüssel haften und nicht gleich wieder herunterlaufen. Das ist auch der Grund, weshalb die Reiniger zähflüssig bis gelförmig sind. Damit ein Mittel gut säubert, darf es aber nicht zu zäh sein. Es muss das Klosett möglichst großflächig benetzen – einen Spagat, den ein guter Reiniger erbringen muss. Das Haftverhalten der Produkte simulierte das Labor an schräg befestigten Keramikfliesen. Mitarbeiter beträufelten sie mit Reiniger und bestimmten über einen Zeitraum von fünf Minuten in Abständen von jeweils sechzig Sekunden die Menge der abtropfenden Flüssigkeit. Zugleich bewerteten sie, wie viel Prozent der Fliese sie benetzten, und begutachteten das Fließverhalten. In puncto Haft- und Benetzungsverhalten konnte kein Produkt klar überzeugen. Der Ecover WC-Reiniger Citrusfrische erreichte immerhin ein „gut“. Alle anderen erzielten ein „befriedigend“ oder „ausreichend“.

Illustration: Anatolir/Shutterstock

Keine Schäden an der WC-Keramik

Säuren? Schädigen die reizenden bis ätzenden Zutaten nicht die Sanitärkeramik? Hier können wir Entwarnung geben. Um die Materialverträglichkeit zu testen, ließ das Labor alle Produkte 24 Stunden lang auf Keramik einwirken. Es gab keine sichtbaren Veränderungen, weshalb alle Reiniger in diesem Punkt ein „sehr gut“ bekommen.

Deklaration mit Lücken

Vier Reiniger führen auf der Verpackung nicht einmal auf, welche Säure sie enthalten. Um das herauszufinden, muss man schon im Internet nach dem Detergentienblatt oder der Inhaltsstoffliste suchen. Bezeichnungen wie „Lemon“ und „Zitrone“ im Produktnamen geben häufig nur die Duftnote an. Rechtlich ist eine Volldeklaration auf der Verpackung zwar nicht verpflichtend. Aber nicht mal die Art der Säure preiszugeben ist aus Sicht von ÖKO-TEST für Verbraucher wenig zufriedenstellend. Ebenfalls kritikwürdig: Hinweise zur sparsamen, nachhaltigen Anwendung sind selten. Sie finden sich gerade einmal auf rund einem Viertel der Produkte.

Ganz schön ätzend

Vorsicht, Säure!

WC-Reiniger enthalten scharfe Säuren. Sie müssen je nach Säureart und pH-Wert mit „ätzend“ oder „reizend" gekennzeichnet sein. Bei unsachgemäßer Anwendung können sie Haut und Augen schädigen oder die Atemwege reizen.

Haushaltshandschuhe tragen

Beim Hantieren mit den Reinigern können Spritzer an die Hände gelangen und durch Reiben in die Augen. Deshalb vorsichtshalber Haushaltshandschuhe tragen.

Nicht mischen!

Niemals zwei verschiedene Mittel gleichzeitig verwenden. Treffen säurehaltige Reiniger auf Mittel auf Chlorbasis, kann es zu gefährlichen chemischen Reaktionen kommen.

Gründlich waschen

Gelangt etwas von dem Reiniger an die Haut: Mit viel Wasser und Seife waschen. Bei Kontakt mit den Augen: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen.

Nicht in Kinderhände

Auch wenn die Reiniger einen Sicherheitsverschluss tragen: Die Behälter so aufbewahren, dass Kinder nicht drankommen.

So haben wir getestet

Wir haben 20 WC-Reiniger eingekauft, allesamt zähflüssig oder gelförmig. In einem Praxistest ließen wir sie auf ihre Gebrauchseignung prüfen. Ein Labor untersuchte das Kalklösevermögen anhand von Marmor, der aus Kalkstein besteht. In einem Test auf Grundlage der Empfehlungen zur Qualitätsbewertung des Industrieverbands für Körperpflege- und Waschmittel (IKW) tunkten die Labormitarbeiter Marmorplatten in die Reiniger ein. Nach einer Einwirkzeit bestimmten sie den Abtrag von Calciumcarbonat (Kalk). Damit ein Reiniger gut wirken kann, muss er möglichst lange am Rand und in der WC-Schüssel haften und sie möglichst großflächig benetzen. Zur Prüfung des Haft- und Benetzungsverhaltens wog das Labor die Menge des von Keramikfliesen abtropfenden Reinigers und bewertete die Größe der benetzten Fläche. Um die Materialverträglichkeit zu testen, ließ das Labor die Produkte 24 Stunden lang auf Sanitärkeramik einwirken. ÖKO-TEST-typisch ließen wir die Mittel im Labor auch auf Inhaltsstoffe wie Formaldehyd/-abspalter und halogenorganische Verbindungen prüfen. Per Deklarationen erfassten wir problematische Bestandteile wie Salzsäure, Ameisensäure und Benzalkoniumchlorid sowie umweltschädliche Phosphonate und Kunststoffverbindungen. Wir prüften, ob auf der Verpackung die Säure angegeben, Warnhinweise und Angaben zur nachhaltigen Verwendung aufgedruckt sind und ob die Flaschen einen kindersicheren Verschluss tragen. Ein Labor untersuchte die Behälter auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen. Von den Herstellern verlangten wir Belege, ob die Kunststoffverpackungen Anteile von Post-Consumer-Rezyklaten aus der Wertstoffsammlung beinhalten. Ein WC-Reiniger soll in erster Linie gut reinigen. Er sollte aber auch möglichst frei von Problemstoffen sein.